Franco Fagioli

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Franco Maximiliano Fagioli (* 4. Mai 1981 in San Miguel de Tucumán)[1] ist ein argentinischer Countertenor.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Fagioli, der neben der argentinischen auch die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, studierte Klavier am Musikinstitut in San Miguel de Tucumán, nahm dann ein Gesangsstudium an der Kunstakademie des Teatro Colón in Buenos Aires auf. 1997 gründete er in San Martin de Porres einen Chor für Jugendliche. Anschließend schlug er die Laufbahn als Countertenor ein. Der Startschuss zur internationalen Karriere fiel 2003, als er den Bertelsmann-Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh gewann.

Seither ist Franco Fagioli u. a. an den Opernhäusern in Zürich, London, Buenos Aires, Karlsruhe, Bonn, Essen und Genua, am Theater an der Wien und Théâtre des Champs-Élysées in Paris aufgetreten und ist Gast bei den Festspielen u. a. in Salzburg, Halle, Ludwigsburg und Innsbruck. Sein Giulio Cesare in Zürich (2005) war ein Sensationserfolg, den er 2007 in Oslo, Helsinki und 2008 auf dem Händel Festival in Karlsruhe wiederholte. Weitere Rollen Händelscher Helden wie Ariodante, Teseo, Bertarido, als Nerone in L'incoronazione di Poppea von Monteverdi oder als Arsace in Aureliano in Palmira von Rossini trieben seinen internationalen Durchbruch voran. 2011 erhielt er den "Premio Abbiati" – die höchste musikalische Auszeichnung in Italien – als „bester Sänger des Jahres“.[2]

Franco Fagioli ist darüber hinaus einer der fünf Countertenöre der erfolgreichen Opern-, TV- und CD-Produktion von Leonardo Vinci „Artaserse“ von 2012, die mit allen relevanten Musikpreisen geehrt wurde (ECHO 2013 und 2014, Preis der deutschen Schallplattenkritik). Als Belcantosänger spezialisiert sich Franco Fagioli auf die Rollen, die für Kastraten im späten 18. und 19. Jahrhundert geschrieben wurden. Er sang die Rolle des Sesto (La Clemenza di Tito) und debütierte am Royal Opera House Covent Garden, London, als Idamante (Idomeneo). Gioacchino Rossini ist ein weiterer wichtiger Komponist der Belcanto-Ära, dem sich Fagioli 2014 in einem Arienabend bei den Salzburger Pfingstfestival 2014 widmete, der von I barocchisti unter Diego Fasolis begleitet wurde.

2013 war Fagioli konzertant am Theater an der Wien in Händels Salomon (ML: Matthew Halls) sowie Rinaldo (ML: Riccardo Minasi) zu sehen.[3] Bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2014 gab er mit großem Erfolg einen Giambattista Velluti gewidmeten Arienabend, der von I barocchisti unter Diego Fasolis begleitet wurde.[4][5] Im CD-Bereich sorgte Franco Fagioli im September 2013 mit seiner Debüt-CD als Exklusivkünstler des französischen Labels Naïve für Aufsehen. Auf ihr widmete er sich technisch wie musikalisch anspruchsvollste Arien, die für Caffarelli alias Gaetano Majorano, den vielleicht virtuoseste italienischen Kastraten seiner Zeit geschrieben worden waren. Begleitet wurde er dabei von dem in Venedig beheimateten jungen Barockorchester Il Pomo d‘Oro unter Riccardo Minasi.

Auf seiner jüngsten, im September 2014 erschienenen Solo-CD widmet er sich dem italienischen Komponisten und Gesangslehrer Nicola Porpora (1686–1768). Mit den Kastraten Senesino, Caffarelli und Farinelli hatte er die Größten ihrer Zunft und einige der Belcanto-Stars des 18. Jahrhunderts ausgebildet hat. Als musikalische Partner standen Franco Fagioli die Academia Montis Regalis unter Alessandro De Marchi zur Seite. Darüber hinaus wirkte der argentinische Countertenor 2014 bei weiteren bedeutenden CD-Produktionen mit: Der Welt-Ersteinspielung von Johann Adolph Hasses „Siroe – Re di Persia“, Caldara „La concordia de’pianeti“ und Steffani „Stabat Mater“. Wichtige Schwerpunkte der Saison 2014/15 sind zwei Opernneuproduktionen: Ab Februar 2015 übernimmt Franco Fagioli die Rolle des Alidoro in der Oper „Orontea“ von Antonio Cesti an der Oper Frankfurt. Ab Ende Mai 2015 ist er Cesare in Leonardo Vincis „Cantone in Uttica“. Die Produktion ist zuerst am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden und danach an Opéra Royal in Versailles, Frankreich zu erleben. Darüber hinaus kehrt er in der Titelrolle von Händels „Riccardo Primo“ zu den Händel-Festspielen Karlsruhe zurück und ist als Orpheus in Glucks „Orpheus und Euridice“ in Poissy, Paris und Aix-en-Provence zu erleben. In Hasses „Siroe“ macht Franco Fagioli im April 2015 am Theater an der Wien Station.

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Il Maestro Porpora - Arias, Naïve Records, 2014.
  • Johann Adolph Hasse: Siroe, DECCA, 2014.
  • Caldara: La concordia de 'pianeti, ARCHIV, 2014.
  • Steffani: Stabat Mater, DECCA, 2014.
  • Arias for Caffarelli. Il pomo d'oro unter Riccardo Minasi, Naïve Records, 2013.
  • Leonardo Vinci: Artaserse Virgin (Classics/EMI) 2012.
  • Franco Fagioli. Canzone e Cantate. (Carus Verlag/SWR) 2010.
  • Georg Friedrich Händel: Berenice (EMI/Virgin Classics) 2010.
  • Georg Friedrich Händel: Teseo HWV 9. (Carus Verlag/SWR) 2009.
  • Christoph Willibald Gluck: Ezio (Oehms Classics/SWR).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roberto Espinosa: La Cultura en el Tucumán Del Siglo XX. Diccionario Monografico. Universidad Nacional de Tucumán 2006, ISBN 9505544863, S. 127.
  2. Franco Fagioli auf der Seite der Oper Köln
  3. Rinaldo. (…) Franco Fagioli. In: theater-wien.at, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  4. Giambattista Velluti • Arienabend Franco Fagioli. In: salzburgerfestspiele.at, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  5. Karl Harb: Pfingstfestspiele: Rossini-Gala mit Glanz, 9. Juni 2014