Frauenarzt (Rapper)

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Frauenarzt bei einem Live-Auftritt

Frauenarzt (* 18. Oktober 1978 in Berlin; bürgerlich Vincente de Teba Költerhoff[1]) ist der Künstlername eines Rappers aus Berlin-Tempelhof.

Werdegang[Bearbeiten]

Vicente de Teba Költerhoff ist außer unter Frauenarzt auch bekannt unter den Pseudonymen DJ Atze, DJ Kologe, MC Digital F, Arzt, Räuber Rob (mit verstellter Stimme), Gyniko und Günther, die sich teilweise von Gynäkologe (die medizinische Bezeichnung für Frauenarzt) ableiten. Musikalisch vertrat er den Miami Bass mit deutschen Texten, später wandelte sich seine Musik eher zu Ghetto Tech. Viele seiner Tracks haben einen starken 80er-Jahre-Electro-Charakter mit trockenen TR-808-Beats. Seine Auftritte absolviert er mit außergewöhnlichem Körpereinsatz, meist in Verbindung mit tanzenden, leicht bekleideten Frauen. Er tritt live häufig gemeinsam mit DJ Manny Marc auf. Am 21. November 2006 wurde eine Razzia in den Räumlichkeiten des von Frauenarzt und DJ Manny Marc gegründeten ehemaligem Labels Ghetto Musik durchgeführt, bei der CD-Rs, Laptops, Dokumente und Alben beschlagnahmt wurden.

Am 19. Juni 2007 wurde erstmals ein Videoclip von Frauenarzt in der Hip-Hop-Sendung MTV Urban gezeigt. Das Video zu dem Song Brennt den Club ab, welcher auf dem Album Dr. Sex zu finden ist, stand am selben Tag auch in der Musiksendung Urban TRL zur Wahl und konnte auf Anhieb Platz 1 der TRL Most Wanted belegen.

Am 21. Dezember 2009 wurde Frauenarzt wegen Gewaltdarstellung und Verbreitung gewaltpornographischer Schriften auf Grund früherer Werke (betroffene Tonträger sind Porno Mafia und Geschäft ist Geschäft) zu einer Geldstrafe von 8400 Euro verurteilt.[2]

Karriere seit der Zusammenarbeit mit Manny Marc als Die Atzen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Die Atzen

Erste Zusammenarbeit zwischen Frauenarzt und dem damaligen DJ Manny Marc entstand bei der Gründung ihres Labels Bassboxxx 1997. Dieses wurde 2006 in Ghetto Musik und schließlich in Atzenmusik umbenannt.

Immer wieder erschienen Kolloborations-Singles unter dem Titel Frauenarzt & Manny Marc bis sie, seit der ersten erfolgreichen Single Florida Lady, unter dem Titel Die Atzen arbeiten. Diese wurde im September 2008 veröffentlicht.

2009 entwickelte sich das Lied Das geht ab! vom Album Atzen-Musik Vol. 1 zum Sommerhit in den Discos von Palma. Frauenarzt und Manny Marc reisten daher jeden Sonntag in die Disco Riu Palace, um ihren gemeinsamen Hit zu präsentieren. Das Lied erreichte in Deutschland Platz 8 der Single-Charts und konnte sich im gesamten deutschsprachigen Raum Europas hoch in den Top-100 platzieren.[3]

Anfang 2010 erschien die nächste Single Disco Pogo von Frauenarzt und Manny Marc, wobei sie dabei nur noch mit ihrem Namen Die Atzen benannt wurden. Das Stück erreichte in der ersten Woche in den Charts Platz 12, stieg in der folgenden Woche sogar in die Top-Ten auf Platz 6, womit die Single eine bessere Platzierung als Das geht ab! erreichen konnte. In den darauf folgenden Wochen stieg Disco Pogo sogar auf Platz 2.

Seine neuste Single ist im August 2012 erschienen. Es war die zweite und letzte Single-Auskopplung aus dem Album. Sie hieß Feiern? Okay! und wurde von den Schweizer DJs DJ Antoine und Mad Mark gemixt. Jedoch konnten sie mit dem Dubstep-Song keine Single-Chart-Platzierungen erreichen.

Kritik[Bearbeiten]

Frauenarzt war früher für seine pornografischen und sexuell freizügigen Texte bekannt, die sich stark am Miami Bass der 80er und 90er Jahre orientierten. Seine Veröffentlichungen Untergrund Solo Vol. 2 wurde 2004 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. Die Alben Porno Party und Tanga Tanga 2003 dürfen seit dem 16. Februar, bzw. 16. März 2005 nicht mehr frei im Handel erworben werden. Er war auch einer der Rapper, die die SPD-Politikerin Monika Griefahn (Vorsitzende des Medienausschusses im deutschen Bundestag) nannte, als sie im Juni 2005 eine stärkere Kontrolle von Rap-Songs und Videos in Radio und Fernsehen forderte[4] (obwohl es bis dahin keine öffentliche Aufführung im Radio oder Fernsehen von ihm gab). Frauenarzt argumentierte damals damit, dass es sich in seiner Musik lediglich um einen künstlerischen Ausdruck handelte, welcher sein Leben, bzw. die Realität in seinem wahren Umfeld widergespiegelt hat. So wurden viele seiner Texte in seiner Jugendzeit durch Besuche in Berliner Bordellen und so genannte „Saufpartys“ inspiriert sowie dem Umfeld bzw. Leben in der Berliner Straßengang Berlin Crime. Später machte er auch durch diverse Features mit den Künstlern von Aggro Berlin auf sich aufmerksam, dafür erntete er in seinen Fankreisen teilweise Kritik.

Am 19. April 2007 wurde ein Bericht zum Thema Porno-Rap in der ARD-Sendung Polylux gezeigt. Darin standen die Rapper B-Tight, King Orgasmus One und Frauenarzt im Mittelpunkt. Frauenarzt gab in dem Bericht an, dass er sich der Beeinflussung der sexuellen Entwicklung junger Menschen durch seine Texte bewusst sei, es aber nicht als seine Aufgabe betrachte, darauf zu achten, wie jüngere Leute Porno-Rap aufnehmen. Die Autoren des Berichts gaben abschließend warnend an, dass viele Fans der aufgeführten Rapper die sexistischen und pornografischen Texte der Songs ernst nähmen.[5] Im September 2010 gab die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bekannt, dass das Album Mehr Kohle: Atzen machen Ärger von Frauenarzt und Chuky & Smoky indiziert wurde. [6]

Tape BC[Bearbeiten]

Es war auch ein BC-Album für das Label Wet Pussy Digital in Planung: Frauenarzt begann in seinem und Mr. Longs Home-Studio, Bass-Beats mithilfe eines Ataris, Emax’ II und eines Drum-Computers zu produzieren. Zeitgleich übernahm BC teilweise die Leitung des Rap & Freestyle Cafes Royal Bunker. Mitten in der Vorproduktionszeit vom BC-Tape erzählte Jope (auch ein BC-Mitglied) von einem Produzenten aus Kreuzberg namens Mach One (von Die Lätzten). Nach kurzem Kennenlernen verstanden sich die beiden bestens. In Mach Ones 4m² kleinem Studio (genannt „Das Lätzte Loch“) wurden mit Mach Ones Hilfe die Aufnahmen für das Tape BC getätigt. Auf diesem wirkten Künstler wie Manny Marc, MC Bogy, Boss Aro, Mach One, Tanga Lilly, Mr. Long und King Orgasmus One (ein alter Schulfreund von Frauenarzt, damals nannte er sich noch Orgasmus 69 und tritt zum ersten Mal in Erscheinung) mit.

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Frauenarzt/Diskografie

Alben mit Chartplatzierung[Bearbeiten]

Jahr Titel Chart-Position[7] Anmerkungen
DE AT CH
2008 Atzen Musik Vol. 1 86
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Oktober 2008
(mit Manny Marc)
2010 Atzen Musik Vol. 2 5
(27 Wo.)
10
(21 Wo.)
48
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Februar 2010
(mit Manny Marc)
2011 Party Chaos 15
(7 Wo.)
35
(6 Wo.)
37
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Mai 2011
(mit Manny Marc)
2012 Atzen Musik Vol. 3 16
(3 Wo.)
73
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Mai 2012
(mit Manny Marc)

Alben ohne Chartplatzierung[Bearbeiten]

Jahr Titel [8] Anmerkungen Tonträger
1999 B.C. heute Neuauflage erhältlich Kassette
2000 Untergrund Solo Volume 1 heute Neuauflage erhältlich
Tanga Tanga Volume 1 heute Neuauflage erhältlich
2001 Krieg mit uns heute Neuauflage erhältlich
(mit DJ Korx)
CD
2002 Unveröffentlichte Untergrund-Hits
Porno Party indiziert
(mit Mr. Long)
2003 Tanga Tanga 2003 indiziert
Untergrund Solo Volume 2 indiziert
2005 Untergrund Solo Volume 2 (zerhackt und runtergeschraubt) indiziert[9]
Berlin bleibt Untergrund – Das Album (mit Manny Marc)
Berlin bleibt Untergrund – Das Mixtape (mit Manny Marc)
Mehr Kohle Atzen machen Ärger Indiziert A-Liste
(mit Chuky und Smoky)
B.C. – Neuauflage
Tanga Tanga Volume 1 – Neuauflage
Untergrund Solo Volume 1 – Neuauflage
Porno Party 2 indiziert
(mit Mr. Long)
Der Untergrundkönig indiziert
2006 Krieg mit uns – Neuauflage (mit DJ Korx)
Porno Mafia indiziert (Liste B) und beschlagnahmt
(mit King Orgasmus One)
Brennt den Club ab – Seine größten Hits indiziert
Geschäft ist Geschäft indiziert (Liste B) und beschlagnahmt
(mit Manny Marc)
Hart an der Grenze 1. Labelsampler von Ghetto Musik
2007 Jetzt reicht's!!!
Dr.Sex indiziert
Dr.Sex Bonus Edition indiziert
2008 Feiern mit den Pleitegeiern (mit Manny Marc)
Feuchte Träume indiziert
2009 Untergrund (als Blokk und Arzt)
2013 R.A.P. Erstveröffentlichung: 28. März 2013
(mit DJ Korx)
Tanga Tanga 3 Erstveröffentlichung: 20. Dezember 2013

Single-Chartplatzierungen solo[Bearbeiten]

Jahr Titel Chart-Position[7] Anmerkungen
DE AT CH
2008 Florida Lady
Atzen Musik Vol. 1
89
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 19. September 2008
(mit Manny Marc & Alexander Marcus)
2009 Das geht ab! (Wir feiern die ganze Nacht)
Atzen Musik Vol. 2
8
(70 Wo.)
5
(50 Wo.)
13
(50 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Juni 2009
(mit Manny Marc)
2010 Disco Pogo
Atzen Musik Vol. 2
2
(47 Wo.)
4
(36 Wo.)
20
(35 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. Januar 2010
(mit Manny Marc)
Atzin
Atzen Musik Vol. 2
16
(15 Wo.)
20
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. April 2010
(mit Manny Marc)
Rock die Scheiße fett
Atzen Musik Vol. 2
34
(5 Wo.)
47
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. Juli 2010
(mit Manny Marc)
2011 Strobo Pop
Party Chaos
14
(24 Wo.)
10
(21 Wo.)
36
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 11. März 2011
(mit Manny Marc & Nena)
Hasta la Atze
Party Chaos
74
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 8. Juli 2011
(mit Manny Marc)
2012 Party (ich will abgehn)
Atzen Musik Vol. 3
45
(7 Wo.)
50
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Mai 2012
(mit Manny Marc)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anne Losensky: „Frauenarzt“ Porno-Texte: Rapper muss Strafe zahlen. In: B.Z. vom 21. Dezember 2009.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMarcus Staiger: Exklusiv: Geldstrafe für Frauenarzt. Rap.de, 21. Dezember 2009, abgerufen am 25. Dezember 2009.
  3. Die Könige von Mallorca. In: Der Spiegel Nr. 33/2009 vom 10. August 2009, S. 116.
  4. Interview zu HipHop mit Monika Griefahn, 13. Juni 2005.
  5. Pornorap statt erster Liebe Video auf polylog.tv
  6. Indizierung von Mehr Kohle Atzen: Machen Ärger News auf Hiphop.de
  7. a b DE AT CH
  8. weitere Album-Veröffentlichungen
  9. Bekanntmachung Nr. 3/2014 über jugendgefährdende Trägermedien vom 19. März 2014, Bundesanzeiger vom 31. März 2014