Franzbranntwein

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Verschiedene Sorten: grün 60 ml, weiß 160 ml, 400 ml und 1000 ml

Unter den Begriff Franzbranntwein (Spiritus Vini gallici) fallen unterschiedliche Lösungen von ätherischen Ölen, Monoterpenen und/oder aromatischen Tinkturen in verdünntem Alkohol (Ethanol). Am Markt befindliche Produkte sind entweder farblos oder grün gefärbt und enthalten vorzugsweise Wacholderbeeröl, Fichtennadelöl, Latschenkieferöl, Menthol, Campher und Thymol.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert verstand man unter Franzbranntwein (Brandy, Eau-de-vie) den ausschließlich aus Wein durch Destillation gewonnen Branntwein, im Gegensatz zu z.B. Kartoffelbranntwein (Wodka). Zu den besten Sorten gehörten zu der Zeit der Cognac und Armagnac, hergestellt aus Wein der jeweiligen französischen Gegend. Der Zusatz „Franz“ ist vermutlich der Tatsache geschuldet, das Frankreich Hauptproduzent war.[1][2] Bis ins 20. Jahrhundert wurde Franzbranntwein im Deutschen in der Regel als „Cognac“ bezeichnet unabhängig von seiner Herkunft. Zur Wende des 20. Jahrhunderts taucht dann der Begriff „Weinbrand“ auf.

Schon im 19. Jahrhundert gab es verschiedene pharmazeutische Franzbranntweine. Zubereitungen bei denen Franzbranntwein mit und ohne weitere Wasserzugabe zur Mazeration oder Extraktion verschiedener Pflanzen genutzt wurde:„Spiritus tur. Pini Russ. ... drey Pfund Franzbranntwein werden über ein Pfund Fichtenknospen bis zur Hälfte abgezogen. Ein kräftiges äusseres Mittel.“[3]

Von der kleinen Produktion im Apothekenmaßstab hin zur industriellen Produktion: Seit dem 19. Jahrhundert, gefolgt von weiteren (gegründet im 20. Jahrhundert), gibt es pharmazeutische Firmen die verschiedene Franzbranntweinzubereitungen in ihrem Sortiment haben.

Heute wird Franzbranntwein durch Vermischung von verdünntem Alkohol (Ethanol) und weiteren Zusätzen wie ätherischen Ölen hergestellt.

Wirkung und Zulassung[Bearbeiten]

Franzbranntwein ist ein Einreibemittel (alkoholische Einreibung), welches zur lokalen Hyperämisierung (Förderung der Hautdurchblutung) bei Muskel- und Gelenkschmerzen, bei Muskelkater, Zerrungen und Prellungen, sowie für Sport- und Bindegewebsmassagen geeignet ist.

Die Wirkaussage hinsichtlich der Heilung verschiedener Beschwerden gilt nicht für alle im Verkauf befindlichen Rezepturen, sondern nur für solche, die als Arzneimittel zugelassen sind, dabei kann noch zwischen traditionellem Arzneimittel und der Standardzulassung unterschieden werden.

Darüber hinaus gibt es auch Zubereitungen, die als kosmetische Mittel verkauft werden und als Einreibung zur oder nach der Massage eingesetzt werden. In Österreich ist zudem seit 1994 Franzbranntwein einer bestimmten Zusammensetzung nur noch als kosmetisches Mittel zugelassen und wird über seine äußerliche Anwendung hinaus in kleinen Mengen als Mundspülung eingesetzt.[4][5]

Rezepturen[Bearbeiten]

Früher wurde der alkoholischen Lösung auch Ratanhiawurzelextrakt zugesetzt, um die Optik eines Cognacs zu imitieren.

Über Apotheken sind folgende, spezifizierte Zubereitungen zu bekommen:

Spiritus Vini gallici rein 38-40 % (V/V) DAC,

Spiritus Vini gallici rein 45 % (V/V) DAC,

Spiritus Vini gallici mit Campher DAC,

Spiritus Vini gallici mit Fichtennadelöl 48 % (V/V) Standardzulassung.[6][7]

Franzbranntwein in der Altenpflege[Bearbeiten]

Hinsichtlich der typischerweise in der Altenpflege vorkommenden Dekubitusproblematik wird empfohlen alkoholische Einreibungen, wie z.B. mit Franzbranntwein, nicht durchzuführen, da Alkohol zur Austrocknung der Haut führt. Oftmals ist es jedoch der Wunsch der Patienten aufgrund des erfrischenden Effekts mit Franzbranntwein eingerieben zu werden. Diesem Wunsch kann individuell nachgekommen werden, sofern die entsprechende Hautpartie mit einer fettreichen Creme oder Lotion nachbehandelt wird.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Franzbranntwein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Schulz, Rudolf Hänsel: Rationale Phytotherapie – Ratgeber für die ärztliche Praxis. 3., völlig überarb. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-540-61240-8, S. 296.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Karmarsch, Friedrich Heeren: Technisches Wörterbuch oder Handbuch der Gewerbskunde. In alphabetischer Ordnung. Bearbeitet nach Dr. Andrew Ure’s Dictionary of Arts, Manufacturers and Mines. Verlag von Gottlieb Haase Söhne, Prag 1843, S. 765.
  2. Kognak. In: Merck’s Warenlexikon. 3. Aufl. 1884 ff., S. 281 f.
  3. D. Carl Gottlob Kühn: Friedrich Gotthilf Voigtels vollständiges System der Arzneymittellehre. Leipzig 1816, S. 275.
  4. A. Uhl, N. Kopf, A. Springer, I. Eisenbach-Stangl, U. Kobrna, S. Bachmayer, W. Beiglböck, W. Preinsberger, R. Mader: Handbuch Alkohol – Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends. Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, Wien 2001, ISBN 3-85010-062-0.
  5. Österreichisches Lebensmittelbuch. IV. Auflage. Veröffentlicht mit Erlass GZ: BMGFJ-75210/0007-IV/B/7/2008 vom 14. Mai 2008.
  6. DAC und NRF http://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/
  7. Derzeit gültige Monografien der Standardzulassung für Humanarzneimittel. auf: bfarm.de
  8. IGAP - Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e.V.: Dekubitus – Ein drückendes Problem. Eine Informationsschrift, 12. Auflage. Aufgerufen am 20.02.2015 http://www.iftra.de/docs/Dekubitus_Informationsschrift.pdf
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