Frankenweide

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Die Waldlandschaft der Frankenweide im Frühjahr

Die Frankenweide ist eine Mittelgebirgslandschaft in Rheinland-Pfalz. Sie bildet in der Pfalz den zentralen Teil des Pfälzerwaldes.

Geographie[Bearbeiten]

Lage der Frankenweide (orange) im Pfälzerwald

Die Frankenweide ist ein geschlossenes Waldgebiet von heute gut 200 km² Fläche. Sie besteht im Wesentlichen aus einer auf etwa 380–450 m ü. NN gelegenen Hochfläche, die von Nord nach Süd kontinuierlich ansteigt. Aus dem Plateau, das von tief eingeschnittenen Tälern eingerahmt wird, ragen einzelne Berggipfel heraus. Im Süden wird die Frankenweide durch das Tal der Queich begrenzt, im Osten durch das des Wellbachs und seine gedachte Verlängerung nach Norden. Dort schließt sich der Reichswald von Kaiserslautern an. Im Nordwesten bildet die Moosalb die Begrenzung, im Südwesten das Gräfensteiner Land. Von Nord nach Süd wird das Gebiet in die Untere Frankenweide mit der Gemeinde Waldleiningen, die Mittlere Frankenweide mit dem Eschkopf und die Obere Frankenweide um den zu Wilgartswiesen gehörenden Weiler Hermersbergerhof eingeteilt.[1]

In der Mittleren und Oberen Frankenweide liegen die höchsten Erhebungen, über die etwa von Nord nach Süd auch die Wasserscheide zwischen Oberrhein und Mittelrhein/Mosel verläuft: der Eschkopf und der Mosisberg (jeweils 609 m), der Hortenkopf (606 m) sowie der Weißenberg (610 m). In einer hochgelegenen Mulde südöstlich des Mosisberg-Gipfels gab es früher ein Hochmoor, das Mosisbruch, das durch einen zwei Kilometer langen Bach versorgt wurde, der kurz darauf von rechts in den oberen Wellbach mündet. Am Hortenkopf wendet sich die Wasserscheide nach Südwesten in Richtung der Burg Gräfenstein, so dass der Weißenberg nicht mehr auf der Wasserscheide liegt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Ruine der Falkenburg

Als Begriff entstand die Frankenweide, wie der Name anklingen lässt, in fränkischer Zeit, und zwar spätestens im 6. Jahrhundert. Damals war das Waldgebiet insgesamt noch unbesiedelt und wurde teilweise als Viehweide genutzt, hauptsächlich für Schweine und Ziegen. Als die vermutlich fränkischen Grafen von Leiningen im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt wurden, oblag ihnen bereits die Verwaltung der Frankenweide. Im 13. Jahrhundert sorgte Ritter Johannes von Wilenstein, nach dem der Weiler Johanniskreuz benannt ist, mehrmals für lokale Fehden.

Obwohl vorübergehend auch das Wittelsbacher-Geschlecht von Pfalz-Zweibrücken Besitztümer und Ansprüche in der Frankenweide hatte, blieb das leiningische Oberamt auf der Falkenburg bei Wilgartswiesen verwaltungsmäßig zuständig, bis nach der Französischen Revolution die linksrheinischen Territorien der Kurpfalz in den 1790er Jahren von Frankreich erobert und 1801 annektiert wurden. Kurz zuvor, 1785, war die Frankenweide als Ganzes auch formal an Leiningen gefallen.[2][3]

Im Laufe ihrer Geschichte büßte die Frankenweide immer wieder Teile ein, insgesamt etwa 100 km². Im Osten wurde im 12. Jahrhundert der Elmsteiner Wald um das obere Speyerbachtal abgetrennt. 1304 schenkte König Albrecht von Habsburg die große Fläche im Südosten, die sich zwischen den Tälern von Well- und Eußerbach vom Forsthaus Taubensuhl im Norden bis zum Queichtal im Süden erstreckt, der Reichsstadt Annweiler; das Gebiet bildet heute den Annweiler Bürgerwald. 1602 wurde der Esthaler Wald im Nordosten dem Lehen Erfenstein zugeschlagen.

Das heutige Gebiet der Frankenweide gehört überwiegend zu den Landkreisen Kaiserslautern und Südwestpfalz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Besiedelung[Bearbeiten]

Die Obere Frankenweide: Blick vom Luitpoldturm auf dem Weißenberg nach Norden

Als in der damals noch Lotharingien zuzurechnenden Pfalz etwa ab dem 9. Jahrhundert vermehrt Klöster eröffnet wurden, setzte von den Rändern des Pfälzerwaldes her eine allmähliche Besiedelung ein, die jedoch die in der Kernzone liegende Frankenweide nicht erreichte. Lange Zeit war der vom Kloster Hornbach gegründete und bereits 828 erwähnte Hermersbergerhof der einzige Vorposten der Zivilisation. Im Laufe der Jahrhunderte wurden hie und da Forsthäuser und Köhlerhütten sowie – durch die leiningische Verwaltung – der Waldarbeiterstützpunkt Hofstätten errichtet, der 1379 erstmals nachweisbar ist. Ausgrabungen am Mosisbruch nahe dem Wellbachtal ergaben, dass hier vom 11. bis zum 14. Jahrhundert eine Ansiedlung bestanden haben muss. Die zu weit abseits liegende Verwaltung in Wilgartswiesen, zu dessen Gemeinde noch heute große Teile der Frankenweide gehören, konnte jedoch keine planmäßige Erschließung bewirken. Infolge des Dreißigjährigen Krieges fielen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch noch die wenigen besiedelten Plätze öd. Erst um das Jahr 1785 wurde auf Veranlassung von Fürst Carl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Hardenburg in der Unteren Frankenweide das Waldarbeiterdorf Waldleiningen angelegt, das die einzige selbstständige Gemeinde auf der Frankenweide blieb. Insgesamt leben heute auf der gesamten Frankenweide weniger als tausend Menschen.

Verkehr[Bearbeiten]

Mit dem zentralen Verkehrsknotenpunkt Johanniskreuz stellte die Frankenweide schon in frühester Zeit ein Durchzugsgebiet für den Verkehr zwischen der Rheinebene und dem heutigen Lothringen dar. Damals, als Straßen möglichst über die Höhenzüge geführt wurden, zweigten von der Hauptachse Wege in Richtung der Klöster Weißenburg und Kloster Hornbach sowie zur Kaiserpfalz Kaiserslautern ab. Die Nordroute der Pfälzer Jakobswege durchquerte den Nordteil der Frankenweide.

Heute noch folgen Wanderwege und Verbindungsstraßen vielfach den alten Wegverläufen.[4] Allerdings ist die Frankenweide nun nicht mehr hauptsächlich in West-Ost-Richtung erschlossen, sondern über die kurvenreiche B 48, die von der B 10 im Süden durch das Wellbachtal nach Johanniskreuz ansteigt, dem einzigen Siedlungspunkt auf der ganzen Strecke, und dann zur B 37 bei Hochspeyer im Norden hinabführt.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Haus der Nachhaltigkeit

Die Hochebene mit ihren geschlossenen Wäldern ist ein Ziel für Wanderer. Sämtliche mit einem Kreuz markierten Fernwanderwege des Pfälzerwald-Vereins, die sternförmig über die gesamte Pfalz angelegt sind, treffen sich in Johanniskreuz im Herzen der Frankenweide.[4] Auf dem Weißenberg und dem Eschkopf stehen Aussichtstürme. Für Mountainbiker sind Rundkurse durch die Frankenweide und das benachbarte Holzland ausgewiesen.[5]

„Pälzer Weltachs“ auf dem Roßrück bei Waldleiningen

Johanniskreuz ist mit dem Haus der Nachhaltigkeit und seinen wenigen weiteren Häusern, zumeist Hotels und Gaststätten, touristisches Zentrum der Frankenweide. Der Pfälzische Katholikentag und Waldgottesdienste fanden hier statt, und an Sonntagen, zumal bei guter Witterung, treffen sich hunderte Motorradfahrer. Auf dem Hermersbergerhof, dessen sechs Kilometer lange Zufahrtsstraße zwischen Wilgartswiesen und Hauenstein von der B 10 abzweigt und dann als schmale Fahrstraße über zehn Kilometer bis zur Landstraße Leimen–Johanniskreuz weiterführt, wird bei günstigen Schneeverhältnissen Wintersport betrieben; wegen der zunehmend milderen Winter wurde der Skilift in den 1990er Jahren abgebaut, eine Rodelbahn ist jedoch weiterhin vorhanden.

Ein Anziehungspunkt für Touristen ist die in den 1860er Jahren auf dem 459 Meter hohen Roßrück bei Waldleiningen durch das Königreich Bayern installierte Landmarke, die im Volksmund den Namen „Pälzer Weltachs“ bekam. Sie regte später den Heimatpoeten Paul Münch zu seiner bekannten mundartlichen Gedichtpassage über ihre angebliche Schmierung an:

„Do werd die Weltachs ingeschmeert un uffgepasst, dass nix passeert.“

1964 wurde der Spruch in einen Steinblock bei der Landmarke eingemeißelt. Seitdem wird das Objekt unter öffentlicher Anteilnahme auch tatsächlich „geschmiert“.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  •  August Becker: Die Pfalz und die Pfälzer. 7. Auflage. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1975, ISBN 3898571939 (1. Auflage 1857).
  •  Karl Heinz: Pfalz mit Weinstraße. Landschaft, Geschichte, Kultur, Kunst, Volkstum. Glock und Lutz Verlag, Heroldsberg 1976.
  •  Emil Heuser: Neuer Pfalzführer. 14. Auflage. Waldkirch Verlag, Ludwigshafen/Rhein 1979 (1. Auflage 1900).
  •  Heinz Wittner: Großer Pfalzführer. Deutscher Wanderverlag Dr. Mair & Schnabel & Co, Ostfildern 1981, ISBN 3813401065.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Heinz Wittner: Großer Pfalzführer. S. 249 (Karte).
  2. a b  August Becker: Die Pfalz und die Pfälzer. S. 354–358.
  3.  Heinz Wittner: Großer Pfalzführer. S. 248.
  4. a b  Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Topografische Karten 1:25.000 mit Wanderwegen, Hauenstein und Umgebung. Eigenverlag des Landesamtes für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, Koblenz 1999.
  5.  Heinz Wittner: Großer Pfalzführer. S. 258–263.
  6. Ortsgemeinde Waldleiningen: Weltachs. Abgerufen am 26. November 2011.