Francis Ponge
Francis Ponge (* 27. März 1899 in Montpellier; † 6. August 1988 in Le Bar-sur-Loup (Alpes-Maritimes)) war ein französischer Schriftsteller.
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Leben [Bearbeiten]
Ponge studierte Jura in Paris und Strasbourg. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er in Frankreich als Verleger und Journalist, hatte Verbindungen zu den Surrealisten und trat 1937 der Kommunistischen Partei Frankreichs bei, aus der er 1947 wieder austrat. Nach einem kurzen Aufenthalt in Algerien kehrte er nach Frankreich zurück, wo er von 1952 bis 1965 als Professor an der Alliance Française tätig war. 1974 erhielt er den Neustadt International Preis für Literatur. Er starb 1988 in Le Bar-sur-Loup.
Ponges Poetik [Bearbeiten]
Ponge rückt in seinen Texten die Dinge ins Zentrum. Es kann sich dabei um einen Kieselstein oder eine Magnolie, um eine Auster oder eine Kerze, einen Korb oder eine Seife handeln. Es gibt nichts, was nicht dazugehören könnte. Bei der Beschreibung (oder besser gesagt Evokation) dieser Dinge benutzt er eine Sprache, in der sich wissenschaftliche Präzision mit Dichtung und Lautmalerei vermengt. Nüchternheit und Poesie spielen dabei ineinander. Ponge will die Dinge nicht preisen und besingen, sondern sprachlich zum Leben erwecken. Dass die Dinge immer schon Namen besitzen, die wir als Kinder erlernen, ist in seinen Augen nicht nur schön und nützlich, sondern auch ein Fluch. Denn wir können sie dadurch nicht mehr unvoreingenommen sehen. Ein Maler dagegen kann sie einfach zeigen und dadurch unsere Sinne für deren Eigenarten schärfen. Je genauer wir hinschauen, desto mehr Besonderheiten entdecken wir an ihnen. So kann das Meer, wenn man es vom Ufer aus betrachtet, reichlich einförmig aussehen, sich jedoch bei genauerem Hinsehen in ein 'Ding' voller verschiedener Formen und Farben verwandeln. Weshalb Francis Ponge in Das Notizbuch vom Kiefernwald (Le Carnet du bois de pins) erklärt: "Meine Arbeit sei die einer ständigen Berichtigung meines Ausdrucks ... zugunsten des rohen Objekts."
Auf der einen Seite interessiert Ponge das Ding als solches, so wie es ist, auf der anderen Seite interessiert ihn der Bezug, den wir zu ihm besitzen. So sagt er beispielsweise von der Seife: "Wenn ich mir die Hände damit einreibe, schäumt die Seife, jubelt sie." Auf diese Weise beginnen die Dinge zu leben. Doch sie besitzen auch ein Eigenleben. Was sich schon daran zeigt, dass Kinder bestimmte Dinge nicht nur als Gegenstände, sondern als Wesen wahrnehmen, die ein Eigenleben führen, indem sie - wie etwa im Fall einer knarrenden Tür - Geräusche von sich geben oder - wie es beim Wasser der Fall sein kann - Blasen bilden.
So wie Ponge die einzelnen Dinge in den Blick rückt und sich nicht über das Große und Ganze auslässt, so beschränkt er sich auch auf kleine literarische Formen. In seiner 1965 erschienenen Schrift Pour un Malherbe erklärt er: "Schon seit meiner Kindheit kommt es mir so vor, als müssten sich die allein gültigen Texte in einen Stein eingravieren lassen."
Werke (Auswahl) [Bearbeiten]
- L' opinion changée quant aux fleurs. Dossier im Faksimile: Änderung der Ansicht über Blumen. Basel, Engeler 2005, ISBN 3-905591-92-8
- Malherbarium. Klagenfurt, Ritter 2004, ISBN 3-85415-337-6
- Schreibpraktiken oder die stetige Unfertigkeit. München, Hanser 1999, ISBN 3-446-14849-3
- Das Notizbuch vom Kiefernwald und La Mounine. Dt. von Peter Handke. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1995, ISBN 3-518-01774-8
- Die Seife. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1993, ISBN 3-518-22134-5
- Gnoske des Vorfrühlings. St. Gallen, Erker 1990, ISBN 3-905-54601-8 (formal falsche ISBN)
- Texte zur Kunst. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1990, ISBN 3-518-22030-6
- Einführung in den Kieselstein und andere Texte. Frankfurt am Main, S.Fischer 1986, ISBN 3-10-062403-3
- Die Kunst der Feige. Bremen, Verlag Bettina Wassmann 1984 ISBN 3-9800243-6-9.
- Der Tisch, ein Textauszug., aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Walter Seitter, Ritter Verlag, Klagenfurt/Graz/Wien 2011, ISBN 978-3-85415-474-7.
Literatur [Bearbeiten]
- Chris Andrews: Poetry and cosmogony : science in the writing of Queneau and Ponge. Rodopi, Amsterdam 1999, ISBN 90-420-0567-X
- Bernard Beugnot: Poétique de Francis Ponge : le palais diaphane. PUF, Paris 1990, ISBN 2-13-042747-2
- Entretiens de Francis Ponge avec Philippe Sollers. Gallimard/Editions du Seuil, Paris 1970
- Dorothee Kimmich: Lebendige Dinge in der Moderne. Konstanz, Konstanz University Press 2011, ISBN 978-3-86253-008-3
- Michèle Monte/ André Bellatorre: Le printemps du temps : poétiques croisées de Francis Ponge et Philippe Jaccottet. Aix-en-Provence, Publications de l'Université de Provence 2008, ISBN 978-2-85399-689-1
- Michel Peterson (Hg.): Francis Ponge. In der Reihe Oeuvres & Critiques. Verlag Narr, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-9970-5
- Jean Pierrot: Francis Ponge. Corti, Paris 1993, ISBN 2-7143-0484-2
- Christian Prigent: La 'besogne' des mots chez Francis Ponge. In: Littérature 29/1978, S. 90-97
Blogspot [Bearbeiten]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ponge, Francis |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 27. März 1899 |
| GEBURTSORT | Montpellier, Frankreich |
| STERBEDATUM | 6. August 1988 |
| STERBEORT | Le Bar-sur-Loup |