Franco Baresi

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Franco Baresi
Spielerinformationen
Geburtsort TravagliatoItalien
Größe 176 cm
Position Libero
Vereine in der Jugend
1974–1978 AC Mailand
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1978–1997 AC Mailand 532 (16)
Nationalmannschaft
1979–1982
1979–1980
1982–1994
Italien U-21
ital. Olympiaauswahl
Italien
10 0(1)
6 0(1)
82 0(1)
Stationen als Trainer
AC Mailand (Jugendtrainer)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Franco Baresi (* 8. Mai 1960 in Travagliato, Italien) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler und heutiger -trainer.

Baresi gilt als einer der besten Liberos der Fußballgeschichte. In Anlehnung an Franz Beckenbauer, aufgrund der Ähnlichkeit der Vornamen und der Art und Weise, einen Spielverlauf aus der Verteidigung so enorm beeinflussen zu können, bekam Baresi den Spitznamen "Franz" verpasst.

Fast zwanzig Jahre war er für den AC Mailand aktiv. Der langjährige Kapitän wurde sechsmal italienischer Meister, gewann dreimal den Europapokal der Landesmeister bzw. die Champions League und brachte es auf 716 Pflichtspiele. Noch heute gilt er als einer der besten Spieler, die je das Trikot der "Rossoneri" trugen, wo seine Rückennummer 6 zu seinen Ehren nicht mehr vergeben wird.

2004 setzte ihn Pelé auf die Liste der besten 125 noch lebenden Fußballspieler (FIFA 100).

Jugend[Bearbeiten]

Baresi verlor früh seine Eltern und wuchs bei seinen älteren Brüdern in Travagliato auf, einem kleinen Ort in der Provinz von Brescia. Talent für Fußball zeigte nicht nur er, sondern auch sein älterer Bruder Giuseppe Baresi. Als die beiden Baresis 1974 ein Probetraining bei Inter Mailand absolvierten, erhielt nur Giuseppe einen Vertrag und absolvierte später 559 Partien für Internazionale. Franco wurde als „körperlich zu schwach“ eingestuft und versuchte daraufhin sein Glück beim Lokalrivalen AC Mailand, der ihn unter Vertrag nahm, womit er letztlich beim damals weitaus erfolgreicheren Mailänder Verein landete. Seine weitere Ausbildung zum Fußballer erhielt er nun in der Jugendabteilung des AC.

Karriere im Verein[Bearbeiten]

Seinen Einstand im Profifußball gab Baresi am letzten Spieltag der Saison 1977/78 (23. April 1978, 2:1 Sieg über Hellas Verona), als Trainer Nils Liedholm den erst 17-jährigen auf den Liberoposten stellte. Bereits im folgenden Jahr hatte sich Baresi einen Stammplatz auf der Liberoposition erkämpft und gewann 1979 – nach mehr als zehn Jahren – mit Milan wieder die Meisterschaft (Scudetto). In diesem Jahr spielte er noch mit Mailands Kapitän und Superstar Gianni Rivera zusammen, der nun seine lange Karriere beendete.

Das folgende Jahr brachte einen herben Rückschlag. Die Mailänder belegten am Ende der Saison zwar den dritten Platz, waren aber mit anderen Vereinen in den italienischen-Bestechungsskandal verwickelt. Gemeinsam mit Lazio Rom musste der AC in die Serie B absteigen. Doch Baresi blieb dem Verein treu, selbst eine weitere Saison in der Serie B (Saison 1982/83) nahm er hin und wurde mit dem Kapitänsamt belohnt. Es dauerte bis 1984, ehe sich die Rossoneri wieder in der Serie A etablieren konnte. Nachdem der glühende Milan-Anhänger und Medienmogul Silvio Berlusconi den Klub von horrenden Schulden gerettet und Arrigo Sacchi zum Trainer gemacht hatte, ging es mit Milan aber steil nach oben.

Das nachfolgende Jahrzehnt sollte die erfolgreichste Ära in der Klubgeschichte werden. Milliardär Berlusconi verpflichtete internationale Stars wie Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard. Diese Verpflichtungen brachten die Mannschaft, die 1988 die Meisterschaft gewann, auf die Erfolgsspur zurück. Es war der Beginn unglaublicher Erfolge. 1989 und 1990 setzte man sich die Krone Europas auf und gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister (1989: 4:0 gegen Steaua Bukarest, 1990: 1:0 gegen Benfica Lissabon). Erklärter Lieblingsspieler Berlusconis war Baresi, den er für unersetzlich hielt und von dem er verkündete: „Er ist der Motor und die Seele der Mannschaft, technisch der Beste und völlig unverkäuflich.“

Baresi war ein außergewöhnlicher Libero, der eine der besten Abwehrreihen in der Geschichte des Klub-Fußballs führte. Vor ihm verteidigten Alessandro Costacurta, Mauro Tassotti und Paolo Maldini, weshalb die Abwehr als unbezwingbar galt. Die Abseitsfalle von Milan war nahezu legendär und funktionierte perfekt. In der Serie A war der AC Mailand eine Macht. 1991/92 blieb der Klub ungeschlagen, 1993/94 kassierte er nur 15 Gegentore und gewann den dritten Scudetto in Folge.

Auch international war Mailand die beste Vereinsmannschaft und in den frühen Neunziger Jahren das „non-plus-ultra“ des europäischen Fußballs. Innerhalb von sieben Jahren zog die Mannschaft fünfmal ins Finale des Europapokals der Landesmeister bzw. der Champions League ein. Als im Finale 1994 der FC Barcelona mit 4:0 deklassiert wurde, saß Baresi allerdings wegen einer Gelbsperre auf der Tribüne (1993 0:1 gegen Olympique Marseille, 1995 0:1 gegen Ajax Amsterdam). Der routinierte Baresi war Kopf dieser legendären Mannschaft unter Arrigo Sacchi und Fabio Capello. Der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz war nicht zuständig für atemberaubende Offensiv-Aktionen, sondern Ruhepol der unglaublich stabilen Defensive. 1996 gewann er mit Milan seinen sechsten Meistertitel, bevor er ein Jahr später seine große und lange Karriere beendete. Selten waren Verein und Spieler so eng miteinander verbunden wie Baresi und der AC. Zu seinem Nachfolger als Kapitän und Abwehrchef wurde Paolo Maldini erklärt.

Als Zeichen der Anerkennung erklärte der AC Mailand, sein Trikot mit der Rückennummer 6 nicht mehr zu vergeben. Franco Baresi trug in 716 Partien das Trikot des AC Mailand und hielt damit jahrelang den Vereinsrekord: 470 Spiele in der Serie A, 61 Spiele in der Serie B, 97 Einsätze in der Coppa Italia, fünf im Italienischen Superpokal, sowie 83 Einsätze bei Europäischen Vereinswettbewerben (UEFA Champions League, UEFA-Pokal, etc.) stehen zu Buche.

Karriere in der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

In der Nationalmannschaft musste Baresi lange auf den Durchbruch warten. Zwar gehörte er bereits bei der EURO 1980 in Italien, der Mundialito 1980/81 in Uruguay und der WM 1982 zum Aufgebot, kam aber bis auf ein Spiel bei der Mundialito nicht zum Einsatz. Besonders bitter war dies 1982, da Italien Weltmeister wurde und Baresi im Turnier keine einzige Minute spielen durfte. Seinen ersten Einsatz in der "Squadra Azzurra" hatte er am 4. Dezember 1982 beim 0:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien. Ein Stammplatz lag jedoch in weiter Ferne, da Trainer Enzo Bearzot auf Libero Gaetano Scirea baute und Baresi im defensiven Mittelfeld einsetzte, wo dieser nicht zurechtkam.

Da Baresi mit dem AC Mailand zweimal in die zweite Liga ging, wurde er auch für die Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt und auch für den WM-Kader 1986 nicht nominiert. Im Gegensatz zu seinem Bruder Giuseppe, der beim Turnier in Mexiko drei Spiele absolvierte. Franco Baresi kehrte erst am 8. Oktober 1986 im ersten Spiel nach Enzo Bearzot wieder in die "Squadra" zurück und spielte fortan als Libero. Bei der Europameisterschaft 1988 in der BRD, als Italien erst im Halbfinale gegen die UdSSR (0:2) ausschied, etablierte sich Baresi als Libero in der Nationalmannschaft. Seine Art, aus dem Fußgelenk seine Pässe zu schlagen, erinnerte an Franz Beckenbauer und brachte ihm den Spitznamen "Franz" ein.

1990 war Italien Austragungsort der Weltmeisterschaft und das Land strebte den Titelgewinn im eigenen Land an. Italien wurde souverän Gruppensieger und überstand diese ohne Gegentor. Die Abwehr mit Libero Baresi und den Verteidigern Giuseppe Bergomi, Paolo Maldini und Riccardo Ferri war die stärkste des gesamten Turniers. Baresi war in der Form seines Lebens und mit dieser überragenden Verteidigung kam Italien ohne Gegentreffer ins Halbfinale. Dort traf man auf Titelverteidiger Argentinien und es stand nach 120 Minuten 1:1. Die Entscheidung wurde im Elfmeterschiessen herbeigeführt, wobei die Südamerikaner mit 4:3 die Oberhand behielten (Baresi hatte zum 0:1 verwandelt). Italien wurde schließlich nach einem 2:1 über England Dritter und Baresi wurde ins All-Star-Team gewählt. Zwar hatte Baresi nach dem Turnier seinen Rücktritt aus der Nationalelf erklärt, revidierte seine Entscheidung jedoch bald, kehrte unter Arrigo Sacchi zurück und wurde neuer Kapitän.

1994 fuhr Baresi zu seiner dritten Weltmeisterschaft in die USA. Doch im zweiten Spiel der Vorrunde (1:0-Sieg über Norwegen), musste der Kapitän wegen einer Knieverletzung nach 48 Minuten ausgewechselt werden. Jeder rechnete mit dem WM-Aus für den "Oldie", doch im Finale gegen Brasilien lief Baresi auf. Baresi hielt die Abwehr 120 Minuten bis zum Elfmeterschiessen zusammen, ehe er hier den ersten Schuss über das Tor setzte. Nach Fehlschüssen von Daniele Massaro und Roberto Baggio war Brasilien Weltmeister. Wieder bedeutete ein Elfmeterschiessen das Aus für Baresis Traum vom Titel.

Dieses WM-Finale 1994 war Baresis zweitletzter Auftritt für sein Heimatland, danach bestritt er am 7. September 1994 in der Partie gegen Slowenien seine letzte Partie im Nationaltrikot und trat nach 82 Länderspielen endgültig aus der Squadra Azzurra zurück.

Nach der aktiven Karriere[Bearbeiten]

Nach seiner aktiven Karriere bekleidete Baresi bei Milan als Jugendtrainer, Scout und Manager verschiedene Positionen. Im Jahr 2002 übernahm er den Posten des Sportdirektors beim FC Fulham, kehrte aber schon nach zwei Monaten nach Mailand zurück, da ihm nicht genug Handlungsspielraum zugestanden wurde.

Anfang des Jahres 2004 war Baresi in einen Geldwäsche-Skandal in Italien verwickelt.

Erfolge[Bearbeiten]

Im Verein[Bearbeiten]

In der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Auszeichnungen un Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]