Franz Karl Ginzkey

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Franz Karl Ginzkey (* 8. September 1871 in Pola, Küstenland, Österreich-Ungarn, heute Pula, Kroatien; † 11. April 1963 in Wien) war ein österreich-ungarischer Offizier, Dichter und Schriftsteller. Sein wohl bekanntestes Buch Hatschi Bratschis Luftballon hat Generationen von Kindern in seinen Bann gezogen.

Leben[Bearbeiten]

Gedenktafel am Militärgeographischen Institut in Wien

Franz Karl Ginzkey, Sohn eines sudetendeutschen Berufsoffiziers der österreichischen Kriegsmarine, war bis 1897 Offizier in der k. u. k. Armee. Dabei war er zeitweise auch Kommandant der als Kaserne (Rainer-Infanterieregiment) genutzten Festung Hohensalzburg. Von 1897 bis 1914 arbeitete er als Kartograph am Militärgeographischen Institut in Wien, danach im Kriegsarchiv. Seit 1920 war er als Heeresangehöriger pensioniert und danach als freier Schriftsteller tätig.

Zur Zeit des Austrofaschismus war er (für die Berufsgruppe der Künstler) von 1934 bis 1938 Mitglied des Staatsrats. Er arrangierte sich nach 1938 mit den Machthabern des Nationalsozialismus und wurde 1942 NSDAP-Mitglied (Nr. 8.751.771). Ginzkey verfasste Propagandalyrik, so zum Beispiel das 1943 in der Zeitschrift "Oberdonau" erschienene Gedicht "Heimkehr des Panzerschützen", in dem es heißt: "Treu der Pflicht das Äußerste zu wagen; Hieß er Schweigen seines Herzens Not; Tod zu säen war ihm aufgetragen; und er säte unerbittlich Tod".[1] Er war mit Max Mell und Stefan Zweig, aber auch mit Anton Faistauer und Carl Zuckmayer befreundet. Außerdem war Ginzkey an der Gründung der Salzburger Festspiele beteiligt und gehörte deren Kuratorium jahrzehntelang an. Ab 1944 lebte er in Seewalchen am Attersee. Nach Kriegsende wurde Ginzkeys Die Front in Tirol (Fischer, Berlin 1916) in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[2]

Seit 1965 ist sein Lied Oh Heimat, dich zu lieben zu einer Melodie von Ludwig van Beethoven die Niederösterreichische Landeshymne. Ginzkey ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 25).

Leistungen[Bearbeiten]

Ginzkey zählt zum Kreis der neuromantischen Lyriker und Novellisten. Einer seiner literarischen Entdecker war Peter Rosegger. Ein Teil seiner Werke zeigt große Verbundenheit mit Salzburg. Davon zeugen etwa folgende Werke:

  • Wie ich Herr auf Hohensalzburg ward
  • Altsalzburger Bilder nach 10 Federzeichnungen (gemeinsam mit Ulf Seidl)
  • Jakobus und die Frauen (1908)
  • Der seltsame Soldat (1925)
  • Der Heimatsucher (1948)
  • Das Antlitz Salzburgs (1933)
  • Salzburg und das Salzkammergut (1934)
  • Prinz Tunora (1934)
  • Salzburg, sein Volk und seine Trachten (1934)

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Der von der Vogelweide, 1912
  • Der Wiesenzaun. Erzählung, 1913
  • Aus der Werkstatt des Lyrikers. Vortrag, 1913
  • Den Herren Feinden! Ein Trutz- und Mahnlied, 1914
  • Die Front in Tirol, 1916
  • Der Gaukler von Bologna, Roman, 1916
  • Befreite Stunde. Neue Gedichte, 1917
  • Der Doppelspiegel. Betrachtungen und Erzählungen, 1920
  • Rositta, 1921
  • Der Prinz von Capestrano, 1921
  • Von wunderlichen Wegen. 7 Erzählungen, 1922
  • Brigitte und Regine, Novelle, 1923
  • Die Reise nach Komakuku. Geschichten aus seltsamer Jugend, 1923
  • Der Weg zu Oswalda. Erzählung, 1924
  • Der Kater Ypsilon. Novellen, 1926
  • Der Gott und die Schauspielerin, 1928
  • Drei Frauen. Rosita – Agnete – Oswalda, 1931
  • Gespenster auf Hirschberg. Aus der hinterlassenen Handschrift des Majors von Baltram, 1931
  • Das verlorene Herz. Ein Märchenspiel, 1931
  • Magie des Schicksals. Novelle, 1932
  • Liselotte und ihr Ritter oder Warum nicht Romantik?, Roman, 1936
  • Sternengast. Neue Gedichte, 1937
  • Der selige Brunnen. Eine Raphael Donner-Novelle, 1940
  • Meistererzählungen, 1940
  • Erschaffung der Eva. Ein epischer Gesang, 1941
  • Zeit und Menschen meiner Jugend, 1942
  • Heimkehr des Panzerschützen, 1943
  • Genius Mozart, 1949
  • Die Geschichte einer stillen Frau, Roman, 1951
  • Der Träumerhansl, 1952
  • Altwiener Balladen, 1955
  • Der Tanz auf einem Bein. Ein Seitensprung ins Wunderliche, 1956
  • Franz Karl Ginzkey. Ausgewählte Werke in vier Bänden, 1960
  • Ballade vom Lieben Augustin, 1961

Kinderbücher

  • Hatschi Bratschis Luftballon, 1904
  • Florians wundersame Reise über die Tapete, 1931
  • Taniwani. Ein fröhliches Fischbuch, 1947
  • Der Träumerhansl, 1952

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

1968 wurde ihm zu Ehren im Salzburger Stadtteil Salzburg-Süd (Alpensiedlung) der Platz zwischen Alpenstraße und Adolf-Schemel-Straße in Ginzkeyplatz benannt. Zu seinem 100. Geburtstag 1971 wurde in Seewalchen am Attersee ein Franz-Karl-Ginzkey-Denkmal errichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Welzig: Ginzkey, Franz Karl Maria. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 406 (Digitalisat).
  • Reinhold Hangler (Mitarb.): Der Fall Franz Karl Ginzkey und Seewalchen. Eine Dokumentation. Mauthausen-Aktiv-Vöcklabruck, Vöcklabruck 1989.
  • Kaus Heydemann: Literatur und Markt. Werdegang und Durchsetzung eines kleinmeisterlichen Autors in Österreich. Der Fall Ginzkey 1891–1938. 2 Bde. Univ. Habilitations-Schr., Wien 1985.
  • Helene Hofmann: Franz Karl Ginzkey. Des Dichters Leben und Schaffen. Univ. Diss., Wien 1923.
  • Robert Hohlbaum: Franz Karl Ginzkey. Sein Leben und Schaffen.Staackmann, Leipzig 1921.
  • Herta Mitteregger: Franz Karl Ginzkey. Sein lyrisches Schaffen. Univ. Diss., Innsbruck 1952.
  • Sigrid Ochsenhofer: Kinder- und Jugendliteratur zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Franz Karl Ginzkey. Univ. Dipl.-Arb., Wien 1993.
  • Heinz Wittmann: Begegnungen mit Dichtern. (Franz Karl Ginzkey, Maria Grengg …). Österreich. Verlagsanstalt, Wien 1971.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Karl Ginzkey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz Karl Ginzkey: Heimkehr des Panzerschützen. In: Oberdonau: Kunst und Schaffen aus dem Heimatgau des Führers. Folge 1, 3. Jahrgang, März 1943
  2. polunbi.de
  3. Der Dichter F. K. Ginzkey – Ehrendoktor der Wiener Universität. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 24171/1931, 30. Dezember 1931, S. 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.