Franz Hengsbach

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Franz-Hengsbach-Büste im Kardinal-Hengsbach-Haus in Essen-Werden
Silke Rehberg (2011): Hengsbach-Installation am Essener Münster, Kopf
Franz Hengsbach ist auf der Ehrentafel ehemaliger Schüler des Gymnasiums Theodorianum in Paderborn genannt. (Rechte Seite, Zweiter von unten)
Wappen von Franz Kardinal Hengsbach

Franz Kardinal Hengsbach (* 10. September 1910 in Velmede; † 24. Juni 1991 in Essen) war der erste Bischof von Essen. Seine Ernennung zum Kardinal wurde am 29. Mai 1988 von Papst Johannes Paul II. bekanntgegeben.

Leben[Bearbeiten]

Franz Hengsbach wurde als erstes von acht Kindern der Eheleute Johann und Theresia Hengsbach geboren. Hengsbach besuchte von 1925 bis 1926 das Gymnasium Petrinum Brilon, ab 1926 bereitete er sich am Gymnasium Theodorianum in Paderborn auf das Abitur vor, welches er dort am 6. März 1931 absolvierte.[1] Während dieser Zeit lebte er im Knabenseminar zu Paderborn.[2]

Studium[Bearbeiten]

Nach dem Abitur trat Hengsbach in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt Paderborn ein und studierte dort Philosophie und Katholische Theologie. 1933 wechselte er an die Universität Freiburg, wo er Mitglied der K.D.St.V. Hercynia Freiburg im CV wurde, und kehrte 1934 nach Paderborn zurück. 1944 folgte die Promotion zum Dr. theol. an der Universität Münster bei Adolf Donders mit einer Dissertation über Das Wesen der Verkündigung - Eine homiletische Untersuchung auf paulinischer Grundlage.

Kirchliche Laufbahn[Bearbeiten]

Am 13. März 1937 wurde Franz Hengsbach von Erzbischof Caspar Klein in Paderborn zum Priester geweiht und trat in diesem Jahr seine erste Stelle als Vikar in der Pfarrei St. Marien in Herne-Baukau an. Von 1946 bis 1948 stand er als Generalsekretär der Akademischen Bonifatius-Vereinigung vor und wirkte 1947 gleichzeitig als Generalsekretär zur Vorbereitung der deutschen Katholikentage und war Verantwortlicher für den 73. Deutschen Katholikentag 1949 in Bochum.

1948 wechselte er an die Spitze des Erzbischöflichen Seelsorgeamtes des Erzbistums Paderborn, das er bis 1958 leitete. In diese Zeit fällt auch seine Wahl zum Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und die Ernennung zum Päpstlichen Hausprälaten im Jahr 1952 sowie die Ernennung zum Titularbischof von Cantanus und Weihbischof in Paderborn am 20. August 1953.

Die Bischofsweihe durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger fand am 29. September 1953 im Paderborner Dom statt. Mitkonsekratoren waren Weihbischof Friedrich Maria Rintelen und Bischof Wilhelm Weskamm von Berlin. Am 18. November 1957 wurde Hengsbach zum Bischof des neu gegründeten Bistums Essen berufen und am 1. Januar 1958 inthronisiert. Seinen nun in der Essener Domschatzkammer ausgestellten Bischofsring schmückte – anstatt eines Edelsteins – ein eingefasstes Stück Steinkohle. Damit drückte er seine Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet aus. 1960 wurde er von Papst Johannes XXIII. in die Konzilsvorbereitungskommission für Laienarbeit berufen. Neben seiner Funktion als Bischof von Essen war er außerdem von 1961 bis 1978 katholischer Militärbischof für die Bundeswehr, zeigte sich aber seit 1968 gleichzeitig verantwortlich für die Seelsorge an Ersatzdienstleistenden. Er gründete die bischöfliche Pressestelle im Bistum Essen. Diese Einrichtung war zu ihrer Zeit die einzige im deutschen Raum. Mit deren Leiter Wilhelm Bettecken verband ihn außerdem eine langjährige Freundschaft.

1973 wurde er als Mitglied der römischen Kongregation für den Klerus und des Zentralkomitees für das Heilige Jahr berufen. Am 29. Mai 1988 gab Papst Johannes Paul II. seine Ernennung zum Kardinal bekannt; die Aufnahme als Kardinalpriester in das Kardinalskollegium erfolgte im Konsistorium vom 28. Juni 1988 in Rom. Seine Titelkirche Nostra Signora di Guadalupe nahm er am 10. Dezember 1988 in Besitz.

Sein Rücktrittsgesuch, das nach den Bestimmungen des Codex Iuris Canonici jeder Bischof mit der Vollendung des 75. Lebensjahres einreicht, nahm Papst Johannes Paul II. erst nach fünf Jahren am 21. Februar 1991 an, was als große Anerkennung seines Lebenswerkes gewertet werden kann. Nach schwerer Krankheit verstarb er in den frühen Morgenstunden des 24. Juni 1991 im Essener Elisabeth-Krankenhaus und wurde in der 1981 von Emil Wachter gestalteten Westkrypta (heute: Adveniatkrypta) der Essener Domkirche beigesetzt. Sein Nachfolger auf dem Essener Bischofsstuhl wurde 1991 Hubert Luthe.

Ritterorden vom Heiligen Grab[Bearbeiten]

1954 wurde er von Kardinal-Großmeister Nicola Kardinal Canali zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 8. Dezember 1954 in der Ordenskirche St. Andreas-Basilika durch Lorenz Jaeger, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert; zuletzt im Rang eines Großkreuz-Ritters.

Von 1975 bis 1991 war er Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Für sein Wirken im Heiligen Land wurde er von Kardinal-Großmeister Maximilien de Fürstenberg 1979 mit der Goldenen Palme von Jerusalem ausgezeichnet.

Wirken[Bearbeiten]

Entführung von Theo Albrecht[Bearbeiten]

Am 29. November 1971 wurde Theo Albrecht, einer der beiden Aldi-Eigner, entführt. Die Entführung dauerte 17 Tage und fand erst mit der Übergabe von sieben Millionen Mark Lösegeld durch Franz Hengsbach ihr Ende.

Zu der Lösegeldübergabe durch den Bischof kam es im Einvernehmen mit der Familie Albrecht. Der die Ermittlungen leitende Polizeipräsident von Essen, Hans Kirchhoff, hatte für Hengsbach den 82. Deutschen Katholikentag 1968 in Essen organisiert. Er sah im Essener Bischof den Menschen, der bei den Entführern das größte Vertrauen erwecken konnte.

Aufgrund der Beteiligung des Bischofs war Hengsbach 1988 kurzzeitig als Vermittler im Gladbecker Geiseldrama im Gespräch.

Entzug der Lehrerlaubnis für Uta Ranke-Heinemann[Bearbeiten]

Am 9. Juni 1987 forderte der Essener Weihbischof Wolfgang Große die Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann auf, sie solle eine verbindliche Erklärung zum Thema Jungfrauengeburt abgeben, denn ihre diesbezüglichen Äußerungen in den Medien hätten zu Irritationen geführt. Nachdem sie aber in einer Fernsehsendung des West 3-Magazins „Gott und die Welt“, Thema: Jungfrauengeburt (13. Juni 1987, 22.45 Uhr) auf ihrer Meinung beharrte, die Jungfrauengeburt sei nicht biologisch zu verstehen, entzog ihr Hengsbach mit seinem Schreiben an die zuständige Ministerin am 15. Juni 1987 die Lehrerlaubnis.[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

Ehrendoktorwürden[Bearbeiten]

Honorarprofessuren[Bearbeiten]

Kirchliche Ehrentitel[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sonstige Ehrungen[Bearbeiten]

  • In seiner Heimatgemeinde Velmede wurde eine Brücke nach ihm Kardinal-Hengsbach-Brücke benannt.
  • Die Bischöfliche Tagungsstätte für Priesterfortbildung, Pastorale Bildung und Exerzitien im Bistum Essen trägt den Namen Kardinal-Hengsbach-Haus.
  • Am 13. Oktober 2011 wurde auf dem Domhof des Essener Doms, nördlich des Essener Burgplatzes, ein Denkmal Hengsbachs enthüllt. Die colorierte Bronzefigur, entworfen von der Bildhauerin Silke Rehberg aus dem Münsterland, wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und Evonik Industries finanziert.[6]
  • War Ehrenmitglied beim FC Schalke 04.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bistum Essen (Hrsg.): Ein Mann von der Ruhr. Einer von uns: Bischof Franz Hengsbach, Bochum 1985.
  • Hans Jürgen Brandt, Klaus Hellmich: Zeitzeuge Kardinal Franz Hengsbach. Zum Gedenken an den Gründerbischof des Bistums Essen 1910–1991, Kamp, Bochum 1991. ISBN 3-592-87801-8.
  • Ekkart SauserHengsbach, Franz. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19, Bautz, Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1, Sp. 652–654.
  • Norbert Schäfer: Franz Kardinal Hengsbach zum Gedächtnis. Ansprache zur Einweihung des Gedenksteins für den ersten Bischof von Essen vor der Velmeder Pfarrkirche am 23. Juni 1996. In: Peter Häger,. Detlef Müller: Kirche an der oberen Ruhr. Die Pfarrei St. Andreas Velmede in Geschichte und Gegenwart. Freiburg 2000, ISBN 3-934756-00-X, S. 390–395.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Hengsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abiturientenverzeichnis der Vereinigung ehemaliger Theodorianer, Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1985, S. 18.
  2. Ekkart SauserHengsbach, Franz. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19, Bautz, Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1, Sp. 652–654.
  3. Die Veröffentlichungen im Rheinischen Merkur vom 12. Juni/26. Juni 1987 und die zahlreichen Spiegelartikel sowie sonstigen Medienberichte vermitteln kein einheitliches Gesamtbild dieses Vorgangs.
  4. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  5. Ehrenbürger der UDE, UDE, aufgerufen am 13. Juli 2012
  6. Derwesten.de vom 13. Oktober 2011: Denkmal für den lächelnden Ruhrbischof Hengsbach; Rheinische Post 7. November 2011: Streit um Essener Bischofs-Skulptur
Vorgänger Amt Nachfolger
Bischof von Essen
1958–1991
Hubert Luthe
Joseph Kardinal Wendel Militärbischof für die Bundeswehr
1961–1978
Elmar Maria Kredel
Lorenz Kardinal Jaeger Croix de l Ordre du Saint-Sepulcre.svg Großprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem
1975–1991
Anton Schlembach