Französischer Garten (Celle)

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Der Französische Garten in Celle ist ein historischer öffentlicher Park im Süden der Celler Altstadt. Er ist im Denkmalverzeichnis der Stadt Celle gelistet und als Baudenkmal gemäß NDschG geschützt.

Beschreibung der Anlage[Bearbeiten]

Wasserfontäne
Barocker Rosengarten

An der Nordseite begrenzt eine etwa 330 m lange, vierreihige Lindenallee den Park, sie hat den Namen Herzogin-Eleonore-Allee. Im Süden bildet eine Maulbeerbaum-Allee die Grenze des Gartens. Am äußersten Ost- und Südrand verläuft der Magnusgraben, benannt nach Herzog Magnus. Dieser Graben, er war ursprünglich als Teil einer Verteidigungslinie angelegt, wird östlich von Celle, bei der „Ziegeninsel“ von der Aller abgeleitet, umschließt den südlichen Teil der Altstadt von Celle und mündet in der Nähe des Celler Hafens wieder in die Aller. Er speist sowohl den großen Teich im Park, als über den Stadtgraben auch den Schlossgraben mit Wasser.

Der kreisrunde Teich am Westrand der Parkanlage wird in dieser Form erstmals 1770 abgebildet. Vorher waren hier vier rechteckige Teiche. Er hat einen Durchmesser von 95 m, einen Umfang von rund 300 m, eine Wassertiefe von 80 cm bis 1,60 m und eine Wasserfläche von 7.000 m². Auf einer kleinen Insel stehen zwei alte Trauerweiden. In der Mitte des Teiches befindet sich eine mehrstrahlige Fontäne, die Abends beleuchtet wird.

Vor dem Teich ist ein in sich geschlossener Teil als Rosengarten angelegt, der in seiner Form noch an die einstige Gestaltung als Barockgarten erinnert.

Im Ostteil der Gartenanlage steht das 1611 erbaute Renaissance-Schlösschen, eine Freilichtbühne und das von Adam Friedrich Oeser 1784 aus Crottendorfer Marmor gestaltete Denkmal der nach Celle verbannten Dänenkönigin Caroline Mathilde .

Weiter umfasst die Parkanlage geschwungene Wege, Blumenbeete, große Rasenflächen, Baum- und Buschgruppen, Skulpturen und Denkmale.

Der äußerste nördliche Teil des Parkgeländes wurde 1927 abgeteilt. Hier befindet sich das Niedersächsische Landesinstitut für Bienenkunde.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts existierte hier ein Lustgarten. Herzog Christian ließ 1611 im Stil der Renaissance-Fachwerkbauweise das heute noch vorhandene „Schlösschen“ errichten. Ursprünglich war dieses Haus die Wohnung der Hofgärtner. Heute wird es als Kindertagesstätte genutzt.

Ab 1670 wird auf Veranlassung von Eleonore d’Olbreuse, der Gattin von Herzog Georg Wilhelm, der französische Gärtner Henri Péronnet († 1690) mit der Gestaltung des Gartens beauftragt. Von 1690–1701 war René Dahuron, ebenfalls ein Franzose, verantwortlich. Wahrscheinlich wurde nach deren Herkunftsland die Gartenanlage in „Französischer Garten“ umbenannt. In der Zeit von 1695–1696 wird auch erstmals die vierreihige Lindenallee angelegt, die 1951–53 vollständig erneuert wurde.

Ab 1713 war der Gartenkünstler Ernst August Charbonnier für den französischen Garten angestellt.[2]

Das jetzige Erscheinungsbild, nicht mehr das eines französischen Gartens, sondern das eines englischen Landschaftsparks, geht auf Caroline Mathilde, die aus Dänemark verbannte, geschiedene Königin, die 1772-1775 in Celle lebte, zurück. Nach ihrem Tod wurde die Pflege des Gartens zeitweise vernachlässigt. So verschwand 1801 das kleine Sommerhäuschen, das sie am Teichufer hatte errichten lassen.[3]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, unter der Regie des Oberhofmarschalls Carl Ernst von Malortie, nach Plänen des Garteninspektors Franz Christian Schaumburg, bekam die Anlage ihre heutige Gestalt.

Anfang des 20. Jahrhunderts legt der Garteninspektor Otto von Boehn den Rosengarten an, der 1996 erneuert wurde.

1924 wurde im Osten des Geländes ein Kinderspielplatz und 1957 die Freilichtbühne vor dem Schlösschen angelegt. Die Ulmen am Magnusgraben wurden 1933 durch Ahornbäume ersetzt. Die Maulbeerbaum-Allee wurde 2002 neu gepflanzt. Sie soll an die ursprünglich südlich des Parks gelegene Maulbeerbaum-Plantage erinnern, die zur Seidenraupen-Zucht angelegt war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Celle: Der Französische Garten, Ausgabe 3, hrsg. von der Stadtsparkasse Celle, 1981 (24 Seiten)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Französischer Garten (Celle) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Institut für Bienenkunde
  2. Helmut Knocke: Charbonnier, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 84, online über Google-Bücher
  3. Norbert Steinau: Caroline Mathilde im Kurfürstentum Hannover 1772–1775. In: Caroline Mathilde. Von Kopenhagen nach Celle – Das kurze Leben einer Königin. Celle 2001, S. 127–154; S. 135

52.62080555555610.082916666667Koordinaten: 52° 37′ 14,9″ N, 10° 4′ 58,5″ O