Francisco Guterres

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Francisco Lú-Olo Guterres (2007)

Francisco Lú-Olo Guterres (* 7. September 1954 in Ossu, Distrikt Viqueque)[1] ist der Vorsitzende der FRETILIN, der größten Partei Osttimors. Von 2001 bis 2012 war er Mitglied des Nationalparlaments.

Leben[Bearbeiten]

Guterres besuchte von 1963 bis 1969 die St. Terezinha Schule der Salesianer Don Boscos in Ossu. 1969 wechselte er an das Gymnasium von Dili. 1973 kam er für ein Jahr zurück nach Ossu als Betreuer seiner ehemaligen Schule.[1] 1974 setzte er sein Studium in Dili fort.

Guterres trat 1975 der Unabhängigkeitsbewegung Associação Social Democrática Timorense ASDT, der späteren FRETILIN bei. Als die Indonesier im Dezember desselben Jahres in Osttimor einmarschierten, schloss sich Guterres dem bewaffneten Widerstand an und kämpfte zunächst in Ossu unter dem Kommando von Lino Olokassa. Bis 1999 übernahm Guterres verschiedene Posten und Kommandos für die FRETILIN und deren militärischen Arm FALINTIL. 1976 wurde er nach der Gefangennahme von Francisco da Silva sein Nachfolger als FRETILIN-Sekretär für die östliche Küstenregion in Matebian, 1978 delegierter Kommissar für die Region Ponte Leste und 1984 Nationaler Politkommissar. 1987 verließ der Parteivorsitzende Xanana Gusmão die FRETILIN, um politisch neutral den Vorsitz der neuen Dachorganisation aller Unabhängigkeitsparteien Osttimors zu übernehmen, des Conselho Nacional de Resistência Maubere CNRM, dem späteren CNRT. Die FALINTIL wurde dem CNRM unterstellt und die Führung in der FRETILIN übernahm 1988 ein Direktivkomitee. Guterres wurde einer von drei Stellvertretern von Ma'huno Bulerek Karathayano, dem Sekretär des Direktivkomitees der FRETILIN (CDF). Nach dem Tod von Nino Konis Santana 1998 übernahm Guterres den Sekretärsposten im CDF. Nach dem Rücktritt des indonesischen Diktators Suharto bestimmte ein FRETILIN-Kongress in Sydney im August Guterres zum Generalkoordinator des Präsidialrates der FRETILIN, dem nun höchsten Amt in der Partei. Im CNRT übernahm Guterres 1998 die Ämter als Sekretär für politische Angelegenheiten und Mitglied im Nationalen Politischen Rat und Politisch-Militärischen Rat. Anfang 1999 versteckte sich Guterres in einem Haus der FRETILIN in Dili. Da die indonesische Armee sehr aktiv war, ging er dann aber nach Uai-Mori. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999, bei dem Guterres in Liaruca seine Stimme abgab, ging Guterres in das Sammellager für FALINTIL-Kämpfer erst in Remexio, dann in Aileu, wo er bis zum Abzug der Indonesier blieb.[1]

Lú-Olo bei einem Wahlkampfauftritt 2007

Nachdem der Weg zur Unabhängigkeit frei war, organisierte Guterres den Wiederaufbau der FRETILIN zu einer demokratischen Partei. Am 15. Juli 2001 wurde er mit 89 % zum Vorsitzenden der Partei gewählt (Wiederwahl Mai 2006 und August 2011), zwei Monate später, zum Vorsitzenden der Konstituierenden Versammlung Osttimors. Nach der endgültigen Unabhängigkeit des Landes am 20. Mai 2002, bei der um Mitternacht Guterres die Deklaration der Wiederherstellung der Demokratischen Republik Osttimor verlas, wandelte sich diese in das Nationalparlament um, und Guterres wurde zum Parlamentspräsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis zur ersten Sitzung des neuen Parlaments nach den Wahlen vom 30. Juni 2007 inne. Sein Nachfolger wurde Fernando de Araújo von der Partido Democrático. 2007 und 2012 kandidierte Guterres erneut für das Nationalparlament Osttimors auf dem ersten Listenplatz der FRETILIN. Trotz seines Einzugs in das Parlament, trat er den Abgeordnetensitz nicht an.[2][3]

Bei den Wahlen zum Staatspräsidenten am 9. April 2007 trat Guterres für die FRETILIN an. Beim ersten Wahlgang konnte er mit 27,89 % die meisten Stimmen auf sich vereinen. Bei der Stichwahl am 9. Mai verlor er jedoch gegen den bisherigen Premierminister José Ramos-Horta mit 31 % gegen 69 % der Stimmen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 am 17. März trat Guterres erneut als Kandidat der FRETILIN an und belegte erneut den ersten Platz, ohne mit 28,76 % die absolute Mehrheit zu erreichen. In der Stichwahl trat Guterres am 16. April gegen den zweitplatzierten Taur Matan Ruak an, verlor diese aber deutlich.

Seit 2005 studiert Guterres Jura in einem Programm der Stiftung der Portugiesischen Universitäten (FUP). Seine Zulassung als Rechtsanwalt sollte er im April 2012 erhalten.

Familie[Bearbeiten]

Francisco Guterres ist das sechste von acht Kindern von Felix Guterres und Elda da Costa Guterres. Francisco hat drei Brüder und vier Schwestern.[1]

Guterres erste Frau Clotilde Maria de Fatima wurde am 15. November 1981 am Builo durch die Indonesier getötet. Erst nach der Unabhängigkeit Osttimors heiratete Guterres am 4. Mai 2002 in zweiter Ehe seine jetzige Frau Cidália Lopes Nobre Mouzinho Guterres, mit der er drei Söhne hat.

Sonstiges[Bearbeiten]

Guterres spricht fließend Portugiesisch, Makasae und Tetum.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francisco Guterres – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Biografie von Francisco Guterres
  2. Liste der FRETILIN-Abgeordneten 2007 bis 2012
  3. Liste der FRETILIN-Abgeordneten 2012 bis 2017