Franz Xaver Zippe

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Franz Xaver Maximilian Zippe, Lithographie von Adolf Dauthage, 1860

Franz Xaver Maximilian Zippe (* 15. Januar 1791 in Nieder Falkenau; † 22. Februar 1863 in Wien), war ein böhmischer Naturwissenschaftler und Techniker.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Mittleren Schule in Dresden studierte er von 1807 bis 1809 an der Prager Universität Philosophie. Noch während des Studiums besuchte er Vorlesungen der Chemiker Karl August Neumann (1771–1866) und Johann Joseph Steinmann (1779–1833), Professor der allgemeinen Chemie, an der polytechnischen Schule in Prag. Besonders zum zweiten Professor baute sich eine engere Beziehung auf. 1819 wurde Zippe sein Adjunkt und seit 1822 dozierte er Mineralogie und Geologie.

Er wurde ein enger Mitarbeiter des Grafen Kaspar Maria von Sternberg, Gründer des Prager Vaterländischen Museum des böhmischen Reiches (Vorgänger des Nationalmuseums Prag). Zippe, der schon während seiner Jugend für seine Sammelleidenschaft bekannt war, war einer der ersten Schenker des Instituts. Seit März 1819 katalogisierte und beschrieb er die Sammlungen und ergänzte diese um selbstgefertigte Kristallmodelle.

Vom 1. November 1824 bis 1842 war er für die mineralogische Abteilung des Museums verantwortlich. Während dieser Zeit unternahm er eigene Reisen in das Riesengebirge, Isergebirge und Altvatergebirge und bereicherte das Museum mit zahlreichen Mineralien. Ab 1833 arbeitete er zusammen mit Johann Gottfried Sommer die 16-bändige Topographie Böhmens aus.

Im Jahre 1847 wurde er zu einem der ersten Mitglieder der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. 1846 wurde er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Vom 31. August 1849 bis zum 1. Oktober 1850 war er als Direktor an dem Montanlehrinstitut in Příbram tätig. Ab dem 1. November 1850 lehrte er an der Universität Wien Mineralogie.

Zu seinen Ehren wurde ein Uranmineral, das Zippeit (Uranblüte), aus St. Joachimsthal nach ihm benannt.[1]

Werke[Bearbeiten]

  • Über den Einfluss der mineralogischen Wissenschaften auf Künst und Gewerbe, und ihren früheren und gegenwärtigen Zustand in Böhmen; in: Monatschrift der Gesellschaft des vaterländischen Museums II. (1828), sv. 2, S. 3–21.
  • Übersicht der Gebirgsformationen in Böhmen; Sep. Aus den Abhandlungen der königl.böhm.Gesellschaft der Wissenschaften; Prag 1831.
  • Karte der kohlenführenden Gebirgsformationen von Böhmen
  • Die Steinkohlen, ihr Werth, ihre Wichtigkeit im Allgemeinen, und ihre Verbreitung in Böhmen; Besonderer Abdruck aus der Encyclopädischen Zeitschrift des Gewerbewesens; Verlag des Vereines zur Ermunterung des Gewerbegeistes in Böhmen, Prag 1842; Mit der Karte der kohlenführenden Gebirgsformationen in Böhmen.
  • Vorkommnisse in der Steinkohlenformation des Rakonitzer Kreises; in: Abhandlungen der königlichen böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, V.Folge, 2.Band, Prag 1843.
  • Anleitung zur Gestein- und Bodenkunde“ (1846)
  • Poučné a zábavné listy pro polní hospodáře“ (1846–1847)
  • Geschichte der Metalle; Wien (1857), Wilhelm Braumüller, k.k.Hofbuchhändler.
  • Joseph Steinmann; sein Leben und wissenschaftliches Wirken; Druck und Papier von Gottlieb Haase Sohne, Prag 1836.
  • Přírodopis pro nižší reálné školy.

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Zippe, Franz Xaver Maximilian. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 60. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1891, S. 169–172 (Digitalisat).
  • Karl Alfred von Zittel: Zippe, Franz Xaver Matthias. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 358 f.
  • Seidl, J. / Pertlik, F. / Svojtka, M.: Franz Xaver Maximilian Zippe (1791–1863). Ein böhmischer Erdwissenschafter als Inhaber des ersten Lehrstuhls für Mineralogie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. In: Johannes Seidl (Hrsg.): Eduard Suess und die Entwicklung der Erdwissenschaften zwischen Biedermeier und Sezession (= Schriften des Archivs der Universität Wien; 14). Wien 2009, S. 161–209. Download (PDF-Datei; 10,51 MB)
  • Johannes Uray, Chemische Theorie und mineralogische Klassifikationssysteme von der chemischen Revolution bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Bernhard Hubmann, Elmar Schübl, Johannes Seidl (Hgg.), Die Anfänge geologischer Forschung in Österreich. Beiträge zur Tagung „10 Jahre Arbeitsgruppe Geschichte der Erdwissenschaften Österreichs“ von 24. bis 26. April 2009 in Graz. Graz 2010, S 107–125.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. Leipzig (Dt. Verl. d. Grundstoffindustrie) 1981, S. 418

Weblinks[Bearbeiten]