Frauenkirche (Dresden)

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Die Frauenkirche 2010
Frauenkirche mit Martin-Luther-Denkmal im Vordergrund
Frauenkirche zur Blauen Stunde

Die Frauenkirche in Dresden (ursprünglich Kirche Unserer Lieben Frauen – der Name bezieht sich auf die Heilige Maria) ist eine evangelisch-lutherische Kirche des Barocks und der prägende Monumentalbau des Dresdner Neumarkts. Sie gilt als prachtvolles Zeugnis des protestantischen Sakralbaus und verfügt über eine der größten steinernen Kirchenkuppeln nördlich der Alpen.

Die Dresdner Frauenkirche wurde von 1726 bis 1743 nach einem Entwurf von George Bähr erbaut. Im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs wurde sie während der Luftangriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 durch den in Dresden wütenden Feuersturm schwer beschädigt und stürzte am Morgen des 15. Februar ausgebrannt in sich zusammen. In der DDR blieb ihre Ruine erhalten und diente als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung. Nach der Wende begann 1994 der 2005 abgeschlossene Wiederaufbau, den Fördervereine und Spender aus aller Welt finanzieren halfen.

Am 30. Oktober 2005 fand in der Frauenkirche ein Weihegottesdienst und Festakt statt. Aus dem Mahnmal gegen den Krieg soll nun ein Symbol der Versöhnung werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbauten[Bearbeiten]

Vorgängerbau der Frauenkirche 1714 auf dem Kupferstich von Moritz Bodenehr

Es wird vermutet, dass der früheste Frauenkirche-Bau eine Missionskirche aus Holz war und kurz nach dem Jahr 1000 errichtet wurde. Von diesem Bau liegen jedoch keine Zeugnisse vor. Im 12. Jahrhundert wurde an der Stelle der heutigen Frauenkirche eine kleine romanische Kirche erbaut, die der Mutter Gottes geweiht war und folglich auf Mittelhochdeutsch Kirche zu unser liuben Vrouwen hieß. Von dieser Kirche wurden bei Grabungen Wandreste gefunden.

Im 14. Jahrhundert wurde die romanische Kirche mit einem neuen Sakralbau im Stil der Gotik umbaut. Er erhielt 1477 eine Choranlage im Stil der Spätgotik und 1497 ihren bis zum Abbruch 1727 letzten Dachreiter.

In der Reformation fiel das Kirchengebäude aus dem Mittelalter an die nun lutherische Gemeinde der Stadt. Bis dahin war sie die einzige Stadtkirche mit Sitz des Erzpriesters des Archidiakonats des Bistums Meißen. Unter anderem wurde in ihrer Vorhalle Heinrich Schütz bestattet. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude baufällig und reichte für die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher nicht mehr aus. Da der Bau der Bährschen Frauenkirche neben der gotischen Frauenkirche begann, konnte der Gottesdienst während der Bauarbeiten am Neubau aufrechterhalten werden. Erst als die alte Frauenkirche den Weiterbau des Bährschen Baus behinderte, wurde sie 1727 abgetragen. Auch der die Kirche umgebende Frauenkirchhof wurde bis 1727 säkularisiert.

Barocker Kuppelbau George Bährs[Bearbeiten]

Medaille auf die Grundsteinlegung der Frauenkirche 1726. Der Dresdner Medailleur J. W. Höckner verwendete den zweiten Entwurf Bährs. (Replik)

Der Rat der Stadt Dresden beschloss 1722, eine neue Kirche zu bauen. Er beauftragte den Architekten und Ratszimmermeister George Bähr mit der Planung. Diese dauerte vier Jahre, bis die Stadt am 26. Juni 1726 seinen Entwurf genehmigte. Am 26. August 1726 wurde der Grundstein gelegt, und bis 1743 entstand ein barocker Neubau. Er kostete 288.570 Taler, 13 Groschen und 64,4 Pfennige, die vorwiegend aus Spenden der Dresdner Bürger stammten. Diese waren eigentlich für die Ansiedlung der Salzburger Protestanten in Sachsen bestimmt, die wegen ihres Glaubens vertrieben worden waren. Inzwischen waren jene der Einladung des Königs von Preußen gefolgt und zogen durch Sachsen. Die Spendengelder wurden ihnen aber nicht ausgehändigt, sondern zum Bau der Frauenkirche zweckentfremdet. Am 28. Februar 1743 wurde der Innenraum mit einer Festpredigt von Superintendent Valentin Ernst Löscher und Musik von Theodor Christlieb Reinhold geweiht.

Die Außenkuppel sollte nach Bährs ursprünglichen Plänen aus Holz bestehen und mit Kupfer verkleidet werden. Bähr schlug gegenüber dieser kostspieligen Variante später eine Steinkuppel vor, von der er sich eine großartigere Wirkung versprach, und setzte diese mit Unterstützung August des Starken durch. August schwärmte von Venedigs Kuppelkirche Santa Maria della Salute, die an der Einmündung des Canal Grande in die Lagune steht und das Stadtbild dominiert.

Neumarkt mit Frauenkirche und Altstädter Wache auf einem Gemälde von Canaletto
Umsicht auf der Kuppel der Frauenkirche in Dresden, kolorierte Radierung von Carl August Richter, 1824

Longuelune kritisierte zusammen mit seinem Schüler Knöffel den barocken Entwurf von George Bähr für die Frauenkirche. George Bähr konnte sich ab 1726 nicht mehr den barock-klassizistischen Einwänden von Longuelune und Knöffel an der Dresdner Akademie widersetzen. Diese forderten von der Frauenkirche, die als „Schwester der Santa Maria della Salute“ Venedigs konzipiert wurde, dass deren Kuppel im Stil des klassizistischen Barock Frankreichs „mehr oval und dadurch besser in die Höhe gebracht werden“ solle.[1] Selbst der Grundriss und Innenausbau stammte von Knöffel. Schmidt, der Schüler George Bährs, führte den Bau zu Ende. Der einzige Teil der Frauenkirche, der von klassizistischen Einflüssen freiblieb, war der Altarraum, der von den Bildhauern Benjamin Thomae und Johann Christian Feige mit Bildhauerarbeiten versehen wurde.[2]

Im Jahr 1733 wurde der Bau der Steinkuppel vertraglich vereinbart. Während des Baus traten Risse in der Kuppel auf, weswegen mit dem Bau der Laterne erst 1741 begonnen werden konnte. Am 27. Mai 1743, knapp fünf Jahre nach dem Tod George Bährs, vollendete das Aufsetzen eines Kuppelkreuzes schließlich den Monumentalbau. Löscher hatte das Kreuz gegen die Pläne Bährs, der einen Obelisken (Pyramide) als Bekrönung vorgesehen hatte, und die Forderung Brühls, mit einem A-ähnlichen Obelisken die Herrschaft August des Starken zu symbolisieren, durchgesetzt.

Die Dresdner Frauenkirche gehörte zu den bedeutendsten protestantischen Sakralbauten des deutschen Barocks. Der Zentralbau von Bähr trug eine ganz aus Sandstein gefertigte Kuppel. Die Dresdner Kuppel faszinierte vor allem auch durch ihre konkave (nach innen gewölbte) Form im unteren Teil, die an eine Glocke erinnerte. Diese war einzigartig auf der Welt und brachte dem Gebäude den Namen „die Steinerne Glocke“ ein. Sie ruhte auf acht Pfeilern im Innenraum, die zu den Diagonalen etwas enger standen als zu den Hauptachsen und so eine Kreuzform andeuteten.

Die Außenmauern bildeten einen annähernd quadratischen Grundriss, der vom halbrunden Chor durchbrochen wurde. Die Treppentürme in den Ecken dienten als Widerlager für die Kuppel und führten zu Emporen zwischen den Pfeilern. Vor dem Chor lag eine doppelte geschwungene Freitreppe mit einem Lesepult in der Mitte, dahinter ein monumentaler Barockaltar, der vom Orgelprospekt gekrönt wurde. Die Kanzel wurde erst nachträglich aufgrund akustischer Probleme am linken Pfeiler über der Freitreppe aufgestellt. Die Bänke innerhalb des Kuppelraums waren konzentrisch auf einen Punkt zwischen Lesepult und Altar ausgerichtet, die sie zwischen und hinter den Pfeilern umschließenden Bänke auf die Raummitte. Das betonte den schon in der Architektur angelegten doppelten Schwerpunkt von Raumzentrum und Chor zusätzlich. Die Proportionen, die sehr hohen Pfeiler und hohen, schmalen Fenster erinnerten an gotische Kathedralen.

Die Frauenkirche hatte eine Gesamthöhe von 91,23 Meter. Sie war 41,96 Meter breit und 50,02 Meter lang. Die Kuppel begann in einer Höhe von etwa 40 Metern, und die Laterne – der Kuppelaufsatz – öffnete sich in luftiger Höhe von 62 Metern über dem Neumarkt von Dresden. Die aus sächsischem Sandstein gemauerte Steinkuppel hatte unten einen Außendurchmesser von 26,15 Metern, oben von etwa 10 Metern und wog etwa 12.000 Tonnen.

Die Frauenkirche bis 1945[Bearbeiten]

Die Frauenkirche um 1897

Bautechnische Schwächen verursachten immer wiederkehrende Reparaturen, die vor allem mit der massiven Steinkuppel zusammenhingen. Ihre Hauptlast mussten die acht Innenpfeiler im Kirchenschiff aufnehmen, entgegen der Meinung George Bährs, der auch von einer Lastverteilung über die Außenmauern ausging. Für die Innenpfeiler war jedoch zu weicher Sandstein und schlechtes Fugenmaterial benutzt worden. Der Druck des Kuppelhalses führte zu Stauchungen und somit zu einem verminderten Zusammenwirken der einzelnen Tragglieder der Kirche. Der entstandene Schub auf die Hauptgesimszone ließ Risse in den Kapitellzonen der Pfeiler entstehen. 1735, nur ein Jahr nach der Weihe der Frauenkirche, mussten die Pfeiler mit Eisenklammern und Verputz instand gesetzt werden. Beim Bau der Kuppel bis 1736 wurden eiserne Ringanker eingezogen, um deren Stabilität zu erhöhen.

Während des Siebenjährigen Krieges beschoss die Artillerie der preußischen Armee die Kuppel, die Kriegshandlungen ließen erst 1765 eine Reparatur zu. Wieder wurden die Pfeilerschäfte durch Klammern und Bandagen gesichert, um eine weitere Senkung der Kuppel zu verhindern. 1820/21 wurde die erste Außensanierung durchgeführt, bei der Pflanzen entfernt, das Mauerwerk neu verfugt und teilweise lose Steine gesichert wurden. Das Eindringen von Feuchtigkeit und die mangelnde Beheizung der Frauenkirche schadeten dem Holzbestand, der 1844 zum Teil erneuert werden musste. Weitere Sanierungen folgten unter anderem 1861, jedoch wurde das Grundproblem der auseinandertreibenden und absinkenden Kuppel nicht gelöst.

Stahlanker der historischen Kuppel

Die Innenpfeiler, eigentlich aus reinem Sandstein bestehend, mussten immer mehr durch den Einbau von fremdem Material unterstützt werden. Dazu kamen häufige Reparaturen an den Kapitellen und Pfeilerschäften, weil diese aus dem Lot gerieten. Besonders ab 1930 wurden Stahlbänder in die Pfeiler eingebaut, von denen einige bei der Trümmerberäumung wiedergefunden wurden. Des Weiteren setzte man vielfach Stahlanker ein, deren Wirkung jedoch gering war.

Am 27. August 1933 wurde mit einem schlichten schwarzen Kreuz im Fußboden der Frauenkirche ein Denkmal des Architekten Oskar Menzel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten eingeweiht. Dieses Mahnmal wurde beim Wiederaufbau der Kirche nicht wiederhergestellt.[3]

Erst 1938 ging man das Problem, das ständige Reparaturen notwendig machte, grundsätzlich an. Nach einem Schadensgutachten durch den Dresdner Statik-Professor Georg Rüth wurden Gurtbögen aus Stahlbeton zwischen den acht Fundamenten eingesetzt und die Kuppel durch Stahlbetonringanker verstärkt. Die einzelnen Glieder wurden fest miteinander verbunden, vor dem Auseinandertreiben bewahrt und die Frauenkirche so gesichert. Der Abschluss der Arbeiten erfolgte 1942 und war die letzte Instandsetzung der Frauenkirche vor ihrer Zerstörung.

In der Zeit des Nationalsozialismus erlangte die Frauenkirche zusätzliche Bedeutung durch die Bestrebungen der „Deutschen Christen“, sie zu einem Zentrum des deutschen Protestantismus nationalsozialistischer Prägung zu erklären. Zu diesem Zweck wurde sie von ihnen als Dom bezeichnet,[4] ein Begriff, dessen Gebrauch sich auch noch 1945 nachweisen lässt.[5]

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Denkmal Martin Luthers vor der Ruine der Frauenkirche, aufgenommen 1958
Ruine der Frauenkirche, um 1965

Nach den drei Luftangriffen auf Dresden durch Bomber der britischen RAF und der amerikanischen USAAF am 13. und 14. Februar 1945 brannte die Frauenkirche vollständig aus. Einige Fenster waren zugemauert worden, die anderen wurden durch am Neumarkt einschlagende Sprengbomben beschädigt oder platzten durch die enorme Hitze. Die Frauenkirche war dem Feuersturm schutzlos ausgesetzt, der im Stadtzentrum mit einer Brandhitze von bis zu 1200 Grad Celsius am stärksten wütete.

In den Kellern der Kirche war ein Filmarchiv der Luftwaffe untergebracht. Die Filme bestanden damals aus Zelluloid, das leicht brennbar ist und dabei enorme Hitze erzeugt. Da einige der Filme jedoch bei der archäologischen Trümmerberäumung im Vorfeld des Wiederaufbaus fast unversehrt geborgen werden konnten, geht man nach sorgfältiger Untersuchung heute davon aus, dass diese Filme nicht zur Entwicklung der Brandhitze und damit zum Einsturz des Gebäudes beigetragen haben. Der Hauptgrund dafür war der mit viel Holz ausgestattete Innenraum, der nach dem Schmelzen der Fenster dem Feuer reichlich Nahrung bot. Auch kann Sandstein nicht so große Hitze aushalten wie Hartstein, wie er beispielsweise in der Kreuz- und der Hofkirche eingesetzt ist. Er dehnte sich aus, bis er schließlich Risse bekam und platzte, womit seine Stabilität verloren ging.

Nach dem Großangriff auf die Stadt stand am Neumarkt kein Haus mehr. Das Martin-Luther-Denkmal vor der Kirche wurde schwer beschädigt. Lange nach dem Angriff brannte die Frauenkirche immer noch, während die Kuppel über den Ruinen thronte. Am 15. Februar um 10 Uhr morgens konnten die ausgeglühten Innenpfeiler schließlich die Last der gewaltigen Gewölbekonstruktion mit der steinernen Kuppel nicht mehr tragen. Aufgrund der Position der nach dem Einsturz noch stehenden Teile, der Umfassungsmauern des Chors bis zum Hauptgesims und der nordwestlichen Ecke, ist davon auszugehen, dass einer der Pfeiler der Südwestecke infolge Materialermüdung in sich zusammenbrach. Die gesamte Last des Gebäudes fiel schlagartig auf die Südwestseite, was weitere Pfeiler zum Einsturz brachte. Unter dem gewaltigen Druck der Kuppel wurden die massiven Außenmauern auseinandergesprengt, das Gebäude fiel mit einem dumpfen Knall in sich zusammen. Eine riesige, schwarze Rauchwolke stieg über der Stadt auf. Dieses Ereignis übertraf in seiner Symbolkraft für viele Dresdner die vorangegangenen Zerstörungen noch; für sie war die letzte Hoffnung, wenigstens etwas vom alten Dresden erhalten zu können, zerstört. Ein riesiger Trümmerberg lag da, wo einmal die Kirche war. Der von Johann Christian Feige geschaffene Altar wurde vor der Zerstörung bewahrt, da herabtropfendes Zinn der schmelzenden Silbermann-Orgel, die völlig zerstört wurde, ihn konservierte und herabstürzende Holzteile der Orgel die Wucht der fallenden Kuppeltrümmer abmilderte.

Umgang mit der Kirchruine nach 1945[Bearbeiten]

Mai 1973: Mahnmal ohne Gestaltung
Ruine der Frauenkirche Oktober 1985

Nach dem Krieg wurden auf Initiative des damaligen Landeskurators Hans Nadler erste Untersuchungen zum Wiederaufbau durchgeführt. Der Altar wurde 1947 gesichert und zugemauert, um ihn vor der Witterung zu schützen. Da das Landesamt für Denkmalpflege in dieser Zeit noch nicht über Beihilfemittel verfügte, übernahm das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt, veranlasst durch den Baureferenten Walther Hultsch, die Kosten.[6] Zudem wurden 850 Steine inventarisiert, zur Salzgasse transportiert und eingelagert. Auf Drängen der Stadtverordneten wurden 1959 diese Steine zur Pflasterung der Brühlschen Terrasse benutzt, wobei die Hälfte gerettet und zum Trümmerberg zurückgebracht werden konnte. Die großflächige Trümmerberäumung in der Dresdner Innenstadt im Sinne neuen sozialistischen Städtebaus zerschlug die Hoffnungen auf einen Wiederaufbau schnell. Der Versuch der Behörden, den Trümmerberg 1962 zugunsten einer Parkfläche zu beseitigen, scheiterte. Es kam zu Protesten aus der Bevölkerung, außerdem fehlte das dazu nötige Geld. Der Trümmerberg wurde mit Rosen bepflanzt.

So blieb der Trümmerberg im Stadtzentrum von Dresden zu Zeiten der DDR über 40 Jahre lang als Mahnmal erhalten, ähnlich der Ruine der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Viele überlebende Dresdner gedachten hier ihrer bei den Bombenangriffen ums Leben gekommenen Angehörigen, für die es oft keine Gräber gab.

Die DDR erklärte die Kirchenruine 1966 offiziell zum Mahnmal gegen den Krieg. Zwar erfolgte keine Gestaltung, sodass die zunehmend baufällige Ruine inmitten einer Stadtbrache lag. Der Tag der Zerstörung Dresdens wurde aber fortan zu staatlich gelenkten Gedenkdemonstrationen an der Ruine genutzt. Zum 13. Februar 1982, auf dem Höhepunkt der Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“, riefen Dresdner Christen erstmals zum stillen Gedenken gegen den Krieg an den Trümmern der Frauenkirche auf.[7] Dieser Aufruf führte in den 1980er-Jahren zu Zusammenkünften von Gruppen der DDR-Bürgerrechts- und Friedensbewegung an jedem 13. Februar an der Ruine, um stumm des Krieges zu gedenken. Versuche staatlicher Stellen, diese Treffen zu verhindern, hatten kaum Erfolg.

Die Sächsische Landeskirche plante in dieser Zeit eine Konservierung der Ruine, die als Versöhnungsdenkmal erhalten bleiben sollte. Die Unterkirche sollte eine Ausstellung über die Geschichte der Frauenkirche aufnehmen und gleichzeitig als „Raum der Stille“ dienen. Die staatliche Forderung von Anfang der 1980er-Jahre, die Kirche mit Westgeldern wieder aufzubauen, lehnte die Landessynode der Sächsischen Landeskirche ab. Sie wurde darin auch von Teilen der Friedensbewegung unterstützt.

Im Rat der Stadt Dresden wurde 1985 eine Langzeitplanung für die nächsten Projekte nach dem Abschluss der Rekonstruktion der Semperoper erarbeitet, die auch den Wiederaufbau der Frauenkirche nach Beendigung der Arbeiten am Stadtschloss beinhaltete. Als Gründe dafür wurden unter anderem die fortschreitende Verwitterung der Sandsteinüberreste und der damit eintretende Verlust des Mahnmalcharakters angeführt. Durch die Wende wurden diese Planungen jedoch hinfällig.

Der Wiederaufbau der Frauenkirche[Bearbeiten]

Erste Pläne[Bearbeiten]

Die Ruine der Frauenkirche 1991

Im Herbst des Wendejahres 1989 setzte am Reformationstag ein „Offener Brief“ von Günter Voigt an den Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Johannes Hempel mit dem Gedanken, den Wiederaufbau neu zu bedenken, ein wichtiges Zeichen. Aus einem Kreis gleichgesinnter Dresdner Bürger heraus, der sich im November 1989 traf, entstand der „Ruf aus Dresden“, den der Pfarrer Karl-Ludwig Hoch formulierte. Der Aufruf ging am 12. Februar 1990 in die Welt.

Die Idee eines Wiederaufbaus des Gotteshauses nahm nun immer konkretere Formen an. Aus der Folgewirkung des Aufrufes wurde die „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Deutschland e. V.“ gegründet, deren Kommission unter Beteiligung einiger prominenter Dresdner wie Ludwig Güttler das Konzept für einen archäologischen Wiederaufbau entwickelte, fortan entscheidende Überzeugungsarbeit für den Wiederaufbau leistete (anfangs gab es nur zehn Prozent Befürworter) und Spenden sammelte. 1991 wurde die „Stiftung für den Wiederaufbau Frauenkirche“ gegründet, die den gesamten Wiederaufbau leitete. Am 18. März 1991 beschloss die sächsische Landessynode den Wiederaufbau der Frauenkirche.

Reaktionen auf den geplanten Wiederaufbau und Finanzierung[Bearbeiten]

Katalogisierte Steine (1999)

Von Anfang an gab es auch Kritik am Vorhaben durch Architekten und Historiker: Mit der Ruine sei auch ein Mahnmal des Krieges verlorengegangen. Zudem wäre das Projekt aufgrund der massiven Kriegsschäden ohnehin nur ein historisierender Neubau. Die Konstruktion sowie die technische Ausstattung seien schließlich keineswegs zeitgenössisch, sondern entsprächen vielmehr moderner Technik. So etwa verlaufen nun in der Kirche 85 Kilometer Elektroleitungen und 7,7 Kilometer Heizleitungen; die Klimaanlage kann 40.000 Kubikmeter Luft pro Stunde bewältigen. Um auf die Aussichtsplattform über der Kuppel zu gelangen, legen Besucher einen Teil ihres Weges mittels eines Aufzuges zurück. Insofern habe die „Neue Frauenkirche“ zwar einen historisierenden Mantel, sei jedoch nicht mehr als eine Replik des verlorenen ursprünglichen Baus, vergleichbar zum Beispiel mit der „Alten Berliner Kommandantur“ bzw. den Plänen zum Wiederaufbau von Teilen der Altstadt am Frankfurter Römer. Befürworter betonen dagegen den Symbolwert des Wiederaufbaus und dessen Finanzierung aus überwiegend privaten Spenden.

Die Gesamtkosten des Wiederaufbaus beliefen sich auf 180 Millionen Euro. Davon kamen ca. 115 Millionen Euro durch Spenden aus aller Welt zusammen. Den restlichen Anteil von 65 Millionen Euro stellten die Stadt Dresden, der Freistaat Sachsen und der Bund in etwa gleichen Teilen zur Verfügung.

Trotz zwischenzeitlich gelegentlich aufgetretender Geldknappheit konnte der Wiederaufbau insgesamt ohne Unterbrechungen ausgeführt werden. Neben den Spendensammlungen der „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche e. V.“ und der „Stiftung Frauenkirche“ brachte der von der Dresdner Bank initiierte sogenannte Stifterbrief in Werten zwischen 250 und 10.000 Euro mit einem Spendenvolumen von etwa 75 Millionen Euro den Durchbruch für die finanzielle Absicherung des Wiederaufbaus. Die „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche in Deutschland“ steuerte 31 Millionen Euro bei. Insgesamt 16 Förderkreise engagierten sich regional innerhalb und außerhalb Deutschlands für den Wiederaufbau. Als Zeichen der Versöhnung sammelte der britische „Dresden Trust“ als einer der bedeutendsten unter diesen Kreisen und unter Vorsitz von Allan Russell in Großbritannien mehr als eine Million Euro an Spenden, zu denen auch das britische Königshaus aus der Privatschatulle beitrug.

Der Dresdner Trompeter Ludwig Güttler sammelte mit Konzerten Spendengelder und spendete das Preisgeld für den Nationalpreis, den er in der DDR erhalten hatte, als ein „Startkapital“. Die Dresdner Bank spendete als Körperschaft bis zum Wiederaufbau insgesamt sieben Millionen Euro. Der in Freiberg aufgewachsene US-Amerikaner Günter Blobel stellte einen beträchtlichen Geldbetrag seines Medizinnobelpreises für die von ihm gegründete Fördergesellschaft Friends of Dresden[8] zur Verfügung. Im Zuge des Orgelstreites gab es allerdings auch Spendenabsagen, so zog die Dussmann-Stiftung ihre Spendenzusage zurück.[9]

Wiederaufbau von 1996 bis 2005[Bearbeiten]

Für den Wiederaufbau wurde der Trümmerhaufen ab dem 4. Januar 1993 Stein für Stein abgetragen und ein millimetergenaues, dreidimensionales und steingerechtes Aufmaß aller Ruinenteile erstellt. Bereits während der Enttrümmerung wurden die Katakomben unter dem Trümmerberg vermessen.[10] Alle noch brauchbaren Trümmersteine wurden katalogisiert und eingelagert. Aus der Lage im Trümmerberg und mit teilweise extra für diese Aufgabe erstellten Geo-Computerprogrammen konnte bei vielen Steinen der ursprüngliche Platz im Gemäuer ermittelt werden. Aus den Trümmern konnten über 8.000 Stücke geborgen und davon 3.539 Stücke in die Außenfassade eingebaut werden.

Der Grundstein der neuen Frauenkirche wurde am 27. Mai 1994 gelegt. Der Wiederaufbau begann 1996 unter dem Baumeister Eberhard Burger. Um einen möglichst schnellen und reibungslosen Wiederaufbau zu ermöglichen, entschied man sich für den Einsatz eines Wetterschutzdachs, das mit dem Bau in die Höhe wachsen konnte. So musste nach dem Erreichen einer bestimmten Bauphase das Wetterschutzdach mehrfach um einige Meter hydraulisch angehoben werden. Dieses Verfahren wurde speziell für den Bau der Frauenkirche entwickelt. Es ermöglichte, bei jedem Wetter und auch im Winter mit dem Bau fortzufahren.

In diesem Zusammenhang wurde durch den Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen, den Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden – jeweils zu einem Drittel Anteil – die „Stiftung Frauenkirche“ gegründet, in die die Landeskirche den Kirchenbau als Sachvermögen einbrachte. Diese Stiftung ist auf Dauer angelegt Eigentümerin des Kirchbaus.

Der Wiederaufbau der Frauenkirche wurde viel rascher als ursprünglich erwartet schon im Herbst 2005 abgeschlossen, da das Spendenaufkommen alle Erwartungen übertraf. So wurde die äußere Form der Frauenkirche schon im August 2004 und nicht erst wie geplant im Jahr 2005 wiederhergestellt.

Am 13. April 2004 wurde der letzte Stein der Hauptkuppel der Frauenkirche eingesetzt. Am 22. Juni 2004 wurde die mit Kupfer beschlagene Holzkonstruktion der Turmhaube mit dem vergoldeten Kreuz auf die Laterne über der Steinkuppel aufgesetzt und das frühere äußere Aussehen wiederhergestellt. Die Frauenkirche hat nun die endgültige Höhe von 91,24 Metern.

Beim Innenausbau wurden anschließend die Bemalung und der Einbau des Gestühls abgeschlossen. Im Frühsommer 2005 wurde die von dem Straßburger Orgelbauer Daniel Kern gefertigte Orgel mit insgesamt 4873 Orgelpfeifen installiert. Die Aussichtsplattform in 67 m Höhe, von der aus man einen Ausblick auf das Elbpanorama und auf die Innenstadt hat, konnte am Dienstag, dem 1. Februar 2005 für Besucher geöffnet werden. Anlässlich des 60. Jahrestags der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 2005 wurde der Innenraum zum stillen Gedenken geöffnet.

Am 30. Oktober 2005 wurde die Frauenkirche vom sächsischen Landesbischof Jochen Bohl wieder geweiht und damit ihrer künftigen Bestimmung als Gotteshaus übergeben. Im Rahmen der Zeremonie wurden auch die liturgischen Gegenstände wieder in die Kirche gebracht. Der Weihgottesdienst fand mit 1.700 geladenen Gästen in der Kirche auf dem Kirchplatz statt. Nach dem gottesdienstlichen Teil hielt Bundespräsident Horst Köhler die Festansprache, in der er auf die Frauenkirche als Symbol für bürgerliche Freiheit und die deutsche Einheit hinwies. Landesbischof Jochen Bohl dankte den Verantwortlichen für den Wiederaufbau und den Mitwirkenden.

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Unterkirche[Bearbeiten]

Unterkirche

Bevor man mit dem Wiederaufbau des eigentlichen Kirchengebäudes begann, wurde die Unterkirche wiedererrichtet. So konnte man schon vor der Eröffnung des fertigen Kirchenbaus Räumlichkeiten für Gottesdienste, Führungen und Konzerte schaffen. Die Weihe der Unterkirche fand am 21. August 1996 statt.

Die Unterkirche weist die Form eines griechischen Kreuzes auf. In den diagonalen Armen dieser Kreuzform sind vier Räume untergebracht. Diese dienten von 1728 an der Bestattung und waren ein Ersatz für den Friedhof, der die gotische Vorgängerkirche umgab und beim Neubau der barocken Frauenkirche aufgelöst wurde. In den Jahren 1728 bis 1787 fanden in den Gruftkammern 244 Begräbnisse statt. Bei der Zerstörung der Frauenkirche blieb nur die südwestliche Grabkammer (C) unbeschädigt. In ihr ist auch die Aufstellung der Särge in den gemauerten Grabstellen weitgehend erhalten. Die anderen Grabräume wurden beim Wiederaufbau neu gewölbt und dienen nun als Andachtskapellen.

Die im östlichen Teil der Unterkirche gelegene Chorkapelle befindet sich direkt unter dem Altarraum der Hauptkirche. Zwei mehrteilige, architekturhafte Skulpturen von Michael Schoenholtz stellen Zerstörung und Aufbau in sinnbildlicher Weise einander gegenüber. Beide Skulpturen bestehen aus Elementen, die in den Abmessungen identisch sind. Während die Zerstörung noch gewisse Mutmaßungen über die ursprüngliche Form zulässt, zeigt sich auch der Aufbau noch nicht in einem abgeschlossenen Zustand.

Im tiefsten Punkt der Frauenkirche, im Scheitelpunkt des kreuzförmigen Tonnengewölbes, befindet sich ein Altarstein aus schwarzem irischen Kalkstein. Geschaffen wurde er von Anish Kapoor, einem in Großbritannien lebenden Künstler mit jüdischer Mutter und indischem Vater.

Nach ihrer Weihe befand sich zunächst auch das Nagelkreuz von Coventry, das vom Bischof von Coventry als Zeichen der Versöhnung übergeben wurde, in der Unterkirche. Seitdem gehört die Frauenkirche zur internationalen Nagelkreuzgemeinschaft. Seit der Weihe der Frauenkirche steht das Kreuz auf dem Altar der Hauptkirche.

Der Steinbau[Bearbeiten]

Kranzgesims unterhalb der Kuppel
Altes und neues Steinmaterial
Kuppelfragment vor der Frauenkirche
Das Kuppelkreuz der Frauenkirche

Beim Wiederaufbau wurden die katalogisierten Steine, insgesamt 43 Prozent der Original-Bausubstanz, teilweise wiederverwendet. Sogar einige große Fundstücke konnten im Ganzen wieder an ihren ursprünglichen Platz gehoben werden. Die Reste des Eckturms und des Chors wurden ebenfalls in den Bau integriert. Alleine diese damals stehengebliebenen Ruinenteile machen 34 Prozent der Gesamtmasse aus.

Der Kuppelbau[Bearbeiten]

Bei dem komplizierten Kuppelbau (steinerne Glocke) durften aus bauphysikalischen und baukonstruktiven Gründen nur neue Sandsteine verwendet werden. Die Steine der Kuppel sind einer besonders starken Belastung ausgesetzt. Da die alten Sandsteine beim Brand einer hohen Hitze ausgesetzt waren, wollte man hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit kein Risiko eingehen.

Durch die schwarze Patina der alten Steine, eine natürliche Färbung des Sandsteines durch Oxidation des enthaltenen Eisens, und den neuen hellen Sandstein wird das Gebäude in den ersten Jahren wie ein großes Puzzlespiel aussehen. Die neuen Steine der Frauenkirche werden jedoch mit der Zeit nachdunkeln und sich dann von den Originalsteinen nicht mehr unterscheiden. Auf eine Spezialbehandlung, wie vergleichsweise beim Brandenburger Tor in Berlin, wurde verzichtet.

Sechs[11] stählerne Ringanker im Mauerwerk stabilisieren nun die Kuppel. Zusätzlich wurde in Höhe des Hauptgesimses ein durch radial angeordnete Spannanker vorgespannter, polygonaler Ankerring bestehend aus versteckten, aber zugänglichen Stahlelementen eingebaut. Der ermöglicht einen Abtrag der Kuppellasten auch über die Außenmauern und somit eine Entlastung der Innenpfeiler, wie von Bähr ursprünglich angenommen.[11]

Dank moderner Fertigungsmethoden konnten die Sandsteinblöcke der Pfeiler millimetergenau zugesägt werden. Mit Konstruktionsprogrammen aus dem Flugzeugbau wurde die Geometrie der 560 unterschiedlichen Sandsteinplatten des Kuppelanlaufs ermittelt, denn die von der Kuppel abzuleitenden Kräfte sind sehr groß und verursachten schon in der alten Frauenkirche immer wieder Risse. Zwischen 1938 und 1942 wurden diese zum letzten Mal behoben.

Für die Kuppel gab es an den Universitäten Dresden und Karlsruhe zwei Jahre lang ein eigenes Forschungsprogramm. Beispielsweise waren neue Mörtelmischungen notwendig, denn Stein ist nur bedingt geeignet den Regen abzuhalten. Bereits im 18. Jahrhundert war ursprünglich ein Kupferdach geplant, nur aus Kostengründen kam es zur steinernen Glocke.

Die Turmuhr in der neu aufgebauten Dresdner Frauenkirche mit den drei Zifferblättern wurde von Steffen Höppner in elfmonatiger Bauzeit installiert. Das Uhrwerk stammt aus der Kirche von Lohmen und wurde 1919 gebaut. Drei Schlaghämmer – einer für jede Viertelstunde, einer für jede volle Stunde und einer für den Stundennachschlag – gehören zu den Besonderheiten dieser mechanischen Turmuhr. Zu Pfingsten 2003 wurde das Uhrwerk eingebaut, der Probelauf dauerte eineinhalb Monate. Die Restaurierung wurde von Wempe aus Dresden finanziert.[12]

Das alte Original-Turmkreuz hatte Johann George Schmidt hergestellt. Am 1. Juni 1993 wurde dieses so genannte Kuppelkreuz in den Trümmern der Frauenkirche unerwartet wiedergefunden. Da es schwer beschädigt war, wurde es beim Wiederaufbau durch ein neues mit vergoldetem Strahlenkranz ersetzt. Alan Smith, ein Londoner Kunstschmied und Sohn eines der britischen Piloten, die Dresden bombardiert hatten, schuf das acht Meter hohe Kreuz (Wert 500.000 Euro). Es wurde mit Spenden des „Dresden Trust“ aus dem Vereinigten Königreich finanziert. Im Februar 2000 wurde das neue Kreuz aus Anlass des 55. Jahrestages der Zerstörung vom Schirmherrn des Dresden Trust, Edward, 2. Duke of Kent, in Dresden übergeben und konnte bis zu seinem Aufsetzen besichtigt werden. Am 22. Juni 2004 wurde es als „Versöhnungskreuz“ zum Zeichen der Freundschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland in Anwesenheit von 60.000 Zuschauern auf die Kuppel gesetzt.

Maße[Bearbeiten]

Die Frauenkirche hat eine Länge von 50,02 m (West-Ost-Richtung) und eine Breite von 41,96 m (Nord-Süd-Richtung). Ihre Gesamthöhe, einschließlich des Turmkreuzes, beträgt 91,23 m. Im Innenraum reicht die Kuppeldecke bis zu einer Höhe von 36,65 m.

Die Kuppel ist, ohne den Kuppelanlauf und die Laterne, 24 m hoch. Ihr Außendurchmesser beträgt 26,15 m, das Kuppelmauerwerk ist zwischen 1,19 m und 1,75 m stark. Die Besucherplattform auf der Turmlaterne befindet sich in einer Höhe von 67,06 m.[13]

Ausstattung[Bearbeiten]

Altar[Bearbeiten]

Alter Altar und Silbermannorgel um 1890

Orgel und Altar sind harmonisch übereinander angebracht und gehen optisch nahezu ineinander über.

Der eigentliche Altar von Johann Christian Feige, bzw. sein Kernstück, das nach dem Krieg eingemauert wurde, wurde aus den Trümmern der alten Frauenkirche geborgen und bewusst mit seinen Beschädigungen im Neubau wiederverwendet. Er bildet in seiner optischen Rohheit einen Kontrast zum sonst üppigen Dresdner Barock der Kirche und somit ein dauerhaftes Mahnmal. In der größeren figürlichen Ebene des Altars sind neben der zentralen Szene mit Jesus am Ölberg zwei Personen des Neuen und zwei Personen des Alten Testamentes dargestellt: Ganz links Mose mit den Gesetzestafeln, in der Mitte links Paulus mit Schwert und Buch, in der Mitte rechts Philippus mit dem Kreuz und ganz rechts Moses Bruder Aaron mit Brustpanzer und Weihrauchfass als Priester. Über Mose und Paulus trägt ein Engel eine Kette aus Weizenähren und über Philippus und Aaron ein weiterer Engel eine Kette aus Weintrauben. Zusammen stehen sie für Brot und Wein bzw. Leib und Blut Christi und das Abendmahl. Links über Jesus befinden sich ein großer und ein kleiner Engel. Rechts neben ihm sind die schlafenden Jünger (farblos) dargestellt. Rechts über Jesus ist Jerusalem zu erkennen. Direkt über Jesus ist ein Engel mit einem Kreuz zu sehen – ein Hinweis auf die Art des kommenden Todes. Direkt darüber und über allem thront das Auge Gottes, auch Auge der Vorsehung genannt. Es ist, wie im Barock üblich, von Wolken umgeben. Darüber wiederum schließt sich die Balustrade der Orgel an.

Orgel[Bearbeiten]

Neubau durch Silbermann 1736[Bearbeiten]

Gottfried Silbermann erbaute 1732–1736 eine dreimanualige Orgel mit 43 Registern. 1945 wurde sie völlig zerstört. Der Prospekt stammte von George Bähr und Johann Christian Feige.

Disposition 1736:[14]

I Brustwerk CD–d3
Gedackt 8′
Principal 4′
Rohr Flöte 4′
Nasat 3′
Octava 2′
Gemshorn 2′
Quinta 11/3
Sufflet 1′
Mixtur III
Chalumeau 8′
Tremulant
II Hauptwerk CD–d3
Principal 16′
Octav Principal 8′
Rohr Flöte 8′
Violdigamba 8′
Octava 4′
Spitz Flöte 4′
Qvinta 3′
Octava 2′
Tertia 13/5
Cornett V
Mixtur IV 2′
Cymbel III 1′
Fagott 16′
Trompette 8′
Tremulant
III Oberwerk CD–d3
Quinta dena 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Quinta dena 8′
Octava 4′
Rohrflöte 4′
Nasat 3′
Octava 2′
Sesquialtera 4/5
Mixtur IV
Vox humana 8′
Schwebung
Pedalwerk CD–c1
Groß Untersatz 32′
Principal Baß 16′
Octaven Baß 8′
Octaven Baß 4′
Mixtur VI
Posaune 16′
Trompeten Baß 8′
Clarin Baß 4′

Umbauten und Erweiterungen[Bearbeiten]

Die Orgel wurde mehrfach umgebaut: 1769 reparierte der Silbermann-Schüler Johann Gottfried Hildebrandt die Orgel, Friedrich Traugott Kayser veränderte die Stimmung 1818/1819. Im 19. Jahrhundert wurden einige Register ausgetauscht, 1874/1875 wurde die Orgel durch Carl Eduard Jehmlich erneut umgebaut. 1911/1912 kam es zu einer größeren Erweiterung durch Johannes Jahn, bei der die Spieltraktur pneumatisiert wurde. 1937 wurde eine Chororgel eingebaut, 1939–1943 wurde die Orgel erneut um eine Fernorgel und einen elektrischen Fernspieltisch erweitert. Bei ihrer Zerstörung 1945 hatte die Orgelanlage fünf Manuale mit 85 Registern. 42 von 43 originalen Registern Silbermanns waren zu diesem Zeitpunkt noch erhalten.

Disposition 1945:[15]

I Hauptwerk C–
Prinzipal 16′ S
Oktav Prinzipal 8′ S
Rohrflöte 8′ S
Viola di Gamba 8′ S
Viola alta 8′
Dolce 8′
Octava 4′ S
Spitzflöte 4′ S
Quinta 22/3 S
Superoctava 2′ S
Tertia 13/5 S
Cornett V (ab c0) 8′ S
Mixtur IV S
Cymbel III S
Fagott 16′ S
Trompete 8′ S
Tremulant
II Oberwerk C–
Quintadena 16′ S
Prinzipal 8′ S
Gedackt 8′ S
Quintadena 8′ S
Salicional 8′
Aeoline 8′
Octava 4′ S
Rohrflöte 4′ S
Nasat 22/3 S
Octava 2′ S
Terz 13/5
Mixtur IV S
Bärpfeife 8′
Vox humana 8′ S
Tremulant
für Vox humana
III Brustwerk C–
Gedackt 8′ S
Prinzipal 4′ S
Rohrflöte 4′ S
Nasat 22/3 S
Oktave 2′ S
Gemshorn 2′ S
Terz[Anm. I 1] 13/5
Quinta 11/3 S
Sifflöte 1′ S
Mixtur III S
Chalumeaux (ab g0) 8′ S
Tremulant
IV Chororgel (I) C–
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Nasat 22/3
Oktave 2′
Mixtur III

IV Chororgel (II) C–
Gedackt 8′
Quintade 8′
Nachthorn 4′
Blockflöte 2′
Terz 13/5
Sifflöte 1′
Zimbel III
V Echo C–
Quintade 16′
Suavial 8′
Violflöte 8′
Gemshorn 8′
Violine 8′
Vox coelestis 8′
Praestant 4′
Zartflöte 4′
Salicet 4′
Nachthorn 2′
Larigot 11/3
Flageolett 1′
Scharf IV–V
Oboe 8′
Pedal C–
Untersatz 32′ S
Prinzipal Bass 16′ S
Subbass 16′
Harmonikabass 16′
Octav Bass 8′ S
Gedackt 8′
Quintade 8′
Octav Bass 4′ S
Rohrflöte 2′
Mixtur VI S
Posaunen Bass 16′ S
Trompeten Bass 8′ S
Clarin Bass 4′ S
Singend Kornett 2′

Chor-Pedal C–
Subbass 16′
Prinzipal 8′
Choralbass 4′
Anmerkungen I
S = Silbermann
  1. Original Sesquialter 4/5

Neubau durch Kern 2005[Bearbeiten]

Im Vorfeld des Orgelneubaus entbrannte in den Jahren 1997–2002 unter Orgelexperten und in der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion, die als „Orgelstreit“ bekannt geworden ist.[16] Der 1995 vom Stiftungsrat und dem Kuratorium der Frauenkirche eingesetzten Orgelkommission schien eine Kopie der Silbermann-Orgel nicht sinnvoll. Begründet wurde dies damit, dass die alte Orgel im Laufe der Zeit nicht nur siebenmal modifiziert, sondern auch beim Brand im Kirchinneren 1945 völlig zerstört wurde und die genauen Baupläne Gottfried Silbermanns nicht überliefert worden sind. Ein Nachbau noch existierender Silbermann-Orgeln sei nicht sinnvoll, weil Orgeln für jeden Raum individuell gestaltet werden. Zudem könne nur ein um moderne Elemente erweitertes Instrument den vielfältigen Ansprüchen des Orgelrepertoires von der Alten Musik bis zur Gegenwart sowie der gottesdienstlichen Funktion gerecht werden. Nicht alle Orgelmusik aus nachbarocker Zeit wäre mit der ursprünglichen Silbermann-Disposition stilistisch angemessen zu realisieren gewesen.

Die Pläne zum Bau einer modernen Universalorgel wurden von zahlreichen namhaften Organisten, Dirigenten und internationalen Orgelexperten, vor allem aus dem Bereich der historischen Aufführungspraxis, heftig kritisiert.[17] Sie forderten eine originalgetreue Rekonstruktion der Orgel von Gottfried Silbermann aus dem Jahr 1736 in ihrer ursprünglichen Form, da auch die sonstige Innenausstattung der Kirche getreu kopiert worden sei. Die ursprüngliche Einheit von Architektur, Optik und Klang werde sonst preisgegeben. Es sei inkonsequent und widerspreche dem Willen der Spender, hinter der rekonstruierten Orgelfassade eine moderne Orgel zu bauen. Im Übrigen sei der Orgelbau Silbermanns gründlich dokumentiert.[18] Da Silbermann seine Orgeln konzeptuell stark vereinheitlichte, könnten fehlende Angaben wie Maße und Mensuren den erhaltenen Originalwerken Silbermanns entnommen werden, insbesondere der gleichzeitig entstandenen und noch weitgehend erhaltenen Orgel in der Freiberger Petrikirche. Für eine stilgerechte Rekonstruktion und die klanglich entscheidende Intonation hätten sächsische Orgelbauer aufgrund ihrer Erfahrungen mit Silbermann-Orgeln die besten Voraussetzungen.

Da die Ausschreibung für den Orgelbau lief, war es der „Stiftung für den Wiederaufbau der Frauenkirche“ rechtlich nicht gestattet, sich zum Orgelbau zu äußern. Mit der Auftragsvergabe an die Straßburger Orgelmanufaktur Daniel Kern wurde der Orgelstreit gegen die Vertreter einer Silbermann-Rekonstruktion entschieden. Daraufhin gab Günter Blobel seine Ehrenmitgliedschaft im Kuratorium Frauenkirche aus Protest zurück, und die Dussmann-Stiftung widerrief ihre Finanzierungszusage von 1,5 Millionen Euro.[9]

Nach Bild- und Fotovorlagen wurde die Orgelempore dem zerstörten Original nachempfunden, so, wie die Restauratoren auch mit dem restlichen Kirchinnenraum verfahren waren. Drei Manuale (Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk) und der Grundbestand des Pedalwerks wurden in Anlehnung an die überlieferte Silbermann-Disposition gestaltet, allerdings mit zusätzlichen Stimmen und bei erweiterten Manual- und Pedalumfängen. Das Brustwerk wird jetzt vom vierten Manual angespielt. Zudem wurde eine Synthese der Bauweisen des in Sachsen tätigen Gottfried Silbermann und seines im Elsass arbeitenden Bruders Andreas Silbermann angestrebt. Hinzu kam ein im ursprünglichen Konzept nicht vorgesehenes, als Schwellwerk angelegtes Teilwerk (im neuen Konzept das dritte Manual). Es ist vor allem für die Interpretation nachbarocker Orgelliteratur gedacht. Das Schwellwerk stellt mit seinen Registern Klänge bereit, die sich im 19. und 20. Jahrhundert entwickelt haben, insbesondere die der französisch-romantischen Orgeltradition. Außerdem bekam das Instrument eine Reihe moderner Spielhilfen (Registercrescendo, Setzerkombination mit 8192 Speicherplätzen) und die heutige Stimmtonhöhe (a1 = 440 Hz).

Das vierte Manual kann zur Begleitung von Sängern und Instrumentalisten bei Alter Musik mit authentischen Instrumenten einen halben Ton tiefer (a1 = 415 Hz) gespielt werden. Dies geschieht über einen Transpositeur, indem die Verbindung zwischen den Manualtasten und der weiteren Traktur um einen Halbton (1 Taste) verschoben wird und für den tiefsten Ton Zusatzpfeifen existieren.

Die gewählte Lösung verbindet zwei unterschiedliche Konzepte des gegenwärtigen Orgelbaus: die historisierende Stilorgel und die stilübergreifende Universalorgel. Die neue Orgel verfügt über 4876 Pfeifen, 67 Register auf vier Manualen und Pedal und wurde im September 2005 fertiggestellt. Sie weist folgende Disposition auf:[19]

I Hauptwerk C–a3
1. Principal 16′
2. Bordun 16′
4. Octave 8′
4. Viola di Gamba 8′
5. Rohrflöte 8′
6. Octave 4′
7. Spitzflöte 4′
8. Quinte 22/3
9. Octave 2′
10. Terz 13/5
11. Cornet V (ab c1)
12. Mixtur V
13. Zimbel IV
14. Fagott 16′
15. Trompete 8′
16. Clarine 4′
II Oberwerk C–a3
17. Quintade 16′
18. Principal 8′
19. Quintade 8′
20. Salicional 8′
21. Gedackt 8′
22. Octave 4′
23. Rohrflöte 4′
24. Nasat 22/3
25. Octave 2′
26. Sesquialtera I
27. Mixtur IV
28. Trompette 8′
29. Chalumeau 8′
Tremulant
III Récit Expressif C–a3
30. Bourdon 16′
31. Flûte harmonique 8′
32. Viole de Gambe 8′
33. Voix Celeste 8′
34. Bourdon 8′
35. Principal 4′
36. Flûte octaviante 4′
37. Octavin 2′
38. Piccolo 1′
39. Plein Jeu III–VI
40. Cornet V (ab g)
41. Basson 16′
42. Trompette harmonique 8′
43. Basson-Hautbois 8′
44. Voix Humaine 8′
45. Clairon harmonique 4′
Tremolo
IV Brustwerk C–a3
46. Gedackt 8′
47. Principal 4′
48. Rohrflöte 4′
49. Nasat 22/3
50. Gemshorn 2′
51. Octave 2′
52. Terz 13/5
53. Quinte 11/3
54. Sifflet 1′
55. Mixtur III
56. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–g1
57. Untersatz 32′
58. Principalbass 16′
59. Subbass 16′
60. Octavbass 8′
61. Bassflöte 8′
62. Octavbass 4′
63. Mixturbass VI
64. Fagott 32′
65. Posaune 16′
66. Trompetenbass 8′
67. Clarinenbass 4′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, III/I
    • Superoktavkoppel: III/P
  • Spielhilfen: Transpositeur IV (415 Hz), Setzerkombinationen (8192 Speicherplätze), Appels des anches I,II,III,P, Registercrescendo variabel, Crescendo Récit.

Taufe[Bearbeiten]

Die barocke Frauenkirche hatte keine „Taufe“ (in Sachsen für Taufbecken), weil das Taufrecht von der Kreuzkirche beansprucht und wahrgenommen wurde. Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde ein Taufstein aufgestellt, der 1945 zerstört wurde.

Im Zuge der Wiederherstellung des Innenraums war zunächst angestrebt worden, die nur wenig ältere Taufe von Johann Christian Feige aus der Freiberger Petrikirche für die Frauenkirche zu gewinnen. Da diese dort ebenfalls zu dem zwar veränderten, aber dennoch nachvollziehbaren barocken Raumkonzept gehört und deswegen von der Gemeinde nicht freigegeben wurde, bot die Petrigemeinde den etwas jüngeren Taufstein aus der Freiberger Nikolaikirche an. Dieser stand nach der Zusammenlegung der Nikolai- mit der Petrigemeinde in den 1970er-Jahren und der Entweihung der Nikolaikirche durch die Gemeinde ungenutzt in einem Nebenraum der Petrikirche.

Die nunmehr in der Dresdner Frauenkirche aufgestellte hölzerne Taufe wurde im Zuge des Barockumbaus der Nikolaikirche zu Freiberg von Johann Gottfried Stecher (1718–1776) aus Hainichen im Jahr 1753 geschaffen und am 25. Januar 1754 geweiht. Für die Nutzung in der Frauenkirche wurde die spätbarocke, auf die Nikolaikirche Freiberg abgestimmte Farbfassung durch eine sich auf die Farbgestaltung des Innenraums der Frauenkirche beziehende Weiß-Gold-Fassung ersetzt.

Innenkuppelbemalung[Bearbeiten]

Die acht Gemälde in der Innenkuppel wurden ursprünglich 1734 vom italienischen Theatermaler Giovanni Battista Grone geschaffen. Sie stellten die Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes sowie Bildnisse der christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe und Barmherzigkeit dar.

Ein erster Rekonstruktionsversuch schlug fehl, der Evangelist Johannes geriet zu bunt. Das Bild wurde deshalb abgeschlagen und die Fläche neu verputzt. Nach langem Auswahlverfahren bekam daraufhin der Maler Christoph Wetzel den Auftrag, die Innenkuppelgemälde möglichst stilgetreu wiederherzustellen. Für die Wiedergewinnung der barocken Innenraumfarbgestaltung der gesamten Kirche war der Restaurator Peter Taubert hauptverantwortlich. Als Vorlage für die acht Kuppelgemälde wurden Aufnahmen des Historischen Farbdiaarchivs zur Wand- und Deckenmalerei des Kunsthistorischen Zentralinstituts in München verwendet, die 1943 im Rahmen des „Führerauftrages Monumentalmalerei“ von der damals noch intakten Frauenkirche erstellt worden waren. Da das insgesamt 40.000 Bilder umfassende Archiv jedoch insbesondere in dem auf das Kriegsende folgenden Chaos zerstreut und unsachgemäß gelagert worden war, war unklar, inwieweit die Farben der Bilder dem tatsächlichen früheren Zustand entsprachen. Peter Taubert, Christoph Wetzel, sowie Sven Taubert studierten deswegen neben den vorhandenen bauhistorischen Archivalien, zeitgenössischen Aussagen und Rechnungslegungen andere erhaltene zeitnahe Kirchenraumausmalungen und Bildnisse in der sächsischen Region, in Süddeutschland, Österreich, Venedig und im Vatikan, um eine größtmögliche Annäherung an das ursprüngliche Erscheinungsbild der Innenkuppel mit den Gemälden von Grone zu erreichen.

Glocken[Bearbeiten]

Durch die Glockengießerei Bachert in Karlsruhe wurden 2002 zunächst sieben neue Glocken gegossen. Aufgrund zu dick geratener Teile der Glockenzier war bei allen bis auf die größte Glocke der Teiltonaufbau unrein, sodass ein erneuter Glockenguss 2003 erforderlich war.

Die 1518 gegossene Marienglocke des Meisters Martin Hilliger ist die einzige erhaltene der vier Glocken, die die Frauenkirche bis zum Zweiten Weltkrieg hatte. 1926 wurde sie an die Kirche der Landesanstalt Hubertusburg veräußert und entging so der Zerstörung. Später hing sie in weiteren Kirchen in Wermsdorf und Dittmannsdorf. 1998 kehrte die Glocke nach Dresden zurück, wo sie in einem provisorischen Holzturm neben der Frauenkirche hing. Zusammen mit den sieben neuen Glocken bildet sie nun ein achtstimmiges Geläut, wobei die alte Marienglocke nicht in die Disposition des neuen Geläuts aufgenommen worden ist. Das fünfte in der wechselvollen Geschichte der Frauenkirche und zugleich das umfangreichste Geläut Sachsens erklang erstmals am Pfingstsonnabend 2003.

Nr.
 
Name
 
Liturgische Funktion Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Turm
 
Inschrift
 
1 Jesaja Friedensglocke 1.404 1.750 d1 +2 C SIE WERDEN IHRE SCHWERTER ZU PFLUGSCHAREN MACHEN (Jes 2,4)
2 Johannes Verkündigungsglocke 1.251 1.228 e1 +3 E BEREITET DEM HERREN DEN WEG (Mt 3,3)
3 Jeremia Stadtglocke 1.086 900 g1 +2 SUCHET DER STADT BESTES (Jer 29,7)
4 Josua Trauglocke 964 645 a1 +2 ICH UND MEIN HAUS WOLLEN DEM HERRN DIENEN (Jos 24,15)
5 Maria Gedächtnisglocke 846 328 b1 −5,5 1518 . afe . maria . gracia . plena . domynvs . thekvm . mader . myseri . korti . mcccccxviii . jar (Lk 1,28)
6 David Gebetsglocke 850 475 c2 +4 C ERHÖRE MEIN GEBET (Ps 4,2)
7 Philippus Taufglocke 785 392 d2 +4 EIN HERR, EIN GLAUBE, EINE TAUFE (Eph 4,5)
8 Hanna Dankglocke 694 291 f2 +6 MEIN HERZ IST FRÖHLICH IN DEM HERRN (1 Sam 2,1)

Läuteordnung[Bearbeiten]

Feste Läuteanlässe sind:

  • Dreimal tägliches Gebetsläuten: um 7 Uhr mit David, um 12 Uhr mit Jesaja und um 18 Uhr mit Jeremia
  • Läuten zu Werktagsgottesdiensten: Josua, David und Philippus
  • Läuten zu Abendandachten: David, Philippus und Hanna, in der Osterzeit mit Jeremia, Josua und David
  • Einläuten am Vorabend um 18 Uhr wie Zusammenläuten Hauptgottesdienst, jedoch zuerst mit den einzelnen jeweils vorgesehenen Glocken von klein nach groß, danach Zusammenläuten
  • Vorläuten Hauptgottesdienst, 30 Minuten vor Beginn: mit den beiden größten (sonntags) oder mit den drei größten Glocken (festtags) des nachfolgenden Zusammenläutens
  • Zusammenläuten Hauptgottesdienst, 10 Minuten vor Beginn:
  • Pfingsten: alle acht Glocken
  • Osternacht, Ostern, Weihnachten: alle Glocken ohne Maria
  • Erster Advent, Epiphanias, Christi Himmelfahrt, Reformationstag: alle Glocken ohne Maria und Jesaja
  • Sonntage im Advent, Sonntage in der Passionszeit: Jesaja, Jeremia, Maria und Hanna (sog. Maria-Geläut)
  • Sonntage in der Osterzeit: Johannes, Jeremia, Josua und David
  • Sonntage im übrigen Kirchenjahr: Josua, David, Philippus und Hanna
  • Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar um 21:45 Uhr: alle acht Glocken
  • Neujahrsnacht: alle Glocken ohne Maria

Nutzung[Bearbeiten]

Frauenkirche im Abendlicht (Oktober 2014)

Seit der Reformation nutzte eine evangelisch-lutherische Gemeinde die Kirche. Von 1930 bis 1937 war Hugo Hahn, Superintendent des Kirchenbezirks Dresden-Land, als Pfarrer in der Frauenkirche tätig. Der Pfarrer und die Gemeinde gehörten zur Bekennenden Kirche (BK), die sich 1934 im Zuge des Kirchenkampfes in Abgrenzung zu den Deutschen Christen (DC) gegründet hatte. Pfarrer Hahn nahm kritische Positionen zum Nationalsozialismus ein und wurde am 12. Mai 1938 von der Gestapo aus Sachsen ausgewiesen, nachdem er eine Kanzelabkündigung zur Bedrohung des christlichen Glaubens durch die Nationalsozialisten verfasst hatte.

Ab diesem Zeitpunkt bis 1945 wurden ausschließlich Pfarrer der Deutschen Christen in der Frauenkirche eingesetzt. Superintendent Arthur Schuknecht (DC) wurde 1942 von Superintendent Max Krebs (DC; * 4. Februar 1885 in Rochlitz) abgelöst. Krebs galt als radikalerer Vertreter der Deutschen Christen und bekennender Nationalsozialist. 1945 wurde Max Krebs von der Sowjetischen Besatzungsmacht verhaftet, galt danach als verschollen und wurde 1972 vom Kreisgericht Dresden-Mitte für tot erklärt.

Die Frauenkirche wird heute durch zwei Pfarrer (Sebastian Feydt und Holger Treutmann) der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens betreut und steht Dresdnern wie Touristen als „City-Kirche“ offen. Sie hat keine eigene Kirchgemeinde.

Die sonntäglichen Gottesdienste um 11 Uhr und 18 Uhr sowie werktägliche Mittags- und Abendandachten mit Orgelmusik bilden die Grundpfeiler des kirchlichen Lebens an der Frauenkirche. Die Gottesdienste werden vom Kammerchor der Frauenkirche Dresden und dem großen Chor (Kantorei) der Frauenkirche unter der Leitung von Kantor Matthias Grünert und dem Organisten der Frauenkirche Samuel Kummer musikalisch gestaltet. Regelmäßige Sonntagsmusiken, Orgelkonzerte und zahlreiche geistliche Konzerte ergänzen das kirchenmusikalische Angebot. Ebenso sind kirchliche Trauungen und Taufen in der Frauenkirche möglich.

Die Frauenkirche ist täglich von 10 bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet, allerdings mit regelmäßigen Einschränkungen bei Veranstaltungen und Konzertproben. Die Unterkirche ist als Raum der Stille konzipiert; ein Seitenraum der Unterkirche ist ausschließlich als Gebetsraum vorgesehen. Im ersten Jahr seit der Weihe hatte die Frauenkirche 2,5 Millionen Besucher.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Glaser / Stiftung Frauenkirche Dresden (Hrsg.): Die Frauenkirche zu Dresden. Werden, Wirkung, Wiederaufbau, Dresden 2005, ISBN 978-3-937602-27-1
  • Reinhard Appel: Die Dresdner Frauenkirche, Köln 2005, ISBN 3-938323-11-6
  • Jürgen Helfricht: Die Dresdner Frauenkirche. Eine Chronik von 1000 bis heute. 8. Auflage, Husum 2014, ISBN 978-3-89876-122-2
  • Jürgen Helfricht: The Dresden Frauenkirche. Church of Our Lady. A chronicle from 1000 A.D. to the present. Husum 2010, ISBN 3-89876-122-3
  • Jürgen Helfricht: Dresden und seine Kirchen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, ISBN 3-374-02261-8
  • Stiftung Frauenkirche Dresden (Hrsg.): Kirchenführer Frauenkirche Dresden. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, ISBN 3-374-02334-7
  • Siegfried Gerlach: George Bähr – Der Erbauer der Dresdner Frauenkirche. Ein Zeitbild. Böhlau Verlag, Köln 2005, ISBN 3-412-22805-2
  • Ludwig Güttler (Hrsg.): Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Botschaft und Ausstrahlung einer weltweiten Bürgerinitiative. Schnell + Steiner, Regensburg 2006 ISBN 3-7954-1894-1
  • D. Hugo Hahn: Kämpfer wider Willen. Erinnerungen des Landesbischofs von Sachsen D. Hugo Hahn, aus dem Kirchenkampf 1933–1945, Metzingen | Brunnquell-Verlag, 1969, ISBN 3-7656-0039-3
  •  Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. E. A. Seemann, Leipzig 1981, ISBN 3-363-00007-3.
  • Heinrich Magirius: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch in 15 Bd. 1995–2011.
  • Heinrich Magirius: Die Dresdner Frauenkirche von George Bähr. Entstehung und Bedeutung. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-87157-211-X
  • Reinhard Spehr: Grabungen in der Frauenkirche von Nisan/Dresden. In: Judith Oexle (Hrsg.): Frühe Kirchen in Sachsen. Ergebnisse archäologischer und baugeschichtlicher Untersuchungen. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte 23. Theiss-Verlag, Stuttgart 1994, S. 206–217. ISBN 3-8062-1094-2.
  • Volker Rausch: Facility Management in kulturhistorischen Immobilien. Erarbeitung eines Konzeptes für die Instandhaltung und Pflege in kulturhistorischen Gebäuden am Beispiel der Frauenkirche Dresden. VDM Verlag Saarbrücken, 2010, ISBN 978-3-639-24125-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frauenkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Löffler, S. 196
  2. Löffler, S. 197
  3. Dietrich Lohse: Oskar Menzel, ein Dresdner Architekt in Radebeul. Teil 1. In: Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. Radebeuler Monatshefte e. V., April 2013, abgerufen am 7. April 2013.
  4. Die Ausstrahlung der Dresdner Frauenkirche auf das Glaubensleben in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Abgerufen am 25. September 2014 (Vortrag von Landesbischof Jochen Bohl am 27. August 2009 in der Frauenkirche Dresden, Kapitel 1.2).
  5. vgl. Hermann Weinert: Bericht über die Totalvernichtung des Doms zu Dresden. Abgerufen am 25. September 2014.
  6. Wolfgang Hultsch: Baureferent Dr. Walther Hultsch. Abgerufen am 25. September 2014.
  7. Annett Ebischbach (alias Johanna), Oliver Kloss, Torsten Schenk: Aufruf zum 13. Februar 1982 zur illegalen Versammlung an der Frauenkirche in Dresden.
  8. Beiträge aus aller Welt@dresden.de (abgerufen 8. August 2014)
  9. a b Nachrichten der Landeskirche Sachsen
  10. Messbildstelle, Dresden: Denkmalvermessung der Frauenkirche Dresden. Messbildstelle, Dresden, 1. November 2013, abgerufen am 14. November 2013.
  11. a b Fritz Wenzel: Berichte vom Wiederaufbau der Frauenkirche zu Dresden: Konstruktion des Steinbaus und Integration der Ruine. Universitätsverlag Karlsruhe 2007, ISBN 3-86644-090-1, S. 46, 62 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. watch-wiki.de
  13. Zu den Daten und Fakten
  14. silbermann-orgeln.de: Frauenkirche Dresden (Version vom 24. Februar 2010 im Internet Archive);
    Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02407-6, S. 37–38.
  15. Disposition bei der Universität Québec
  16. Mitteltönige Verstörung. In: Die Zeit, Nr. 15/2002
  17. Vertreter Pro-Silbermann-Orgel
  18. Frank-Harald Greß zur Rekonstruktion.
  19. Orgelbau Daniel Kern: Composition of the New Pipe Organ of the Frauenkirche in Dresden (Version vom 24. Februar 2010 im Internet Archive)
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
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51.05188333333313.741575Koordinaten: 51° 3′ 7″ N, 13° 44′ 30″ O