Franz II. (HRR)

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Bildnis von Franz I., Kupferstich von Josef Axmann, 1831, mit dem Dynastiewappen ganz oben, flankiert von den Wappen von Ungarn und Böhmen usw.
Kaisertum Österreich

Franz II. bzw. Franz I. Joseph Karl (* 12. Februar 1768 in Florenz; † 2. März 1835 in Wien) aus dem Hause Habsburg-Lothringen war von 1792 bis 1806 als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sowie von 1804 bis 1835 als Franz I. erster Kaiser von Österreich.

Um dem Hegemoniestreben des französischen Kaisers Napoléon Bonaparte in Mitteleuropa zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen, nahm er 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an; er begründete damit das österreichische Kaisertum, führte aber bis 1806 den Titel des Erwählten Römischen Kaisers weiter. In der Literatur wird er daher oft Franz II./I. genannt, zur Unterscheidung von seinem Großvater Franz I. Stephan (1708–1765).

Seine Erklärung vom 6. August 1806, mit der er das Reich für erloschen erklärte, „die deutsche Kaiserkrone und das Reichsregiment“ niederlegte und „die Churfürsten, Fürsten und übrigen Stände, wie auch alle Angehörige und Dienerschaft des deutschen Reiches, ihrer bisherigen Pflichten“ entband,[1] stand unter der Sorge, die Reichskrone könne in französische Hände und seine österreichischen Länder im Reich könnten de jure unter napoleonische Herrschaft gelangen. De facto wurde das Reich, ohnedies nur mehr ein sehr loser Zusammenschluss, durch den 1806 auf Betreiben Napoleons gegründeten Rheinbund gesprengt, dessen Fürsten aus dem Reich austraten. Infolgedessen löste Franz II. das Reich auf, das im Jahr 962 durch die Kaiserkrönung Ottos I. als Nachfolger des Ostfränkischen Reichs begründet worden war.

Von 1792 bis 1835 war Kaiser Franz außerdem König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Seine Hausmacht waren die habsburgischen Erblande.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Erzherzog Franz Joseph Karl von Österreich, der spätere Kaiser Franz II./I.

Erzherzog Franz Joseph Karl wurde 1768 als ältester Sohn des Großherzogs Peter Leopold von Toskana (späterhin Kaiser Leopold II.) und von Maria Ludovica, gebürtige Prinzessin von Spanien als Tochter König Karls III., zu Florenz geboren.

Von Anfang an war Franz für die Thronfolge nach seinem Onkel Joseph II. und nach seinem Vater bestimmt, da Joseph II. nach dem Tod seiner zweiten Frau keine weitere Ehe mehr eingehen wollte und daher keinen Kronprinzen hatte.

Nachdem Maria Theresia 1780 verstorben war, verlangte Joseph von Graf Colloredo einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung seines Nachfolgers, der jedoch ziemlich hart ausfiel. Der Kaiser fuhr in die Toskana, um seinen Neffen zu begutachten und nahm den 16-Jährigen mit nach Wien, wo dieser sofort unzählige offizielle Termine wahrzunehmen hatte und Josephs Wünschen entsprechend ausgebildet wurde. Franz selbst nannte sich in einem Brief einen „Kaiserlehrling“. Seine zukünftige Frau, die für ihn ausgesuchte Elisabeth von Württemberg, wurde zur gleichen Zeit in einem Kloster auf ihr zukünftiges Leben als Kaiserin vorbereitet.[2]

Als 1784 Franz’ Onkel Kaiser Joseph II. verlangte, dass dieser zur Vollendung seiner Ausbildung zu ihm nach Wien kommen solle, begründete er seine Entscheidung, dass Franz der Habsburgermonarchie gehöre und nicht dem Großherzogtum Toskana,[3] mit den Worten:

„Man kann nie einem Österreicher, einem Ungarn oder Böhmen erklären, was wirklich ein Landsmann ist, wenn man in Italien geboren und großgezogen wurde.“[3]

Der letzte Erwählte Römische Kaiser[Bearbeiten]

Franz II., 1793
Franz II. nach seiner Kaiserkrönung, 1792

Im Achten Österreichischen Türkenkrieg (1788–1790) war der junge Franz auf Wunsch Josephs II. ebenfalls an der Front; nach dem Tod seines Onkels, 1790, folgte ihm dessen Bruder, Franz’ Vater Leopold, in den habsburgischen Erblanden und schließlich auch als Kaiser nach, doch starb Leopold II. nach nur zwei Jahren am 1. März 1792.

Mit diesem Tag, viel früher als erwartet, wurde Franz somit König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Österreich sowie Herr der übrigen Länder der Habsburgermonarchie. Nachdem er am 6. Juni in Ofen zum König von Ungarn gekrönt worden war, folgte am 5. Juli die Wahl zum Römischen König; kurz darauf, am 14. Juli schließlich die Krönung im Frankfurter Dom und die damit verbundene Proklamation zum „erwählten Römischen Kaiser“ als Franz II. (Es handelte sich um die letzte Kaiserkrönung in Mitteleuropa überhaupt, da die späteren österreichischen und deutschen Kaiser auf Krönungen verzichteten) Am 9. August 1792 folgte dann noch die Krönung zum König von Böhmen in Prag.

Napoleonische Kriege[Bearbeiten]

Überschattet wurden die Feierlichkeiten durch die französische Kriegserklärung vom 20. April 1792, die den Beginn des Ersten Koalitionskrieges einleitete, welcher sich bis 1797 hinzog und für Österreich den endgültigen Verlust der Niederlande, jedoch den gleichzeitigen Gewinn des Königreiches Lombardo-Venetien bedeutete.

Auch der Zweite Koalitionskrieg (1799–1801) verlief für Österreich wenig erfolgreich; im Dritten (1805) schließlich verlor man Lombardo-Venetien wieder an Frankreich (ein Umstand, der erst beim Wiener Kongress wieder ins Gegenteil verkehrt werden sollte).

Zwei Jahre mit zwei Kaiserkronen[Bearbeiten]

Franz II. proklamierte sich am 11. August 1804 zum Kaiser von Österreich und begründete damit das Kaisertum Österreich.[4] Seine Absicht war, seine kaiserliche Hausmacht zu erhalten und auch im Fall des Untergangs des alten Reichs die Ranggleichheit mit Napoleon I. zu wahren, der sich am 18. Mai 1804 selbst zum erblichen Kaiser von Frankreich gekrönt hatte.

Mit der eigenmächtigen Rangerhöhung trug Franz II. auch der Tatsache Rechnung, dass nach der infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 erfolgten Veränderung im Kurkollegium (u. a. fielen die katholischen Kurfürstentümer Köln und Trier weg, die protestantischen Länder Baden, Württemberg und Hessen kamen hinzu) die neuerliche Wahl eines Habsburgers bei seinem etwaigen plötzlichen Tode fraglich erscheinen musste.

Zwar gab es für diese Kaiserproklamation weder in Österreich noch im Reich eine rechtliche Grundlage, doch wurde der österreichische Kaisertitel binnen kurzer Zeit von sämtlichen Staaten anerkannt.

Zwei Jahre später – Napoleon hatte das alte Reich inzwischen erfolgreich weiter marginalisiert – legte Franz II. am 6. August 1806 die realpolitisch belanglos gewordene römische Kaiserkrone nieder und erklärte das Heilige Römische Reich für erloschen. In diesen zwei Jahren war Franz der einzige Doppelkaiser der Weltgeschichte, als Franz II. des Heiligen Römischen Reiches und Franz I. von Österreich.[5]

Franz I., gemalt von Giuseppe Tominz, (1821)
Leopold Fertbauer (1802–1875): Kaiser Franz I. und seine Familie, 1826; rechts: Kronprinz Ferdinand und sein Bruder Franz Karl, Vater des ab 1848 regierenden Franz Joseph I.

Napoleonische Kriege (Fortsetzung)[Bearbeiten]

Am 9. April 1809 eröffnete Kaiser Franz I., unterstützt von Großbritannien, den 5. Koalitionskrieg gegen Frankreich, der den Charakter eines deutschen Befreiungskrieges haben sollte. Österreich unterstützte auf diese Weise den gleichzeitigen Aufstand in Spanien. Am gleichen Tag begann der Tiroler Volksaufstand unter Führung Andreas Hofers gegen die mit Napoleon verbündeten bayerischen Truppen, die Tirol 1806 besetzt hatten.

Nach mehreren unglücklichen Schlachten und dem französischen Einmarsch in Wien gelang der österreichischen Armee unter Erzherzog Karl ein Sieg über Napoleons Heer in der Schlacht bei Aspern an der Donau, der als erste Niederlage Napoleons überhaupt gilt und den Nimbus des »Unbesiegbaren« erschütterte. Napoleon musste seinen Versuch, an dieser Stelle ans Nordufer der Donau zu gelangen, abbrechen.

Doch die Hoffnung auf einen allgemeinen deutschen Volksaufstand gegen den Unterdrücker, vor allem auf die Beteiligung Preußens, zerschlug sich. Obwohl die Reformer Stein, Hardenberg, Scharnhorst, Gneisenau sowie der Dramatiker Heinrich von Kleist in Berlin energisch auf Krieg drängten, verweigerte sich König Friedrich Wilhelm III. Ein Aufstand des Majors Ferdinand von Schill scheiterte im Mai 1809 in Stralsund.

Die Franzosen siegten am 5. und 6. Juli bei Wagram über die Österreicher; damit war der Krieg entschieden. Franz I. löste seinen leitenden Minister Johann Philipp von Stadion ab und ersetzte ihn durch den erst 36-jährigen Diplomaten Klemens Wenzel Lothar von Metternich. Nach dem Frieden von Schönbrunn mit Frankreich arrangierte Metternich die Heirat Napoleons mit Franz’ Tochter Marie-Louise.

Spätere Kämpfe gegen Napoleon, an denen Österreich beteiligt war, gerieten erfolgreicher. Franz I. konnte daher 1814 / 1815 als Gastgeber des Wiener Kongresses auftreten, bei dem unter der Regie Metternichs in Anwesenheit zahlreicher Monarchen der Kontinent neu geordnet wurde. Die konservativen Mächte, mit Österreich an der Spitze, gründeten 1815 in Paris die Heilige Allianz zur Bewahrung der angeblich gottgewollten monarchischen Ordnung.

Der reaktionäre Kaiserstaat[Bearbeiten]

Franz I. mit den Insignien des Kaisertums Österreich, von Friedrich Amerling gemalt, 1832

Franz I. historische Einschätzung als Kaiser des Vielvölkerstaates Österreich ist untrennbar mit dem Namen Metternichs verbunden, der ab 1809 als führender Minister, ab 1821 als Haus-, Hof- und Staatskanzler die Politik Österreichs gestaltete, während der weitaus mehr an Pflanzenkunde als an Politik interessierte Kaiser eine eher repräsentative Funktion ausfüllte; dies geschah jedoch – was oft verschwiegen wird – in absoluter Übereinkunft mit dem Kaiser, der Metternich zu jedem Zeitpunkt hätte entlassen können.

Franz I. war von seinem Gottesgnadentum zutiefst überzeugt und lehnte alles ab, was auch nur in die Richtung von Volksrechten wies. Nicht zuletzt aufgrund dieser ideologischen Grundeinstellung ließ er Metternich in politischen Fragen viel freie Hand. Franz und das System Metternich waren – alarmiert vor allem durch die Julirevolution von 1830 in Frankreich – durch starren, heute starrsinnig anmutenden Konservativismus geprägt, dem jede noch so kleine Reform oder Veränderung verdächtig erschien. Dies war auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht so, sodass Österreich auf Grund dieser Haltung einige Schwierigkeiten hatte, mit der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Schritt zu halten.

Ein konservativer österreichischer Autor des 20. Jahrhunderts versuchte allerdings, die Verantwortung Franz' für diese reaktionäre Politik auf mehrere historische Funktionsträger zu verteilen:

„Was man später Franz, bei dessen mäßiger Beliebtheit in Kreisen österreichischer Historiker, leicht in die Schuhe schieben konnte, war puncto Polizei in Wirklichkeit von seiner Großmutter und seinem Onkel sowie seinem Vater vorgebildet. Die berüchtigte Keuschheitskommission seiner Großmutter war für die Österreicher ebenso eine Ungeheuerlichkeit wie die drakonischen, an mittelalterliche Methoden gemahnenden gewissen Strafsanktionen Josephs. Aber erst Leopold brachte aus Italien die dort längst entwickelten subtilen Methoden des Polizei-, Spitzel- und Denunziantenwesens mit nach Österreich. Derlei hielt noch immer keinen Vergleich mit dem, was sich in Frankreich unter dem Terror der Revolutionäre und den Methoden Kaiser Napoleons I. am Werk zeigte.“[6]

Was seine Inszenierung als Person betrifft, zeigte sich der Kaiser gern in biedermeierlicher Würde, gepaart mit Bescheidenheit: Auf vielen Darstellungen ist er nicht im Staatskleid, sondern wie ein ganz normaler Bürger im (damals noch nicht so vornehmen) Frack dargestellt (ein ins Auge springender Unterschied zu seinem Nachnachfolger Franz Joseph I., der öffentlich fast ausschließlich in Feldmarschalluniform auftrat). Auch auf habsburgischen Familienporträts findet man seinen Wesenszug zur Schlichtheit und Familiarität. Die kulturellen Ideale des Bürgertums setzten sich also in der wahrnehmbaren Person des Kaisers viel eher durch als in seiner Politik.

Sarkophag von Kaiser Franz II./I. in der Kapuzinergruft. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Loretokapelle der Wiener Augustinerkirche.

Als er 1835 starb, folgte ihm sein ältester Sohn und Kronprinz als Ferdinand I. nach. Symptomatisch für den starrsinnigen Konservativismus Franz' und Metternichs war, dass trotz Ferdinands offensichtlicher Regierungsunfähigkeit ein Wechsel in der Thronfolge nicht einmal erwogen wurde. Allerdings wurde für Ferdinand eine vierköpfige Geheime Staatskonferenz vorbereitet, die ihn bei seinen Entschlüssen leiten bzw. vertreten sollte.

Zur Person[Bearbeiten]

Kaiser Franz' Uniform im Heeresgeschichtlichen Museum

Der Wahlspruch des Kaisers lautete:

IUSTITIA REGNORUM FUNDAMENTUM
(Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrschaft)

Der Spruch wurde 1824 an der der Hofburg zugekehrten Seite des Äußeren Burgtors in Wien in vergoldeten Lettern angebracht.

Titel und Wappen[Bearbeiten]

Der am 11. August 1804 angenommene Große Titel lautete (bis 1806) vollständig:[7]

„Wir Franz der Zweyte; von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, erblicher Kaiser von Oesterreich; König in Germanien, zu Jerusalem zu Ungarn, zu Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien, Galizien und Lodomerien; Erzherzog zu Oesterreich; Herzog zu Lothringen, zu Venedig, Salzburg, Steyer, Kärnthen und Krain; Großfürst zu Siebenbürgen; Markgraf in Mähren; Herzog zu Württemberg, Ober- und Nieder-Schlesien, Parma, Plazenz, Guastalla, Auschwitz und Zator, zu Teschen, zu Friaul und zu Zara; Fürst zu Schwaben, zu Eichstädt, Passau, Trient, Brixen, zu Berchtoltsgaden und Lindau; gefürsteter Graf zu Habsburg, Tyrol, Kyburg, Görz und Gradisca; Markgraf zu Burgau, zu Ober- und Nieder-Lausitz; Landgraf im Breisgau, in der Ortenau und zu Nellenburg; Graf zu Montfort und Hohenems, zu Ober- und Nieder-Hohenberg, Bregenz, Sonnenberg und Rothenfels, zu Blumeneck und Hofen; Herr auf der Windischen Mark, zu Verona, Vicenza, Padua etc. etc.“

Nach Niederlegung der Kaiserwürde 1806 (mit den verbliebenen Erbbesitzungen im heutigen Deutschland und geänderter Gewichtung der Würden und Besitztümer):[8]

„Wir Franz der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Oesterreich, König zu Jerusalem, Hungarn, Böheim, Dalmazien, Croatien, Slavonien, Galizien und Lodomerien; Erzherzog zu Oesterreich; Herzog zu Lothringen, zu Salzburg, zu Würzburg und in Franken, zu Steyer, Kärnthen und Krain; Grossherzog zu Krakau; Grossfürst zu Siebenbürgen; Markgraf in Mähren; Herzog zu Sandomir, Massovien, Lublin, Ober- und Nieder-Schlesien, zu Auschwitz und Zator, zu Teschen und zu Friaul; Fürst zu Berchtoldsgaden und Mergentheim; gefürsteter Graf zu Habsburg, Kyburg, Görz und Gradiska; Markgraf zu Ober- und Nieder-Lausnitz und in Istrien; Herr der Lande Vollhynien, Podlachien und Brzesz, zu Triest, zu Freudenthal und Eulenberg und auf der windischen Mark etc. etc. etc.“

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde vorerst kein Großer Titel mehr festgelegt, sondern beschlossen, den Mittleren Titel so lange zu benutzen, bis sich die Lage stabilisiert hätte. Ein Großer Titel findet sich dann aber erst wieder bei Ferdinand (Latein, 1836), in deutscher Fassung bei Franz Joseph (1849, nach der Revolution). 1815 bezeichnet sich Franz I. als:[9]

„Nos Franciscus Primus, divina favente clementia Austriae Imperator, Hierosolimae, Hungariae, Bohemiae, Lombardiae et Venetiarum, Dalmatiae, Croatiae, Slavoniae, Galiciae et Lodomeriae Rex; Archidux Austriae; Dux Lotharingiae, Salisburgi, Styriae, Carinthiae, Carniolae, superioris et inferioris Silesiae, Magnus Princeps Transilvanae, Marchio Moraviae, Comes Habsburgi et Tyrolis, etc. etc.“

Zugleich erfolgte 1804 eine Neuregelung des Wappens.[7] Das große Wappen bestand fortan aus einem Rücken-, Haupt-, Mittel- und Herzschild sowie vier Neben-Mittelschilden (Mittelschilde der Viertelung des Hauptschilds):

  • Der Große Deutsche Rückenschild zeigte den Doppeladler des Heiligen Römischen Reiches. Er war mit der Reichskrone bekrönt und wurde von zwei Greifen gehalten.
  • Der Österreichische Hauptschild, der auf der Brust des oben genannten Doppeladlers ruhte, war in komplizierter Weise mehrfach gespalten und geteilt, sodass er (ausschließlich des Herz- und des Mittelschildes) aus 69 Feldern bestand. Diese waren dergestalt angeordnet, dass in den vier Ecken vier Neben-Mittelschilde bestanden: heraldisch oben rechts Ungarn (mit Stephanskrone), oben links Böhmen (mit Wenzelskrone), unten rechts Galizien sowie die spanischen und lothringischen Erinnerungswappen, unten links Venedig. In den übrigen Feldern befanden sich die Wappen weiterer Erbländer. Der Hauptschild war mit der österreichischen Kaiserkrone bekrönt und von der Ordenskette des Goldenen Vließes sowie anderen Ordenszeichen umgeben.
  • Der Mittelschild zeigte den Doppeladler des Kaisertums Österreich, auf seiner Brust ruhte der österreichische Bindenschild („rot-weiß-rot“) als Herzschild.

Anstelle des Deutschen Schildes schwebte ab 1806 der Österreichische Adler, weiter doppelköpfig (was erst mit Österreich-Ungarn wieder als Doppelkrone interpretiert wird, bei Franz standen die diversen Königswürden alle im selben Range, nur das Apostolische Königtum Ungarns hatte durch die Verbindung mit der Titularwürde zu Jerusalem besondere religiöse Bedeutung nach Wegfall der Kaiserwürde als Schirmherr der Kirche).

Persönliche Interessen[Bearbeiten]

Die Nachwelt nannte ihn den „Blumenkaiser“. Franz hatte wie jeder Habsburger ein Handwerk erlernen müssen und sich für die Gärtnerei entschieden, Botanikunterricht erhielt er von Nikolaus von Jacquin. Seine große Sammlung von Herbarien heimischer Pflanzen, die er selbst angelegt hatte, schenkte er dem (von ihm gegründeten) Botanischen Hof-Cabinett; sie bildet den Grundstock einer der inzwischen imposantesten Sammlungen der Welt: Vier Millionen Bögen mit getrockneten Pflanzen lagern inzwischen im Wiener Naturhistorischen Museum. Franz finanzierte auch botanische Expeditionen, etwa nach Brasilien.
Ihm wurde die Gattung Franciscea (Solanaceae) von Pohl gewidmet. Als Musikliebhaber spielte er auch Violine im Hausorchester seiner zweiten Frau Maria Theresa.

Seine im Laufe seines Lebens angesammelte Porträtsammlung zählt bis heute zu den größten der Welt. Im Alter von 17 begann er, Bücher und Portraits zu sammeln und die kleine monatliche Apanage, die ihm seitens Josephs zugestanden wurde, gab er fast gänzlich für dieses Steckenpferd aus.

Seine aus 40.000 Bänden bestehende, nicht mit der Hofbibliothek zu verwechselnde Privatbibliothek, die spätere „Fideikommiss-Bibliothek“ des Hauses Habsburg, war bei seinem Tod auf drei große und vier kleinere Zimmer in der Hofburg verteilt und bestand in erster Linie aus naturwissenschaftlichen und botanischen Werken, Klassikern, Reisebüchern und geografischen Werken und ist heute Teil der Österreichischen Nationalbibliothek.[2] Die Fideikommissbibliothek wird 2011–2013 wissenschaftlich analysiert und mit ähnlichen Bibliotheken verglichen.[10]

Seine Sammelleidenschaft hatte allerdings auch kuriose Züge: So ließ er den Afrikaner Angelo Soliman nach dessen Tod wegen seiner schwarzen Hautfarbe kurzerhand ausstopfen und neben ausgestopften Tieren ausstellen.[11]

Familie[Bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Franz II./I.
Ururgroßeltern

Herzog
Karl V. Leopold (1643–1690)
∞ 1678
Eleonore von Österreich (1653–1697)

Philipp I. von Bourbon (1640–1701)
∞ 1671
Elisabeth von der Pfalz (1652–1722)

Kaiser
Leopold I. (1640–1705)
∞ 1676
Eleonore Magdalene von der Pfalz (1655–1720)

Herzog
Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671–1735)
∞ 1690
Christine Luise von Oettingen (1671–1747)

Ludwig von Frankreich (1661–1711)
∞ 1680
Maria Anna von Bayern (1660–1690)

Odoardo II. Farnese (1666–1693)
∞ 1690
Dorothea Sophie von der Pfalz (1670–1748)

König
August II. (1670–1733)
∞ 1693
Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth (1671–1727)

Kaiser
Joseph I. (1678–1711)
∞ 1699
Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Calenberg (1673–1742)

Urgroßeltern

Herzog Leopold Joseph von Lothringen (1679–1729)
∞ 1698
Élisabeth Charlotte de Bourbon-Orléans (1676–1744)

Kaiser Karl VI. (1685–1740)
∞ 1708
Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691–1750)

König Philipp V. (1683–1746)
∞ 1714
Elisabetta Farnese (1692–1766)

König August III. (1696–1763)
∞ 1719
Maria Josepha von Österreich (1699–1757)

Großeltern

Kaiser Franz I. Stephan (1708–1765)
∞ 1736
Maria Theresia (1717–1780)

König Karl III. (1716–1788)
∞ 1738
Maria Amalia von Sachsen (1724–1760)

Eltern

Kaiser Leopold II. (1747–1792)
∞ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745–1792)

Franz II./I.

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten]

Franz heiratete in erster Ehe am 6. Jänner 1788 in Wien Prinzessin Elisabeth Wilhelmina (1767–1790), Tochter des Herzogs Friedrich Eugen von Württemberg und dessen Gattin Prinzessin Friederike Dorothea Sophia von Brandenburg-Schwedt. Mit ihr hatte er eine Tochter:

  • Louise Elisabeth (1790–1791), Erzherzogin
Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807)

In zweiter Ehe heiratete er 1790 in Wien seine Cousine Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807), Tochter König Ferdinands I. beider Sizilien und dessen Gattin Erzherzogin Maria Karolina von Österreich. Kinder dieser Ehe waren:

  1. ∞ 1810 Kaiser Napoleon I., Sohn Carlo Bonapartes und dessen Gattin Letizia Ramolino
  2. ∞ 1821 Graf Adam Adalbert von Neipperg, Sohn des Grafen Leopold Johann von Neipperg und dessen Gattin Gräfin Wilhelmine von Hetzfeld-Wilfenburg
  3. ∞ 1834 Graf Karl von Bombelles, Sohn des Marc Marie Marquis de Bombelles und dessen Gattin Prinzessin Angélique de Mackau

In dritter Ehe heiratete Franz am 6. Jänner 1808 in Wien seine Cousine Prinzessin Maria Ludovika Beatrix von Modena (1787–1816), Tochter von Erzherzog Ferdinand von Österreich-Modena d’Este und dessen Gattin Prinzessin Maria Beatrix von Modena d’Este. Die Ehe blieb aufgrund der Krankheit von Maria Ludovika kinderlos.

In vierter Ehe heiratete er am 10. November 1816 in Wien Prinzessin Karoline Auguste von Bayern (1792–1873), Tochter König Maximilians I.. Warum die vierte Ehe kinderlos blieb, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Der Kaiser liebte alle seine vier Frauen.

Die Behinderungen bzw. frühen Todesfälle der Kinder lassen sich durch die enge Verwandtschaft der Ehepartner im Rahmen der Heiratspolitik der Habsburger erklären.

Ehrungen[Bearbeiten]

Denkmal auf dem Platz In der Burg (Hofburg) in Wien
Denkmal auf dem Freiheitsplatz in Graz

Ein im 18. Jahrhundert entstandener Teil von Pest erhielt 1792 aus Anlass von Franz' Kaiserkrönung den Namen Ferencváros bzw. Franzstadt.

Ein mit seiner Hilfe 1793 gegründeter westböhmischer Kurort wurde Franzensbad (tschechisch: Františkovy Lázně) benannt.

Eine 1822 in Koblenz am Rhein fertiggestellte preußische Festung erhielt den Namen Feste Kaiser Franz.

Etwa um 1825 setzte sich für eine Brücke vom heutigen 3. in den 2. Bezirk in Wien der bis heute bestehende Name Franzensbrücke durch.

Im Schlosspark von Laxenburg bei Wien trägt ein von Franz in Auftrag gegebenes Gebäude im Stil einer Ritterburg seit damals den Namen Franzensburg.

Eine 1838 fertiggestellte Festung im heutigen Südtirol trägt seit damals zu Ehren von Franz I. den Namen Franzensfeste.

1846 ließ sein Sohn und Nachfolger im großen Innenhof der Wiener Hofburg ein Kaiser-Franz-Denkmal errichten, das den Monarchen im Stil eines altrömischen Kaisers zeigt. Es trägt auf dem Sockel die Inschrift Amorem meum populis meis (Meine Liebe meinen Völkern).[12]

Im Jahr 1848 wurde die Franzensbrücke offiziell nach ihm benannt, und nach dieser 1875 in Wien Leopoldstadt (2. Bezirk) die Franzensbrückenstraße.

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist die Galauniform des Kaisers im Rang eines Feldmarschalls ausgestellt, woran ersichtlich ist, dass der Kaiser von kleiner Statur war. Weiters sind mehrere Portraits zu sehen, eines davon zeigt den Kaiser in jungen Jahren, ein weiteres von Leopold Kupelwieser zeigt ihn im Krönungsornat. Kunstvoll gearbeitete Prunkkassetten für das Armeekreuz, das von Kaiser Franz I. 1814 für alle Teilnehmer an den Befreiungskriegen gestiftet wurde, sind ebenfalls zu sehen.[13]

1870 wurde der Teil der neu errichteten Wiener Ringstraße zwischen Schmerlingplatz und Schottengasse Franzensring benannt. Seit 1919 wurden die Bezeichnungen mehrmals geändert; heute heißt dieser Teil Dr.-Karl-Renner-Ring bzw. Universitätsring.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinrich Drimmel: Kaiser Franz. Ein Wiener übersteht Napoleon. Amalthea, Wien/München 1981, ISBN 3-85002-141-6 (Biographie 1768–1815).
  •  Heinrich Drimmel: Franz von Österreich. Kaiser des Biedermeier. Amalthea, Wien/München 1982, ISBN 3-85002-165-3 (Biographie 1815–1835).
  • Hugo Hantsch: Franz II.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 358–361 (Digitalisat).
  •  Christian Hattenhauer: Wahl und Krönung Franz II. AD 1792. Das Heilige Reich krönt seinen letzten Kaiser. Das Tagebuch des Reichsquartiermeisters Hieronymus Gottfried von Müller und Anlagen. Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-631-48828-9.
  • Thomas Kuster, Das italienische Reisetagebuch Kaiser Franz´I. von Österreich aus dem Jahre 1819. Eine kritische Edition. phil. Diss, Innsbruck 2004
  • Thomas Kuster, Die Italienreise Kaiser Franz I. von Österreich 1819, in: Römische Historische Mitteilungen, Bd. 46, Rom/Wien 2004, 305–334
  • Thomas Kuster, Erzherzog Franz II.(Kaiser Franz II./I.). I: Prinzenrolle. Kindheit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Ausstellung. Kunsthistorisches Museum, Sammlungen Schloss Ambras. Innsbruck 2007, 241-243, Kat.-Nr. 6.18
  • Thomas Kuster, Stundenplan für Erzherzog Franz, in: prinzenrolle. Kindheit vom 16. bis 18. Jahrhundert. Ausstellung. Kunsthistorisches Museum, Sammlungen Schloss Ambras. Innsbruck 2007, 243–245, Kat.-Nr. 6.19
  • Thomas Kuster, Das Fest fiel herrlich aus. Zeremoniell und Etikette bei der Italienreise Kaiser Franz I. von Österreich 1819. in: Römische Historische Mitteilungen, Bd. 50, Rom/Wien 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz II. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Franz II. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Documentarchiv.de, besucht am 12. April 2010
  2. a b Konrad Kramar, Petra Stuiber: „Die schrulligen Habsburger – Marotten und Allüren eines Kaiserhauses“. Ueberreuter, 1999.
  3. a b  Heinrich Drimmel: Kaiser Franz. S. 52.
  4. Allerhöchste Pragmatikal-Verordnung vom 11. August 1804. In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 2, Seite 249f, auf Wikisource – Proklamation des Kaisertums Österreich
  5. Bey der Niederlegung der kaiserlichen Reichs-Regierung. Dekret vom 6. August 1806. In: Otto Posse: Die Siegel Band 5, Beilage 3, Seite 256f – Verkündung der neuen Titulatur als Kaiser von Österreich
  6.  Heinrich Drimmel: Kaiser Franz. S. 94f.
  7. a b Allerhöchste Pragmatikal-Verordnung vom 11. August 1804 ( Patent vom 11. August 1804, PGS Bd. 22 Nr 20). In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 2, Seite 249f, auf Wikisource – Deutscher und lateinischer Wortlaut bei Franz I./II.
  8. Dekret vom 6. August 1806 Bey der Niederlegung der kaiserlichen Reichs-Regierung. In: Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5, Beilage 3, Seite 256ff
  9. 3. Juni 1815, Quelle unbek., angegeben in: Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Böhlau, Wien 1992; zitiert in Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAustria-Hungary: Apostolic King (Hungary), Habsburg Titles. In: Royal Styles. heraldica.org, 18. Jänner 2007, abgerufen am 16. Oktober 2011 (englisch).
  10. Bestände der Privatbibliothek Kaiser Franz' I. werden erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet, in: Newsletter der Österreichischen Nationalbibliothek, Nr. 4 / November 2010, S. 8
  11. Hannes Leidinger, Verena Moritz, Berndt Schipper; Schwarzbuch der Habsburger. Eine unrühmliche Geschichte eines Herrscherhauses;Franz Deuticke Verlagsgesellschaft m.b.H, Wien-Frankfurt/M.,2003; ISBN 3-216-30603-8
  12. Denkmal Kaiser Franz II./I. in der Wiener Hofburg: Idee, Auftrag, Figurenprogramm
  13. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 40.
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. Kaiser des heiligen römischen Reiches
König in Germanien
(Franz II.)

1792–1806

Auflösung des Reiches 1806

Proklamation 1804
Kaiser von Österreich
(Franz I.)

1804–1835
Ferdinand I.
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. König von Ungarn, etc.
1792–1835
Ferdinand V. (als Kaiser I.)
Leopold II. König von Böhmen, etc.
1792–1835
Ferdinand V. (als Kaiser I.)
Leopold II. König von Kroatien, Slawonien
1792–1835
Ferdinand I.
Leopold II. König von Dalmatien
1792–1805

(Napoleon [I.] als König von Italien)
Leopold II. König von Galizien und Lodomerien
1792–1835
Ferdinand I.

(Napoleon [I.] als König von Italien)
König der Lombardei und Venedigs, etc.
1815–1835
Ferdinand I.

(Napoleon [I.] als Kaiser der Franzosen)
König von Dalmatien
(fortgesetzte Amtszeit)

1814–1835
Ferdinand I.
–––
(Napoleon [I.] als Kaiser der Franzosen)
König von Illyrien, Herzog von Krain, Kärnten, etc.
1814–1835
Ferdinand I.
Vorgänger Amt Nachfolger
Leopold II. Erzherzog von Österreich
Herzog von Steyer, etc.

1792–1835
Ferdinand I.
Leopold II. Herzog von Luxemburg
1792–1795

(Direktorium Frankreichs; restituiert 1815: Wilhelm I.)
Leopold II. Herzog von Mailand
1792–1797

(Direktorium der Cisalpinischen Republik)

(Ludovico Manin, Doge der Republik Venedig)
Herzog von Venedig
1797–1805
Napoleon [I.]
(als König von Italien)
Leopold II. Herzog von Krain, Kärnten, etc.
1792—1809
Napoleon [I.]
(als Kaiser der Franzosen)
Ferdinand von Toskana
(als Kurfürst)
Herzog von Salzburg
1805—1809
Napoleon [I.]
(als Kaiser der Franzosen)
Maximilian Joseph (als König von Bayern I.) Herzog von Salzburg
(zweite Amtszeit)

1816—1835
Ferdinand I.
Vorgänger Amt Nachfolger

Gründung
Präsident des Deutschen Bundes
1815–1835
Ferdinand von Habsburg [I.]