Französisches Gymnasium Berlin

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Französisches Gymnasium Berlin
Foto
Eingang des Französischen Gymnasiums
Schulform Gymnasium
Gründung 1689
Adresse

Derfflingerstraße 7

Ort Berlin-Tiergarten
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 30′ 12,4″ N, 13° 21′ 19,5″ O52.50343888888913.355419444444Koordinaten: 52° 30′ 12,4″ N, 13° 21′ 19,5″ O
Website www.fg-berlin.de

Das Französische Gymnasium Berlin – oder Collège Français – ist die älteste öffentliche Schule Berlins. Sie wurde 1689 vom Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg für die hugenottischen Flüchtlinge aus Frankreich gegründet. Das Gymnasium hat es immer geschafft, Französisch als Unterrichtssprache beizubehalten, selbst während der Zeit des Nationalsozialismus.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprüngliches Gebäude an der Niederlagstraße in Berlin-Mitte

Das Französische Gymnasium Berlin wurde 1689 für die Kinder der auf Einladung des Großen Kurfürsten eingewanderten Hugenotten gegründet.

Im 18. Jahrhundert konnte das Collège durch angesehene Leiter wie Jean Henri Samuel Formey (Leiter von 1737 bis 1739) oder Jean Pierre Erman (1766–1824), die manchmal Erzieher der preußischen Prinzen waren, einen engen Kontakt zur Akademie der Wissenschaften herstellen. Gegen Ende dieser Epoche wurde die alte Bibliothek der Schule, die um ein Legat des Prinzen Heinrich bereichert wurde, eingerichtet. Die Schülerzahl nahm beträchtlich zu, von 35 im Jahre 1766 auf 208 im Jahre 1809. Als Schulgebäude diente 1701 bis 1873 das Palais Wangenheim in der Niederlagstraße auf dem Friedrichswerder in unmittelbarer Nähe zur Französischen Straße.[1]

Während der Zeit des Nationalsozialismus unterlag das Französische Gymnasium den gleichen Maßnahmen wie alle Schulen, ohne ganz das Klima der Toleranz zu verlieren. 1935 wurden auch hier alle jüdischen und 1942 auch alle sogenannten „halbjüdischen“ Schüler der Schule verwiesen. Französisch blieb Unterrichtssprache, eine gewisse Zeit lang wurden sogar Verbindungen mit Frankreich – zum Beispiel in der Form von Klassenreisen – aufrechterhalten.

Am Ende des Krieges wurde das Schulgebäude am Reichstagufer zerstört. Bereits im Mai 1945 wurde der Unterricht in Behelfsquartieren wieder aufgenommen.[2] Nach dem Krieg gründete die Französische Militärregierung eine eigene Schule in Berlin. Im Zuge der großen Politik der Zeit des Schuman-Plans bereiteten die Direktoren der beiden Schulen, Fouilleron und Hartig, seit Februar 1952 die Fusion ihrer Einrichtungen vor. Mit dem Schuljahresbeginn 1952 schlossen sich die französischen den deutschen Schülern im Gebäude am Zeppelinplatz in Wedding an; der 22. September gilt als das Datum der Fusion, die durch den Vertrag vom 24. April 1953 offiziell wurde. Im selben Jahr wurde der Unterricht im neuen, modernen Gebäude am Kurt-Schumacher-Damm in der Alliiertensiedlung Cité Pasteur aufgenommen.

Die Geschichte der folgenden Jahre ist die Geschichte einer fortschreitenden Ausgestaltung der Fusion, zum Beispiel mit dem ersten gleichzeitigen Schuljahresbeginn der deutschen und französischen Schüler 1973, der Angleichung der Schuldauer bis zum Bac und zum Abitur 1977 und der Ausdehnung der Fusion auf die letzten integrierten Fächer, Englisch und Latein. Seit 1974 residiert das Collège Français in der Derfflingerstraße (Berlin-Tiergarten).

Schulprofil[Bearbeiten]

Erinnerungstafel am früheren Standort am Reichstagsufer

Die Schule befindet sich im Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte. Der überwiegende Anteil der ca. 1000 Schüler sind deutscher oder französischer Herkunft. Weiterhin gibt es frankophone Schüler aus etwa 25 Nationen. Der Unterricht richtet sich nach französischen Lehrplänen, die Schüler können sowohl das Baccalauréat der Zweige L, ES oder S als auch das deutsche Abitur in französischer Sprache ablegen. Die Schule verfügt des Weiteren über eine reichhaltige Bibliothek mit historischen Büchern vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.

Der französische Staat besoldet das französische Personal, das aus 30 Lehrern besteht, und stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Die 50 Lehrer, die der deutschen Verwaltung unterliegen, erhalten ihr Gehalt vom Land Berlin. Im Vergleich zu anderen französischen Schulen ist das Französische Gymnasium die einzige Schule, die deutschem Landesrecht untersteht.

Journalistisches Projekt „Böser Wolf“[Bearbeiten]

Die Schule engagiert sich im Rahmen des mehrfach ausgezeichneten journalistischen Projekts Grand méchant loup – Böser Wolf, bei dem die Teilnehmer dazu angeregt werden, wie Reporter zu arbeiten. Das erstellte Material wie Artikel, Reportagen, Illustrationen, Interviews und Fotos wird von der Redaktion des Bösen Wolfs oder den Schülern selbst auf die dazugehörige Website gestellt.

Ehemalige Lehrer[Bearbeiten]

300 Jahre Französisches Gymnasium, Briefmarke 1989

Ehemalige Schüler[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Velder: 300 Jahre Französisches Gymnasium Berlin. Nicolai, Berlin 1989, ISBN 3-87584-254-5
  • Johannes E. S. Schmidt: Die Französische Domschule und das Französische Gymnasium zu Berlin. Schülererinnerungen 1848–1861. Herausgegeben und kommentiert von Rüdiger R. E. Fock. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3478-0
  • Programme d'invitation à l'examen public du Collège Royal Français. Berlin, 1837–1878/79; 1881-1882; 1884; 1886–1887; 1889–1890 (Digitalisat)
  • Programme du Collège Royal Français. Berlin, 1880; 1883; 1885; 1888; 1891 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte des Französischen Gymnasiums
  2. Geschichte des Französischen Gymnasiums