Franz von Uchatius

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Franz Freiherr von Uchatius
(1811–1881)

Franz Freiherr von Uchatius (* 20. Oktober 1811 in Theresienfeld, Niederösterreich; † 4. Juni 1881 in Wien) war ein österreichischer Feldmarschalleutnant, Artillerieexperte, Waffentechniker und Erfinder. Er galt als einer der genialsten Konstrukteure der österreichischen Artillerie.[1]

Leben und militärische Laufbahn[Bearbeiten]

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, trat er 1829 als Kadett-Unterkanonier in das k.k. Artillerieregiment Nr. 2 ein und diente sich „von der Pike an“ hoch. Er erhielt seine mathematisch-technische Ausbildung im Bombardierkorps und vervollkommnete sein Wissen als Laborant und Assistent in der physikalisch-chemischen Lehranstalt. Er war einer der ersten, der Daguerreotypien und Fotografien herstellte. Schon damals versuchte er, durch Erfindungen sein mageres Salär aufzubessern.

Seit 1837 war er Feuerwerker (Feldwebel bei der Artillerie). 1841 wurde er in die k. k. Geschützgießerei des Arsenals versetzt und 1843 zum Leutnant befördert. Von da an begann sich Uchatius mit technischen Innovationen zu beschäftigen. Zu dieser Zeit gelang ihm auch die Erfindung des „Nebelbildapparates“, der gezeichnete Bilder projizieren konnte und der erste cinematographische Vorführapparat war. Uchatius gilt damit auch als Erfinder des „bewegten Bildes“.[2]

In den Revolutionsjahren 1848 und 1849 machte er mit dem k.k. Feldartillerieregiment Nr. 3 den Feldzug in Italien und in Ungarn mit. Bei der Belagerung des revolutionären Venedig schlug er vor, durch unbemannte Luftballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius konstruierten und hergestellten Ballonbomben. Restbestände dieser Bomben können im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien besichtigt werden.

1856 veröffentlichte er ein verbessertes Verfahren zur Erzeugung von Stahl, dem heute nach ihm benannten Uchatius-Stahl. Bald darauf erfand er ein Herstellungsverfahren von sogenannter Hart- oder Stahlbronze, welche 75 % billiger war als Gussstahl und als Geschützrohrmaterial beinahe dieselbe Qualität aufweisen konnte. Dadurch hatte Österreich-Ungarn einen billigeren Geschützwerkstoff als Stahl, und konnte sich von ausländischen Importen unabhängig machen.

1860 wurde der Fünfzigjährige zum Major befördert und zum Vorsteher der Geschützgießerei bestellt. 1867 wurde er Oberst, 1871 erfolgte seine Ernennung zum Kommandanten der Artilleriezeugsfabrik im Arsenal in Wien. 1874 wurden seine Leistungen durch die Beförderung zum Generalmajor gewürdigt. 1879 folgte die Ernennung zum Feldmarschalleutnant. Zahlreiche Auszeichnungen folgten. Versuche, aus der Uchatius-Bronze auch Schiffsgeschütze herzustellen, schlugen fehl.

Uchatius Leben endete unvermutet, ohne Andeutungen oder Aufzeichnungen, durch Selbstmord. Ob das Missgeschick mit den Schiffsgeschützen oder das Wissen um ein unheilbares Magenleiden die Ursache waren, blieb unklar.

Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 A, Nummer 35).[3]

Nebst der Stahlbronze, die seinen Namen trägt, erinnert die Uchatiusgasse in Wien Landstraße (3. Bezirk) an den bedeutenden Erfinder. Auch die Kaserne des Bundesheeres in Kaisersteinbruch trägt nach ihm seit 1967 den Namen Uchatius-Kaserne.

Erfindungen[Bearbeiten]

Bildprojektion[Bearbeiten]

1845 führten seine filmtechnischen Versuche, die „Zauberscheiben“ von Simon Stampfer mit der Laterna magica zu kombinieren, zum Erfolg. Bewegte Bilder konnten nun dank dieses Projektors mehreren Personen gleichzeitig vorgeführt werden.

Stahlerzeugung[Bearbeiten]

1856 veröffentlichte Uchatius ein verbessertes, günstigeres Verfahren für die Erzeugung von Gussstahl (Uchatius-Stahl).

Rüstungstechnik[Bearbeiten]

1844, während seiner Zeit als Leutnant in der Geschützgießerei, projektierte er den ersten Friktionszünder und erfand eine neue Methode für die quantitative Bestimmung des Kohlenstoffs im Roheisen.

Bei der Belagerung von Venedig, das sich 1848 als unabhängig von Österreich erklärt hatte, schlug er vor, durch unbemannte Luftballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später, am 22. August 1849, erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius hergestellten Bomben – was trotz relativ geringer Sachschäden nicht ohne Folgen für die Moral der Gegner blieb, fühlte man sich dieser neuartigen Waffe aus der Luft doch schutzlos ausgeliefert.

Uchatius erfand ebenso ein Verfahren für die Erzeugung von Stahlbronze. Mit dieser, seiner Geschützbronze schuf Uchatius einen Geschützrohrwerkstoff, der erheblich preiswerter als Stahl war und der Österreich bei der Geschützerzeugung vom Ausland unabhängig machte.[4] Das erste Geschütz aus Uchatius-Bronze wurde 1874 gegossen. Bald war die gesamte Feldartillerie mit Geschützen aus diesem Material ausgestattet. Die Konstruktionsverhältnisse entnahm Uchatius hauptsächlich den von Friedrich Krupp in Essen gelieferten Versuchsmodellen. Sein 1875 eingeführtes Artilleriematerial wurde noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Für die Geschosse konstruierte er sogenannte Ringhohlgeschosse, die seitdem in fast allen Armeen angewendet wurden.

1861 ersann Uchatius ein Materialprüfungsverfahren für Geschützmetalle und erfand die „Pulverprobe“ zur Messung des im Geschützrohr herrschenden Gasdrucks.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Heinrich Blumenthal: Das geistige Antlitz des kaiserlichen Heeres. Militärwissenschaftliche Abteilung des Bundesministeriums für Landesverteidigung, Wien 1961
  • Wilhelm Formann: Österreichische Pioniere der Kinematographie. Bergland Verlag, Wien 1966
  • Erich Kurzel-Runtscheiner: Franz Freiherr von Uchatius. In: Blätter für Geschichte der Technik, Heft IV, Wien 1938
  • Alfred von Lenz: Lebensbild des General Uchatius, des Erfinders der Stahlbronzegeschütze. Wien 1904
  • Helmut Neuhold: Konkurrenz für Krupp. Das Leben und Sterben des Franz Freiherrn von Uchatius. Dissertation, Universität Wien 2001
  • Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-12-0
  • Julian Pallua-Gall: Uchatius, Franz Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 122 f.
  • Constantin von Wurzbach: Uchatius, Franz Freiherr. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 48. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1883, S. 209–213 (Digitalisat).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren, Wien 2007, S. 73.
  2. Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren, Wien 2007, S. 73.
  3. Find a grave vom 5. August 2004 abgerufen am 5. Mai 2009
  4. Das Militär und der Aufbruch 1860-1890 Seite 236 abgerufen am 5. Mai 2009

Weblinks[Bearbeiten]