Franz Theodor Csokor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge in Sanary-sur-Mer, unter ihnen Franz Theodor Csokor

Franz Theodor Csokor (* 6. September 1885 in Wien; † 5. Jänner 1969 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller und Dramatiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker des Expressionismus in Österreich. Sein erfolgreichstes und auch bekanntestes Stück ist 3. November 1918, das den Untergang der k. u. k. Monarchie thematisiert. In vielen Werken spiegelt sich die Beschäftigung des Autors mit der Antike und dem Christentum.

Leben[Bearbeiten]

Csokor entstammte einer gutbürgerlichen Familie; der Name Csokor ist ungarisch und bedeutet (Blumen-)Strauß. Er wohnte in seiner Jugend von 1890 bis 1908 in der Kleinstadt Mödling[1] wenige Kilometer südlich von Wien und legte am dortigen Gymnasium 1905 die Matura ab. Er begann dann ein Studium der Kunstgeschichte, das er aber nicht abschloss. Schon früh fühlte er sich zum Dramatiker berufen und verfasste erste Stücke vor dem Ersten Weltkrieg. 1913/14 verbrachte er in Sankt Petersburg, wurde im Ersten Weltkrieg als Soldat eingezogen und letztlich im Kriegsarchiv in Wien in einer literarischen Gruppe beschäftigt. Von 1922 bis 1928 war Csokor Dramaturg am Raimundtheater und am Deutschen Volkstheater in Wien.

Seit 1933 war Csokor entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und unterzeichnete beim P.E.N.-Kongress in Dubrovnik eine Stellungnahme, in der sich der P.E.N. gegen die „Gleichschaltung“ der deutschen Literaturszene durch das nationalsozialistische Regime und den Ausschluss jüdischer Deutscher aus ihr wandte.

1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, emigrierte er freiwillig nach Polen, wo ihn Freunde aufnahmen. Er erlebte 1939 die Bombardierung Warschaus durch die deutsche Luftwaffe, flüchtete von dort nach Bukarest und bald weiter nach Jugoslawien, wo er 1941 die Bombardierung Belgrads überlebte. Von dort flüchtete er, um nicht den Deutschen in die Hände zu fallen, auf die dalmatinische Insel Korčula weiter, die vorerst vom faschistischen Kroatien beherrscht, dann vom faschistischen Italien als Curzola annektiert wurde. Eine wohlhabende Dame verschaffte ihm dort eine Unterkunft.

Nach dem Sturz Mussolinis 1943 wurde er mit anderen älteren Flüchtlingen vor der Landung der Wehrmacht auf der Insel von einem Partisanensegelschiff nach Bari im bereits befreiten Teil Italiens gebracht. Er lebte nach der Eroberung Roms durch die Alliierten, 1944, dort und arbeitete für die BBC.[1] In Rom feierte er 1945 das Kriegsende mit. In den Kriegsjahren war er Terrorangriffen gegen Zivilisten und Geiselerschießungen sehr nahe, durch Glück davon aber selbst nicht betroffen.

Ab 1951 wohnte er in Wien 3., Neulinggasse 11.

Er arbeitete nun für die BBC und konnte den bestehenden Reisebeschränkungen zum Trotz im Frühjahr 1946 in britischer Uniform nach Wien zurückkehren. Im Dezember 1946 nahm er, wie Carl Zuckmayer in seinen Memoiren erwähnte, in US-amerikanischer Uniform an der Zürcher Welturaufführung von Zuckmayers Drama „Des Teufels General“ teil.[2]

1947 wurde Csokor Präsident des Österreichischen P.E.N.-Clubs, für den er bis ins hohe Alter tätig blieb. Seit 1951 wohnte er im 3. Wiener Gemeindebezirk, somit im bis 1955 britischen Sektor der Stadt. 1968 wurde Csokor auch Vizepräsident des Internationalen P.E.N.-Clubs.

Csokor trat als überzeugter Humanist in seinen Dramen für Frieden, Freiheit und Menschenrechte ein. Sein Schaffen war immer auch eng mit der Arbeiterbewegung verbunden.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Csokor wurde vom Staat ehrenhalber der Titel „Professor“ verliehen.

Er ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 C, Nummer 55)[3].

Seit 1970 verleiht das österreichische P.E.N.-Zentrum den nach ihm benannten Franz-Theodor-Csokor-Preis.

1975 wurde im Bezirksteil Kaiserebersdorf des 11. Wiener Gemeindebezirks die Csokorgasse nach ihm benannt.

1994 gab die Österreichische Post eine Sonderbriefmarke zu seinen Ehren heraus.

Liste der Ehrungen

Werke[Bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Die rote Straße, 1918
  • Die Stunde des Absterbens, 1919
  • Gesellschaft der Menschenrechte, 1929
  • Besetztes Gebiet, 1930
  • 3. November 1918, 1936; Ephelant 1993.[4] ISBN 3-900766-07-X.
  • Gottes General, 1939; Ephelant 1993.[6] ISBN 3-900766-07-X.
  • Kalypso, 1942
  • Der verlorene Sohn, 1943; Ephelant 1993.[7] ISBN 3-900766-07-X.
  • Cäsars Witwe, 1954
  • Pilatus, 1954
  • Hebt den Stein ab, 1957
  • Jadwiga, 1966
  • Der tausendjährige Traum, 1966
  • Alexander, 1969
  • Der Kaiser zwischen den Zeiten, 1969

Prosa[Bearbeiten]

  • Hildebrands Heimkehr, eine deutsche Sage, 1905
  • Schuß ins Geschäft (Der Fall Otto Eißler), 1925
  • Über die Schwelle, Erzählungen, 1937
  • Der Schlüssel zum Abgrund, Roman, 1955
  • Der zweite Hahnenschrei, Erzählungen, 1959
  • Ein paar Schaufeln Erde, Erzählungen, 1965
  • Auch heute noch nicht an Land. Briefe und Gedichte aus dem Exil. Enthält auch: Das schwarze Schiff und Zeuge einer Zeit. Ephelant 1993. ISBN 3-900766-05-3.

Lyrik[Bearbeiten]

  • Die Gewalten, 1912
  • Der Dolch und die Wunde, 1917
  • Ewiger Aufbruch, 1926
  • Das schwarze Schiff, 1945, 1947; 1993[8]
  • Immer ist Anfang, 1952

Autobiographisches[Bearbeiten]

  • Als Zivilist im polnischen Krieg, Allert de Lange, Amsterdam 1940
  • Als Zivilist im Balkankrieg, Ullstein, Wien 1947
  • Auf fremden Straßen. 1939–1945, Verlag Kurt Desch, Wien / München / Basel 1955
  • Zeuge einer Zeit: Briefe aus dem Exil 1933 – 1950, Langen-Müller, München 1955
  • Autobiographische Skizze von Franz Theodor Csokor, ca. 1914 an Franz Brümmer; In: Digitale Edition des lexikographischen Nachlasses Franz Brümmer

Literatur[Bearbeiten]

  • Lilly Adler: Die dramatischen Werke von Franz Theodor Csokor. Wien: Univ. Diss. 1950.
  • Joseph P. Strelka (Hrsg.): Immer ist Anfang. Der Dichter Franz Theodor Csokor. Lang, Frankfurt am Main u.a. 1990. ISBN 3-261-04254-0.
  • Eckart Früh: F. Th. Csokor, ein Frondeur. In: 3. November 1918. Der verlorene Sohn. Gottes General., Ephelant 1993, S. 249–254. ISBN 3-900766-07-X.
  • Harald Klauhs: Franz Theodor Csokor. Leben und Werk bis 1938 im Überblick. Heinz, Akad. Verl., Stuttgart 1988. (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik; 204) ISBN 3-88099-208-8.
  • Ulrich N. Schulenburg (Hrsg.): Lebensbilder eines Humanisten. Ein Franz Theodor Csokor-Buch. Löcker, Wien 1992. ISBN 3-85409-182-6.
  • Paul Wimmer: Der Dramatiker Franz Theodor Csokor. Wagner, Innsbruck 1981. (= Dramatiker, Stücke, Perspektiven; 4) ISBN 3-7030-0086-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kulturzeitschrift Medelihha: Liebeserklärung an eine Stadt, Ausgabe 12/2014
  2. Carl Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir. Horen der Freundschaft, Fischer Verlag; Fischer Taschenbuch Nr. 1049, Frankfurt am Main 1969, ISBN 3-596-21049-6, S. 470
  3. Kunst und Kultur in Wien: Ehrengrab von F. T. Csokor, abgerufen am 27. Juli 2014
  4. Enthält auch: Der verlorene Sohn und Gottes General.
  5. (Bildunterschrift:) (…) „3. November 1918“ (…). In: Arbeiter-Zeitung. Wien 31. Oktober 1965, S. 9, unten rechts.
  6. Enthält auch: 3. November 1918 und Der verlorene Sohn.
  7. Enthält auch: 3. November 1918 und Gottes General.
  8. In: Auch heute noch nicht an Land. Briefe und Gedichte aus dem Exil. (Siehe Prosa).
  9. Auszug in FTC, Der 25. Juli in Zwischenwelt. Zs. der Theodor Kramer Gesellschaft Jg. 27 #4, Februar 2011 ISSN 1606-4321 S. 46f.