Franz-Josef-Land

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Franz-Josef-Land
Satellitenbild des Franz-Josef-Landes
Satellitenbild des Franz-Josef-Landes
Gewässer Arktischer Ozean
Geographische Lage 80° 40′ N, 54° 51′ O80.66666666666754.85Koordinaten: 80° 40′ N, 54° 51′ O
Franz-Josef-Land (Arktis)
Franz-Josef-Land
Anzahl der Inseln 191
Hauptinsel Alexandraland
Gesamtfläche 16.090 km²
Einwohner 9 (2007)
Reliefkarte
Reliefkarte

Franz-Josef-Land (russisch Земля Франца-Иосифа Semlja Franza Iossifa) ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer nördlich der großen Doppelinsel Nowaja Semlja und gehört zur Oblast Archangelsk in Russland. Benannt wurde sie nach Österreich-Ungarns Monarchen Franz Joseph I.

Das Kap Fligely bei 81° 51' n. Br. auf der Rudolf-Insel (Ostrow Rudolfa) ist der nördlichste Landpunkt Eurasiens. In einigen geographischen Abhandlungen sowie (u. a. englischsprachigen) Beiträgen wird Franz-Josef-Land zu Asien gezählt. Auf Franz-Josef-Land scheint vom 10. April bis 5. September die Sonne, die allerdings nie sehr hoch steigt (max. 33°). Die Zufahrt ist nur wenige Sommerwochen (und nicht in jedem Jahr) eisfrei und für Besucher praktisch nur auf einer der sporadisch durchgeführten Eisbrecher-Kreuzfahrten möglich. Landexpeditionen sind in der Regel nicht erlaubt, doch gibt es Ausnahmen wie für die Payer-Weyprecht-Gedächtnisexpedition 2005.

Schreibweise[Bearbeiten]

Es bestehen in der Literatur und selbst in den ersten Aufzeichnungen und Tagebüchern unterschiedliche Schreibweisen, wie z. B. „Kaiser Franz Josef Land“, „(das) Kaiser Franz Joseph(s) Land“ oder „(das) Kaiser Franz Josef(s) Land“. Die teilweise im deutschen und englischen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung „Franz-Joseph-Land“ bzw. „Franz Josef Land“ ist durch die „Endgültige Karte von Franz Josef Land“ des Kartographen August Petermann aus dem Jahre 1876 historisch belegt und wird wie Grönland oder Island ohne Artikel verwendet.

Geographie[Bearbeiten]

Die Inselgruppe liegt östlich von Spitzbergen und westlich der Inselgruppe Sewernaja Semlja (Nordland). Sie ist durch Fjorde, Buchten und meist zugefrorene Meerengen unterteilt. Zwischen Spitzbergen und Franz-Josef-Land befindet sich noch die zu Russland gehörende Victoria-Insel. Der nördlichste Punkt Franz-Josef-Lands ist nur ca. 900 km vom Nordpol entfernt. Nur die Nordspitze Grönlands und die Ellesmere-Insel in Kanada liegen dichter am Pol. Die südlichste Insel Franz-Josef-Lands ist etwa 370 km von der Insel Nowaja Semlja entfernt. Die Barentssee wird von Franz-Josef-Land im Norden abgegrenzt. Die Gesamtfläche der Inseln beträgt 16.090 km² (etwa die Größe der Steiermark oder Thüringens). Es wurden 191 Inseln gezählt (andere Quelle: 187 Inseln), die zu über 80 % ständig mit Eis bedeckt sind. Die Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs, die höchste Erhebung (614 m ü. NN) liegt auf der Wiener-Neustadt-Insel (ostrow Winer Neischtadt). Die Zeitzonen sind für die 160 km westlich des Archipels gelegene Ostrow Wiktorija (Victoria-Insel) MEZ +1 Stunde und für den Rest MEZ +2 Stunden.

2007 gab es noch zwei ganzjährig besetzte Stationen, die Wetterstation Nagurskaja auf Alexandraland mit einer Winterbesatzung von fünf sowie das Geophysikalische Observatorium E.T. Krenkel auf der Hayes-Insel mit vier Personen.[1]

Die Inseln[Bearbeiten]

Kap Tegetthoff (Hall-Insel)
  • Semlja Alexandry (Alexandraland), mit der russischen Polarbasis Nagurskaja, die nördlichste Grenzschutzbasis Russlands samt einer Landepiste.
  • Ostrow Tschamp (Champ-Insel, benannt nach William S. Champ). Liegt im Innern der Inselgruppe und ist vor allem bekannt durch das Auftreten von Konkretionen, das sind hier runde Steinkugeln mit bis zu drei Metern Durchmesser.
  • Ostrow Gallja (Hall-Insel, benannt nach Charles Francis Hall) mit dem markanten Kap Tegetthoff und seinen vorgelagerten Felsnadeln. Das Kap war das erste Land, das Payer und Weyprecht nach ihrer über zwölf Monate langen Drift auf dem Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff sichteten.
  • Ostrow Gogenloe (Hohenlohe-Insel) mit Kap Schrötter
  • Ostrow Greem Bell (Graham-Bell-Insel, benannt nach Graham Bell) mit der längsten Landebahn des ganzen Archipels (2.100 m). Hier starteten und landeten auch schwere Transportmaschinen.
  • Ostrow Heiss (Hayes-Insel), mit dem Geophysikalischen Observatorium „Ernst T. Krenkel“.
  • Ostrow Gukera (Hooker-Insel) mit dem Rubini-Felsen, dem bedeutendsten Vogelfelsen des Archipels. Von 1929 bis 1959 befand sich auf Hooker-Island die sowjetische Forschungsstation „Buchta Tichaja“.
  • Ostrow Nordbruk (Northbrook-Insel, benannt nach Thomas Baring, 1. Earl of Northbrook), eine der südlichsten Inseln und relativ gut zugänglich.
  • Ostrow Rudolfa (Rudolf-Insel), nördlichste Insel und Ausgangspunkt für Pol-Expeditionen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts (Teplitz-Bucht). Auf einem flachen Gletscher befindet sich eine kurze Eis-Landepiste.
  • Semlja Wiltscheka (Wilczek-Land), mit Kap Heller
  • Ostrow Wiltscheka (Wilczek-Insel), südlichste Insel und von Payer und Weyprecht am 1. November 1873 erstmals betretenes Land, Grab des Maschinisten Ota Kříž
  • Ostrow Winer Neischtadt (Wiener-Neustadt-Insel) mit dem höchsten Berg der Inselgruppe (Peak Parnass mit 620 m).
  • Ostrow Ziglera (Ziegler-Insel), benannt nach dem US-amerikanischen Sponsor zweier Polarexpeditionen – der Baldwin-Ziegler-Expedition 1901–1902 und der Fiala-Ziegler-Expedition 1903–1905.
Insel russisch Fläche
km²
Höhe
m
Prinz-Georg-Land Земля Георга 2820,8 416
Wilczek-Land Земля Вильчека 2203,3 606
Graham-Bell-Insel Остров Греэм-Белл 1556,6 509
Alexandraland Земля Александры 1095,3 382
Hall-Insel Остров Галля 1049,4 502
Salisbury-Insel Остров Солсбери 960,0 482
McClintock-Insel Остров Мак-Клинтока 611,5 521
Jackson-Insel Остров Джексона 521,4 481
La Ronciere-Insel Остров Ла-Ронсьер 478,3 431
Hooker-Insel Остров Гукера 459,8 576
Ziegler-Insel Остров Циглера 448,0 554
Champ-Insel Остров Чамп 374,3 507
Luigi-Insel Остров Луиджи 370,6 468
Salm-Insel Остров Сальм 344,0 343
Karl-Alexander-Insel Остров Карла-Александра 329,2 365
Rudolf-Insel Остров Рудольфа 295,5 461
Northbrook-Insel Остров Нортбрук 288,6 344
Eva-Liv-Insel Остров Ева-Лив 288,0 381
Wiener-Neustadt-Insel Остров Винер-Нёйштадт 237,0 620
Bruce-Insel Остров Брюса 190,8 301
Nansen-Insel Остров Нансена 164,1 372
Payer-Insel Остров Пайера 160,0 284
Rainer-Insel Остров Райнера 139,8 284
Hayes-Insel Остров Хейса 132,2 242
Greely-Insel Остров Грили 127,2 447
Arthur-Insel Остров Артура 111,2 275
übrige Inseln   333,1  
Franz-Josef-Land Земля Франца-Иосифа 16090,0 620

Klima[Bearbeiten]

Raues, arktisches Klima herrscht im Gebiet der Inselgruppe vor, es kommt oft zu Stürmen und besonders am Ende des sehr kurzen Sommers zu dichtem Nebel. Die Temperaturen liegen im Durchschnitt bei +2 °C im Sommer und −22 °C im Winter. In den letzten Jahren lagen die Extremwerte bei +10 °C bzw. −48,9 °C. Diese Daten beziehen sich auf die Wetterstation Nagurskoje auf Alexandraland (Semlja Alexandry) im Westen des Archipels.

Krenkelstation, Hayes-Insel
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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33
 
-20
-25
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: [2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Krenkelstation, Hayes-Insel
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −20 −21 −21 −17 −7 0 1 1 −2 −10 −16 −20 Ø −10,9
Min. Temperatur (°C) −26 −27 −26 −21 −10 −2 0 −1 −4 −14 −21 −25 Ø −14,7
Temperatur (°C) −22 −23 −23 −18 −8 −1 1 0 −3 −11 −18 −22 Ø −12,3
Niederschlag (mm) 36 33 23 18 20 13 23 23 30 23 41 33 Σ 316
Luftfeuchtigkeit (%) 84 81 80 81 85 88 91 91 89 85 84 84 Ø 85,3
T
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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23
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33
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [2]

Die Inselgruppe liegt am Rand der Packeisgrenze, das heißt, dass nördlich der Inselgruppe das Eis auch im Sommer nicht aufbricht, jedoch zirkumpolar driftet. Aber auch weiter südlich bedecken gewaltige Packeisfelder fast 70 % der nördlichen Barentssee.

Vegetation und Fauna[Bearbeiten]

So nah am Nordpol ist die Vegetation sehr spärlich. Es gibt auf Franz-Josef-Land Moose, Flechten und einige Grasarten. Die wenigen Blütenpflanzen, die im Frühsommer eine kurze Blüte erleben, müssen sich sehr schnell bestäuben lassen und ihre Samen verbreiten. Große Teile der Inseln bleiben das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt. In manchen von der Sonne beschienenen Schneefeldern bilden sich in den oberen Schichten des tauenden Schnees sehr farbenprächtige Eisalgen zum Beispiel in scharlachrot oder grasgrün.

Die vorherrschenden Tierarten sind Walrosse, Seehunde, Polarfüchse, Eisbären und einige Insektenarten. Die eisfreien Klippen und Strände werden von Meeresvögeln besiedelt, die hier ihre Jungen ausbrüten, wie zum Beispiel die Lummen und Krabbentaucher sowie verschiedene Möwenarten. Bis auf den Eisbären überwintert keine der höheren Tierarten auf den Inseln. Im Meerwasser finden sich die für die Arktis typischen Arten von Krill, die die Grundlage der Nahrungskette der meisten Tiere bilden und sich dank der beständigen Algenblüte im Sommer reichlich vermehren. Auf dem Meeresboden wächst die ebenfalls für arktische Gewässer typische Megafauna – von Rippenquallen über Krustentiere bis hin zu den Seeanemonen.

Geschichte[Bearbeiten]

Russischer Grenzposten Nagurskaja auf dem Franz-Josef-Land
Grenzsoldat in Nagurskaja (2010)

Das Seegebiet um den Archipel wurde vermutlich schon im 17. Jahrhundert von Robbenjägern und Walfängern bereist. In mehreren Dokumenten wird von Inseln östlich von Spitzbergen berichtet, so 1614 bei William Baffin und 1675 bei Cornelis Roule. Die Angaben sind aber so ungenau oder weitab der wirklichen Lage des Archipels, dass zweifelhaft ist, ob es sich um Franz-Josef-Land gehandelt hat.[3]

Der norwegische Robbenfänger Nils Fredrik Rønnbeck berichtete, 1865 Land östlich des Spitzbergen-Archipels gesichtet zu haben. Hier könnte es sich um eine der östlichen Inseln Franz-Josef-Lands gehandelt haben. Genaue Positionsbestimmungen und Beschreibungen markanter Punkte sind auch hier nicht bekannt.[3]

Am 30. August 1873 sichtete die Österreich-Ungarische Nordpolexpedition unter Oberleutnant Julius Payer (Kommandant der Landreisen) und Schiffsleutnant Carl Weyprecht (Kommandant der Schiffsexpedition) den Archipel offiziell, zuerst die Hall-Insel (Ostrow Gallja, benannt nach Charles Francis Hall). Er erforschte den Ostteil auf drei Schlittenreisen bis zur nördlichsten Spitze (Kap Fligely) und benannte den Archipel nach Kaiser Franz Joseph I.

Auf der ersten Expedition wurde die Inselgruppe auf der Wilczek-Insel (Ostrow Wiltscheka, benannt nach Johann Nepomuk Graf Wilczek, nicht zu verwechseln mit Wilczek-Land) erstmals betreten. Auf einer Erkundungstour mit improvisiertem Schlitten kam Payer im Frühling 1874 bis zum Kap Fligely (Mys Fligely, benannt nach August von Fligely).

Nach einem gescheiterten Versuch, den Nordpol zu erreichen, kamen die beiden Polarforscher Fridtjof Nansen und Hjalmar Johansen am 14. August 1895 am Kap Norwegen auf der Jackson-Insel (Ostrow Dscheksona) an und überwinterten hier. Im Frühling 1896 setzten sie ihren Marsch Richtung Süden fort. Am 16. Juni 1896 erreichten sie das Kap Flora auf der Northbrook-Insel (Ostrow Nordbruk), wo sie auf den britischen Polarforscher Frederick George Jackson trafen, was ihre Rettung bedeutete (siehe Nansens Fram-Expedition).

An der Stelle der Erstentdeckung, am Kap Tegetthoff (Mys Tegetchof) der Hall-Insel, wurde während der Walter-Wellman-Expedition 1898–1899 ein Gedenkstein errichtet. (80° 5′ N, 58° 1′ O80.08333333333358.016666666667)

1899 überwinterten am Kap Heller (benannt nach Friedrich Jakob Heller) auf Wilczek-Land zwei norwegische Mitglieder der Wellman-Expedition. Bernt Bentsen (1860–1899), der schon mit Nansen auf der Fram gefahren war, fand dabei den Tod. Luigi Amadeo von Savoyen, Herzog der Abruzzen, führte im selben Jahr eine Expedition mit der Stella Polare. Er überwinterte mit dem Schiff in der Teplitz-Bucht der Rudolf-Insel. Am 11. März 1900 verließen zehn Mann unter Kapitänleutnant Umberto Cagni das Lager in Richtung Nordpol. Am 24. April hisste Cagni am nördlichsten bis dahin von Menschen erreichten Ort (86° 34′ N, 64° 30′ O) die italienische Flagge und kehrte zum Basislager zurück, weil die Lebensmittelvorräte nur noch für dreißig Tage reichten.[4]

Wilhelm Bade, der erste Veranstalter regelmäßiger arktischer Kreuzfahrten, führte 1900 eine touristische Jagdreise nach Franz-Josef-Land auf der gecharterten norwegischen Hertha durch, die vor allem von wohlhabenden Italienern gebucht wurde, die auf eine Begegnung mit der Stella Polare hofften. Die Hertha hielt sich in der zweiten Augusthälfte im Südosten des Archipels zwischen der Salm-Insel und der Graham-Bell-Insel auf.[5][6]

1901 überwinterte die Expedition des US-Amerikaners Evelyn Baldwin auf der Alger-Insel (Ostrow Aldscher).

Auf der Northbrook-Insel (Ostrow Nortbruk) wurde von einer Expeditionsmannschaft, deren Schiff in der Nähe der Rudolf-Insel gesunken war, 1904 Kohle gefördert.

Am 25. Junijul./ 8. Juli 1914greg. betrat Walerian Albanow, Erster Steuermann der russischen Polarexpedition von 1912 unter der Leitung von Kapitän Georgi Brussilow mit dem Matrosen Alexander Konrad und weiteren acht Männern die Insel Alexandraland. Albanow hatte am 14. April 1914 den Schoner St. Anna auf etwa 83° 40' N und 60° O verlassen, als dieser schon seit zwei Jahren im Eis festsaß. Am 9. Juli erreichten Albanow und Konrad Kap Flora und wurden von der St. Foka, dem Dampfer der Sedow-Expedition, nach Murmansk gebracht. Eine russische Expedition im Jahre 2010 entdeckte auf Prinz-Georg-Land unter anderem persönliche Gegenstände von Teilnehmern der Brussilow-Expedition wie eine Armbanduhr, eine Trillerpfeife, Patronen und eine selbstgefertigte Sonnenbrille. Die Expedition des Jahres 2010 ließ sich von den Memoiren des Steuermanns aus dem Jahre 1917 zu dem Fundort leiten.[7]

Am 15. April 1926 erklärte die Sowjetunion unter norwegischen Protesten das ganze Territorium zwischen dem sowjetischen Festland und dem Nordpol als sowjetisches Hoheitsgebiet. Das betraf auch Franz-Josef-Land, das zuvor als Niemandsland gegolten hatte.

Von 1929 bis 1959 war die sowjetische Forschungsstation „Buchta Tichaja“ in der gleichnamigen Bucht auf der Hooker-Insel (Ostrow Gukera, benannt nach Joseph Dalton Hooker) der wichtigste Ausgangsort für Polarexpeditionen.[8]

1931 überquerte LZ 127 „Graf Zeppelin“ die Inselgruppe, er gelangte über den nördlichsten Landpunkt hinaus (Kap Fligely).

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich vom August 1943 bis Juli 1944 in der Cambridge Bay auf Alexandraland (benannt nach der österreichischen Erzherzogin Alexandra) eine geheime deutsche Wetterstation mit dem Codenamen Schatzgräber. Das Personal musste aufgrund einer Erkrankung im Juli 1944 evakuiert werden, die Ausrüstung wurde im Oktober des gleichen Jahres von einer U-Boot-Besatzung abgebaut.

In der Zeit des Kalten Krieges war die gesamte Inselgruppe wegen ihrer geostrategischen Lage militärisches Sperrgebiet und für Zivilisten nicht erreichbar. Auf der Graham-Bell-Insel (ostrow Greem Bell) war eine Bomberstaffel stationiert.

Am 23. Dezember 1996 verunglückte ein russisches Flugzeug (Antonow An-72) bei der Landung auf der Piste in Nagurskaja.

Im April/Mai 2005 reiste die Payer-Weyprecht-Gedächtnisexpedition mit einer Sondereinreisegenehmigung nach Franz-Josef-Land. Die moderne Kleinexpedition, bestehend aus den Österreichern Christoph Höbenreich (Expeditionsleiter) und Robert Mühlthaler, den Russen Viktor Bojarski und Nikita Ovsianikov sowie dem Polarhund Nanuk, durchquerte Franz-Josef-Land mit Ski und Schlitten auf den Spuren von Julius Payer, um die historische Leistung der Pioniere zu würdigen. Die Expedition hinterließ am Kap Tirol eine bronzene Gedenktafel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein:

  • Julius Payer: Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition in den Jahren 1872–1874, nebst einer Skizze der zweiten deutschen Nordpol-Expedition 1869–1870 und der Polar-Expedition von 1871. Hölder, Wien 1876.
  • Andreas Umbreit: Spitzbergen mit Franz-Joseph-Land und Jan Mayen. 7. Auflage. Conrad Stein, Welver 2004, ISBN 3-89392-282-2.
  • Andreas Pöschek: Geheimnis Nordpol. Die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition 1872–1874. (PDF; 1,3 MB) Wien 1999.
  • H. Straub: Die Entdeckung des Franz-Joseph-Landes. Styria, Graz 1990, ISBN 3-222-11943-0.
  • Valerian I. Albanow: Im Reich des weißen Todes. Die Aufzeichnungen des Mannes, der 1914 den Marsch durch das Eis der Arktis überlebte. 2. Auflage. Berliner Taschenbuch, Berlin 2002, ISBN 3-442-76020-8 (Bericht über einen Aufenthalt von September 1913 bis August 1914 im Gebiet des Franz-Josef-Landes)
  • Helfried Weyer, Peter von Sassen: Vergessene Inseln im Eis. Eine Expedition ins Kaiser-Franz-Joseph-Land. Berlin 2006, ISBN 3-89479-302-3.
  • Christoph Höbenreich: Expedition Franz Josef Land. In der Spur der Entdecker nach Norden. Frederking-Thaler, München 2007, ISBN 3-89405-499-9 (Expeditionsbildband über die Payer-Weyprecht-Gedächtnisexpedition 2005, die österreichisch-ungarische Nordpolarexpedition 1872–1874, die Polarreise des Eisbrechers Kapitan Dranitsyn 2006, mit einer umfassenden Expeditionschronik zur Entdeckungsgeschichte des Archipels).

Rezeption:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz-Josef-Land – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. translate.googleusercontent.com
  2. D. A. Walker et al.: 2010 Expedition to Krenkel Station, Hayes Island, Franz Josef Land, Russia. (PDF; 9,1 MB) abgerufen 31. Oktober 2012 (englisch)
  3. a b Andreas Umbreit: Chronik des Franz-Joseph-Landes auf www.franz-josef-land.info
  4. F. Fleming: Neunzig Grad Nord. Der Traum vom Pol. Rogner und Bernhard, Hamburg 2003, ISBN 3-8077-0172-9, S. 407
  5. R. A. Krause: Zweihundert Tage im Packeis. Die authentischen Berichte der „Hansa“-Männer der deutschen Ostgrönland-Expedition 1869–1870. Kabel Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-8225-0412-2, S. 327 (=Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Bd. 46).
  6. Chronik des Franz-Joseph-Landes
  7. FAZ, 15. September 2010, S. 9.
  8. W. J. Mills: Exploring Polar Frontiers – A Historical Encyclopedia, Bd. 1, ABC–CLIO. 2003, ISBN 1-57607-422-6, S. 308.