Francis Perrin (Physiker)

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Francis Perrin (* 17. August 1901 in Paris; † 4. Juli 1992 ebenda) war ein französischer Physiker.

Perrin war der Sohn des Physik-Nobelpreisträgers Jean-Baptiste Perrin und studierte an der École normale supérieure, wo er 1920 sein Lizenziat in Physik und Mathematik erhielt und 1922 Agrégé des sciences physiques wurde. 1928 wurde er an der Faculté des Sciences in Paris promoviert über die Theorie der Brownsche Bewegung (was auch das Forschungsthema seines Vaters war). Danach war er am College de France und 1933 Maitre de conferences an der Sorbonne und wurde Sekretär der französischen physikalischen Gesellschaft. 1935 erhielt er den Professorentitel (ohne Lehrstuhl). In den 1930er Jahren beschäftigte er sich mit Uranspaltung, wobei er mit der Gruppe von Frederic Joliot-Curie zusammenarbeitete. 1938 erkannte er die Möglichkeit einer Kettenreaktion bei der Uranspaltung und schätzte die kritische Masse auf 44 Tonnen, mit Neutronenreflektoren auf 13 Tonnen, ein Wert, der bald darauf von Rudolf Peierls in England weiter nach unten korrigiert wurde (aber immer noch in den Bereich von Tonnen)[1] Während der Besetzung Frankreichs ging er wie sein Vater nach England und dann in die USA, wo er 1941 bis 1943 Gastprofessor an der Columbia University war. Von 1946 bis 1972 war er Professor für Atom- und Molekülphysik am College de France. 1958 war er Präsident der Internationalen Genfer Konferenz über friedliche Nutzung der Kernenergie. Er war auch in verschiedenen CERN Komitees und in den Internationalen Solvay Komitees für Physik (1933 und 1951 bis 1974).

Ab 1951 war er als Nachfolger von Frederic Joliot-Curie (der den Posten verlor, da er gegen militärische Forschung zu Kernwaffen war und außerdem Sympathisant der Kommunisten) französischer Hochkommissar für Atomenergie (CEA, Commissariat de l energie atomique), was er bis 1970 blieb. In dieser Zeit war er an der Organisation der damals geheimen Entwicklungsarbeiten für eine eigene französische Atombombe maßgeblich beteiligt. Am 3. Februar 1960 erfolgte die erste Explosion einer französischen Kernwaffe in der Sahara.

Er entdeckte 1972 den Naturreaktor Oklo, als ihm in einer französischen Urananreicherungsanlage ein anormal niedriger Anteil von Uran 235 in den Erzen der Mine von Oklo auffiel.

Er war in Frankreich Präsident der Union der Atheisten (Union des Athées). Er war Mitglied der Academie des Sciences (1953) und korrespondierendes Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1954), sowie der brasilianischen, spanischen und serbischen Akademien der Wissenschaften. 1952 wurde er Ehrendoktor in Uppsala und 1972 der Columbia University. 1970 erhielt er das Großkreuz der Ehrenlegion und 1967 den Ordre national du Mérite.

Perrin war mit der Schwester von Pierre Auger, Colette Auger, verheiratet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rhodes The making of the atomic bomb,Touchstone Books 1986, S. 321