Franz von Suppé

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Franz von Suppé
Franz von Suppés Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (32A-31)

Franz von Suppé, auch Suppè (* 18. April 1819 in Spalato (Split), Dalmatien; † 21. Mai 1895 in Wien), war ein österreichischer Komponist. Sein bürgerlicher Name lautet Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppè-Demelli. Als Franz von Suppé hinterließ er ein Œuvre mit über 200 Bühnenwerken, meist Operetten, von denen die Ouvertüren zu Dichter und Bauer und Leichte Kavallerie am bekanntesten sind. Seine Operette Boccaccio gehört zum Standard-Repertoire deutschsprachiger Bühnen.

Leben[Bearbeiten]

Jugendjahre und musikalische Ausbildung[Bearbeiten]

Suppés Vater entstammte einer ursprünglich belgischen, später in Dalmatien lebenden Familie. Seine Mutter war Wienerin. Bereits mit acht Jahren sang er im Kirchenchor der Kathedrale von Split, dessen Chorleiter Giovanni Cigalla ihm erste musikalische Kenntnisse vermittelte. Flötenunterricht erhielt Franz von Suppé vom Kapellmeister Giuseppe Ferrari. Von beiden Lehrmeistern konnte sich von Suppé bereits in jungen Jahren grundlegendes kompositorisches Wissen aneignen.

Mit 15 Jahren begann er dann auf Wunsch seines Vaters eine Ausbildung zum Juristen an der Universität Padua. Sein ganzer Enthusiasmus galt allerdings nach wie vor nur der Musik. So fuhr er häufig nach Mailand und sah nicht nur Opern im Teatro alla Scala, sondern trat auch in persönlichen Kontakt mit Gioacchino Rossini, Gaetano Donizetti und dem jungen Giuseppe Verdi.

Mit sechzehn Jahren schuf er sein erstes größeres Werk, eine Messe in F-Dur, die er erst vierzig Jahre später als Missa Dalmatica veröffentlichte.

Nach dem Tod seines Vaters im Januar 1835 zog er im September 1835 nach Wien und begann dort ein Medizinstudium, das er jedoch rasch wieder aufgab, um am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bei Simon Sechter und Ignaz Xaver von Seyfried, einem Freund Ludwig van Beethovens, zu studieren. Zur Finanzierung des Studiums gab er Italienisch-Unterricht.

Wirken als Komponist[Bearbeiten]

Titelblatt der Handschrift des Requiems d-moll von Franz von Suppè aus der Wienbibliothek aus dem Jahre 1855 (sig. MHc 9496) – beachtenswert die Schreibweise seines eigenen Namens: Suppè
Franz von Suppè (so die Schreibweise laut Unterschrift im Bild) im Kreise von Binder, Anton M. Storch, Proch und Emil Titl, Lithographie von Josef Kriehuber, 1852.

Schon ein Jahr nach seiner Ankunft in Wien vollendete Suppé am 15. August 1836 eine weitere Messe und arbeitete an seiner ersten Oper Virginia, die er im August 1837 fertigstellte. Das nach einem Libretto von Ludwig Holt erschaffene Werk wurde allerdings nie aufgeführt.

Nachdem er sein Studium 1840 mit nur 21 Jahren abgeschlossen hatte, stellte das Theater in der Josefstadt unter Direktor Franz Pokorny ihn – zunächst ohne Salär – als Kapellmeister ein. Von seinem Talent beeindruckt wurde Pokorny zu seinem persönlichen Förderer. Anlässlich dessen Todes komponierte Suppé das Requiem in d-moll, welches am 22. November 1855 bei einem Gedenkgottesdienstes in der Piaristenkirche Maria Treu (Wien) uraufgeführt wurde. Als Kapellmeister war von Suppé später auch im Theater an der Wien und ab 1865 am Carltheater tätig.

Als Komponist war Franz von Suppé sehr produktiv. Er schrieb die Musik zu über 190 Possen und anderen Bühnenwerken, darunter zum Lustspiel Dichter und Bauer (1846) von Karl Elmar. Seine Orchester- und Kammermusik wurde demgegenüber wenig beachtet.

Angeregt durch die Operettenerfolge von Jacques Offenbach in Wien, komponierte er 1860 seine erste einaktige Operette, Das Pensionat und begründete in den folgenden Jahren durch Anlehnung an das einheimische Volkstheater die Wiener Operette. Nach mehreren kleinen Bühnenwerken schuf er 1876 sein erstes abendfüllendes Operettenwerk Fatinitza. Sein größter Triumph wurde die Aufführung der komischen Oper Boccaccio.

Werke[Bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten]

Oper[Bearbeiten]

Operette[Bearbeiten]

Komödie[Bearbeiten]

  • Jung lustig, im Alter traurig, oder Die Folgen der ErziehungKomödie mit Liedern, drei Akte – 5. März 1841 (Text: C. Wallis)
  • Sie ist verheiratet – Komödie mit Liedern, drei Akte – 7. November 1845 – Theater an der Wien (Text: Fr. Kaiser)
  • Unterthänig und unabhängig, oder Vor und nach einem Jahre – Komödie mit Liedern, drei Akte – 13. Oktober 1849 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)
  • Dichter und Bauer – Komödie mit Liedern, drei Akte – 24. August 1846 (Komplettfassung 1900) – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)

Farce[Bearbeiten]

  • Der Krämer und sein Kommis – Farce, zwei Akte – 28. September oder 16. Oktober 1844 – Theater in der Josefstadt (Text: F. Kaiser)
  • Die Hammerschmiedin aus Steyermark, oder Folgen einer Landpartie – Ländliche Farce mit Liedern, zwei Akte – 14. Oktober 1842 – Theater in der Josefstadt in Wien (Text: Josef Kilian Schickh)
  • Martl, oder Der Portiunculatag in Schnabelhausen – Farce mit Musik (Parodie von Friedrich von Flotows Martha), drei Akte – 16. Dezember 1848 – Theater an der Wien (Text: A. Berla)
  • Des Teufels Brautfahrt, oder Böser Feind und guter Freund – Farce mit Liedern, drei Akte – 30. Januar 1849 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)
  • Gervinus, der Narr von Untersberg, oder Ein patriotischer Wunsch – Farce mit Liedern, drei Akte – 1. Juli 1849 – Theater am Braunhirschengrund (Text: Berla)
  • Der Dumme hat's Glück – Farce mit Liedern, drei Akte – 29. Juni 1850 – Theater an der Wien (Text: A. Berla)
  • Wo steckt der Teufel? – Farce mit Liedern, drei Akte – 28. Juni 1854 – Theater an der Wien (Text: Grün?)

Vaudeville[Bearbeiten]

  • Marie, die Tochter des RegimentsVaudeville, zwei Akte (Musik von verschiedenen Komponisten, Suppè komponierte die beiden Finale) – 13. Juni 1844 – Theater in der Josefstadt in Wien (Text: F. Blum, nach J. H. St. Georges und J. F. A. Bayard)
  • Die Müllerin von Burgos – Vaudeville, zwei Akte – 8. März 1845 – Theater in der Josefstadt (Text: J. Kupelwieser)

Sonstige Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • S'Alraunl – Romantisches Märchen mit Liedern, drei Akte – 13. November 1849 – Theater an der Wien (Text: Anton von Klesheim)
  • Der Tannenhäuser – Dramatisches Gedicht mit Musik – 27. Februar 1852 – Theater an der Wien (Text: Heinrich Ritter von Levitschnigg)
  • Joseph Haydn – musikalisches Porträt mit Melodien von Joseph Haydn – 30. April 1887 – Theater in der Josefstadt (Libretto: Friedrich von Radler)
  • Die Wette um ein Herz, oder Künstlersinn und Frauenliebe – ? – 10. März 1841 – Theater in der Josefstadt in Wien (Text: Karl Elmar)
  • Stumm, beredt und verliebt – ? – 1. Mai 1841 – Theater in Ödenburg-Sopron (Text: F. X. Told)
  • Die Bestürmung von Saida – ? (Musik von Suppé, A. Titl und K. Binder) – 10. September 1841 – Arena in Baden (Text: F. X. Told)
  • Der Pfeilschütz in Lerchenfeld, die Hochzeit am Neubau und das Testament in der Josefstadt – ? (Musik: Suppé und zwei Zwischenspiele von Josef Lanner) – 27. Oktober 1841 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: F. X. Told)
  • Der Komödiant, oder Eine Lektion Liebe – ? – 14. Dezember 1841 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: Karl Elmar)
  • Der Mulatte – ? – 12. Februar 1842 – Theater in Preßburg (Text: Th. Hell)
  • Nella, die Zauberin, oder Der Maskenball auf Hohengiebel – ? – 11. Mai 1842 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: Karl Elmar)
  • Das grüne Band – ? – 2. Juli 1842 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: Karl Elmar, H. von Levitschnigg, J. H. Mirani, J. Seydl, W. Vogel und F. X. Told)
  • Rokoko – ? – 26. Juli 1842 – Theater in Preßburg (Text: A. Bäuerle)
  • Ein Sommernachtstraum – ? – 31. August 1842 – Theater in der Josefstadt Wien (Text frei adaptiert von William Shakespeare durch E. Straube)
  • Das Armband – ? (Musik: Hebenstreit und ein Zwischenspiel von Suppè – 8. September 1842 – Theater in der Josefstadt Wien, Text: Fr. Kaiser)
  • Dolch und Rose, oder Das Donaumädchen – ? – 30. November 1844 – Theater in der Josefstadt in Wien (Text: F. X. Told)
  • Zum ersten Male im Theater – ? – 31. Dezember 1844 – Theater in der Josefstadt Wien – (Text: F. Kaiser)
  • Die Champagnerkur, oder Lebenshaß und Reue – ? – 2. Februar 1845 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: Karl Gruber)
  • Der Nabob – ? – 9. Mai 1845 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: K. Haffner)
  • Die Industrieausstellung I – ? – 1. August 1845 – Theater in der Josefstadt Wien (Text: Fr. Kaiser)
  • Die Gänsehüterin, oder Hans und Gretchen – ? – 11. Februar 1846 – Theater an der Wien (adaptiert von einem Text von G. Ball)
  • Die Schule der Armen, oder Zwei Millionen – ? – 26. Oktober 1847 – Theater an der Wien (Text: Fr. Kaiser)
  • Hier ein Schmied, da ein Schmied, noch ein Schmied und wieder ein Schmied – ? – 30. Dezember 1848 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar und J. N. Vogel)
  • Die Liebe zum Volke, oder Arbeit – Geld – Ehre – ? – 18. März 1850 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)
  • Die Industrieausstellung II – ? – 25. Mai 1851 – Theater an der Wien (Text: L. Feldmann)
  • Pech – ? – 31. Juli 1852 – Fünfhaus (Text: A. Berla)
  • Die Heimfahrt von der Hochzeit – ? – 8. Januar 1853 – Theater an der Wien (Text: E. Feldmann)
  • Die Irrfahrt um's Glück – ? – 24. April 1853 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)
  • Die weiblichen Jäger – ? – 30. Juli 1853 – Fünfhaus (Text: L. Feldmann)
  • Die Bernsteinhexe – ? – 5. Januar 1854 – Theater an der Wien (Text: Heinrich Laube)
  • Trommel und Trompete – ? – 1. April 1854 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)
  • Das Bründl bei Sievering, oder Ein Blick in die Zukunft – ? – 14. April 1855 – Theater an der Wien (Text: H. Merlin)
  • Lord Byron – ? – 8. Juni 1856 – Theater an der Wien – (Text: Heinrich von Levitschnigg)
  • Der Werkelmann und seine Familie – ? – 10. April 1858 – Theater an der Wien (Text: A. Langer)
  • Die Kathi von Eisen – ? – 19. Juli 1858 – Theater an der Wien (Text: A. Berla)
  • Die Zauberdose, oder Um zehn Jahre zu spät – ? – 19. Dezember 1859 – Theater an der Wien (Text: Karl Elmar)

Bühnenwerke, die auf Suppés Werken basieren[Bearbeiten]

Konzertante Werke[Bearbeiten]

  • Sieg der österreichischen Volkshymne – Tongemälde, op. 45
  • Wiener Jubelouvertüre
  • Ouvertüre zu Mozart (nach Originalmusik Mozarts)

Märsche, Walzer und Polkas[Bearbeiten]

  • O du mein ÖsterreichMarsch von Ferdinand Preis (Trio von Suppé)
  • Einzugsmarsch aus "Prinz Liliput" – Marsch
  • Herrjegerle-Polka
  • Coletta-Walzer
  • In der Hinterbrühl – Marsch
  • Tiroler Tanz und Frischka
  • Le Voyage en Afrique – Französische Polka
  • L'Orientale – Polnische Mazurka
  • Bellmann-Marsch – Marsch aus der Operette Bellmann
  • Romankapitel – Französische Polka
  • Glückswalzer – Walzer aus der Operette Die Jagd nach dem Glück
  • Ein Hoch- und Deutschmeister (Erzherzog Wilhelm-Marsch)
  • Danza delle Chizzotte
  • Liebeswalzer – Walzer aus der Operette Lohengelb, oder die Jungfrau von Dragant

Lieder[Bearbeiten]

  • Österreichisches Reiterlied, op. 41 (gewidmet dem Feldmarschall Radetzky; Text: Otto Prechtler)
  • Ruhe, müder Wanderer – Lied
  • Nimm dich in Acht (Lobsinget den Wein) – 1890
  • Tell's Kapelle

Kirchenmusik[Bearbeiten]

  • Missa Dalmatica – Messe in F-Dur – 13. September 1835 – Kirche zum Heiligen Franziskus in Zadar
    • Der sechzehnjährige Franz von Suppé komponierte diese Messe als sein erstes geistliches Vokalwerk, deren Manuskript er nach dem Tod seines Vaters am 24. August 1835 vollendete. Missa Dalmatica wurde wahrscheinlich uraufgeführt, kurz nachdem Suppé mit seiner Mutter nach Wien übersiedelte. Mit dieser Messe verschaffte sich der junge Suppé den Zugang zu Ignaz Xaver Ritter von Seyfrieds Musiktheorie-Unterricht.
  • Missa pro defunctisRequiem d-moll (vier Solisten, Chor und Orchester) im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes – 22. November 1855 – Piaristenkirche Maria Treu in Wien
    • Suppé fand in František Xaver Pokorný, dem Direktor des Theaters an der Wien, einen Freund und Förderer, der ihn 1845 als Kapellmeister an sein Haus verpflichtete. 1850 verstarb Pokorny, und zu dessen Gedächtnis schuf Suppé fünf Jahre später dieses Requiem.

Filme[Bearbeiten]

Filme über von Suppé[Bearbeiten]

  • Hab’ ich nur Deine Liebe – Österreich – 1953 – Musikfilm über Suppés Leben. Der Lied- und Filmtitel „Hab ich nur Deine Liebe“ stammt aus der Operette Boccaccio. Der Tenor Heesters präsentiert u. a. „Die Welt hat schöne Frauen“, seine Partnerin Gretl Schörg singt neben dem Titellied „Man singt wieder Walzerlieder“ und im Duett mit Heesters „Diese Wonne, diese Seligkeit“ – Regie: Eduard von Borsody, Hauptdarsteller: Johannes Heesters (Franz von Suppè), Gretl Schörg (Sophie Strasser), Helmut Qualtinger

Filme nach Werken von Suppé[Bearbeiten]

  • Stolen Kisses – USA – 1929 – Komödie auf Basis eines unbekannten Werks von Suppé – imbd.de
  • Boccaccio – Italien – 1940 – Nach der gleichnamigen Operette – Fakten aus der IMDB

Trivia[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz von Suppé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien