Franklin-Methode

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Die Franklin-Methode ist eine Bewegungslehre und zählt zu den Komplementärtherapien.[1][2][3] Sie entspringt dem Tanz, findet heute Eingang in alle Bereiche des Sports sowie in die Gesundheitsprävention und -rehabilitation. Die Franklin-Methode fügt sich aus Imagination, Bewegung, erlebter Anatomie und Berührung zusammen. Dabei hat sie ihren Schwerpunkt im mentalen Training: Mit der Hilfe von Gedankenbildern steigert die Franklin-Methode das Körper- und Bewegungsempfinden des Übenden und dadurch sportmotorische Fähigkeiten wie Kraft, Beweglichkeit und Koordination.

Ausbildungsinstitute[Bearbeiten]

Das Institut für Franklin-Methode in Wetzikon (Schweiz) bietet Workshops an, bildet ferner zum Diplom-Bewegungspädagogen der Franklin-Methode und zum Franklin-Methode-Therapeuten aus. Außer in der Schweiz gibt es die Ausbildung zum Bewegungspädagogen der Franklin-Methode in weiteren Ländern Europas (Niederlande, Deutschland) und in den USA.[4] Die Ausbildung ist auf drei beziehungsweise fünf Jahre angelegt. Studenten sind meist Tanzpädagogen, Rhythmiker, Physiotherapeuten, Yoga-, Tai Chi- und Pilates-Lehrer, Sportlehrer sowie Leistungssportler. Die Franklin-Methode ist Lehrfach an europäischen und amerikanischen Universitäten, so an der Hochschule für Tanz und Musik in Köln (Deutschland), an der Universität Wien (Österreich) und an der Juilliard School in New York. Bücher über die Franklin-Methode gehören an einigen Universitäten zur Standardliteratur von Tanzstudenten, beispielsweise am Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance in Großbritannien.[5] Die Franklin-Methode wird in der Tanzmedizin anerkannt, zum Beispiel von der tamed Deutschland e.V., Darmstadt und der International Association for Dance Medicine and Science (IADMS).[6][7]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Franklin-Methode gibt es seit den frühen 1980er Jahren, zunächst unter dem Namen „imaginative Bewegungspädagogik“, später unter dem Namen des Gründers, Eric Franklin, einem Sportwissenschaftler, Tänzer und Choreografen und Universitätsdozenten.[8][9][10] Die Franklin-Methode entwickelte sich aus der Ideokinese. Die New Yorkerin Mabel Ellsworth Todd (1874-1956) gründete diese Bewegungslehre in den 1930er Jahren.[11] Das Wort „Ideokinese“ kommt aus dem griechischen. Ideo heißt Idee, Kinesis heißt Bewegung. In der Ideokinese geht es um das Erreichen von Beweglichkeit mit der Hilfe von Gedankenbildern beziehungsweise darum, mit bildhaften Vorstellungen die Koordination der Muskeln zu verbessern. In die Franklin-Methode fließen heute außer der Ideokinese u.a. Elemente der Sportwissenschaft, die Psychomotorik, fernöstliche Bewegungslehren, die Kinesiologie, die Alexander-Technik, die Feldenkrais-Lehre, Yoga und Pilates ein. Die Methode berücksichtigt Erkenntnisse aus dem Fachgebiet der Neuroplastitzität. Darunter versteht man, dass sich Synapsen, Nervenzellen oder Hirnareale verändern, je nachdem, wie man sie gebraucht.

Kennzeichen[Bearbeiten]

Die Franklin-Methode zeigt, wie innere Bilder die Qualität der Bewegung und wie mentale Denkmuster und Emotionen das neuro-muskuläres System beeinflussen. Sie sagt, wie Muskeln auch im Stress geschmeidig bleiben. Außerdem lehrt sie, wie über die gelebte Anatomie Fehlhaltungen vermieden und korrigiert werden. Sie vermittelt darüber hinaus, wie man Imaginationen direkt in der Bewegung kreativ anwendet und wie das Entwickeln individueller Bilder und Übungen langfristig zu körperlicher Wohlspannung führt.[12][13]

Die wichtigsten Kennzeichen sind daher:

  • Systematik der Imagination
  • Verkörperung
  • Lernspirale

Imagination[Bearbeiten]

In der Franklin-Methode führen Visualisierungstechniken zu einem inneren Erleben der Anatomie. Die Methode unterscheidet u.a. anatomische, metaphorische, biologische und anatomisch-metaphorische Bilder.

Verkörperung[Bearbeiten]

Dieser Begriff ist am Beispiel erklärbar: Die Wirbelsäule des Menschen hält ihn aufrecht, ihre doppelte S-Kurve ist die Momentaufnahme einer Welle. Nur über die Verkörperung einer Funktion reagiert das Nervensystem, was dann die Funktion verbessert: Sitze oder stehe und lasse das Gefühl von schwingenden Meereswellen und ruhigem Fließen in deine Wirbelsäule sickern. Zunächst nur in der Vorstellung. Dann, wenn Du die innere Welle immer deutlicher spürst, lasse eine feine Wellenbewegung auch äußerlich zu. Genieße die Meereswellen in der Wirbelsäule einige Minuten und komme dann äußerlich zur Ruhe. Innerlich spüre noch etwas nach.

Lernspirale[Bearbeiten]

Der Schüler scannt eingangs des Trainings seinen Körper, das heißt, er lenkt seine Aufmerksamkeit zunächst auf die Füße, dann auf die Beine, auf den Oberkörper, auf beide Arme, auf die Hände und auf den Kopf, spürt außerdem seinen Atem nach. Anschliessend plant er die Bewegung gedanklich (Feedforward). Schließlich entscheidet er sich für die Bewegung, begleitet diese mit einem Bild, mit einem bestimmten inneren Dialog oder der Lehrer berührt ihn. Wenn er die Lektion beendet, vergleicht er das Ergebnis mit der Ausgangssituation (Feedback). Gefällt dem Schüler das neue Gefühl, verankert er es in den Alltag, findet nach Möglichkeit sogar ein eigenes Bild für diesen neuen körperlichen Zustand.

Studien zur Effizienz von Imagination[Bearbeiten]

Mentales Training[Bearbeiten]

Über mentales Training im Sport und in der Medizin liegen zahlreiche Wirksamkeitsstudien vor. Der Beitrag Lernen durch Bewegungsvorstellung und -imitation von Christian Dettmers und Violetta Nedelko bietet eine Übersicht über 95 Studien.[14]

Eine häufig zitierte Studie aus dem Jahr 1943 zeigte, dass mentales Training beim Korbwurf die Leistung von Basketballspielern ähnlich steigert, wie reales Training.[15]

Franklin-Methode[Bearbeiten]

Die Franklin-Methode befasst sich mit Tanz-Imagination. Forschung über die Tanz-Imagination gibt es bereits seit Langem, sie zeigt, dass das Training mit mentalen Bildern die Leistung von Tänzern steigert und der Gesunderhaltung dient. Über die Franklin-Methode liegen systematische Untersuchungen zur gesundheitsfördernden und leistungssteigernden Wirkung vor, auch außerhalb des Tanzsports. Die Imaginationen in der Franklin-Methode gehen über das mentale Training im Sport hinaus. Die Gedankenbilder der Methode imaginiert man im Ruhezustand, während Alltagstätigkeiten oder beim Sport. Das mentale Training im Sport findet dagegen statt, während man sitzt, steht oder liegt.[16]

Die Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Forschung in der Medizin (GESOMED) in Freiburg (Deutschland) ist auf die Evaluation von Maßnahmen zur Gesundheitsprävention spezialisiert. 2010 führte sie im Auftrag des Institutes für Franklin-Methode eine Längsschnittstudie durch, um den Präventionscharakter der Methode zu ermitteln. Das Gesundheitsverhalten der 191 Probanden verbesserte sich nachhaltig.[17]

2008 wickelte man an der Loyola Marymount University in Los Angeles zwei Studien zur Franklin-Methode ab: An der Studie Franklin Method Images’ Affects on Jumping von Teresa Heiland und Robert Rovetti nahmen 13 Tänzer teil. Die Studie ergab unter anderem, dass diese mit der Hilfe des metaphorischen Bildes sie schössen wie eine Rakete in die Höhe im Durchschnitt 4 cm höher als ursprünglich sprangen.[18] Die Studie Visual, Auditory, & Tactile Franklin MethodTM Images’ Affects on Plié Arabesques von Teresa Heiland et al. ermittelte an 18 Tänzern, wie ein biologisches, ein metaphorisches und ein taktiles Bild einen Tanzschritt, die Plié Arabesque, beeinflussen. Es ergaben sich inter- und intraindividuelle Unterschiede in der Wirksamkeit der inneren Bilder, doch alle Tänzer steigerten ihre Leistung.[19]

Ein Workshop in der Franklin-Methode wurde an der Universität Wien neben Workshops in elf anderen Präventionsmethoden in ein Forschungsprojekt mit insgesamt 252 Musikern einbezogen. In dem Projekt ging es darum, wie der Körper gesund bleibt, obwohl er im Beruf einseitig belastet wird. Das Ergebnis: Die Franklin-Methode eignet sich besonders, die Eigenwahrnehmung während des Musizierens zu steigern sowie das Körpergefühl zu verbessern und sie lässt sich gut in den Alltag umsetzen.[20]

Möglichkeiten und Grenzen[Bearbeiten]

Die Franklin-Methode ist schülerzentriert, sie vermittelt dem Lernenden ein Konzept für Bewegungsqualität und Körpergefühl. Sie eignet sich für Personen jeden Alters, unabhängig vom sportlichen Leistungsstand. Die Arbeit mit inneren Bildern ist pädagogisch strukturiert. Die Franklin-Methode fördert zudem die Kreativität und das Spielerische. Der Trainierende lernt Selbstwirksamkeit. Die Imagination muss systematisch, konsequent und eigenverantwortlich trainiert werden, wie jede andere sportliche Fähigkeit. Man muss bereit sein, das Training mit der Hilfe des „Gedankenmuskels“ anzunehmen. Die Methode stößt an eine Grenze, wenn jemand sich vor Veränderungen verschließt. Ein Franklin-Bewegungspädagoge muss in der Lage sein, den Schüler zur Imagination zu motivieren.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dachverband Xund. Die natürlichen Methoden der Komplementärtherapie. http://www.xund.ch/
  2.  Bettina Halbach: Fitte Füße ein Leben lang. In: Zeitschrift für Physiotherapeuten. September 2011, S. 67-71 (Online, abgerufen am 2. April 2014).
  3. Bettina Halbach: Kiefergelenkprobleme interdisziplinär gelöst. Zahnärztliche Praxis 03/2012, S. 4-5
  4. Institut für Franklin-Methode, Wetzikon, Schweiz, http://franklinmethod.org/
  5. Bettina Halbach: Der Lehrer Eric Franklin, tanz, Februar 2012, S. 76
  6. International Association for Dance Medicine and Science, University of Oregon, USA, http://www.iadms.org/
  7. Elisabeth Exner-Grave (Hrsg): Tanzmedizin. Schattauer Verlag, Stuttgart, 2008, S.121 - 126; Institut für Franklin-Methode, Wetzikon, Schweiz.
  8. William H. Watkins und Eric Franklin: Breakdance. Contemporary Books, USA, 1984
  9. Eric Franklin: Kraftvoller Auftritt. Tanzen mit Power und Perfektion. VAK Verlag GmbH, Kirchzarten bei Freiburg, 2. Auflage 2004
  10. Eric Franklin, Sonja Burger, Katharina Hartmann: Tanz-Imagination. Stark im Ausdruck, perfekt in der Technik. Das Handbuch für Training und Bühne. VAK Verlag GmbH, Kirchzarten bei Freiburg, 2.Auflage 2009
  11. A. Bernard, U. Stricker, W. Steinmüller: Ideokinese - Ein kreativer Weg zu Bewegung und Körperhaltung. Huber, Bern, Göttingen, Toronto, Seattle, 2003
  12. Roland Strauß: Die Kunst des Jetzt. Die Franklin-Methode. Synthese aus Imagination, Bewegung und erlebter Anatomie. Taijiquan Journal, 04/2011, S. 52-56
  13.  Martina Nauert: Die Franklin-Methode. In: Zeitschrift für Physiotherapeuten. Juli 2010, S. 30-31 (Online, abgerufen am 2. April 2014).
  14. Christian Dettmers, Violetta Nedelko: Lernen durch Bewegungsvorstellung und -imitation, neuroreha 01/2011 S. 24–31
  15. R. A. Vandell, R. A. Davis, H. A. Clugston: The function of mental practice in the acquisition of motor skills. Journal of General Psychology. 29/1943, S. 243-250
  16. Lynnette Young Overby, Jan Dunn: Dance Imagery Research: Implications for Teachers. The IADMS Bulletin for Teachers, Volume 3, Number 2, 2011, S. 9-11
  17.  Klaus Riemann, Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Forschung in der Medizin (GESOMED) (Hrsg.): Evaluation der Franklin-Methode. 2010.
  18. Teresa Heiland, Robert Rovetti: Which images and image categories best support jump height? In: Solomon R, Solomon J (eds): Abstracts of the 20th Annual Meeting of the International Association for Dance Medicine & Science 2010. Birmingham, UK: IADMS, 2010, pp. 74-75.
  19. Teresa Heiland et al: Franklin Method® Images' Affects on Jumping, Loyola Marymount University; College of Communication Studies & Fine Arts; Dance Program; Los Angeles, CA, USA, 2008.
  20. Rosa Diketmüller: Musik und Muskeln. Locker sein macht stark. Wege zu gesundem und bewusstem Musizieren. Evaluation Abschlussbericht. Projektleitung Walter Wretschitsch und Silvia Erdik. Universität Wien, Februar 2010, S. 12-13 und S. 62