Franken (Weinbaugebiet)

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Karte Mainfranken - 2013
Legende zur Karte

Das Weinbaugebiet Franken liegt im Nordwesten der Region Franken. Mit etwa 6.234,1 ha Anbaufläche (Stand 2013) ist es eines der mittelgroßen Anbaugebiete Deutschlands[1]. Der weitaus größte Teil der Rebflächen befindet sich im Bezirk Unterfranken, vor allem im Bereich der Täler von Main, Wern und Fränkischer Saale. Weitere Anteile am Weinbaugebiet hat auch Mittelfranken, und zwar an den Hängen des Steigerwaldes und der Frankenhöhe, im Aischgrund sowie am Mittellauf der Tauber. Ein kleiner Teil liegt im Regierungsbezirk Oberfranken im Maintal nordwestlich von Bamberg sowie in der Stadt Bamberg.

Weinbaugebiet Franken[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Der Weinbau in Franken geht bis in das 8. Jahrhundert zurück. Dies belegt eine Schenkungsurkunde von Karl dem Großen aus dem Jahr 777 für Hammelburg und 779 für Würzburg.[2] Vor allem Klöster bauten damals Reben zur Herstellung von Messwein an. Im Mittelalter wuchs die Anbaufläche auf fast 40.000 ha.[3] Franken war damals das größte Anbaugebiet des Heiligen Römischen Reiches nördlich der Alpen. Die Weinanbaufläche übertraf die der Mosel und der links- oder rechtsrheinischen Gebiete bei weitem.[4] Sie schrumpfte im 20. Jahrhundert vorübergehend auf etwas über 2.000 ha.

Heute gibt es im Weinbaugebiet Franken gut 6.000 ha Rebflächen, damit ist es das sechstgrößte Weinbaugebiet Deutschlands. Die Rieden erstrecken sich von Bamberg bis Aschaffenburg. Wegen der oft strengen Winter und der Möglichkeit von Spätfrösten beschränkt sich das bewirtschaftete Gebiet auf geschützte Lagen entlang des Mains und den Hängen des Steigerwalds.

Den größeren Teil der Rebfläche bewirtschaften Selbstvermarkter, die die Vinifizierung im eigenen Betrieb mit eigener Kellertechnik durchführen und die Weine selbst vermarkten.[3]

In Franken gibt es jedoch viele Kleinstwinzer. 2.916 Betriebe hatten sich 2013 zu Genossenschaften zusammengeschlossen, da die Investitionen für Kellertechnik und Vermarktung in dieser Größe nicht zu bewältigen sind.[3] Die größte Genossenschaft ist die Winzergemeinschaft Franken (kurz GWF) mit ca. 1.400 ha Rebfläche.

Grundsätzlich unterscheidet man drei Bereiche mit unterschiedlichen Bodenformationen. Von West nach Ost:

Untermain am Mainviereck[Bearbeiten]

Rote Trauben am Rande des Fränkischen Rotweinwanderwegs.

Am bayerischen Untermain, am westlichen Rand des Mainvierecks, sind die klimatischen und geologischen Bedingungen besonders geeignet für den Anbau von Rotwein.

Auf den hier vorhandenen Buntsandsteinböden werden deshalb seit Jahren vor allem Frühburgunder und Spätburgunder angebaut. Als beste Lagen gelten der Centgrafenberg in Bürgstadt und der Schlossberg in Klingenberg am Main. Die wichtigsten Ortschaften sind Bürgstadt, Großheubach, Klingenberg am Main und Erlenbach am Main. Auch die Rebflächen am Mittellauf der Tauber um Tauberrettersheim und Tauberzell zählen zum Untermain.

Das fränkische Rotwein-Anbaugebiet zwischen Großwallstadt und Bürgstadt ist seit dem Jahre 1990 durch den rund 55 km langen Fränkischen Rotwein-Wanderweg touristisch erschlossen.

Maindreieck[Bearbeiten]

Das Maindreieck aus der Vogelperspektive

An den teilweise steilen Weinbergen am Maindreieck mit ihren Muschelkalkböden werden Silvaner angebaut, die zu den besten der Welt zählen. Weinkritiker behaupten, dass diese Gegend das einzige Gebiet Deutschlands sei, in dem der Silvaner bessere Ergebnisse hervorbringe als der Riesling. Auch Rotweine werden inzwischen angebaut. Bekannt ist vor allem die Lage Würzburger Stein; deren Wein ist als „Steinwein“ schon seit Jahrhunderten bekannt.

Hier wurde wahrscheinlich auch der erste Silvaner Frankens gepflanzt. In einer Urkunde ist der Verkauf von 25 „Österreicher Fechser“, einem Synonym für Silvaner, an einen Bauern in Obereisenheim, damals gehörig zur Grafschaft Castell, belegt. Diese Kaufurkunde vom 10. April 1659 – der älteste schriftliche Nachweis des Silvaners in Franken – liegt im Casteller Archiv.

Wichtige Orte dieses Gebiets sind unter anderem Würzburg, Thüngersheim, Randersacker, Sommerhausen, Frickenhausen am Main, Sulzfeld am Main, Dettelbach, Sommerach, Escherndorf, Nordheim, Volkach, Hammelburg (älteste Weinstadt Frankens) und Stetten (Karlstadt).

Steigerwald[Bearbeiten]

Im Steigerwald, speziell im Gebiet der Keuperböden um den Schwanberg, werden ebenfalls sehr mineralstoffreiche Weine (vor allem Silvaner) produziert. Die bedeutendsten Ortschaften sind Iphofen (wichtigste Lage: Iphöfer Julius-Echter Berg), Rödelsee (Rödelseer Küchenmeister) und Castell (Casteller Schlossberg). Weitere bekannte Weinbaugemeinden und Weinlagen im oder am Steigerwald sind Abtswind (Abtswinder Altenberg), Oberschwarzach (Handthaler Stollberg), Ippesheim (Ippesheimer Herrschaftsberg), Zeil am Main (Ziegelangerer Ölschnabel), Zell am Ebersberg (Zeller Schloßberg) und Sand am Main (Sander Himmelsbühl).

Taubertal[Bearbeiten]

Der zum Landkreis Würzburg gehörende südlichste Teil des Weinbaugebiets liegt im Bereich der Stadt Röttingen und der Gemeinde Tauberrettersheim. Dieser kleinste Teil des Anbaugebietes Franken ist vor allem durch das milde Klima im Taubertal und durch den „Röttinger Feuerstein“ gekennzeichnet. So ziehen sich die Feuersteinadern durch die Röttinger Weinlage Feuerstein. Eine Besonderheit dieses Gebiets ist die Rebsorte Tauberschwarz.

Weine aus dem baden-württembergischen Tauberfranken werden ebenfalls wie Frankenweine im traditionellen Bocksbeutel verkauft; allerdings ist Tauberfranken offiziell Teil des Weinbaugebietes Baden.

Charakteristik des Frankenweins[Bearbeiten]

Infolge der Bodenbeschaffenheit und des milden Klimas am Main entstehen sehr mineralstoffhaltige Weine mit würzigem Geschmack. Der Mineralstoffgehalt der Weine spielt deshalb – anders als in allen anderen Anbaugebieten – bei der Qualitätsprüfung ebenfalls eine Rolle. Aus der typischen Rebsorte Silvaner werden neutral-fruchtige, erdige Weine erzeugt. Die Dominanz des weniger ertragreichen und „schwierigen“ Silvaners ging allerdings schon vor Jahrzehnten zugunsten des Massenträgers Müller-Thurgau zurück, der zeitweise über die Hälfte der Rebfläche einnahm.[4]

Weine aus Franken werden häufig recht trocken ausgebaut. „Fränkisch trockene“ Weine (der Begriff ist bezeichnungsrechtlich nicht zulässig) enthalten maximal vier Gramm pro Liter Restzucker („deutsch trocken“ max. neun Gramm pro Liter) Jährlich werden 12.000 bis 14.000 Frankenweine amtlich geprüft, der Anteil der „fränkisch trockenen“ Weine liegt bei 25 %. Viele Weingüter stellen aber auch „international trockene“ Weine aus Rebsorten wie Riesling, Weißburgunder oder Grauburgunder her.

Traditionell spielt die Lage für den Frankenwein eine ebenso große Rolle wie der Winzer. Da die Lageangaben für Laien außerhalb Frankens aber nur wenig aussagekräftig sind, wurde in letzter Zeit versucht, den Wein auch unter bestimmten Markennamen zu verkaufen. Ein Beispiel hierfür ist der „Tilman“ der Winzergemeinschaft Franken (GWF). Dahinter verbergen sich unterschiedliche Weine und Schaumweine aus unterschiedlichen Lagen, teilweise auch von unterschiedlichen Rebsorten.

Die Trinkreife fränkischer Weine ist sehr unterschiedlich. Einfache Qualitätsweine und Kabinettweine sollten möglichst früh getrunken werden, da bei ihnen mit der Zeit die Säure abnimmt und die für Frankengewächse typische Frische verloren geht. Gute trockene Spätlesen, restsüße Weine und hochwertige Rotweine (z. B. aus dem Barriquefass) sollten frühestens ein bis zwei Jahre nach der Abfüllung geöffnet werden (viele kommen ohnehin erst nach einem Jahr in den Verkauf) und können bei ordentlicher Lagerung auch nach mehr als zehn Jahren noch hervorragend schmecken. Edelsüße Weine, vor allem aus den Rebsorten Silvaner, Riesling, Rieslaner und Scheurebe, können bei sehr guten Jahrgängen Jahrzehnte überdauern.

Rebsorten[Bearbeiten]

Ursprünglich war der Silvaner die wichtigste Rebsorte Frankens und galt als typischer Frankenwein, die erste Pflanzung in Franken kann urkundlich für das Jahr 1659 belegt werden. Um angesichts der klimatischen Schwierigkeiten bessere Erträge zu erreichen, wurden im 20. Jahrhundert große Flächen mit Müller-Thurgau bestockt – die Rebsorte feierte 2013 hundertjähriges Bestehen in Franken. Obwohl immer noch die häufigste Sorte, ist der Anteil insgesamt seit einigen Jahren wieder rückläufig.

Etwa 19 % der Fläche ist mit Rotwein bepflanzt.

Die wichtigsten Rebsorten des Anbaugebiets nach Flächenanteilen: (Stand: 2014)

Rebsorte weiß Anteil (%) Rebsorte rot Anteil (%)
Müller-Thurgau 27,7 Domina 5,5
Silvaner 23,1 Spätburgunder 4,3
Bacchus 11,9 Dornfelder 2,4
Riesling 5,3 Regent 2,3
Kerner 3,3 Schwarzriesling 1,3
Weißer Burgunder 2,5 Portugieser 1,0
Scheurebe 2,3 Acolon 0,8

Bocksbeutel[Bearbeiten]

Bocksbeutel-Flaschen

Der Bocksbeutel ist die typische und die bekannteste Flaschenform für qualitativ höherwertige Frankenweine. Der Glaskörper ist flach und bauchig und besitzt nur einen kurzen Hals. Die Herkunft des Namens ist nicht abschließend geklärt; als wahrscheinlich gilt, dass die Ähnlichkeit der Flaschenform mit dem Hodensack des Ziegenbocks eine Rolle spielt. Weitere Herleitungen gehen von Bauch-Buddel oder Buch-Beutel aus. Eine andere Interpretation führt die Form auf eine Weiterentwicklung der typischen Feldflaschen zurück.[2]

Das Etikett gibt den Namen des Erzeugers oder Händlers an. Ein verliehenes oder auch selbst konstruiertes Wappen gehört zum typischen Design dazu. Die amtliche Prüfnummer gibt Aufschluss über den Händler und das Jahr der Abfüllung. Weiter sind die Lage, die Rebsorte und der Rang des Weines dargelegt.[2]

Seit 1989 ist der Bocksbeutel in der EU geschützt und darf nur noch für fränkische Weine verwendet werden. Ausnahmen bilden lediglich die Region Tauberfranken im Weinbaugebiet Baden, das Rebland Baden-Baden mit den Bocksbeutelortschaften Steinbach (inkl. Ortsteil Umweg), Varnhalt und Neuweier sowie eine Weinbauregion in Portugal.

Wein und Lebensart[Bearbeiten]

Vinothek Iphofen

Weinfeste und Heckenwirtschaften[Bearbeiten]

Der Anbau von Wein hat auch die (main-)fränkische Lebensart mitgeprägt. Anders als in vielen anderen deutschen Regionen ist Wein hier ein Volksgetränk. Das kommt nicht zuletzt durch die zahlreichen Weinfeste zum Ausdruck, die in nahezu jedem Weinbauort ein- oder mehrmals im Jahr stattfinden.

Beliebt sind auch die Häcker- oder Heckenwirtschaften (in anderen Anbaugebieten Strauß- oder Besenwirtschaft genannt). In diesen dürfen Winzer ihren eigenen Wein sowie kleinere Speisen verkaufen. Im Sommer wird dort Wein ausgeschenkt, im Frühherbst überwiegend frischer Bremser (Federweißer).

Architektur und Wein[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren ist es nicht mehr ausreichend, potentielle Kunden ausschließlich mit der Möglichkeit zum Weineinkauf anzuziehen, der Weintourismus mit Kurzurlauben gewinnt immer mehr an Bedeutung. Um die Attraktivität der Weingüter zu steigern, werden neue baukulturell interessante Objekte errichtet oder ausgebaut. In attraktivem Ambiente soll der Kunde nicht nur den Wein erleben und verkosten, sondern spüren, dass er Teil einer Kultur ist. Das Deutsche Weininstitut in Mainz zeichnet seit 2010 Bauten und Einrichtungen in den 13 Weinbauregionen Deutschlands als „Höhepunkte der Weinkultur“ aus. In Franken zählen dazu die „Vinothek Iphofen“, das Gästehaus und Weinwerk des Weinguts am Stein, das „Weinreich“ der Winzergenossenschaft Sommerach, das Press- und Kelterhaus des „Weinguts Brennfleck“ (Sulzfeld am Main) und die Vinothek des „Weinguts Max Müller I.“ (Volkach).[5][6]

Fränkische Weinköniginnen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fränkische Weinkönigin

Tradition hat die jährliche Wahl einer Fränkischen Weinkönigin, die dazu beitragen soll, den örtlichen Wein zu vermarkten. Neben ihr gibt es zahlreiche lokale Weinprinzessinnen.

Weinorte in Franken mit Lagebezeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Priewe: Wein. Die neue große Schule. Zabert Sandmann, München 1997, ISBN 3-932023-02-1.
  • Andreas Otto Weber, Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.); Marina Heller, David Petry (Red.): Geschichte des fränkischen Weinbaus. Von den Anfängen bis 1800. (= Franconia. Beihefte zum Jahrbuch für fränkische Landesforschung; 4). Volk, München 2012, ISBN 978-3-86222-028-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2009/2010. Mainz 2009 (PDF).
  2. a b c Werner Dettelbacher: Franken, Kunst, Geschichte und Landschaft. DuMont Buchverlag, Köln 1997, ISBN 3-7701-0746-2, S. 384 ff.
  3. a b c Hermann Kolesch: Fakten - Hintergründe (PDF-Datei; 14,08 MB), LWG Bayern.
  4. a b  André Dominé: Wein. Verlag Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-2765-6, S. 506 f.
  5. Deutsches Weininstitut zeichnet „Höhepunkte der Weinkultur“ aus. Fünf Sieger kommen aus Franken. Gebietsweinwerbung Frankenwein-Frankenland, abgerufen am 4. Dezember 2013.
  6. BR vom 16. April 2013: Weinkultur-Preis – Vinotheken aus Unterfranken räumen ab. Abgerufen am 5. Dezember 2013.