Frankfurt-Sindlingen

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Wappen von Sindlingen
Wappen von Frankfurt am Main
Sindlingen
38. Stadtteil von Frankfurt am Main
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 4′ 51″ N, 8° 31′ 7″ O50.0808333333338.5186111111111Koordinaten: 50° 4′ 51″ N, 8° 31′ 7″ O
Fläche 3,35 km²
Einwohner 9097 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2716 Einwohner/km²
Postleitzahl 65931
Vorwahl 069
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 6 – West
Stadtbezirke
  • 601 – Sindlingen-Süd
  • 602 – Sindlingen-Nord
Verkehrsanbindung
Autobahn A66
Bundesstraße B40
S-Bahn S1 S2
Bus 54 55 57 837 n8 n82
Quelle: Stadt Frankfurt am Main: Statistik Aktuell 2014/5. Abgerufen am 8. März 2014.

Sindlingen ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.

Im Jahr 763 wurde Sindlingen erstmals urkundlich erwähnt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert profitierte Sindlingen von der nahegelegenen Hoechst AG, die einen deutlichen Bevölkerungsanstieg verursachte. 1917 wurde Sindlingen ein Stadtteil von Höchst am Main, mit dem es 1928 zu Frankfurt am Main kam.

Lage[Bearbeiten]

Sindlingen liegt an der westlichen Stadtgrenze Frankfurts, etwa 12 km von der Hauptwache und ca. 4 km vom Flughafen entfernt an einem Mainbogen, der den Stadtteil südöstlich begrenzt. Es ist der südlichste Stadtteil im Bezirk Frankfurt-West. Mit knapp 88 Metern über NN ist das Sindlinger Mainufer auch der tiefstliegende Punkt von Frankfurt. Nach Nordwesten steigt der Stadtteil bis auf 110 Meter an.

Angrenzende Frankfurter Stadtteile sind Zeilsheim im Norden und Höchst mit dem gleichnamigen Industriepark im Osten. Westlich liegt der Main-Taunus-Kreis mit der Stadt Hattersheim und deren Ortsteil Okriftel, und im Süden beginnt mit Kelsterbach der nördlichste Teil des Kreises Groß-Gerau.

Zur Gemarkung Sindlingens gehören auch die Siedlung Friedenau und der südöstliche Teil der Annabergstraße. Die offiziellen Stadtteilgrenzen umfassen dieses Gebiet jedoch nicht. Es wurde nachträglich verwaltungsmäßig dem Stadtteil Zeilsheim zugeordnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Bandkeramischer Kumpf, Fundort Marburg-Schröck, Grabung 1983

Die Gemarkung Sindlingen wurde schon in jungsteinzeitlicher Zeit besiedelt. Unter den bisher 16 bekannten Fundstellen in Sindlingen, befinden sich Siedlungsspuren aus der Zeit der Bandkeramiker (5600 bis 5500 v. Chr.), der Michelsberger Kultur (von etwa 4400 bis 3500 v. Chr.) und der Hinkelstein-Gruppe (5000 bis 4800 v. Chr.).[1] 1989 wurde bei archäologischen Untersuchungen im alten Ortskern von Sindlingen eine Villa Rustica nachgewiesen.[2]

Nach Aufgabe der Limesgrenze und Räumung ihrer rechtsrheinischen Gebiete durch die Römer im Jahre 260 n. Chr., drang der germanische Stamm der Alemannen in die ehemals römischen Gebiete ein und besiedelte diese ab dem Ende des 3. bis zum Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus. Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion der Alamannen nach Gallien und Noricum ein, über die nur ungesicherte Informationen vorliegen. Ein Konflikt mit den benachbarten Franken führte nach Gregor von Tours zwischen 496 und 507 zur entscheidenden Niederlage der Alamannen bei Zülpich gegen den fränkischen König Chlodwig I. Dadurch geriet auch die Alemannensiedlung Sundolingen unter fränkische Herrschaft. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet der Chatten, in dem sich die Siedlung Sundolingen zu dieser Zeit befand, von den Franken besetzt und in deren Königreich eingegliedert, um die fränkischen Grenzen vor den Sachsen zu schützen, die nördlich der Chatten siedelten und immer wieder in chattisches und fränkisches Gebiet eindrangen. Die Siedlung Sundolingen wurde damit ebenfalls in das Frankenreich eingegliedert und gehörte innerhalb der fränkischen Verwaltung zum Niddagau.

Expansion von Chlodwigs Herrschaft vom salischen Teilkönigreich 481 zum fränkischen Großreich 511

Im westlichen Bereich der Sindlinger Uferterrasse, genauer im Schnittpunkt der heutigen Farben- und Lehmkautstrasse wurde in den Jahren 1892 bis 1897 ein fränkisches Gräberfeld mit 500 Grabstätten entdeckt. Die Toten waren auf dem Rücken liegend oder nach der Seite ausgestreckt bestattet, das Gesicht der aufgehenden Sonne zugewandt. Die zum Teil wertvollen und reichen Grabbeigaben wurden Museen in Frankfurt, Wiesbaden und Höchst übergeben. Nach dem Sieg des fränkischen König Chlodwig I. wurde vermutlich auch Sindlingen von den fränkischen Eroberungen erfasst. Sindlingen scheint eine ausgedehnte und wohlhabende frühfränkische Siedlung gewesen zu sein, denn direkt neben den fränkischen Gräbern mit reichen Grabbeigaben schlossen sich karolingisch-fränkische Gräber an. Diese Flachgräber enthielten keinerlei Grabbeigaben, ein Hinweis für die ab der Mitte des 8. Jahrhunderts praktizierte christliche Tradition den Toten keine Gegenstände mit ins Grab zu geben.[3]

Vermutlich wurden bei dem gefundenen fränkischen Gräberfeld auch die ersten christlichen Kapellen aus Holz aufgebaut. Daher könnte die von Einhard erwähnte Kirche in Sindlingen, die alte Martinskirche auf der Mainterrasse gegenüber Sindlingen gewesen sein. Die Martinskirche ist heute nicht mehr zu sehen und lag auf dem Gebiet des heutigen Industrieparks. Möglicherweise könnte auch die Justinuskirche in Höchst auf eine solche frühfränkische Holzkapelle zurückgehen.[4]

Mittelalter[Bearbeiten]

Das genaue Gründungsdatum von Sindlingen ist heute unbekannt. Erst mit den ersten urkundlichen Erwähnungen beginnt die Geschichte Sindlingens. Die Urkunden aus der der Ortsname Sindlingen hervorgeht sind heute im Original nicht mehr erhalten. Die Abschrift aus dem Urkundenbuch des Klosters Fulda stammt aus der Zeit um 1150 n. Chr. und enthält kein genaues Datum. Die Originalurkunde in der Sindlingen genannt wurde ist auf die Amtszeit des Fuldaer Abtes Baugulf datiert, aus den Jahren 780 bis 802 n. Chr. Der mittlere Termin 791 n. Chr. wurde in Sindlingen als Termin der 1200-Jahrfeier 1991 gewählt.

Als erste Besitzerin Sindlingens (im Original Scuntilingen geschrieben) wird im Urkundenbuch Ymmina genannt. In der Abschrift heißt es (übersetzt): Ymmina, die Magd Christi, schenkt Gott und dem heiligen Bonifatius (d. h. dem Kloster Fulda) ihre Güter mit Zubehör und vielen dazugehörigen Leuten in Fischbach, Kriftel, Sindlingen und Liederbach.

Klosterruine Limburg

Im berühmten „Codex Laureshamiensis“ der 763 n. Chr. entstandenen Benediktinerabtei Lorsch an der Bergstraße (siehe auch: Kloster Lorsch) ist im Jahr 797 n. Chr. unter dem 27. September aufgezeichnet, dass ein Franke namens Grimoldus dem Kloster Lorsch 6 Morgen Ackerland in villa Sundilingen zum Geschenk machte.[5] Dies ist die älteste uns heute vorliegende Urkunde über Sindlingen. Da Sindlingen villa d. h. Dorf genannt wird, kann man für diese Zeit von einer ansehnlichen Siedlung ausgehen.[6]

Auch in späteren Urkunden wird von villa Sindlingen gesprochen. Im Jahre 804 schenkt eine Hildebure dem Kloster Lorsch u. a. zwei Mansen Land mit einem Gebäude und einem Hörigen in villa Suntilingen. 889 n. Chr. erhielt das Benediktinerkloster Bleidenstadt von einem Herevicus Grundstücke in der in Singelingero marca. Bereits 965 überlässt eine Rigalint dem Kloster Bleidenstadt zu ihrem Seelenheil Güter in Suntilingero marca. Die Bezeichnung marca lässt auf eine beträchtliche Gemarkung schließen.

Im Jahre 1036 schenkten Konrad II. und seine Gemahlin Gisela von Schwaben königlichen Besitz in Sundelingen an das Benediktinerkloster Limburg, dem sie gleichzeitig das Sindlinger Patronat übertrugen. Im Jahre 1268 machte das Kloster Limburg, Philipp I. von Falkenstein zum Schirmvogt von Sundelingen.

Neuzeit[Bearbeiten]

Johann Schweikhard von Kronberg, Kupferstich aus dem Theatrum Europaeum, 1662

Im Jahre 1369 wird zum ersten Mal ein Ortsgericht in Sindlingen erwähnt. Hier wurde über geringfügige Vergehen geurteilt aber auch die Siegelung gemeiner Sachen und Urkunden war Aufgabe eines Ortgerichts. 1352 gehörte Sindlingen zum Amt Hofheim und unterstand der Hofheimer Gerichtpflege. Hier wurden hauptsächlich Zivilsachen bei Schuld-, Kauf- und Erbschaftsangelegenheiten verhandelt. Kleinere Delikte wie Schlägereien, Trunkenheit und Beleidigungen wurden hier ebenfalls behandelt. Im Hofheimer Gerichtsbuch sind in den Jahren 1425 bis 1500 die Namen von 243 Sindlingern protokolliert. Das Ortsgericht tagte auf der Straße vor dem Haus des Frank von Kronberg.[7]

1490 lässt die Abtei Limburg in der Pfalz vom Schultheißen von Hofheim ihre Rechte in Sindlingen aufzeichnen. 1484 verkaufte das Kloster Limburg seinen Dinghof zu Sundelingen an das Stift Sankt Peter in Mainz, dem gleichzeitig auch der letzte Sindlinger Schirmvogt Johann von Cronberg seine Vogtrechte abtrat.

Während noch 1581 in einem „Hofheimer Landbrief“ der Gemeindename mit Sundtlingen verzeichnet ist, erscheint er auf dem Gerichtssiegel von 1633 als Sindelingen, auf dem von 1682 dann als Sindlingen, obwohl auch später noch die Namensform Sundlingen auftaucht.

Ab dem Jahre 1596 wird zum ersten Mal eine Schule in Sindlingen erwähnt. Im Jahr 1608 teilte Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikhard von Kronberg Sindlingen dem Amt Höchst am Main zu. Ein Jahr später im Jahre 1609 beginnt der Bau der katholischen Pfarrkirche St. Dionysius an der Stelle eine alten Kapelle. Zu dieser Zeit leben in Sindlingen 210 Einwohner: 48 Ehemänner, 2 Witwer, 48 Ehefrauen, 6 Witwen und 106 Kinder.

Der Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikhard bewilligt Sindlingen im gleichen Jahr ein eigenes Ortsgericht und die Führung eines Gerichtssiegels.[8]

Johann Wolfgang von Goethe, Postkarte nach einem Gemälde von Georg Oswald May, 1779

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Sindlingen von schweren Verwüstungen heimgesucht. Die Anzahl der Haushalte sinkt von 56 auf 43. Im Jahre 1654 sinkt die Anzahl der Haushalte weiter auf 25, 17 Hofreiten sind unbewohnt. Die Anzahl der bewohnten Haushalte steigt erst im Jahre 1680 wieder auf 37 Haushalte an.

Durch französische Truppen die im Pfälzischen Erbfolgekrieg Sindlingen erreichen, wird die gesamte Ernte der Gemeinde vernichtet. Am 7. Mai 1699 vernichtet ein Feuer innerhalb kurzer Zeit 26 Häuser, das Rathaus, 10 Scheunen und 23 Kelterhäuser in Sindlingen. Um das Rathaus wiederaufzubauen verkauft die Gemeinde 1770 einen Morgen des Haingrabens.

Joseph Maria Bolongaro

Die Brüder Andreas und Franz Vaccani aus Italien erwarben im Jahre 1740 in Sindlingen ein Landgut und begannen in den Gebäuden mit der Herstellung von goldenen und silbernen Besatzstücken und Galanteriewaren. Der Betrieb wurde bereits im Jahre 1744 wieder eingestellt.

1760 erwirbt der Handelsherr Karl Franz Allesina das Hofgut der Brüder Vaccani und errichtet auf einer aufgemauerten Terrasse am Mainufer ein Herrenhaus, zwei Hofreiten, 16 Morgen Weinberge, ferner Äcker und Wiesen, insgesamt etwa 156 Morgen.

Zur goldenen Hochzeit von Johannes Maria Allesina und seiner Frau Franziska Clara geborene Brentano am 30. Mai 1774 wird auch der junge Johann Wolfgang Goethe eingeladen. Sowie der Schnupftabaklieferant Josef Maria Markus Bolongaro. Die Feier der goldenen Hochzeit fand am 29. Mai 1774 in der alten Sindlinger Pfarrkirche statt. Goethe traf auf der Hochzeitsfeier auch Maximiliane von La Roche mit der Goethe befreundet war.

Anfang Juni schrieb Goethe in einem Brief an eine Freundin: ()...Zu Sindlingen auf der goldenen Hochzeit, da ich den Geburtstag Ihrer lieben Max herbeitanzte, hab ich ihrer viel gedacht....Ich habe Ihre Max den Arm gegeben. Sagen sie mir doch ein Wort vom Herzen! Sie werden sehen wie sie meinem Rad Schwung geben, wenn Sie meinen Werther lesen.... Der Geburtstag vom Maximiliane von La Roche war der 31. Mai, daher tanzte Goethe in den Geburtstag hinein".[9]

Das Hochwasser im Februar 1784 zerstört in Sindlingen 11 Gebäude. Am 5. Oktober 1799 kommt es zum Kampf der französischen Truppen im kurmainzischen Landsturm zwischen Sindlingen und Höchst.

Nassauische und preußische Zeit (1802–1917)[Bearbeiten]

Sindlingen 1893

1802 wurden durch den Reichsdeputationshauptschluss die geistlichen Fürstentümer und damit auch das Erzbistum Mainz aufgelöst. Höchst kommt zum Fürstentum Nassau-Usingen, das bald darauf im Herzogtum Nassau aufgeht. Die für Sindlingen zuständige Residenzstadt war nun Wiesbaden.

Im Jahre 1810 wurden in Sindlingen 98 Häuser mit 570 Bewohnern gezählt und sechs Gastwirtschaften: Zum goldenen Adler, Zum goldenen Engel, Zum goldenen Löwen, Zum weißen Schwan, Zum grünen Baum und Zum Stern.

Seit der Neuordnung der Bistümer 1821 gehört Sindlingen auch kirchenrechtlich nicht mehr zum Bistum Mainz, sondern zum damals neugeschaffenen Bistum Limburg. Um Platz für einen Kirchenneubau zu schaffen wird im Jahre 1820 der Friedhof verlegt. Bereits im Jahr 1825 kann die katholische Pfarrkirche eingeweiht werden.

Im Januar 1863 nimmt in Höchst die Chemische Fabrik Meister Lucius & Co., die späteren Farbwerke Hoechst ihren Dienst auf. 1866 wurde das Herzogtum Nassau aufgelöst und in eine preußische Provinz umgewandelt. Damit gehörte Sindlingen zum Königreich Preußen, aus dem 1918 das Land Preußen wurde. 1946 wurde dieses ebenfalls aufgelöst. Seither gehört Sindlingen zum Land Hessen.

Nach einer Verwaltungsreform in der Provinz Nassau wurde Sindlingen 1886 in den neu geschaffenen Landkreis Höchst eingegliedert.

Villa Meister von der Werksbrücke West

Durch die Enge zwischen der Taunus-Eisenbahn im Norden und dem Main im Süden expandierte die Farbwerke Hoechst immer weiter nach Westen und errichtete 1894 mit dem „Heilserum“ ihr erstes Produktionsgebäude auf Sindlinger Boden.[10]

Im Jahre 1885 stieg die Einwohnerzahl von Sindlingen auf 1497 Personen an. Von den berufstätigen Einwohnern waren zu dieser Zeit 60 % Landwirte, 30 % Fabrikarbeiter und 10 % Handwerker. 1886 ließ die Gemeinde eine Mainwerftanlage errichten, ein Landungsplatz für Schiffe deren Güter in Sindlingen aus- bzw. aufgeladen werden. Die Grundreste der Mainwerftanlage die inzwischen verlandet und von Gebüsch und Rasen überwuchert ist, sind heute noch am Mainufer zu sehen.

Durch den 1893 errichteten Haltepunkt wuchs Sindlingen nun auch nach Norden und wandelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Bauerndorf zu einem Arbeiterwohnort. Sindlingen wurde zunehmend auch für die Führungskräfte der Farbwerke attraktiv. 1902 baute Herbert von Meister nach den Plänen von Baurat Franz von Hovens, auf dem Gelände des Herrenhauses der Familie Allesina eine prächtige Villa, die noch heute das Mainufer prägt.[10] Nach 1945 bezogen die Witwe und Tochter von Herbert von Meister ein Nebengebäude des Anwesens. Laut einer testamentarischen Verfügung ist der weitläufige Park mit Eishaus und dem alten Baumbestand der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und jederzeit geöffnet für Spaziergänger.

1910 folgte am damals nordwestlichen Ortsrand die Villenkolonie. Zuvor hatte die Höchster Kirchengemeinde für die meist evangelischen Werksangehörigen ebenfalls im Norden ein Grundstück für ein Gotteshaus gekauft. Am 29. September 1907 konnte die von Architekt Alfred Günther gestaltete Kirche eingeweiht werden.[11] Zwei Jahre später folgte ein Kaufhaus der Farbwerke und wieder zwei Jahre später ein neues Schulhaus (heutige Meisterschule).[10] Im Jahre 1906 wurde eine Hochseilfähre zwischen Sindlingen und Kelsterbach errichtet.

Nach dem Bau der Ortskanalisation im Jahr 1913, wurden ein Jahr später 3526 Einwohner in Sindlingen gezählt.

Sindlingen als Stadtteil (seit 1917)[Bearbeiten]

Durch die Farbwerke rückten Höchst und Sindlingen immer näher aneinander und das Interesse der Stadt Höchst an neuem Bauland im Westen stieg. 1917 verlor die Gemeinde Sindlingen ihre bis dahin bewahrte Selbstständigkeit. Zusammen mit Zeilsheim und Unterliederbach wurde das Dorf zur Stadt Höchst am Main eingemeindet. Die wirtschaftlich angespannte Lage und die Besetzung von Höchst durch die französischen Streitkräfte verhinderten größtenteils die Vision von „Groß-Höchst“.[12] So wurde zum Beispiel die 1917 im Eingemeindungsvertrag versprochene Straßenbahnlinie Höchst–Sindlingen nie eingerichtet. Anstatt dessen verkehrte ab 1926 eine Omnibuslinie.[10] Wenigstens teilweise verwirklicht wurde die von Stadtplaner Carl Rohleder und Stadtbaumeister Paul Wempe geplante Siedlung Höchst-West, die ab 1920 am heutigen Richard-Weidlich-Platz entstand.[12] Aus dem bisherigen Eisenbahnhaltepunkt Sindlingen-Zeilsheim wurde Höchst-West.

Am 1. April 1928 ging Höchst am Main, mit allen angeschlossenen Ortschaften durch Eingemeindungsvertrag in das größere Gemeinwesen der Stadt Frankfurt am Main über. Sindlingen wurde einer der am westlichsten liegende Stadtteil, seine westliche Gemarkungsgrenze die westliche Stadtgrenze von Frankfurt.

Schon 1941 geplant, aber erst 1954 umgesetzt wurde die Verlegung der Mainzer Landstraße (Farbenstraße) unter Umgehung der Farbwerke und Sindlingens. Seitdem ist die Hoechster-Farben-Straße die Hauptstraße nach Höchst, während die alte Farbenstraße als Sackgasse am Mainufer endet. Eine weitere neue Straße entstand 1978 als Teil des Frankfurter Tangentialstraßensystems.[13].

Aus Wohnungsnot wurde 1950 an der Pfaffenwiese im nördlichsten Teil der Sindlinger Gemarkung die Siedlung Friedenau erbaut. Sie gehört heute verwaltungsmäßig zum Stadtteil Zeilsheim.

Mitte der 1950er Jahre wurde der Teil der Farbwerke, der sich auf Sindlinger Boden befand, eine Fläche von etwa 1,2 km², dem Stadtteil und der Gemarkung Höchst zugeordnet. Seitdem reicht Höchst bis zur Werksbrücke West.

Als eines der ersten Bürgerhäuser wurde 1963 am Richard-Weidlich-Platz das Haus Sindlingen errichtet.

Historische Namensformen[Bearbeiten]

Der Name des Dorfes Sindlingen geht wahrscheinlich auf eine alemannische Siedlung zurück, die zwischen 300 und 500 nach Christi Geburt gegründet und nach Vertreibung der Alemannen um 500 von den Franken übernommen wurde. Die Namensendung „ingen“ ist typisch für alemannische Siedlungen. Ortsnamen die mit „ingen“ enden wurden immer mit einer Person oder Sippe in Zusammenhang gebracht. Daher kann der Name Sindlingen mit einer Person oder Familie des Sundo oder Sundilo als ersten Bewohner oder Gründer der Ansiedlung in Verbindung gebracht werden. Der Ortsname würde soviel bedeuten wie „Zu den Mannen oder Nachkommen des Sundo oder Sundilo gehörig“ oder „Sundo und seine Leute“. Genauere Informationen sind nicht gesichert.[14]

Obwohl bereits im 18. Jahrhundert die heutige Schreibweise Sindlingen in Urkunden erscheint, setzte sich erst im letzten Jahrhundert der einheitliche Ortsname Sindlingen endgültig durch.[15]

Schreibweise des Ortsnamens Sindlingen
8. Jh. 9. Jh. 10. Jh. 11.–15. Jh. 16. Jh. 17. Jh. 18. Jh. 19. Jh.
Sundilingen Sundilingen
Sundelingen Sundelingen
Suntilingen Suntilingen Suntilingen
Scuntilingen
Scuntelingen
Swindelinga
Scuntelingen
Sundlinga Sundlinga
Suntiligua
Singelingen Singelingen Singlingen
Sünlingen Sunlingen Sunlingen
Sinlingen Sinlingen
Sunliu
Sünling
Singling
Sindlingen Sindlingen

Urkundlich erwähnte Grundherren[Bearbeiten]

Liste der geistlichen und weltlichen Grundherrn
Jahr Grundherr
791 Kloster Fulda
797 Kloster Lorsch
831 Abtei Prüm (Eifel)
889 Kloster Bleidenstadt
1036 Kloster Limburg (Pfalz)
1268 Falkenstein (später Kronberg)
1394 Stift Obermockstadt (Wetterau)
1394 Domstift zu Mainz
1412 St. Bartholomäusstift zu Frankfurt am Main
1484 St. Petersstift Mainz
1488 St. Alban zu Mainz
1493 Johanniterorden zu Mainz

Politik[Bearbeiten]

Schultheißen und Bürgermeister[16][Bearbeiten]

Der erste Bürgermeister von Sindlingen wurde 1849 gewählt, nachdem während der Märzrevolution die von den Herzögen benannten Schultheißen abgesetzt worden waren.

Liste der Schultheißen und Bürgermeister von Sindlingen
Jahr Person
1394 Peter Schudder (Schultheiß auf dem Hof des Stiftes Obermockstadt)
1428 Scharre
1475 Peter Hermann
1487 Hen
1492 Contz
1496 Krine
1560 Vältein Strauß
1614 Anthes Veix
1633 Ludwig Haub
1654 Wendel Scheffer
1680 Wendel Scheffer
1724 Josef Neuser
1744 Christoph Specht
1771 Peter Hahn
1781 Peter Hahn
1803–1814 Joseph Westenberger
1815–1825 Peter Huthmacher
1825–1836 Philipp Huthmacher
1836–1849 Johannes Schmitt
1849–1854 Johannes Schmitt
1854–1875 Philipp Glatt
1875–1888 Andreas Schmidt
1888–1917 Franz Joseph Huthmacher

Franz Josef Huthmacher unterschrieb für Sindlingen den Eingemeindungsvertrag mit Höchst am Main.

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Klärschlammverbrennungsanlage im IP Höchst

Wirtschaftliches Zentrum ist der direkt an den Stadtteil angrenzende Industriepark Höchst. Im Stadtteil befindet sich außerdem die Abwasser-Reinigungs-Anlage (ARA Sindlingen) und eine der größten Schlamm-Verbrennungs-Anlagen Europas (SEVA).

Neben der Industrie verfügt der Stadtteil über einige kleinere Einzelhandelsstandorte. In Sindlingen gibt es zwei Tankstellen, drei Supermärkte, zwei Drogeriemärkte, zwei Apotheken, zwei Bäckereien und einen Metzger. Daneben sind Handwerksbetriebe ebenfalls stark vertreten. Von der Nähe zum Flughafen profitieren das Hotel Post und die zahlreichen Gaststätten des Stadtteils. Die Nassauische Sparkasse, die Frankfurter Sparkasse und die Volksbank Höchst unterhalten Filialen entlang der Sindlinger Bahnstraße. Mit insgesamt 210 Unternehmen bei 665 Angestellten ist Sindlingen aber nur ein kleiner Gewerbestandort.[17]

Straßen[Bearbeiten]

Die Farbenstraße, als Teil der Mainzer Landstraße ehemals wichtigste Straße in Sindlingen, endet heute einerseits an der Werksmauer des Industrieparks Höchst, andererseits am Sindlinger Friedhof und hat nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Ein südlicher Ast der Bundesstraße 40, der Nachfolgerin der Mainzer Landstraße, verläuft heute auf einer eigenen erhöhten Trasse am westlichen Bebauungsrand Sindlingens.

Wichtige Zufahrtsstraßen nach Norden ist die West-Höchster-Straße, die in Sindlingen den Namen Sindlinger Bahnstraße trägt. Nach Osten führt seit den 1950ern die Hoechster-Farben-Straße (L3006).

Nach Hattersheim führen die Straße Im Hofheimer Grund (L3265) und die kleine Okrifteler Straße, benannt nach dem Ortsteil in Hattersheim.

Brücken[Bearbeiten]

Werksbrücke West

In Sindlingen befinden sich zwei Mainbrücken, die den Stadtteil mit Kelsterbach verbinden. Die 1972 erbaute Werksbrücke West, eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke dient dem internen Verkehr des Industrieparks Höchst. Die zwei öffentlichen Fahrstreifen sind durch Poller abgesperrt und werden nur von Fußgängern und Zweiradfahrern genutzt. Die 1978 fertiggestellte Sindlinger Mainbrücke trägt die zur Schnellstraße ausgebaute B 40 und zwei Radwege.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnhof Frankfurt-Sindlingen, Bahnhof Frankfurt-Zeilsheim

Sindlingen besitzt zwei S-Bahn-Stationen mit Anschluss an die S1 und die S2. Der Stadtteil ist an das Stadtbusnetz mit den Linien 54 und 55 sowie mit dem Nachtbus N8 angebunden. Nach Wunsch fährt die AST-Buslinie 837 nach Hattersheim. Im April 2007 wurde an der Stadtteilgrenze eine zweite S-Bahn-Station mit dem Namen Frankfurt-Zeilsheim eröffnet.

Bebauung[Bearbeiten]

Sindlingen-Nord[Bearbeiten]

Wohnhochhaus in der Hermann-Küster-Straße

Ferdinand-Hofmann-Siedlung[Bearbeiten]

Der Sindlinger Norden (amtlich als Stadtbezirk Sindlingen-Nord, 602, bezeichnet) liegt zwischen den Bahntrassen der Main-Lahn-Bahn (Norden) und der Taunus-Eisenbahn (Süden). Er ist durch die Ferdinand-Hofmann-Siedlung geprägt, die aus mehreren Häuserblocks aus verschiedenen Bauepochen besteht. Mit dem Bau dieses relativ neuen Teils Sindlingens wurde 1920 begonnen. Die Sindlinger Bahnstraße, Ferdinand-Hofmann-Straße und die Neulandstraße sind Bestandteil dieser ersten Bebauung. Die Häuser der Arbeitersiedlung sind größtenteils zweistöckig und weisen einen neu-klassizistischen Baustil auf, der entfernt an den mediterraner Palazzi erinnert.

Ferdinand-Hofmann-Straße

Nach einem fast 30-jährigen Baustopp begannen in den 1950er Jahren die Bauarbeiten für die restliche Siedlung. Dieser unterscheidet sich deutlich vom ersten Bauabschnitt. Als Ergebnis der Wohnungsknappheit der Nachkriegszeit entstanden zum ersten Mal in Sindlingen auch höhere, größtenteils fünfstöckige Mehrfamilienhäuser. Die ersten Häuser dieser „neuen“ Ferdinand-Hofmann-Siedlung entstanden zwischen der Trasse der Main-Lahn-Bahn und der neu angelegten Hermann-Küster-Straße. Das höchste Wohnhaus der Siedlung befindet sich am Ende dieser Straße. In den 60er Jahren wurde der Bau weiter südlich fortgesetzt und die Siedlung komplettiert. Bis 2006 wurden fast alle Wohnhäuser renoviert und bunt gestrichen.

Richard-Weidlich-Platz[Bearbeiten]

Richard-Weidlich-Platz

Den Abschluss des nördlichen Sindlingens bildet der Richard-Weidlich-Platz, ein halbes Rondell auf den die ursprünglichen drei Straßen der Siedlung zulaufen. Der Halbkreis wird durch die Sindlinger Bahnstraße geteilt. Auf der östlichen Seite befindet sich das Haus Sindlingen, das eine Dependance der Stadtbibliothek beheimatet. Das Bürgerhaus erlangte Berühmtheit, als dort 1974 gegen die RAF verhandelt wurde. In den folgenden Jahren diente das Haus als Dienstgebäude des 18. Polizeireviers, bis dies 1990 zunächst verlegt und dann geschlossen wurde. Seit Anfang des Jahres 2006 steht das ehemalige Bürgerhaus den Bürgern wieder als Haus Sindlingen offen. Das südliche Ende des Platzes bildet die S-Bahn-Station Sindlingen, unter der die Sindlinger Bahnstraße durchführt. Die Unterführung entstand 1980 als Ersatz für den überlasteten Bahnübergang.

Ev. Kirche Sindlingen-Süd

Sindlingen-Süd[Bearbeiten]

Kreisel[Bearbeiten]

Wenige Meter südlich der Unterführung liegt der Kreisel der Hoechster-Farben-Straße, die 1954 als Ersatz für die Sindlinger Farbenstraße entstand. Diese war bis dahin die Hauptstraße Sindlingens und Teil des Straßenzugs Mainzer Landstraße, führte aber durch das Werksgelände der Hoechst AG. Heute befindet sich das Tor West des heute unter dem Namen Industriepark Höchst bekannten Chemiewerks an jenem Kreisel. Die Sindlinger Bahnstraße führt ab hier weiter in den alten Ortskern des Stadtteils, die Hoechster-Farben-Straße unter Umgehung dieses zur Bundesstraße 40 Richtung Flughafen und Bundesautobahn 66.

Alter Ortskern[Bearbeiten]

Im Ortskern entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts entlang der Sindlinger Bahnstraße eine teilweise dichte Randbebauung. Die evangelische Kirche von 1907 befindet sich an der Kreuzung mit der Gustavsallee, einem ehemaligen Werkstor der Hoechst AG. An Heiligabend 1996 wurde die Kirche Schauplatz eines Selbstmordanschlags durch eine psychisch kranke Frau, das zwei weiteren Menschen das Leben kostete. Die Kirche konnte jedoch ein Jahr später wieder eröffnet werden. Am Dalles mündet die Bahnstraße dann in die Farbenstraße und der alte Ortskern beginnt. Zwischen Main und Farbenstraße liegen hier enge, verwinkelte Gassen mit kleinen Häusern. Auch die katholische Kirche der ehemals kurmainzer Gemeinde liegt hier. Am Ende der Farbenstraße liegt der Sindlinger Friedhof und die Endhaltestelle der Buslinien 54 und 55, die hier auch ihre Wendeschleife haben.

Sindlinger Mainaue mit Mainbrücke

An einer Anhöhe am Main befindet sich die Villa Meister mit dem dazugehörigen Meisterpark, ein 1902 von Hoechst-Vorstand Herbert von Meister erbautes Palais, das bis 1980 Sitz des Instituts für Angewandte Geodäsie war. Heute befindet sich die Phönix-Haus-Gesellschaft, ein Rehabilitationszentrum zur solzialen Integration ehemaliger Drogenabhängiger in der Villa.

Am Mainufer befinden sich die zwei Brücken des Stadtteils. Die von der Hoechst AG 1972 erbaute Werksbrücke West ist mit Drahtseilen an zwei 52 Meter hohen Pylonen aufgehängt. Über sie führen zwei unabhängige Straßen und eine Gütereisenbahn. Die Straße, welche sich außerhalb der Werksmauern befindet, ist für motorisierten Verkehr gesperrt und wird nur noch von Zweiradfahrern und Fußgängern genutzt. Sie führt zum Tor Süd und zum Naturschutzgebiet Schwanheimer Dünen. Die zweite Brücke – die unterste auf Frankfurter Stadtgebiet – wird von der autobahnähnlich ausgebauten B 40 mit separaten Fahrradweg benutzt und führt zum Flughafen. Die 1978 eingeweihte Brücke ist Teil der Südumfahrung Frankfurt-Höchst.

Schulen[Bearbeiten]

Schulgeschichte in Sindlingen[Bearbeiten]

Im Jahre 1598 wird zum ersten Mal eine Schule in Sindlingen erwähnt. Zu dieser Zeit war die Schule eine kirchliche Angelegenheit und das Schulehalten im Ort mit dem Dienst eines Glöckners verbunden. Erst durch Anregungen der Schriften Luthers gab es städtlische Unterrichtsanstalten, die mit heutigen Schulen kaum etwas gemein hatten. Da Sindlingen kurmainzisch war, war die Schule Sache der Kirchengemeinde. Und da die Stiftsherren zu Stift Sankt Peter in Mainz katholisch waren, wurden als Schulmeister katholische Personen berufen. Im Jahre 1648 war Johann Heinrich Wilhelm Schulmeister in Sindlingen. Sindlingen selbst hatte zu dieser Zeit kein eigenes Schulgebäude. Lehrer Heinrich Schutzbrett hielt seinen Unterricht im Jahre 1688 in seinem eigenen Wohnhaus, in der heutigen Huthmacherstraße 14. Erst im Jahre 1700 wurde auf Drängen der kurfürstlichen Regierung ein Schulhaus errichtet (Huthmacherstrasse 20) dass außerdem noch die Schultheißenstube und eine Gemeindeschmiede enthielt.[18]

Die Schulpflicht für 6- bis 12-jährige Kinder wurde im Jahre 1682 für kurmainzische Gebiete eingeführt. Die Schulzeit war vor allem auf die Wintermonate begrenzt. Da man die Zuarbeit der Kinder im Sommer für Arbeiten im Hof und auf dem Feld brauchte. Auch waren Lehrerstellen nicht gut bezahlt und auf Nebeneinkommen angewiesen. Als im Jahre 1771 in Mainz eine Schulakademie eröffnete, änderte sich diese Situation. Der Sindlinger Lehrer Johann Balthasar Klemm, der seit 1772 Lehrer in Sindlingen war hatte diese Anstalt bereits besucht und wurde wie folgt entlohnt: 209 Gulden und 8 Kreuzer. Sein Sohn Georg Andreas Klemm folgte ihm 1792 zu einem Jahresgehalt von 270 Gulden. 1818 betrug das Gehalt eines Lehrers 350 Gulden, da auch die Anzahl der Schulkinder in Sindlingen auf 94 angestiegen war.

Im Jahre 1817 und mit dem Übergang an Nassau wurde auch der Schuldienst reformiert. Der Schulunterricht war nun eine öffentliche Sache der weltlichen Obrigkeit. Zwar besaß die Kirche noch einen Einfluss auf das Schulwesen, aber dieser Einfluss wurde 1919 endgültig abgeschafft.

Der letzte „Dorfschulmeister“ in Sindlingen hieß Nikolaus Gottschalk. Im Jahre 1830 erhielt er einen Lehrgehilfen zugestanden, da sich die Zahl der Schüler auf 140 erhöhte. 1833 ließ die Gemeinde Sindlingen in der ehemaligen Schulgasse (heute Allesinastrasse) für 6139 Gulden ein massives, zweistöckiges Gebäude errichten. In diesem Haus waren neben Unterrichtsräumen auch die Gemeindestube und die Räume für die Lehrkräfte untergebracht.[19]

Im Jahr 1858 stieg die Zahl der Schulkinder in Sindlingen auf 173. Im Jahre 1873 wurde eine dritte und vierte Lehrerstelle für Sindlingen eingerichtet, im Jahre 1891 eine fünfte. Damals wurden wegen der Enge im Schulgebäude auch die Lehrerwohnungen als Unterrichtsräume genutzt. Durch die Enge der Unterrichtsräume wurde das Schulhaus im Jahre 1900 durch einen Anbau erweitert.

Herbert von Meister, der Sohn des Begründers der Farbwerke Hoechst, ließ im Jahre 1910 auf eigene Kosten eine Turnhalle erbauen und stellte der Gemeinde Sindlingen das Gelände für den Bau eines neuen Schulhauses zur Verfügung. Der Bau der jetzigen Meisterschule kostete damals 12.000 Goldmark. 1911 wurde der Neubau feierlich eröffnet. Zu Beginn war die Schule nur den oberen Jahrgängen vorbehalten, die jüngeren Kinder wurden weiterhin im alten Schulgebäude unterrichtet.

Nach der Eingemeindung Sindlingens zu Höchst im Jahre 1917 hatten die Meisterschule 765 Schüler, davon 7 Knaben- und 8 Mädchenklassen die von 13 Lehrern unterrichtet wurden. Im Verwaltungsbericht des gleichen Jahres der Stadt Höchst werden die Unterrichtsbedingungen als unerquicklich beschrieben. Die Ausstattung der Schule wurde als geradezu beschämend ärmlich bezeichnet. Der dringende Ausbau der Meisterschule wurde aber erst im Jahre 1929 nach der Eingemeindung zu Frankfurt abgeschlossen. Zu dieser Zeit hatte die Schule 542 Schüler.

In den Jahren 1949-1954 wurden die Räume der Schule renoviert. Der ab 1950 einsetzende Bauboom in Sindlingen brachte Sindlingen-Nord eine hohe Schülerzahl, weswegen ab 1961 drei Pavillons auf dem Gelände der Meisterschule erbaut wurden. Einen vorläufigen Höhepunkt der Schülerzahl erreichte die Meisterschule im Jahre 1965 mit 826 Schülern.[20]

In den 1970er Jahren wurde das Raumproblem der Meisterschule durch den Neubau der Schule Sindlingen-Nord entschärft. Die Ludwig-Weber-Schule wurde als Grundschule geplant und am Paul-Kirchhof-Platz errichtet.

Aktuelle Schulsituation[Bearbeiten]

Sindlingen ist heute in zwei Grundschulbezirke aufgeteilt.

Die Schüler aus Sindlingen-Nord sind der Ludwig-Weber-Schule zugeordnet. Die Meisterschule in Sindlingen-Süd ist Grund- und Hauptschule des Stadtteils.

1999 eröffnete in der Albert-Blank-Straße die Internationale Schule Frankfurt-Rhein-Main, eine private Schule mit Grundschul- und Gymnasialzweig, ausgestattet mit eigenem Schwimmbad und Sportplätzen. Der Unterricht findet dort hauptsächlich in Englisch statt.

Im Jahre 2011 feierte die Meisterschule ihr 100-jähriges Bestehen.

Übersicht Schulleiter in Sindlingen[Bearbeiten]

Liste der Schulleiter der Meisterschule in Sindlingen bis 1985
Jahr Person
1852–1860 Wilhelm Günster
1860–1868 Wendelin Bibo
1869–1878 Carl Molitor
1878–1887 Ludwig Schardt
1887–1896 Konrad Rehm
1896–1920 Johannes Sturm
1920–1935 Peter Althen
1935–1945 Adolf Manns
1945–1960 Aloys Ludwig
1960–1968 Hugo May
1964–1968 Reinhold Schmitt
1969–1985 Reinhold Daub
Liste der Schulleiter der Ludwig-Weber-Schule in Sindlingen bis 1990
Jahr Person
1973–1990 Christel Könnecke
seit 1990 Monika Schäfer

Wissenswert[Bearbeiten]

Am 18. August 1978 berichtete die Frankfurter Neue Presse von einem Unglück in Sindlingen-Süd auf dem Gelände des sogenannten neuen Spielplatzes zwischen Küferstraße und Hermann-Brill-Straße. Nach den Ermittlungen der Polizei hatten drei Kinder aus Holzkohle, Schwefel, Schwarzpulver und Unkrautvernichtungsmitteln eine Fackel gebaut. Die Explosion der Fackel war so groß, dass sie dem 13-jährigen Nobert Loos die Halsschlagader aufriss und einen weiteren 11-jährigen Jungen an der Hand schwer verletzte. Ein dritter Junge erlitt einen schweren Schock. Die Verletzungen von Norbert Loos waren so stark, dass er noch am Unfallort an seinen Verletzungen starb. Nach diesem Unglück wurde die damalige Betonwüste des Spielplatzes durch Gelder der Stadt Frankfurt komplett umgestaltet und kinderfreundlicher gemacht. In der Meisterschule hielt Rektor Daub zum Tode von Norbert Loos der ein Schüler der Meisterschule war eine Gedenkrede, es wurde zusätzlich zum Gedenken eine Schweigeminute abgehalten.[21]

Seit 2008 findet monatlich im Bürgerhaus Sindlingen (Haus Sindlingen) die Kabarett und Comedyshow „Comedy Lounge“ mit bundesweit bekannten und prominenten Künstlern statt, in der sich ein Großteil der Sindlinger Bürger einfindet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Was wissen wir denn?. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1997 (zum Selbstmordattentat in der ev. Kirche in Sindlingen-Süd, online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurt-Sindlingen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 7. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  2.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 10. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  3.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, S. 12–13. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  4.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 14. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  5. Urkunde 3396 aus dem Lorscher Codex uni-erlangen.de
  6.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  7.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 20 und 149. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  8.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 149. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  9.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 68 bis 71 und 150. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  10. a b c d  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  11.  Wolfgang Schubert: Gotteshaus der Hergeloffenen. In: Frankfurter Rundschau. 22. September 2007.
  12. a b  Wolfgang Metternich: Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main. Stadt Frankfurt am Main, 1990.
  13.  Presse- und Informationsamt Frankfurt (Hrsg.): Frankfurter Verkehrsbauten.
  14.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  15.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  16.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  17. Betriebe und Beschäftigte in den Frankfurter Stadtteilen – Unternehmensregister 31. Dezember 2005, frankfurt.de (PDF; 39 kB)
  18.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 122 bis 123. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  19.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 124. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  20.  Adalbert Vollert: Sindlingen – Ein Frankfurter Stadtteil einst und heute, Seite 124 bis 132. Frankfurter Sparkasse, Frankfurt am Main 1991.
  21. Frankfurter Neue Presse, 18. August 1978.