Francis Donald Klingender

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Francis Donald Klingender (* 1907 in Goslar; † 1955 in Manchester) war ein britischer Soziologe und Kunsthistoriker. Klingender galt als Marxist und früher Vertreter der Kunstsoziologie im englischen Sprachraum.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Klingenders Vater, Louis Henry Weston Klingender (1861–1950), war ein Liverpooler Tiermaler, der von 1881 bis 1894 in Düsseldorf seinen Beruf erlernt und ausgeübt hatte.[1] Seine ebenfalls britische Mutter war Florence Hoette (1944). Das Ehepaar zog nach Kronberg im Taunus, 1902 nach Goslar im Harz, wo Francis Klingender 1907 geboren wurde. Klingender war Asthmatiker und zeitlebens von schlechter Gesundheit.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde sein Vater vorübergehend unter dem Verdacht der Spionage für England interniert und in ein Lager in der Nähe von Berlin verbracht. Francis Klingender besuchte in Goslar das Gymnasium, das er 1925 mit dem Abitur abschloss.

Kurz darauf kehrte die Familie nach England zurück. Die inzwischen aus der Mode gekommenen Bilder seines Vaters ließen sich kaum mehr verkaufen, so dass allein der Sohn zum Lebensunterhalt beisteuerte. Er arbeitete tagsüber in einer Werbeagentur und besuchte abends die London School of Economics and Political Science, wo er sich auf Soziologie konzentrierte. Nach seinem Hochschulabschluss 1930 nahm er bis 1932 an dem von Sir Hubert Llewellyn Smith (1864–1945) ins Leben gerufene Sozialforschungsprojekt New Survey of London Life and Labour (NSLLL)[2] teil, das den Zweck hatte, Änderungen in den Lebensbedingungen der Arbeiterklasse seit der Pionierarbeit von Charles Booth 40 Jahre zuvor herauszuarbeiten.

1934 schloss Klingender seine Dissertation über das Leben der Londoner Arbeitskraft ab und publizierte 1935 seine Condition of Clerical Labour in Britain. Seine unpopulären Ansichten erschwerten ihm, eine akademische Anstellung zu finden. Er gab Privatunterricht und wurde Mitglied im Executive Committee der Artists' International Association (AIA).

John Grierson beauftragte ihn, den finanziellen Unterbau der britischen Filmindustrie zu prüfen. Sein Buch Money Behind the Screen (Geld hinter dem Schirm) erschien 1937 und erhielt eine kontroverse Rezeption.

Ab Anfang der 1930er Jahre, wenn nicht früher, war Klingender aktives Mitglied der britischen Kommunistischen Partei. Trotzdem waren es gesundheitlichen Gründe, warum er 1939 nicht zum Militärdienst eingezogen wurde; während des Krieges untersuchte er die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die bildende Kunst in England. Als Ergebnis veröffentlichte er 1947 Art and the Industrial Revolution (Kunst und die industrielle Revolution). Im darauf folgenden Jahr erschien Goya in the Democratic Tradition (Goya in der demokratischen Tradition), eine weitere Arbeit, die er bereits während des Krieges zu recherchieren begonnen hatte.

Ab 1948 kam Klingender als Dozent für Soziologie an der University of Hull unter, wo er sich auf britische arbeitsrechtliche Fragen konzentrierte. Hier lernte er Winifred Margaret Kaye kennen, die er 1951 heiratete. Obwohl er 1953 und 1954 auch über Ikonographie, Altarbilder und paläolithische Kunst publizierte, vollendete er kurz vor seinem Tod das Manuskript für Animals in Art and Thought (Tiere in Kunst und Gedanken), was er als sein Hauptwerk ansah und das posthum von der Ehefrau des Kunsthistorikers Friedrich Antal herausgegeben wurde.

1955 starb Francis Klingender im Alter von erst 48 Jahren an einem Asthmaanfall.

Klingender war auch Kunstsammler, seine Kollektion politischer Karikaturen und satirischer Kunst wurde posthum teilweise vom British Museum aufgekauft.[3] 1968 überarbeitete und redigierte Sir Arthur Elton (1906–1973) Klingenders Art and Industrial Revolution und publizierte es neu.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert, herausgegeben vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Verlag August Bagel, Düsseldorf 1902, S. 347, online
  2. http://www.esds.ac.uk/findingData/snDescription.asp?sn=3758
  3. http://www.britishmuseum.org/research/search_the_collection_database/search_results_provenance.aspx?searchTerm=francis

Bibliografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • The Black-coated Worker in London, 1934 (Dissertation).
  • Condition of Clerical Labour in Britain, 1935.
  • Money Behind the Screen, 1937.
  • Marxism and Modern Art: An approach to social realism, 1943 (online abrufbar)
  • Art and Industrial Revolution, 1947.
  • Goya in the democratic tradition, 1948.
  • Animals in art and thought, 1955.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grant Pooke: Francis Klingender 1907-1955: A Marxist Art Historian Out of Time.
  • Arthur Elton: Francis Donald Klingender 1907-1955. In: Art and Industrial Revolution. Augustus M. Kelley Verlag, New York, 1968, Seiten vii-xi.
  • Nachruf: Dr. F. D. Klingender. The Times (London) 12. Juli 1955, Seite 11 und Addendum von J. S. H. Dr. F. D. Klingender. The Times (London), 18. Juli 1955, Seite 11.

Webseiten[Bearbeiten]