Franz Stenzer

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Gedenksteine für Franz Stenzer und Ernst Thälmann auf dem ehemaligen RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain, Herbst 2008

Franz Stenzer (* 9. Juni 1900 in Planegg; † 22. August 1933 in Dachau) war ein deutscher Kommunist und Reichstagsabgeordneter, Opfer des NS-Regimes.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in seinem bayerischen Geburtsort wurde Franz Stenzer Eisenbahnarbeiter. Während des Ersten Weltkriegs leistete er seinen Wehrdienst als Matrose der Kaiserlichen Kriegsmarine, wo er gegen den militärischen Drill aufbegehrte und dafür einen Monat strengen Arrest erhielt.[1] Er arbeitete nach dem Krieg im Bahnbetriebswerk I in München, wo er 1919 der KPD beitrat. Die Belegschaft wählte ihn in den Betriebsrat. 1924 wurde Stenzer Mitglied der KPD-Bezirksparteiführung in Süd-Bayern, wo er hauptsächlich in der Gewerkschaftsabteilung arbeitete und 1928 auch Gewerkschaftssekretär (= Funktionär) wurde. In dieser Funktion delegierte man ihn 1929 zu einem Lehrgang an die Internationale Lenin-Schule der Kommunistischen Internationalen nach Moskau. Anschließend übernahm Stenzer hohe Funktionen wie die Verantwortung der gesamten Gewerkschaftsarbeit in Bayern, Stadtrat seiner Partei im Münchner Stadtrat, 1931 Chefredakteur der Neuen Zeitung in München. 1932 erwarb er in der Roten Gewerkschafts-Internationale in Moskau weiteres Wissen für seine politische Tätigkeit. Durch die Reichstagswahl im November 1932 kam er aus dem Wahlkreis 26 (Franken) als Abgeordneter der KPD-Fraktion in den Reichstag.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten tauchte Stenzer zunächst unter, nahm aber beispielsweise an der illegalen Tagung des ZK der KPD am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals teil, um anschließend aus dem Untergrund in Süddeutschland die illegale Arbeit weiter zu organisieren.[1] Die Gestapo spürte sein Versteck in München auf; am 30. Mai 1933 verhaftete sie ihn. Nach monatelangen Verhören und Misshandlungen wurde Franz Stenzer am 22. August 1933 im KZ Dachau ermordet. Nach Angaben Himmlers in einem Schreiben an den bayerischen Innenminister Adolf Wagner wurde Stenzer bei einem angeblichen Fluchtversuch von einem SS-Scharführer durch einen Genickschuss getötet. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Scharführer wurde im Dezember 1933 eingestellt, da dessen Darstellung nicht widerlegt werden konnte. Ein gerichtsmedizinisches Gutachten hatte zuvor kein eindeutiges Ergebnis erbracht.[2]

Stenzer war verheiratet; aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Stenzers Frau wurde seit April 1933 als Geisel festgehalten und ein Tag nach der Beisetzung ihres Mannes freigelassen. Im November 1933 flüchtete sie in das Saargebiet, dann nach Paris und im August 1934 in die Sowjetunion. Während der stalinistischen Verfolgungen wurde sie 1937 aus der KPD ausgeschlossen und war bis 1938 inhaftiert. 1946 kehrte sie nach Deutschland zurück, lebte später in der DDR und starb im März 1998 in Berlin. Stenzers Tochter Emmi war ab 1944 mit Markus Wolf verheiratet und war als Literaturwissenschaftlerin Verwalterin des Nachlasses ihres Schwiegervaters Friedrich Wolf.[3]

Gedenken[Bearbeiten]

Schriftzug am RAW Franz Stenzer, 1991
Gedenktafeln am Reichstag
Gedenkstein am Haupttor des ehemaligen Automobilwerks Eisenach (AWE)

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichtswerkstatt Arbeiten und Leben in Pasing e. V. (Hrsg.): Spuren, Beiträge zur Pasinger Geschichte, Profil, München 1989, ISBN 3-89019-235-1.
  • Klaus Drobisc und Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933–1939, 1993, ISBN 3050008237.
  • Bayern in der NS-Zeit, ISBN 3486424017.
  •  Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Zweite, überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3320021306 (Online, abgerufen am 5. Januar 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Stenzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Hans Maur: Gedenkstätten der Arbeiterbewegung in Berlin-Friedrichshain, hrsg. von der Bezirksleitung der SED, Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung in Zusammenarbeit mit der Kreiskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Berlin-Friedrichshain der SED, 1981, S. 122f.
  2. Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933–1945. Droste-Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-7700-5162-9, S. 567.
  3. Weber, Deutsche Kommunisten.