Fraternité 2020

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Fraternité 2020 (F2020) ist eine Europäische Bürgerinitiative (EBI), die 2010 auf der Convention des Jeunes Citoyens Européens (Tagung Junger Europäischer BürgerInnen) in Cluny (Frankreich) angestoßen wurde. Die Tagung wurde 2011 mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.[1] Das Ziel von F2020 ist es, europäische Austauschprogramme wie das Erasmus-Programm oder den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) zu verbessern und damit zu einem vereinten Europa und mehr Solidarität unter den Bürgern beizutragen. Die Initiative wurde am 9. Mai 2012 als erste EBI (Europäische Bürgerinitiative) verkündet und unter der EBI-Nummer ECI(2012)000001 in die EBI-Datenbank eingetragen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die geografische Mobilität innerhalb Europas wird derzeit als eher gering angesehen.[2] Der Erfolg von Austauschprogrammen wie Erasmus ist eher gering. Im Jahr 2006 haben weniger als 1 % aller Studierenden in der EU an einem Erasmus-Austausch teilgenommen.[3] Ein Grund, warum das Erasmus-Programm von den europäischen Studierenden nicht besser angenommen wird, wird in der unzureichenden finanziellen Unterstützung gesehen.[4] Ein weiteres Indiz für die geringe Mobilität ist die geringe Zahl an EU-Bürgern, die in einem anderen Land der EU leben. Im Jahr 2008 lebten im Schnitt nur 2,3 % der gesamten EU27-Bürger in einem anderen Mitgliedstaat.[5]

Ziele der Initiative[Bearbeiten]

F2020 schlägt drei Maßnahmen vor, um die Mobilität zu erhöhen:[6]

  • Die Kommission soll bestehende Mittel konsequenter zur Förderung von Mobilität verwenden. Außerdem soll sie sich für mehr Mittel für EU Austauschprogramme in der Zukunft einsetzen. Schließlich sollen 10 Prozent des EU Haushalts für diese Programme aufgewendet werden.
  • Größere Anstrengungen sollen unternommen werden, dass Teilnehmer interkulturelle Fähigkeiten entwickeln, etwa indem Sprachkurse und Kurse über die Traditionen, Geschichte, Gesellschaft etc. des Gastlandes angeboten werden.
  • Fortschritte im Bereich der Mobilität sollen besser überwacht werden, z.B. durch Eurostat oder Eurobarometer Umfragen.

Förderung[Bearbeiten]

Die Initiative wird unter andern unterstützt von Kalypso Nicolaïdis, Josep Borrell, Giandomenico Majone, Arturas Bumšteinas, Martin Heidenreich von der Universität Oldenburg, Johannes W. Pichler des Österreichischen Instituts für Europäische Rechtspolitik, Frank Schimmelfennig der ETH Zürich und zahlreichen Mitgliedern des Europäischen Hochschulinstituts.[7] Was NGOs betrifft, wird die Initiative unter anderen unterstützt vom Europäischen Studentenforum AEGEE, dem Erasmus Student Network, Scambieuropei[8], der Vereinigung europäischer Elektroingenieure EESTEC und der Wirtschaftsingenieure ESTIEM, der Jugend der Europäischen Volkspartei, dem europäischen Kulturparlament[9], der Europa-Union Deutschland, der Kulturstiftung der Allianz, der Europäischen Bewegung u.v.m.[10] Die Facebook-Seite der Initiative[11] hatte im März 2012 bereits über 1.700 Unterstützer.

Erste Reaktionen aus den EU-Institutionen[Bearbeiten]

In einem Schreiben vom 24. April 2011, drückte der damalige Präsident des Europäischen Parlamentes Jerzy Buzek seine Hoffnung aus, dass Fraternité 2020 dazu beitragen könne, einen weiteren Schritt in Richtung einer bürgernäheren EU zu gehen.[12] Der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso hob das Ziel der Initiative hervor, die Mittel für Mobiliätsprogramme zu erhöhen und deutete einen „substantiellen“ Anstieg im nächsten EU-Haushalt an.[13] Im März 2010 erhielt die Initiative bereits Unterstützung von acht MdEP und im November von 43 Mitgliedern.[14]

Europas erste EBI[Bearbeiten]

Die Europäische Kommission wählte das symbolische Datum des 9. Mai 2012 (Europatag) für den offiziellen Startschuss des ersten EBI. Diese sollte Fraternité 2020 sein, die der Vize-Präsidenten der Kommission Maroš Šefčovič über seinen Twitter-Account bereits einen Tag früher ankündigte.[15] Sie wurde offiziell am 9. Mai registriert und erhielt die Registrierungsnummer ECI(2012)000001.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.charlemagneyouthprize.eu/view/en/previous_winners/pre_winners_2011/national_winners_2011.html
  2. Bonin, H., W. Eichhorst, C. Florman, M. O. Hansen, L. Skiöld, J. Stuhler, K. Tatsiramos, H. Thomasen, and K. F. Zimmermann. “Geographic mobility in the European Union: Optimising its economic and social benefits.” IZA Research Reports (2008). Verfügbar unter: http://www.iza.org/en/webcontent/publications/reports/report_pdfs/iza_report_19.pdf
  3. Statistisches Amt der Europäischen Union. Statistische Angaben zum Erasmus-Programm (EN), verfügbar unter: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-78-09-653/EN/KS-78-09-653-EN.PDF Weitere Infos unter: http://ec.europa.eu/education/erasmus/statistics_en.htm
  4. West, A. / E. Barham: “Student mobility, qualifications and academic recognition in the EU”, in: 'Assessment in Education: Principles, Policy & Practice 16', Nr. 1 (2009): 25-37.
  5. Vasileva, Katya: “Citizens of European countries account for the majority of the foreign population in EU-27 in 2008”, in: 'Eurostat Statistic in Focus', Nr. 94 (2009). Verfügbar unter (EN): http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-SF-09-094/EN/KS-SF-09-094-EN.PDF
  6. http://ec.europa.eu/citizens- initiative/public/initiatives/ongoing/details/2012/000001?lg=de
  7. http://de.fraternite2020.eu/citizens.html
  8. http://www.scambieuropei.info/
  9. http://www.kulturparlament.com/
  10. http://de.fraternite2020.eu/NGOs.html
  11. http://www.facebook.com/Fraternite2020
  12. http://www.fraternite2020.eu/docs/LetterBuzek.pdf
  13. http://www.fraternite2020.eu/docs/LetterBarroso.pdf
  14. http://de.fraternite2020.eu/MEPs.html
  15. https://twitter.com/#!/MarosSefcovic
  16. http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing/details/2012/000001

Weblinks[Bearbeiten]