Franz von Winckler

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Franz von Winckler (eigentlich Franciscus Winckler, seit 1840 von Winckler; * 4. August 1803 in Tarnau, Landkreis Frankenstein (Schlesien); † 6. August 1851) war ein deutscher Montanunternehmer in Oberschlesien. Auf ihn geht wesentlich die Entwicklung von Kattowitz zu einer Industriestadt zurück.

Franz von Winckler
Winckler-Denkmal in Kattowitz

Leben[Bearbeiten]

Winckler begann im Jahr 1818 als Bergmann in einem oberschlesischen Erzbergwerk. Seine Talente fielen auf und er besuchte mit Unterstützung des königlichen Bergamtes ab 1821 die Bergschule in Tarnowitz, bis diese nach dem Tod des Leiters aufgelöst wurde. Anschließend arbeitete er als Schichtleiter im Galmei-Bergwerk Maria bei Miechowitz bei Beuthen. Dessen Besitzer, ein Franz Freiherr von Aresin, machte ihn bald darauf zum Bergwerksleiter. Nach dem sein Arbeitgeber kurze Zeit später starb, wurde Winckler für die Erben unentbehrlich. Winckler war in einer ersten Ehe mit Alvine Kalide verheiratet. Nachdem diese 1829 verstarb, heiratete er 1832 die Witwe seines verstorbenen Arbeitgebers, Maria Freifrau von Aresin. Dadurch kamen auch die von ihm bereits verwalteten Besitzungen und Unternehmen direkt in seine Hand. Insbesondere nach einer Studienreise nach England baute Winckler die industriellen Betriebe aus.[1] In den Jahren 1838 und 1839 erwarb das Ehepaar Winckler zusätzlich zu Miechowitz noch die Rittergüter Kattowitz und Myslowitz.

Als Bergwerks- und Hüttenwerksbesitzer sowie Gutsherr auf Miechowitz wurde Winckler durch A.KO. am 15. Oktober 1840 in Berlin mit Diplom vom 6. September 1854 in Putbus in den preußischen Adelsstand erhoben.[2]

Durch verschiedene Prozesse erstritt das Ehepaar das Bergregal. Auch die Bergpolizei lag schließlich in der Hand der Familie Winckler, bis sie 1898 darauf verzichtete. Ohne wesentlichen staatlichen Eingriff konnte Winckler auf seinem Besitz Bergbau betreiben. Ein Vorteil für ihn war, dass Kattowitz auf maßgeblichen Einsatz von Winckler hin bereits 1846 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.

Winckler verfügte schließlich über acht Güter mit beträchtlichen Landbesitz, verschiedene Industrieunternehmen, Erzgruben und bedeutende Steinkohlegruben. Er besaß weiterhin 14 Galmei-Gruben und 69 Steinkohlefelder. Die Eisenerzgruben waren so ergiebig, dass sie bis in die 1860er Jahre hinein den Rohstoffbedarf der zwischen 1836 und 1838 errichten fünf Eisenhütten decken konnten. Hinzu kamen sieben Zinkhütten. Der Anteil der Zinkhütten an der oberschlesischen Zinkhüttenproduktion betrug 1853 19,1 %. Das Unternehmen produzierte 110.000 Zentner Zink, 100.000 Zentner Roheisen und 40.000 Zentner Schmiedeeisen. Er beschäftigte etwa 4000 Arbeiter und Angestellte.

Damit gehörte er neben den Familien Hohenlohe, Henckel von Donnersmarck, Schaffgotsch und Ballestrem zu den bedeutendsten Magnaten in Oberschlesien. Langjähriger Mitarbeiter und Freund war Friedrich Wilhelm Grundmann, der diese Stellung nach seinem und seiner Frau Tod unter der Erbin Valeska von Winckler behielt. Die Tochter heiratete schließlich einen Leutnant von Tiele. Daher hieß die Familie seither Tiele-Winckler. Durch die Tätigkeit von Winckler und dessen Erben entwickelte sich Kattowitz von einem Dorf mit 1846 1326 Einwohnern zu einer Industriesiedlung und zu einem bedeutenden Standort für Handel, Verkehr und Verwaltung. Der Ort erhielt 1865 das Stadtrecht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Toni Pierenkemper: Unternehmeraristrokraten in Schlesien. In: Elisabeth Fehrenbach (Hrsg.): Adel und Bürgertum in Deutschland 1770-1848. München, 1994 ISBN 3-486-56027-1 S.153f.
  • Klemens Skibicki: Industrie im oberschlesischen Fürstentum Pless im 18. und 19. Jahrhundert. Stuttgart, 2002 ISBN 3-515-08036-8 S.235f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elisabeth Fehrenbach,Elisabeth Müller-Luckner: Adel und Bürgertum in Deutschland 1770-1848, 1994, Seite 154 (Digitalisat)
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XVI, Seite 243, Band 137 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2005, ISBN 3-7980-0837-X