Frankfurt-Harheim

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Wappen von Harheim
Wappen von Frankfurt am Main
Harheim
44. Stadtteil von Frankfurt am Main
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 11′ 1″ N, 8° 41′ 27″ O50.183498.6907Koordinaten: 50° 11′ 1″ N, 8° 41′ 27″ O
Fläche 4,841 km²
Einwohner 4325 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 893 Einwohner/km²
Postleitzahl 60437
Vorwahl 06101 (Ortsnetz Bad Vilbel)
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 14 – Harheim
Stadtbezirke
  • 660 – Harheim
Verkehrsanbindung
Bus 25 28 n4
Quelle: Stadt Frankfurt am Main: Statistik Aktuell 2014/5. Abgerufen am 8. März 2014.

Harheim ist seit dem 1. August 1972 ein nördlicher Stadtteil von Frankfurt am Main.

Harheim grenzt im Norden an Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach sowie im Süden an Bonames und Berkersheim; im Osten grenzt es an die Stadt Bad Vilbel.

Durch Harheim fließt der Eschbach, ein kleines Gewässer, das in der Nähe der Ortschaft in die Nidda mündet, der man von hier bis zur Mündung in den Main bei Höchst auf befestigten Fahrradwegen folgen kann.

Harheim hatte als landwirtschaftlich geprägtes Dorf im Norden Frankfurts seine Selbständigkeit bis 1972 erhalten können, wurde dann aber gemeinsam mit Kalbach, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach im Rahmen der Gebietsreform in Hessen eingemeindet.[1]

Trotz einer Reihe von Neubaugebieten hat sich Harheim seinen dörflichen Charakter erhalten. Hier findet ein ausgeprägtes Vereinsleben statt. Die Harheimer Kerb ist über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsmitte

Harheim wurde als „Horeheim“ im Güterverzeichnis des Klosters Lorsch (Lorscher Codex) im Jahre 786 erstmals urkundlich erwähnt, also sieben Jahre vor der ersten Erwähnung Frankfurts. Die Äbtissin Aba schenkte am 25. Februar 786 ihr Frauenkloster Neuenhof an das Kloster Lorsch. Das Kloster Neuenhof, gelegen in Ober-Roden südlich von Offenbach am Main, hatte Besitzungen in 13 Gemeinden, darunter in Horeheim. Der Wortbestandteil „hore“ im Gemeindenamen deutet auf Feuchtland hin.

Die karolingische Siedlung wird auch in einer Tauschurkunde von 817 genannt: Kaiser Ludwig der Fromme (814 bis 840 n. Chr.), Sohn Karls des Großen, erhielt vom Kloster Fulda für Bingenheim in der Wetterau einige Besitztümer in und zwischen Harheim und Steden (nach der neuesten Urkundeninterpretation handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um das heutige Kilianstädten). Interessant ist, dass sowohl die – allerdings defekte – Originalurkunde wie auch die erst im 12. Jahrhundert erfolgte vollständige Abschrift erhalten geblieben sind.[2]

Es ist unbekannt, wie lange Harheim im Besitz der Karolinger blieb. Im Hochmittelalter gehörte es zunächst den Herren von Münzenberg und nach dem Aussterben dieser Familie seit 1255 den Falkensteinern; Falkenstein ist heute Stadtteil von Königstein im Taunus. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts stand Harheim unter der Herrschaft der Eppsteiner, wurde aber 1435 an Frankfurt verkauft und zahlte damals bereits Steuern an die Stadt (44 Gulden und 22 Schilling im Jahr 1499 sind verbürgt). Im Jahre 1511 wurde es schließlich von den Eppsteinern für 3400 Gulden zurückgekauft.

Ruhe kehrt auch in der Folgezeit nicht ein. Die Grafen zu Stolberg erbten das Gebiet 1535, nachdem Graf Botho zu Stolberg im Jahre 1500 Anna von Eppstein, Gräfin von Königstein, geheiratet hatte. Nach dem Aussterben der Linie Stolberg-Königstein fiel Harheim dann 1581 für über 200 Jahre an Kurmainz, den Staat der Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz. In dieser Zeit traf der Dreißigjährige Krieg auch die Gemeinde Harheim, die damals vollständig zerstört wurde.

Marienkapelle in der Eschbachaue

Bei der Auflösung des Kurstaates Mainz 1803 fiel Harheim an das Fürstentum Nassau-Usingen, das sich 3 Jahre später mit dem Fürstentum Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau vereinigte. Preußen eroberte das Herzogtum Nassau im Jahre 1866 und löste es seinerseits 60 Jahre nach seiner Gründung wieder auf. Harheim gehörte fortan zum Großherzogtum Hessen (ab 1918: Volksstaat Hessen).

Nachdem ein Zusammenschluss mit fünf Nachbargemeinden zur Gemeinde Eschbachtal gescheitert war, erfolgte im Jahre 1972 gegen energischen Widerstand der Einheimischen – der bis zum ausgekippten Misthaufen vor der Rathaustür reichte – die zwangsweise Eingemeindung nach Frankfurt durch Gesetz des Hessischen Landtages vom 1. August 1972 gemeinsam mit den drei anderen Nord-Stadtteilen Kalbach, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach; den Abschluss eines Eingemeindungsvertrages hatten die Gemeinden Harheim und Nieder-Eschbach – anders als die Gemeinden Kalbach und Nieder-Erlenbach – bis zuletzt verweigert. Ihr Widerstand gereichte den Einwohnern des Ortes sogar zu Filmruhm, als er in einem Fernsehsechsteiler („Die Wilsheimer“) auch mit Laienschauspielern aus dem Ort nachgezeichnet wurde. Bis heute wird deshalb den Harheimern auf der offiziellen Internetpräsenz der Stadt Frankfurt eine „gewisse Eigenwilligkeit” nachgesagt.

Am 29. März 1979 wurde im Bürgersaal das Dritte Russell-Tribunal abgehalten, das Menschenrechtsverletzungen in der Bundesrepublik Deutschland anprangerte.

Wappen[Bearbeiten]

Am 5. Juli 1968 wurde der Gemeinde Harheim im damaligen Landkreis Friedberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In einem schwarzen, mit drei roten Sparren in Silber pfahlweise belegten Schild vorne ein goldenes Schwert, hinten ein goldener Stab.[3]

Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Jakobus
Friedenskirche
  • Die kleine Marienkapelle mit einer Statue der Mutter Jesu befindet sich in der Eschbachaue. Sie stammt von 1763. Dahinter befindet sich seit 1986 der Grenzsteingarten, der ausgegrabene Grenzsteine aus dem Harheimer Gebiet aus verschiedenen Jahrhunderten zeigt.
  • Die kath. Pfarrkirche St. Jakobus wurde 1932/1933 nach Plänen des Architekten Jan Hubert Pinand errichtet.
  • Die ev. Friedenskirche wurde 1964/1965 nach Plänen des Architekten Karl Wimmenauer errichtet. Die Fenster gestaltete die Künstlerin Ursula Graeff-Hirsch, die Hauptstücke (Kanzel, Altar, Taufbecken) der Bildhauer Erwin Heerich.
  • Drei etwa 200 bis 250 Jahre alte Wegkreuze an den ehemaligen Ortsausgängen des einstigen Dorfes. Ein Kreuz steht auf dem Harheimer Friedhof, eines an der Straße Zur Untermühle und eines an der Straße Hermannspforte.

Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Harheim

Politik[Bearbeiten]

Ortsbeiratswahl vom 27. März 2011
(Stimmen in %)[4]
 %
40
30
20
10
0
38,1
27,9
25,2
7,0
1,8
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006[5]
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,8
+11,0
+0,8
-2,1
-1,8
Der zentrale Platz in der Ortsmitte von Harheim

Der Stadtteil bildet einen eigenen Ortsbezirk und wird durch einen Ortsbeirat sowie einen Ortsvorsteher vertreten, der seit 2006 von den Grünen gestellt wird.

Die 9 Sitze des Ortsbeirats sind nach der Kommunalwahl 2011 wie folgt verteilt:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Über die Einwohnerentwicklung gibt es wenige verlässliche Daten. Man weiß, dass Harheim im Jahre 1660 – also kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg – 206 kurmainzische und 7 fremde Leibeigene beherbergte. Belegt sind die Einwohnerzahlen im Jahre 1823 (594 Einwohner) und im Jahre 1900 (1095 Einwohner).

Vor dem Zweiten Weltkrieg (1939) waren es 1200 Bewohner und im Jahre 1964 dann 2180 Einwohner. Bei der Eingemeindung (1972) zählte man 3535 Bewohner und laut dem statistischen Jahrbuch der Stadt Frankfurt 2002 bereits 3928 Einwohner. Nach Neubautätigkeiten um 2006/10 erhöhte sich die Einwohnerzahl auf 4294 (2012). Ein weiteres Neubaugebiet im Westen Harheims (seit 2012) wird für weiteren Zuwachs von einigen Hundert Einwohnern sorgen. Harheim gehört wie Kalbach und Nieder-Erlenbach zu den Frankfurter Stadtteilen mit hoher Eigenheimquote und niedriger Arbeitslosenrate.

Schule[Bearbeiten]

  • Grundschule Harheim

Religion[Bearbeiten]

Harheim verfügt über eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde.

Der Ort ist am sogenannten Bonifatiusweg gelegen, dem Weg, auf dem der Leichnam des von Friesen erschlagenen Missionars und Bischofs Bonifatius nach Fulda gebracht wurde.

Bekannte Harheimer[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

  1. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg vom 11. Juli 1972, GVBl. I S. 23, § 15 Stadt Frankfurt am Main
  2. Sauer, W., Nassauisches Urkundenbuch, Abteilung 1, Neudruck der Ausgabe 1885 (Aalen 1969), S. 18, Nr. 49
  3. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 5. Juli 1968 (StAnz. S. 1099) Seite 3 der tif-Datei 4,6 MB
  4. a b Kommunalwahlen 2011 in Frankfurt am Main, abgerufen am 22. April 2011
  5. Frankfurt am Main: Wahlanalysen, abgerufen am 22. April 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurt-Harheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien