Frech wie Oskar

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Frech wie Oskar, abgeleitet davon auch stolz wie Oskar, ist eine vor allem in Mittel- und Nordostdeutschland weit verbreitete, vergleichende Redensart, deren Herkunft noch nicht eindeutig geklärt ist.

Eine Ableitung vom Namen des frechen Kritikers Oscar Blumenthal (1852–1917; Duden) ist durch das folgende Zitat belegbar. 1897 veröffentlichte Erwin Heinrich Bauer zum dritten Male seine satirischen Feilchenfeld-Briefe auch als Buch. [1] In seinem Brief aus "Wannsee, mitten aus der Erholung in der Saison", S. 175-185, beschreibt er u.a. die "Herrscher" im literarischen und politischen Berlin, hier Wolffs Telegraphisches Bureau: " ... dies Bureau gehört uns ... Du bist stolz, Teiteles, und es schwellt Dir die Brust und Du hebst empor die Nase frech, wie Oscar, der Blumenthal, und blickst um Dich wie‘n Pascha, der hat sieben Roßschweife und ‘nen Harem mit dreißig Weibern ..." [2]

Auch eine Ableitung vom Namen des derb-frechen Leipziger Jahrmarktverkäufers Oskar (Richard) Seif(f)ert (1861–1932; H. Küpper) wird für möglich gehalten.

Wieder andere sehen einen Ursprung aus dem Jiddischen gegeben, wo ossik frech bzw. verhärtet bedeutet und über die Form ossoker zum sprichwörtlichen Oskar geworden sein könnte. (Cs. Földes)

Aufgrund der ähnlichen Redensarten frech/stolz wie Bolle etc. könnte es sich aber auch einfach um einen verallgemeinernden Allerwelts- bzw. Spitznamen handeln.

Die Redewendung in Literatur und Film[Bearbeiten]

Der Ausdruck findet sich bereits 1918 in Ludwig Thomas Altaich, Achtes Kapitel: Wie er sie dutzte, frech wie Oskar!, womit eine Ableitung von realen oder fiktiven Personen des 20. Jahrhunderts ausgeschlossen erscheint. Da es im Badischen Wörterbuch jedoch als bereits für 1917 in Baden-Baden belegt gilt, ist auch eine Ableitung von Ludwig Thoma selbst ausgeschlossen.

In Literatenkreisen galt damals der irische Schriftsteller Oscar Wilde († 1900) als satirisch-frech.

Als Buchtitel erscheint die Redewendung dann bei:

  • Franz Bauer: Frech wie Oskar. Eine Lausbubengeschichte, 1942
  • Oskar = Hans Bierbrauer: Frech wie Oskar. Eine Auswahl von Karikaturen aus der Berliner Morgenpost, 1954; 1968
  • Cefischer = Carl Fischer: Frech wie Oskar. In lustigen Bildern gezeichnet, 1956; 1979
  • Frech wie Oskar: Prominente erzählen aus ihrer Jugendzeit, München 1976
  • Zärtlich, aber frech wie Oskar, Filmkomödie, BRD 1980
  • Oskar Lafontaine: Frech wie Oskar. Witze und Originaltöne gesammelt von Wolf von Henschelsberg, 1990
  • Thoger Birkeland: Frech wie Oskar – Die Chaos-Familie, 1995

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das litterarische Berlin 1887-1892 : offenherzige Briefe an den Banquier Itzig Teiteles in Posen von Dr. Isidor Feilchenfeld / hrsg. von Erwin Bauer (Münden: Verl. von Reinhold Werther, 1897)
  2. Das litterarische Berlin 1887-1892 : offenherzige Briefe an den Banquier Itzig Teiteles in Posen von Dr. Isidor Feilchenfeld / hrsg. von Erwin Bauer (Münden: Verl. von Reinhold Werther, 1897), S. 181
  • Das literarische Berlin. Offenherzige Briefe an den Banquier Itzig Teiteles in Posen von Dr. Isidor Feichenfeld, X. Wannsee, mitten aus der Erholung von der Saison. In: Das Zwanzigste Jahrhundert: deutsche nationale Monatshefte ... Hrsgeg. von Erwin Bauer. 1. Jg.- 2. Band, April 1891 - September 1891. Berlin: Verl. von Hans Küstenröder, 1891, S. 1186-1199, hier: S. 1196

Literatur[Bearbeiten]

 Wiktionary: frech wie Oskar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • AN.: Frech wie Oskar. In: Sprachpflege. Zeitschrift für gutes Deutsch in Schrift und Wort, Jg. 18 (1969), S. 237.
  • Brigitte Alsleben (Hrsg.): Duden – Redewendungen. Dudenverlag, Mannheim 2002, ISBN 3-411-04112-9.
  • Csaba Földes: Onymische Phraseologismen als Objekt des Sprachvergleichs. In: Gertrud Gréciano. (Rd.): Phraséologie Contrastive. Actes du colloque internationale, Klingenthal-Strasbourg, 12-16. Mai 1988. University Press, Strasbourg 1989, ISBN 2-907599-00-3, S. 128 (Europhras; 88).
  • Gerda Grober-Glück: Motive und Motivationen in Redensarten und Meinungen. Aberglaube, Volks-Charakterologie, Umgangsformeln, Berufsspott in Verbreitung und Lebensformen. Elwert Verlag, Marburg 1974, ISBN 3-7708-0029-X, S. 143–144.
  • Heinz Küpper:
  • F. Müller: Frech wie Oskar. In: Sprachpflege. Zeitschrift für gutes Deutsch in Schrift und Wort, Jg. 18 (1969), S. 25, ISSN 0049-2019.
  • Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Herder, Freiburg 1994, ISBN 3-451-04400-5 (5 Bde., hier speziell Bd. 2, S. 472 ff.).