Frankfurt-Gallus

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Wappen von Frankfurt am Main
Gallus
11. Stadtteil von Frankfurt am Main
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 6′ 13″ N, 8° 38′ 44″ O50.1036111111118.6455555555556Koordinaten: 50° 6′ 13″ N, 8° 38′ 44″ O
Fläche 4,301 km²
Einwohner 30.205 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 7023 Einwohner/km²
Postleitzahl 60325, 60326, 60327, 60329
Vorwahl 069
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 1 – Innenstadt I
Stadtbezirke
  • 152 – Gallus
  • 153 – Gallus
  • 154 – Gallus
  • 161 – Gallus
  • 162 – Gallus
  • 164 – Gallus
  • 165 – Gallus
Verkehrsanbindung
S-Bahn S3 S4 S5 S6
Straßenbahn 11 21
Bus 34 46 50 52 n8
Quelle: Stadt Frankfurt am Main: Statistik Aktuell 2014/5. Abgerufen am 8. März 2014.
Wahrzeichen: die Galluswarte aus dem Jahr 1414

Das Gallus (bis 2007 offiziell Gallusviertel) ist ein Stadtteil von Frankfurt am Main.

Lage und Abgrenzung[Bearbeiten]

Der Stadtteil erstreckt sich nördlich des Mains und grenzt im Osten an das Bahnhofsviertel, im Süden an das Gutleutviertel, im Westen an Griesheim, im Norden an Bockenheim mit den Neubaugebieten am Rebstockgelände sowie dem Europaviertel und im Nordosten an Westend-Süd mit dem Messegelände.

Der Frankfurter Hauptbahnhof, der größte deutsche Eisenbahnknoten, gehört ebenso zum Gallus wie eines der größten Baugebiete der Stadt Frankfurt, das Europaviertel auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Gallus ist seit der Errichtung des Hauptbahnhofs ein von Industrie- und Handwerksbetrieben geprägter Stadtteil. Die ältesten Betriebe sind die Adlerwerke in der Kleyerstraße und die Eisengießerei Mayfarth & Co. Daneben spielten Handwerksbetriebe (zum Beispiel Schuhmanufaktur), die Bremsenfabrik Alfred Teves (ATE) und die Deutsche Privat-Telefonbaugesellschaft Harry Fuld & Co. (später Telefonbau und Normalzeit, kurz Telenorma oder T&N) eine große Rolle. An der Mainzer Landstraße hatten in der Nachkriegszeit Autohäuser eine Bedeutung, inzwischen sind sie weitgehend an der Hanauer Landstraße angesiedelt.

Für die in diesen Betrieben Beschäftigten wurden unter Leitung des Baustadtrats Ernst May die Hellerhofsiedlung und die Friedrich-Ebert-Siedlung als typische Arbeitersiedlungen entworfen und gebaut.

Jahrzehntelang fand im Gallus wegen seiner ungünstigen 'eingeklemmten' Lage zwischen dem Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs und den Gleisen des Hauptgüterbahnhofs kaum Stadtentwicklung statt. Mit der Aufgabe des Hauptgüterbahnhofs durch die Deutsche Bahn im Jahr 1996 ergaben sich für den Stadtteil dann ganz neue Optionen, seit 2006 entsteht hier das Europaviertel als lebendiges Stadtviertel mit Wohnungen, Büros, Hotels und Parks. Nahe der Messe wurde Anfang 2012 der 200-Meter-Wolkenkratzer Tower 185 fertiggestellt. Im August 2013 wurde nach zweijähriger Bauzeit das großflächige Einkaufszentrum Skyline Plaza im östlichen Europaviertel eröffnet. Im Juni 2014 soll das Kongresszentrum Kap Europa folgen.

Als eine wirtschaftliche Achse zieht sich die Mainzer Landstraße quer durch das Stadtviertel. Nach dem Verschwinden von Produktion und Handwerk hat sich seit dem Jahr 2000 in erheblichem Maße Dienstleistungsgewerbe (Verlagsgewerbe und Wertpapierhandel sowie große Bereiche der Commerzbank AG mit ihrem Dienstleistungszentrum) in neuen Gebäuden angesiedelt. Die Zentrale Personenverkehr der Deutschen Bahn AG befindet sich neben dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerks südlich der Messe. Darüber hinaus beherbergt das Gallus das Verlags- und Redaktionsgebäude der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Einige Straßenzüge gelten als soziale Brennpunkte aufgrund unterschiedlicher Lebensläufe der Bewohner (Sozialhilfe, Immigration, Drogen- oder Alkoholmissbrauch). Auch aus diesem Grund ist das Gallus in das Projekt Soziale Stadt aufgenommen worden. Im Rahmen dieses Bund-Länder-Programms werden Projekte im Stadtteil ohne großen bürokratischen Aufwand durchgesetzt (sofern sie den Bestimmungen des Projekts entsprechen).

Geschichte[Bearbeiten]

Historisch ist das Gallus das frühere Galgenfeld westlich der mittelalterlichen Stadtgrenze Frankfurts. Der Name leitet sich von der Galluswarte (eigentlich Galgenwarte) her, einem der vier mittelalterlichen Warttürme der Stadt. Mit dem Heiligen St. Gallus hat der Name des Stadtviertels ursprünglich nichts zu tun, doch wurde der Name gegen Ende des 18. Jahrhunderts umgewandelt, um der Gegend den zweifelhaften Ruf zu nehmen. Eine 1905 neugebaute katholische Kirche in diesem Stadtviertel ist ebenfalls dem Heiligen Gallus geweiht.

Geschichtlich ist der Stadtteil ein Mischgebiet. Neben Produktion und Handwerk spielte das Transportwesen eine große Rolle, durch die Aufgabe des Güterbahnhofes verlor es jedoch an Bedeutung. Immer noch ein Wahrzeichen ist dagegen der ab 1880 errichtete Frankfurter Hauptbahnhof.

Im Juni 2006 beschloss der Ortsbeirat Gallus auf Initiative der Fraktion der Grünen einstimmig, künftig als offizielle Bezeichnung nur noch den Namen Gallus zu führen und auf den Zusatz -viertel zu verzichten, mit der Begründung, dass diese Benennung längst dem allgemeinen Sprachgebrauch entspreche. Am 3. April 2007 wurde dieser Beschluss offiziell umgesetzt.

„Kamerun“[Bearbeiten]

Etwa seit der vorletzten Jahrhundertwende wird das damalige Neubaugebiet westlich der Galluswarte, häufig auch das ganze Gallus, volkstümlich als „Kamerun“ bezeichnet. Ein anderer Teil des Gallus nördlich der Mainzer Landstraße wurde als die Goi bezeichnet. Ein dritter alter Ortsname für ein kleines Neubaugebiet nördlich der Straßenbahnhaltestelle Mönchhofstraße lautet Babbedeggelhausen. Damals (1905) lebten im Gallus 15.400 Einwohner. Woher diese Bezeichnungen stammen, ist bis heute nicht gesichert. Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche:

  • Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Grenzübergänge an der Mainzer Landstraße von französischen Besatzungssoldaten – marokkanischen Söldnern – besetzt. Zu den Kamerunern gehen sei das geflügelte Wort gewesen, wenn man aus dem Gallus zu diesen Übergängen unterwegs gewesen sei.
  • Eine andere Theorie verweist auf den Ruß, der sich aus zahlreichen Schornsteinen nach der Industrialisierung auf den Stadtteil legte. Schwarz wie Kamerun sei der dann gewesen.
  • Mancher meint auch, der Stadtteil sei durch die Industrie und die angesiedelte Arbeiterbevölkerung so fern der sonstigen Stadtbevölkerung gewesen, dass er für die restliche Bevölkerung so weit weg wie die deutsche Kolonie Kamerun gewesen sei.
  • Noch eine Version verweist auf die Adlerwerke, in denen Schreibmaschinen hergestellt wurden. Nach der Schicht kamen die Arbeiter oft mit von Schreibmaschinenfarbe befleckten Gesichtern aus der Fabrik und es heißt, dass man sie, auch aufgrund der Popularität der damaligen Kolonien, „Kameruner“ genannt habe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die kulturellen Orte finden sich im Gallus abseits der Hauptverkehrsader Mainzer Landstraße.

Wohl am bekanntesten ist das Gallus Theater in den ehemaligen Adlerwerken in der Kleyerstraße, das sowohl festen Ensembles als auch freien Künstlern und Gruppen eine Bühne bietet. Auch für sein Kindertheater-Programm ist es weit über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannt.

Daneben gibt es etliche unabhängige Initiativen – die Stadtteilinitiative Koblenzer Straße ist ein Beispiel dafür. Neben kulturellen Veranstaltungen und einer Fahrradwerkstatt existieren etliche weitere Projekte zur Mitgestaltung und Belebung des Stadtteils.[1]

Mit Adlerwerken und Hauptbahnhof besitzt das Gallus zwei wegweisende Funktionsbauten des Industriezeitalters. Parallel dazu entstanden im Rahmen des Programms Neues Frankfurt die Wohnbauten der Hellerhofsiedlung durch Ernst May. Die Maschinen dieses Zeitalters werden von der Technischen Sammlung Hochhut bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Noch bis heute ist an vielen Stellen im Stadtteil die Prägung durch Industriekultur sichtbar geblieben.

In der Heinrichstraße befindet sich nach dem Abriss der Feuerwache 2 im Frankfurter Nordend mit der Feuerwache Gallus die älteste sich noch in Betrieb befindliche Feuerwache Frankfurts.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Lia Wöhr (1911–1994) wuchs im Gallus auf. Die Stadt Frankfurt benannte einen Platz am Rande des Gallus nach ihr und stellte dort einen Gedenkstein auf.
  • Heinrich Kleyer (1853–1932) war als Gründer und später als Vorstandsvorsitzender der Adlerwerke wesentlich am Aufbau der Industrie im Gallus beteiligt.
  • Michael Thurk (* 1976) wuchs im Gallus auf. Seine Fußballkarriere begann beim Stadtteilverein FFV Sportfreunde 04.
  • Thor Kunkel (* 1963) wuchs im Gallus auf. Die Handlung seines Romans Das Schwarzlichtterrarium spielt weitgehend in diesem Stadtteil.
  • Lotte Specht (1911–2002) wuchs im Gallus auf und gründete 1930 den ersten Fußballverein für Frauen in Frankfurt. Später organisierte sie die erste Mundartbühne Frankfurts.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurt-Gallus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage des Vereins SIKS e.V., abgerufen am 13. August 2008