Frau am Fenster

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Caspar David Friedrich: Frau am Fenster, 1822

Frau am Fenster ist der Titel eines Gemäldes von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1822, der Zeit der Romantik. Es stellt eine junge Frau dar, die aus einem Fenster auf zwei vorbeigetreidelte Segelschiffe auf der Elbe blickt. Das Bild gehört seit 1906 zum Bestand der Berliner Nationalgalerie.

Bildinhalt[Bearbeiten]

Gezeigt wird auf dem 44 x 37 cm großen Gemälde in der Technik Öl auf Leinwand die Frau Caspar David Friedrichs, Caroline Bommer (* 1793, † 1847), mit der er seit 1818 verheiratet war. Es ist das einzige Innenraumbild Caspar David Friedrichs, der Ort ist das Atelier Friedrichs am Dresdner Elbufer. Der Maler wählte für dieses Bild eine strenge perspektivische Komposition, die sich bis in kleinste Einzelheiten erstreckt. So korrespondiert das filigrane Fensterkreuz der Bleiverglasung exakt mit der mittleren Fuge der Fußbodendielen. Die dargestellte Figur weist eine leichte anmutige Neigung nach links auf, was die perspektivische Wirkung verstärkt und der leblosen reinen Komposition Leben verleiht. Die beiden, wahrscheinlich mit Pigment gefüllten Behälter am rechten Ende des Fensterbretts stellen ein leichtes Gegengewicht zur Neigung der Person dar. Im Innenraum des Ateliers herrscht eine dunkle, leblose und strenge Ordnung, der sehnsuchtsvolle Blick nach draußen, zum Horizont, hier als frühlingsgrüner Pappelwald auf der gegenüberliegenden Flussaue dargestellt, zum Licht und zum Himmel, bildet die Verbindung zum starken Gewicht der Landschaft, trotz des nur kleinen Ausschnitts.[1]

Provenienz, Datierung, Rezension und Ausstellung[Bearbeiten]

Das Ölgemälde stammt aus der Sammlung von Johanna Friedrich, der Schwiegertochter von Caspar David Friedrichs Bruder Johann Heinrich Friedrich, ansässig in Greifswald. Vom Staat erworben wurde es 1906 und trägt seitdem in der Berliner Nationalgalerie die Inventarnummer AI 918, NG 906. Der Friedrich-Kenner Helmut Börsch-Supan datiert das Werk auf das Jahr 1822,[2] weil Friedrich das Bild nach einem Hinweis des Dresdner Kunsthistorikers Ernst Sigismund verspätet zur Dresdner Kunstausstellung im Jahr 1822 anlieferte.[3]

Die zeitgenössische Kritik konnte mit Friedrichs Bildern nichts anfangen. Die Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode schrieb 1822: Ein kleines Bild, das Atelier des Künstlers darstellend, in seiner eigentümlichen Einfachheit [...] in Beleuchtung und Stellung sehr unvorteilhaft. Den Zeitgenossen gefielen Friedrichs rückwärtigen Personendarstellungen, in der Kunstgeschichte Rückenfiguren genannt, nicht. Vom Rätselhaften der gemalten Rückenfigur hingegen spricht ein Sonett von Friedrich de la Motte Fouqué, das er nach einem Besuch in Caspar Davids Atelier verfasste.[4] Der schwedische Kunsthistoriker Erik Forssman schreibt 1966 über das Bild, dass es wie alle Kunst des frühen 19. Jahrhunderts wohl subjektiven Symbolcharakter, jedoch keinen objektiven ikonographischen Sinn habe.[5] Dagegen fasst Helmut Börsch-Supan 1973 das Gemälde als religiöse Metapher auf: Das jenseitige Ufer versinnbildlicht das Dasein nach dem Tode, nach dem sich die Frau sehnt [...].[6]

Ausgestellt wurde die Frau am Fenster zuerst in der Dresdner Kunstausstellung 1822. Von 1986 bis 2001 wurde das Bild in der Galerie der Romantik im Knobelsdorff-Flügel im Schloss Charlottenburg gezeigt und seit 2001 in der wiedereröffneten Alten Nationalgalerie in Berlin.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Gerhard Hannessen: Gemälde der deutschen Romantik in der Nationalgalerie Berlin, Frölich & Kaufmann, Berlin 1985, S. 38
  2. Helmut Börsch-Supan: Die Bildgestaltung bei C. D. Friedrich, München 1960, S. 103
  3. Ernst Sigismund: C. D. Friedrich, Dresden 1943, S. 100
  4. Reise-Erinnerungen von Friedrich de la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouqué, geb. v. Briest, 1. Teil, Dresden 1823, S. 208 ff.
  5. Erik Forssman: Fensterbilder von der Romantik bis zur Moderne, Stockholm 1966, S. 295
  6. Helmut Börsch-Supan, Karl Wilhelm Jähnig: Caspar David Friedrich, Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen, München 1973, Nr. 293