Franz Spina

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Franz Spina (* 5. Oktober 1868 in Markt Türnau im Schönhengstgau (Mähren); † 17. September 1938 in Prag) war ein deutschsprachiger Politiker in der Tschechoslowakei und Publizist.

Schulischer Werdegang[Bearbeiten]

Franz Spina wuchs in der zweisprachigen Gemeinde Markt Türnau auf. Er beherrschte daher schon als Kind neben seiner deutschen Muttersprache die tschechische Sprache. Er besuchte die utraquistische Volksschule in seinem Heimatort und wechselte 1879 über in das Piaristengymnasium in Mährisch Trübau, welches er 1887 mit der Matura abschloss.

Universitätsausbildung[Bearbeiten]

Franz Spina begann 1887 ein Studium der Germanistik, Altphilologie und Philosophie in Wien, 1888 immatrikulierte er an der Deutschen Universität in Prag mit dem Berufsziel Mittelschulprofessor, zugleich schloss er sich 1889 der Burschenschaft Constantia, aufgegangen in der Münchner Burschenschaft Sudetia an.[1] Er legte 1892 die Lehramtsprüfung in Deutsch, Latein und Griechisch ab. Im Jahr 1901 promovierte er zum Doktor der Philosophie.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Er hatte Anstellungen in Braunau (Ostböhmen) und Mährisch Neustadt, von 1901 bis 1905 war er Gymnasialprofessor in Mährisch Trübau. 1906 erfolgte die Berufung zum Lektor für die tschechische Sprache an der Deutschen Universität in Prag. Es folgte 1909 die Habilitation für die tschechische Sprache. Spina verfasste zahlreiche Publikationen über die Kulturgeschichte Böhmens. Von 1929 bis 1938 war er Redakteur der Slawischen Rundschau.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Im Jahr 1920 wurde er als Abgeordneter des Bundes der Landwirte (BdL) in das tschechoslowakische Parlament gewählt. 1926 wurde er zum Minister für öffentliche Arbeiten berufen. Als 1934 die Sudetendeutsche Heimatfront (Konrad Henlein) an Zustimmung bei der deutschsprachigen Bevölkerung gewann, kam der BdL in ernste Schwierigkeiten. Franz Spina stand aber dieser Gruppierung ablehnend gegenüber. 1936 erfolgt eine erneute Berufung zum Minister ohne Geschäftsbereich.

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Spurný: Spina Franz. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 13, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2007–2010, ISBN 978-3-7001-6963-5, S. 29 f. (Direktlinks auf S. 29, S. 30).
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Bd. I: Politiker, Teilbd. 5, Heidelberg 2002, S. 468-470
  • Harald Lönnecker: Von „Ghibellinia geht, Germania kommt!“ bis „Volk will zu Volk!“. Mentalitäten, Strukturen und Organisationen in der Prager deutschen Studentenschaft 1866-1914, in: Sudetendeutsches Archiv München (Hg.): Jahrbuch für sudetendeutsche Museen und Archive 1995-2001, München 2001, S. 34-77
  • Harald Lönnecker: Von „Deutsch war die Stadt, deutsch ihre schönste Zeit!“ bis „Das Eisen bricht die Not!“ – Mentalitäten, Strukturen und Organisationen in der Prager deutschen Studentenschaft 1918-1933, in: Sudetendeutsches Archiv München (Hg.): Jahrbuch für sudetendeutsche Museen und Archive 2002, München 2003, S. 29-80
  • Harald Lönnecker: Von „Deutsch Deine Zeit!“ bis „O gold’nes Prag, – wir haben dir verzieh’n.“ – Mentalitäten, Strukturen und Organisationen in der Prager deutschen Studentenschaft 1933-1945, in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 52 (2007), S. 223-312
  • Harald Lönnecker: „... freiwillig nimmer von hier zu weichen ...“ Die Prager deutsche Studentenschaft 1867-1945 (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen, 16), Köln 2008
  • Robert Luft: Spina, Franz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 699 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 498.