Franz Koenigs

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Franz Koenigs

Franz Wilhelm Koenigs (* 3. September 1881 in Kierberg; † 6. Mai 1941 in Köln) war ein deutsch-niederländischer Bankier und Kunstsammler.

Bankier[Bearbeiten]

Koenigs entstammte einer deutschen Bankiersfamilie. 1910 übernahm er die Leitung des Bankhauses Delbrück, Köln. Außerdem war er Teilhaber der Privatbank Delbrück, Schickler & Co., Berlin. Nach der Gründung der Bank Rhodius Koenigs Handel Maatschappij mit Sitz in Amsterdam verlagerte Koenigs seinen Lebensmittelpunkt in den 1920er Jahren mehr und mehr in die Niederlande. Er war zu jener Zeit einer der bedeutendsten transnational agierenden Privatbankiers in Europa.[1]

Unter anderem war er Lehrmeister des deutschen Bankiers Hermann Josef Abs (1901–1994).[2]

Kunstsammler[Bearbeiten]

Überdies gelang es Koenigs sachkundig und versiert, eine herausragende Privatsammlung alter Meister aufzubauen und international zu einem der einflussreichsten Kunstsammler auf diesem Felde zu avancieren. Die „Kollektion Koenigs“ umfasste schließlich 46 Gemälde und 2.761 Zeichnungen; darunter Werke von Rembrandt, Bosch oder Fra Bartolommeo.[3]

In der Zeit des Nationalsozialismus geriet Koenigs, der 1939 die niederländische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, mehr und mehr zwischen die Fronten. Es lässt sich nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand vermuten, dass er einerseits mit den NS-Behörden zusammenarbeitete und andererseits Informationen über das nationalsozialistische Deutschland an westliche Geheimdienste weitergab.[4] Koenigs war außerdem bemüht, seine Kunstsammlung vor dem möglichen Zugriff nationalsozialistischer Kunsträuber durch Einbringung in eine Stiftung oder die Verlagerung ins Ausland komplett zu erhalten bzw. zu retten. Nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande 1940 wurde er jedoch vermutlich gezwungen, Teile seiner Sammlung an Aufkäufer der Nationalsozialisten zu veräußern. Die Sammlung Koenigs wurde daraufhin zerschlagen.[5]

1940/41 wurde Koenigs von der Gestapo verdächtigt, Juden bei der Flucht aus dem Deutschen Reich unterstützt und an von der Reichsregierung untersagten Transfers von „Fluchtgeldern“ mitgewirkt zu haben. Im März 1941 wurde Koenigs daher zeitweilig inhaftiert. Am 6. Mai 1941 verstarb Koenigs auf dem Hauptbahnhof in Köln unter bislang ungeklärten Umständen. Möglicherweise handelte es sich um einen Unfall, eventuell wurde er jedoch ermordet.[6]

Verbleib und Besitzübertragungen der Sammlung Koenigs in ihren Teilen nach 1941 werfen bis heute eine Vielzahl von Fragen auf - erhebliche Teile gelangten als Beutekunst auf verschlungenen Wegen sogar in die Sowjetunion.[7]

Franz Koenigs war verheiratet mit Gräfin Anna von Kalckreuth. Ihre Kinder und Enkelkinder leben heute in den Niederlanden und in Deutschland.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Koenigs: Unterstützung des deutschen Widerstands. Franz Koenigs und Hans Leibholz, in: Detlef J. Blesgen (Hg.), Financiers, Finanzen und Finanzierung des Widerstandes, Berlin 2006, S. 137-164
  • Albert J. Elen: Missing Old Master Drawings from the Franz Koenigs Collection claimed by the State of The Netherlands, Den Haag 1989

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Ziegler: Geschäftliche Spezialisierungen deutscher Privatbankiers in der Zwischenkriegszeit. Ein vergeblicher Überlebenskampf?, in: Institut für bankhistorische Forschung (Hg.), Der Privatbankier. Nischenstrategien in Geschichte und Gegenwart, Stuttgart 2003, S. 34.
  2. Lothar Gall: Der Bankier Hermann Josef Abs. Eine Biographie, München 2004, S. 23-28.
  3. Max J. Friedländer (Hg.): Meisterzeichnungen aus der Sammlung Franz Koenigs, Haarlem. Französische Meister des XVIII Jahrhunderts. Bearbeitet von C.F. Foerster, Frankfurt a. M. 1930.
  4. Christine Koenigs: Unterstützung des deutschen Widerstands. Franz Koenigs und Hans Leibholz, in: Detlef J. Blesgen (Hg.), Financiers, Finanzen und Finanzierung des Widerstandes, Berlin 2006, S. 139 f.
  5. Gerard Aalders: Geraubt! Die Enteignung jüdischen Besitzes im Zweiten Weltkrieg, Köln 2000, S. 126-129.
  6. Christine Koenigs: Unterstützung des deutschen Widerstands. Franz Koenigs und Hans Leibholz, in: Detlef J. Blesgen (Hg.), Financiers, Finanzen und Finanzierung des Widerstandes, Berlin 2006, S. 146.
  7. Albert J. Elen: Missing Old Master Drawings from the Franz Koenigs Collection claimed by the State of The Netherlands, Den Haag 1989.