Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas

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Ansicht vom Glockenturm
Innenraum
Orgel
Eines der drei Grabdenkmäler von Nikolaus Kopernikus

Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas (poln. Bazylika Archikatedralna Wniebowzięcia Najświętszej Maryi Panny i św. Andrzeja Apostoła) oder Frauenburger Dom ist eine Kirche in Frombork (dt. Frauenburg) und die Kathedrale des Erzbischofs von Ermland.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem die ermländische Wirtschaft nach den Wirren der Eroberungszeit bis 1280 sich schnell stabilisierte und wuchs, begann das Domkapitel im 14. Jahrhundert mit dem Bau einer festen Domburg und des Domes selbst. Der Frauenburger Dom zum Heiligen Andreas und Himmelfahrt Mariä, nach einem einheitlichen Plan von 1329 bis 1388 errichtet, ist als 99 m lange Hallenkirche bis heute architektonisch im weitgehend ursprünglichen Zustand erhalten.

Der Dom entstand in drei Bauetappen:

  1. 1329–1342 wurde der langgestreckte, gerade geschlossene Chor errichtet, der sich architektonischer Formen vom Ende des 13. Jahrhunderts bedient und eine elegante Innenarchitektur im Typus der klassischen Gotik Westeuropas mit frühen vierzackigen Sterngewölben zeigt (vgl. Toruń, St. Jakob, nach 1309), die über Dienstbündel optisch vom Boden abgestützt werden.
  2. Das dreischiffige Langhaus (etwa 1355–1380) gibt die klassisch-gotische Formensprache auf: Nur an den Außenwänden finden sich von Konsolen abgestützte Dienste, während die reichen, achtzackigen Sterngewölbe des Mittelschiffs direkt auf Kapitellzonen massiver, achteckiger Pfeiler ruhen.
  3. Vom Westen schließt sich eine reich ausgestaltete Vorhalle (etwa 1380–1388) an, die ein großes Portal aus gotländischem Kalkstein und Kunststein mit von Heiligenfiguren minderer Qualität ausgefüllten Archivolte birgt.

Ähnlich wie die Stiftskirche zu Schwäbisch Gmünd und die Dome von Sandomierz und Warschau besitzt der Frauenburger Dom keinen großen Turm. Stattdessen hat der Bau vier schmale Ecktürmchen. Den Westgiebel ziert eine monumentale, ansteigende Arkadengalerie, wie nördlich der Alpen sonst nur an den Querhäusern der Kathedrale von Tournai/Dornik zu finden.

Einziger nach der Zeit der Gotik errichteter Anbau ist die barocke Salvatorkapelle, eine Stiftung von Bischof Christoph Szembek aus dem 18. Jahrhundert. Ihre Kuppel schmücken illusionistische Fresken von Matthias Johann Meyer.

1994 wurde das Objekt zum Geschichtsdenkmal (pomnik historii) erklärt.[1] Die nach einem umstrittenen Gutachten aufgefundenen sterblichen Überreste mit vermeintlicher Zuordnung zu Nikolaus Kopernikus wurden am 22. Mai 2010 wieder im Dom beigesetzt.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Mittelteil des alten gotischen Hochaltars

Innen präsentiert sich der Dom heute – nachdem er im 15. Jahrhundert von Polen und im 17. von Schweden ausgeraubt wurde – im Gewand barocker Ausstattung, von der die vom Danziger Orgelbaumeister Daniel Nitrowski 1682 geschaffene Orgel sich verdientermaßen Weltruhms erfreut (jährlich findet im Sommer ein Festival der Orgelmusik mit Konzerten internationaler Musiker statt).

Das älteste und wohl schönste Ausstattungsstück des Domes ist das als Rundbild gemalte Epitaph des 1426 verstorbenen Domherrn Bartholomäus Boreschow[2] , ein Beispiel der Malerei des sog. Schönen Stils, unter böhmischem Einfluss. Aus dem späten Mittelalter ist auch der ehemalige Hochaltar des Domes erhalten. Die mittlere Szene dieses Pentaptychon (Fünfflügeliger Altar) stellt Maria mit dem Jesuskind in Anlehnung an die Offenbarung des Johannes dar (Offb 12,1-5). Maria, vor dem goldenen Hintergrund der Sonne, trägt Jesus als den neuen oder „letzten Adam“, den himmlischen Menschen, auf den Armen (1 Kor 15,45). Sie steht auf einer Mondsichel, die das Gesicht des sterblichen, irdischen „ersten Adams“ zeigt. Unter der Mondsichel sieht man die Windungen eines Schlangenleibes. Zu beiden Seiten des Altars befinden sich Bildnisse der Kirchenväter. Der Altar wurde im Auftrag des Bischofs Lucas Watzenrode 1504 von einer Thorner Werkstatt geschaffen[3] und steht heute im Nordschiff des Langhauses.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eugen Brachvogel (Hrsg.): Der Dom in Frauenburg. Führer durch den Dombezirk Frauenburg, mit Benutzung älterer Führer. Ermländische Verlagsgesellschaft, Braunsberg 1926.
  • Werner Kreth: Kemper-Orgeln im Dom zu Frauenburg. Garbe, Reinfeld in Holstein 1935.
  • Gerhard Reifferscheid: Der Dom zu Frauenburg. Ermländische Kathedrale über dem Frischen Haff. Bischof-Maximilian-Kaller-Stiftung, Münster 1984 (Ostpreußische Kirchen, Ermland 3, ZDB-ID 402699-8).
  • Fritz Wochnik: Der Westgiebel des Domes in Frauenburg. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. 54, 2005, ISSN 0948-8294, S. 242–256.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Heinrich Wilhelm Teichgräber: Der Dom zu Frauenburg. Eduard Pietzsch, Dresden 1839 (Digitalisat)

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Zarządzenie Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej z dnia 8 września 1994 r. w sprawie uznania za pomnik historii. Monitor Polski 1994, Nr. 50, S. 642, Pos. 414. Online
  2. Ermland Dokumente, Seite 456, 471 von 1410, 1411 Bartholomaeus Borschow
  3. Eugen Brachvogel, Der Altarschrein vom Jahre 1504, in "Zeitschrift zur Geschichte und Altertumskunde Ermlands", Bd. 24, S. 67-80, und Der Hochaltar des Domes in Frauenburg zur Zeit des Koppernikus, in Bd. 26 derselben Zeitschrift, S. 72-94.

54.35708333333319.681666666667Koordinaten: 54° 21′ 25″ N, 19° 40′ 54″ O