Frankfurter Waldbahn

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Die Frankfurter Waldbahn am Oberforsthaus in Sachsenhausen (1904)
Das erhaltene Bahnhofsgebäude an der Endhaltestelle Neu-Isenburg Stadtgrenze (2007)
Die ehemalige Waldbahnstrecke nach Neu-Isenburg, heutige Straßenbahnlinie 14
Das erhaltene Bahnhofsgebäude an der Endhaltestelle Schwanheim Rheinlandstraße
Die ehemalige Wagenhalle der Frankfurter Waldbahn in Neu-Isenburg mit O-Triebwagen 110 und Pt-Triebwagen 190 (2009)

Die Frankfurter Waldbahn war eine normalspurige Dampfstraßenbahn im südlichen Stadtgebiet von Frankfurt am Main.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Netzlänge der Frankfurter Waldbahn betrug 20,2 Kilometer. Die Strecke führte von der Untermainbrücke in Frankfurt-Sachsenhausen über 6,4 Kilometer nach Neu-Isenburg, mit Abzweigungen nach Niederrad (4,2 Kilometer) und nach Schwanheim (9,6 Kilometer).

Die Bahn verwendete als Fahrzeuge als Straßenbahnlokomotiven ausgeführte Dampflokomotiven und Personenwagen mit offenen Plattformen und zwei Drehgestellen sowie je nach Jahreszeit offene Sommerwagen.

Alle drei Strecken sind, mit gewissen Änderungen, bis heute in Betrieb und gehören heute zum Netz der Straßenbahn Frankfurt am Main.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 6. September 1887 erhielt die Localbahn-Bau und Betriebs-Gesellschaft Wilhelm Hostmann & Co. aus Hannover die landespolizeiliche Genehmigung für die Bahn, die ab 1900 eine Kleinbahn entsprechend dem Kleinbahngesetz vom 28. Juli 1892 war. Am 5. Februar 1889 wurde der Betrieb der Bahn eröffnet, die Abzweigung nach Schwanheim folgte am 18. April 1889.

Die überwiegend eingleisige Bahn führte vor allem den Personenverkehr nach Neu-Isenburg, Niederrad und Schwanheim durch und war teils als Straßenbahn, teils auch mit eigenem Bahnkörper angelegt, einige kürzere Abschnitte davon auch doppelgleisig. An der Station Louisa befand sich eine Verbindung mit der Main-Neckar-Eisenbahn, ein Anschlussgleis führte zur Station Goldstein der Hessischen Ludwigsbahn.

Am 13. Februar 1890 wurde die Firma in Frankfurter Waldbahn-Gesellschaft umbenannt. Zu Beginn des Jahres 1899 übernahm die Stadt Frankfurt die Waldbahn und betrieb diese Dampfbahn als besonderen Betriebszweig weiter. Erst ab 1925 wurden die Strecken elektrifiziert und 1929 in Betrieb genommen, wobei die Linien 7 (Neu-Isenburg) und 21 (Schwanheim) ins städtische Straßenbahnnetz eingegliedert wurden. Die Strecke nach Niederrad wurde bereits 1907 stillgelegt, nachdem die Städtische Straßenbahn die Linie 15 am 7. August 1907 vom Sandhof bis zur Triftstraße verlängert hatte.

Heutiger Betrieb[Bearbeiten]

Die ehemaligen Strecken der Waldbahn werden (mit teilweise veränderter Linienführung) bis heute betrieben: die Straßenbahnlinie 12 fährt nach Schwanheim, die Linie 14 nach Neu-Isenburg. Während des Volksfestes "Wäldchestag" verkehrte bis 2013 die Sonderstraßenbahnlinie Lieschen auf der ansonsten nicht befahrenen, ehemaligen Strecke der Frankfurter Waldbahn zwischen der Sonderstation Riedhof (in der Nähe der Straßenbahnstation Stresemannallee/Mörfelder Landstraße der Linie 14) und einer Behelfshaltestelle kurz vor der regulären Station Oberforsthaus der Linie 21.[1]

Die Bahnhofsgebäude in Neu-Isenburg und Schwanheim sind erhalten geblieben, ebenso die 1889 eröffneten ehemaligen Depots an den Endstationen Neu-Isenburg und Schwanheim, können aber heute von den Fahrgästen nicht mehr genutzt werden. In ihnen befinden sich Einrichtungen, wie zum Beispiel Toilettenanlagen für die Fahrer der VGF. Die Betriebsgebäude in der Textorstraße in Frankfurt-Sachsenhausen wurden seit 1926/27 nicht mehr als Abstellanlage für die Waldbahn benutzt, sondern für Omnibusse und andere Kraftfahrzeuge der Stadt. Die Werkstatt behielt ihre Funktion bis zur Aufgabe des Dampfbetriebes 1929. Nach dem Abbruch des Waldbahndepots in den Jahren 1959/63 entstand an dieser Stelle ein Hallenbad, das bis 2007 existierte. Die Wagenhalle in Neu-Isenburg dient der heutigen Straßenbahn zum Abstellen ausgemusterter Fahrzeuge und einzelner Museumswagen, die zwei Hallen in Schwanheim beherbergen das Verkehrsmuseum Frankfurt am Main.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dieter Höltge, Günter H. Köhler: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. 2. Auflage. 1: Hessen, EK-Verlag, Freiburg 1992, ISBN 3-88255-335-9.
  • Horst Michelke, Claude Jeanmaire: 100 Jahre Frankfurter Straßenbahnen: 1872 – 1899 – 1972., 1. Auflage, Villigen AG, Brugg/Schweiz 1972, ISBN 3-85649-018-3
  • Gerd Wolff und Andreas Christopher: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 8: Hessen, Freiburg 2004
  • Jens-Holger Jensen, Günter Appel, Georg Becker: Sachsenhausen näher betrachtet DIE TEXTORSTRAßE Geschichte & Geschichten, Frankfurt 2012, Henrich Editionen, ISBN 978-3-921606-91-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurter Waldbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lieschen sagt leise Adieu, zugegriffen am 27. März 2014