Franziskanerkloster Graz

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Franziskanerkloster
Franziskanerkirche
Innenansicht der Kirche
Wehrturm mit Turm der Franziskanerkirche im Hintergrund

Das Franziskanerkloster Graz ist ein römisch-katholisches Männerkloster am Ufer der Mur im Zentrum der österreichischen Stadt Graz (Steiermark). Es wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Minderen Brüdern des Heiligen Franziskus von Assisi gegründet. Es war die erste Ordensniederlassung auf Grazer Stadtgebiet. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster von den FranziskanerObservanten (OFM) übernommen, die es seitdem besitzen. An das Konventsgebäude schließt sich die Franziskanerkirche Graz an, die heutige Pfarrkirche Graz-Mariä Himmelfahrt. Die Klosterkirche mit dem markanten Turm ist die Pfarrkirche der Pfarre Graz-Mariä Himmelfahrt im Dekanat Graz-Mitte und gehört zur Stadtkirche Graz.

Die Franziskanerkirche (Albrechtgasse 6) und das Franziskanerkloster (Franziskanerplatz 14, 15) stehen mit Teilen der ehemaligen Stadtmauer unter Denkmalschutz (Id. 56680 und 107168, § 2a).

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichte der Ordensniederlassung[Bearbeiten]

Die ersten Minderen Brüder des heiligen Franziskus von Assisi trafen um 1230/1239 in Graz ein. Namentlich waren dies Albert und Marchward, zwei urkundlich bezeugte Minderbrüder. Zwei Jahre später, 1241, fand das erste urkundlich nachweisbare Provinzkapitel der österreichischen Minoriten statt.[1]

Nachdem der Stammorden sich in Konventualen und Observanten gespalten hatte, mussten die Minoriten ihr Kloster im 16. Jahrhundert den Franziskaner-Reformaten der Wiener Provinz überlassen und in die Murvorstadt ausweichen. Dort gründeten sie zwischen 1607 und 1636 ein neues Kloster mit der Mariahilferkirche.[1] Am Ende des 16. Jahrhunderts entstand in unmittelbarer Nähe zum Franziskanerkloster das sogenannte „Kälberne Viertel“, das von Handwerkern und Fleischern gegründet und 1617 erstmals urkundlich erwähnt wurde.[1]

Im 18. Jahrhundert konnte das Kloster seine Auflösung unter Kaiser Joseph II. um 1785 durch die Übernahme der Pfarrseelsorge verhindern.

Pfarrgeschichte[Bearbeiten]

Die dort angesiedelte Brüdergemeinschaft hält in ihrer 1783 zur Pfarrkirche erhobenen Klosterkirche tägliche Gottesdienste ab. Sie betreut die flächen- und zahlenmäßig kleinste Grazer Kirchengemeinde (etwa 1.300 Mitglieder), widmet sich der Seelsorge sowie der Ausbildung junger Franziskaner und wacht über den bemerkenswerten Bestand der Zentralbibliothek der Wiener Franziskanerprovinz.

Klosteranlage[Bearbeiten]

Die Franziskanerkirche, vom Schloßberg aus gesehen
Gewölbe des Langhauses

Kirche Mariä Himmelfahrt[Bearbeiten]

Baugeschichte[Bearbeiten]

Nach der Klostergründung 1239 durch den Minoritenorden wurde dem Kloster 1257 oder 1277 von Papst Alexander IV. ein Ablaß von 100 Tagen am Tag und Jahrestag der Konsekration“[1] verliehen, der den Kirchenbau ermöglichte. 1257/77 war der ursprünglich turmlose Sakralbau vollendet, seine Lage war mit dem bestehenden Langhaus identisch. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte der Anbau des erhöhten Langchores mit einem West-Turmreiter.[2]

1515 wurden Kloster und Kirche den Franziskanern übergeben. Bald darauf erfolgte der Umbau in eine dreischiffige, gotische Hallenkirche, der aus Spendengeldern finanziert wurde. Die Baumaßnahmen waren 1519 beendet, eine Datierung am rechten Triumphbogen im Dachstuhl zeugt davon. Der heutige West-Turm wurde zwischen 1636 und 1643 als Wehrturm errichtet. Die Pläne werden Tobias Creuztaler zugeschrieben. Das ehemalige Spitzhelmdach wurde um 1740 durch eine Zwiebelhaube ersetzt.[3] Weitere Neuerungen waren die Errichtung des Refektoriums im 16. Jahrhundert und die Weihe eines neuen Hochaltars.[4]

Die Klosterkirche ist dem Fest Mariä Himmelfahrt geweiht. Sie wurde 1783 im Zuge der Josephinischen Reformen von der Klosterkirche zur Pfarrkirche erhoben. Zwischen 1861 und 1886 erfolgte die Regotisierung der Inneneinrichtung, wobei man die barocke Ausstattung entfernte.[5] Nach der Kriegsbeschädigung 1945 durch einen Bombentreffer wurde der Chor von 1947 bis 1949 wiederhergestellt, in den Jahren 1954/55 erfolgte eine Innenrestauration, von 1982 bis 1988 eine umfassende Restaurierung.[3]

Die schräge Orientierung des Grundrisses – im Gegensatz zu der übrigen, parallel zum Mur-Ufer ausgerichteten Bebauung dieses Gebietes – erklärt sich durch die Lage auf einer ehemaligen, kleinen Insel zwischen dem Haupt- und einem Seitenarm (Werdbach) der Mur. Die Fenster im Chorbereich stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Außenbau[Bearbeiten]

Das große Kirchengebäude hat eine auffällige Schrägstellung im Stadtgefüge, die vermutlich auf einen ehemaligen Murarm zurückzuführen ist. Am Langhaus sind beidseitig Kapellen, an den Außenmauern der Nordseite und des Chors kleine Verkaufsläden (19. und 20. Jh.) angebaut. Der massive Westturm, einst Teil der Stadtbefestigung, ist dem Langhaus ,leicht zur Mittelachse geknickt, vorgestellt. Dem quadratischen, fünfgeschoßigen Unterbau ist ein achteckiger, zweigeschoßiger oberer Teil aufgesetzt. Der Turm ist mit einer Zwiebelhaube bekrönt. Der Dachreiter über dem Chor verfügt über ein Zwiebeldach aus 1648. An der Nordseite, am Übergang zwischen Chor und Langhaus, befindet sich ein gotisches Treppentürmchen und an der Chorpartie dreistufige Strebepfeiler.[3]

Das Hauptportal an der Westseite, ein neugotisches Schulterbogen-Säulen-Gewändeportal hat ein Tympanon mit einem Sandsteinrelief mit der Halbfigur des heiligen Franziskus (1894). Die ehemaligen Portalvorbauten an der Nordseite mit josephinisch-klassizistischen Steinportalen (um 1780/85) sind nach Art Joseph Huebers gefertigt. Der nordwestliche Eingang wurde 1868 vermauert und zur Joseph-Kapelle umgestaltet. Die Turmhalle hat ein Stichkappen-, die Vorhalle ein Tonnengewölbe.[3]

Im Lauf der Zeit kam es zu einigen Kapellenanbauten: 1648 wurde die Antonius-Kapelle errichtet, 1650 stuckiert und freskiert, 1723 abgebrochen und durch einen Neubau von Joseph Carlone ersetzt; 1770 wurde die Ölberg-Kapelle abgebrochen und vermauert.[3]

Kreuzgang[Bearbeiten]

Der Kreuzgang bewahrt nur noch wenige Reste aus seiner Ursprungszeit (13./14. Jh.), darunter einige Rund- und Spitzbogenfenster und ein spätgotisches Kreuzgratgewölbe. Er hat einen unregelmäßigen Grundriss. Erhalten blieben Fragmente von Fresken aus dem 16. Jahrhundert. In die Wände des Kreuzgangs sind Grabdenkmäler eingelassen. Den Kreuzhof dominieren ein Kruzifix aus dem 19. und eine Figur der Mater Dolorosa aus dem 17. Jahrhundert.[6] An der Außenfassade des ersten Stockwerks sind toskanische Halbsäulen erkennbar.[7]

Jakobikapelle[Bearbeiten]

Die Jakobikapelle, Messkapelle Hl. Jakobus, ist ein frühgotischer Bau und Teil des Osttrakts. Die Errichtung der Kapelle erfolgte im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts. Sie birgt ein erst im Zuge der Renovierung (1986) entdecktes spätgotisches rundbogiges Steinportal und mittelalterliche Lanzettfenster (14. Jahrhundert).[8] Die Innenausstattung ist aus spätgotischen, barocken und neogotischen Stilelementen zusammengesetzt.[9]

Librus Missarus Choralium pro Choro Graecensis 1677 (Detail)

Zentralbibliothek der Wiener Franziskanerprovinz[Bearbeiten]

Die Bibliothek enthält zirka 13.000 Titel (bis zum 17. Jahrhundert), darunter 818[10] einzigartige Inkunabeln und eine zweite Bibliothek mit etwa 30.000 Titeln (ab dem 18. Jahrhundert). Damit besitzt das Franziskanerkloster Graz eine der kostbarsten Bibliotheken des Landes Steiermark.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franziskanerkloster Graz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Schweigert: Franziskanerkirche Graz, S. 2.
  2. Schweigert: Dehio Graz. S. 33.
  3. a b c d e Schweigert: Dehio Graz. S. 34.
  4. Baugeschichte der Grazer Franziskanerkirche auf www.franziskaner.at
  5. Baugeschichte der Grazer Franziskanerkirche auf www.franziskaner.at
  6. Schweigert: Dehio Graz. S. 36f.
  7. Geschichte des Grazer Franziskanerklosters
  8. Schweigert: Dehio Graz. S. 37.
  9. Geschichte des Grazer Franziskanerklosters
  10. Auskunft des Bibliothekars. Stand: 2. März 2012

47.07048333333315.436780555556Koordinaten: 47° 4′ 14″ N, 15° 26′ 12″ O