Francis Willoughby, 5. Baron Willoughby of Parham

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Dieser Artikel behandelt den englischen Adligen Francis Willoughby; zum gleichnamigen Naturforscher siehe Francis Willughby.
Francis Willoughby, 5. Baron Willoughby of Parham

Francis Willoughby, 5. Baron Willoughby of Parham (* 1605 in Suffolk; † 23. Juli 1666 im Karibischen Meer) war ein englischer Adliger, Mitglied des House of Lords und Kolonisator von Suriname.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Willoughby war der zweitälteste Sohn von William Willoughby, 3. Baron Willoughby of Parham, und Francis Manners, einer Tochter von John Manners, 4. Earl of Rutland. Nachdem sein Vater 1617 und sein älterer Bruder im Jahr darauf gestorben waren, erbte er den Titel Baron Willoughby of Parham. In der Zeit des Englischen Bürgerkrieges zwischen dem Lordprotektor Oliver Cromwell und dem Königshaus lief er zum falschen Zeitpunkt von den Parlamentariern zu den Royalisten über. Nachdem das Parlament seine Besitztümer beschlagnahmt hatte, reiste er nach Barbados. Zu der Karibikinsel hatte er bereits geschäftliche Verbindungen. Außerdem war er im Mai 1650 durch Karl II. zum Gouverneur von Barbados ernannt worden.

Barbados, Suriname[Bearbeiten]

Da auf Barbados für die dorthin geflüchteten Royalisten nicht mehr genügend Land verfügbar war und sich dort der Machtkampf zwischen den beiden Lagern fortsetzte, rüstete Willoughby noch im Jahre 1650 ein Schiff unter Leitung von Sergeant Major Anthony Rowse aus. Ziel und Auftrag der Expedition war, die nur ein paar Tage entfernt liegende Nordküste von Südamerika zu erkunden und einen geeigneten Platz für eine Ansiedlung zu finden. Rowse und seine Besatzung fanden diesen Platz am heutigen Suriname-Fluss. Willoughby schrieb am 6. August 1651 über die Expedition begeistert an seine Frau:„ Es ist alles nach Wunsch verlaufen. Wir haben den schönsten Platz gefunden, den man je gesehen hat, mit feinsten Flüssen und stattlichsten Bäumen. Von den 50 Männern, die fast 5 Monate unterwegs waren, hatte nicht einer Kopfschmerzen gehabt. Sie lobten alle die klare Luft, und das Wasser war so rein und schmackhaft, wie sie es vorher noch nie erlebt hatten. Sie speisten fünf mal am Tag jede Menge Fisch und Geflügel, ungezählte Rebhühner und Fasane. Es gibt stattliche Savannen, wo man mit der Kutsche oder zu Pferde 40 bis 50 Meilen weit ausreiten kann.“ Weiter teilte er über seine Pläne mit:„ Deshalb sende ich einige hundert Leute dorthin, um es in Besitz zu nehmen. Ich habe keine Zweifel daran, dass in ein paar Jahren Tausende dort siedeln werden.“

Noch im selben Jahr begann unter dem Kommando von Rowse die erste dauerhafte Kolonisierung von Suriname mit etwa 300 Emigranten aus Barbados. Da viele von ihnen bereits Erfahrung mit tropischem Landbau hatten, bauten sie dort erst Tabak und später Zuckerrohr an. Mit den Siedlern betraten wahrscheinlich auch die ersten Sklaven aus Afrika surinamischen Boden.

Willoughby-Land[Bearbeiten]

Nach dem Tode von Oliver Cromwell und der Restauration von Karl II. 1660 machte Willoughby umgehend seine Ansprüche geltend. Für seine treuen Dienste wurden ihm dann auch im Juni 1663 von Karl II. die Provinz „Willoughby-Land“, dass Gebiet zwischen dem Coppename und dem Marowijne zuerkannt (also ein kleineres Gebiet als das heutige Grundgebiet von Suriname). Das „Willoughby-Land“ hatte allerdings einen überraschenden zweiten Eigentümer, Laurence Hyde. Hyde hatte bisher keinerlei Verbindungen zu Westindien. Er war jedoch der Sohn des mächtigen Edward Hyde, 1. Earl of Clarendon.

Nach einer Karte von 1667 sollen im Jahre 1663 entlang des Suriname-Flusses bereits 4000 Siedler einschließlich Sklaven auf 175 Plantagen verteilt gelebt haben. Die Vorhersage von Willoughby war also eingetroffen.

Über die damalige Hauptstadt Torarica schreibt Georg Warren, der 1667 nach Suriname gereist war, Torarica besteht aus ungefähr 100 Häusern mit einer Kapelle. Vor der Stadt befindet sich eine schöne Bucht oder Hafen, groß und weit genug als Reede für 100 Schiffe.

Willoughby selbst war nur zweimal im „Willoughby-Land“: 1652, um die Verteidigung zu organisieren, sowie im November 1664 als neuer beurkundeter Eigentümer. Er betrieb hier tatsächlich eine Zuckerrohr-Plantage, flussaufwärts von Torarica, ebenfalls am linken Ufer des Suriname-Flusses, auf alten Karten als Parham Hill angegeben.

Tod[Bearbeiten]

Willoughby ertrank 1666 auf der Reise von Barbados nach St. Kitts, als sein Schiff in einen Hurrikan geraten war und sank. Die Eroberung von Willoughby-Land durch den Seeländer Abraham Crijnssen hat er also nicht mehr erlebt.

Da er ohne überlebenden männlichen Abkömmling verstarb, fiel die Baronie an seinen jüngeren Bruder.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aphra Behn: Oroonoko or, the Royal Slave. London 1688, unter dem Deutschen Titel: Leben- und Liebes-Geschichte des Königlichen Sklaven Oroonoko in West Indien. Hamburg 1709 erschienen.

Dieser Roman beschreibt diese Zeit der Kolonisierung; es ist die erste romantische Geschichte, bei der Suriname der Ort der Handlung ist.

  • C.F.A. Bruijning und J. Voorhoeve (red.): Encyclopedie van Suriname. Amsterdam und Brüssel 1977, Seite 678 , B.V. Uitgeversmaatschappij Argus Elsevier; ISBN 90-10-01842-3.
  • G.W. van der Meiden: Betwist bestuur. Een eeuw strijd om de macht in Suriname 1651–1753. © De Bataafsche Leeuw, Amsterdam 1987; ISBN 90-6707-133-1.

Siehe auch[Bearbeiten]