Freden (Leine)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Freden (Leine)
Freden (Leine)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Freden (Leine) hervorgehoben
51.9286111111119.8975127Koordinaten: 51° 56′ N, 9° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Hildesheim
Samtgemeinde: Freden (Leine)
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 17,78 km²
Einwohner: 3080 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 173 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31084
Vorwahl: 05184
Kfz-Kennzeichen: HI, ALF
Gemeindeschlüssel: 03 2 54 016
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Schillerplatz 4
31084 Freden (Leine)
Webpräsenz: www.freden.de
Bürgermeister: Rüdiger Paulat (SPD)
Lage der Gemeinde Freden (Leine) im Landkreis Hildesheim
Landkreis Hildesheim Niedersachsen Landkreis Holzminden Landkreis Northeim Landkreis Goslar Landkreis Wolfenbüttel Salzgitter Landkreis Hameln-Pyrmont Region Hannover Landkreis Peine Landwehr Winzenburg Everode Freden (Leine) Lamspringe Coppengrave Harbarnsen Sehlem Sehlem Neuhof Woltershausen Adenstedt Bockenem Alfeld (Leine) Duingen Sarstedt Algermissen Harsum Giesen Nordstemmen Hildesheim Elze Betheln Gronau Gronau Eime Diekholzen Despetal Diekholzen Schellerten Schellerten Söhlde Bad Salzdetfurth Holle Weenzen Marienhagen Hoyershausen Banteln Rheden Brüggen Eberholzen Sibbesse Westfeld AlmstedtKarte
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Freden (Leine) ist eine Gemeinde im Landkreis Hildesheim in Niedersachsen. Sie ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Freden (Leine), mit den Gemeinden Everode, Freden (Leine), Landwehr und Winzenburg. Freden ist Mitglied der Region Leinebergland, eines nach dem Leader-Ansatz gegründeten freiwilligen Zusammenschlusses mehrerer Gemeinden im südlichen Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Freden liegt südöstlich von Alfeld und nordwestlich von Bad Gandersheim zwischen den Höhenzügen Selter und Sackwald an der Leine.

Für die Gemeinde ist der Ortsteil Meimerhausen ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Erstmals wird der Ort 1068 urkundlich als Fredenon erwähnt. Fredenon war ein Archidiakonbezirk mit Grafschaftsrechten in dem Ort Grossfreden, der dem Hildesheimer Bischof unterstand.

Bei Steinbrucharbeiten im Höhenzug Selter bei Freden wurden 1959 am Aschenstein Tierknochen gefunden. Ausgrabungen erbrachten durch die C14-Altersbestimmung einen jungpaläolithischen Rentierjäger-Lagerplatz aus der Zeit 15.000 v. Chr. Bis dahin waren keine älteren Besiedlungsreste in Mitteleuropa belegt. Das Leinetal ist für Altersfunde sehr ergiebig, beispielsweise wurde in den Apenteichen bei Winzenburg eine Bronzespange aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. gefunden, auch römische Münzen aus der Zeitspanne von 100 v. bis 100 n. Chr. gehören zu den Fundstücken.

Die Leine trennte die Orte Groß-Freden (um 1000 zum Gau Aringo gehörig) und Klein-Freden (zum Gau Flenithi gehörig). 1068 schenkte Heinrich IV. einige westlich der Leine gelegene Orte, darunter auch Fredenon (Groß-Freden), dem Hildesheimer Bischof.

1235 führte die Zersplitterung Sachsens zur Loslösung des Bistums Hildesheim. Das Bistum erhielt dabei weltliche Rechte. Der Bischof nannte sich ab diesem Zeitpunkt Fürst (Fürstentum Hildesheim). Um 1344 errichteten die Herren von Freden die Burg Hausfreden, und 1347 erwarben sie vom Fürstbischof das Dorf Groß-Freden. Sie gaben die Burg bald weiter an die Herren von Wettberg. Deren Nachfolger, die Herren von Rheden, betätigten sich von der Burg aus als Raubritter. Daraufhin wurde die Burg 1402 belagert und zerstört.

Neuzeit[Bearbeiten]

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde 1519/23 gehörte das Amt Winzenburg (damit auch Groß und Klein Freden) von 1523 bis 1643 zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel.

Erst 1863–1867 durch die Verkoppelung, Beendigung der Dreifelderwirtschaft mit Aufnahme der Fruchtfolgewirtschaft mit Zuckerrüben kam es zur Verbesserung der ländlichen Lebensbedingungen. Der Auswanderungsdruck ließ nach, und auch die Hollandgängerei erübrigte sich. Nach der Begründung des Kaiserreiches begann 1871 eine stürmische Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie. Es gab 1744 zwar bereits eine Glashütte in Westerberg (grünes Glas) und 1793 die Glashütte in Schildhorst (weißes Glas). 1852 begann der Eisenbahnbau; 1854 wurde Freden erreicht.

1869 gründeten die Gebrüder Obermann in Winzenburg eine Schuhleistenfabrik. Der richtige Aufschwung kam dann 1871 mit dem Beginn der Deutschen Spiegelglas in Freden. 1890 begann das Kalkwerk am Selter seinen Betrieb. 1894 wurde die Stahl-Leinebrücke gebaut. 1896 wurde der Kalischacht „Hohenzollern“ abgeteuft und 1900 das erste Kalisalz gefördert. 1908 erfolgte nach einem Brand der Wiederaufbau der Schuhleistenfabrik Obermann. 1910 verzeichnete Freden den wirtschaftlichen Höhepunkt. In vier Betrieben waren 1800 Beschäftigte tätig. Der Bahnhof fertigte täglich zwei Güterzüge ab. Die 16 großen Schornsteine brauchten jede Menge Steinkohle zur Energieerzeugung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Groß Freden 1748 und Klein Freden 1216 Einwohner.[2]

Der Erste Weltkrieg (Kohle- und Absatzmangel) und die inflationären Entwicklungen 1922/23 setzten den Firmen wirtschaftlich zu, so dass von 1925 bis 1936 die gesamte Industrie Fredens darniederlag. Die während des Zweiten Weltkriegs tätigen Nachfolgefirmen wie „Deutsche Faserstoff“ und die Brinker Eisenwerke mit zusammen etwa 1000 Arbeitskräften waren nur einige Jahre Arbeitgeber.

Im Zweiten Weltkrieg fiel am 20. Februar 1944 eine Sprengbombe auf Klein Freden: Drei Menschen wurden getötet und sieben verletzt, ein Wohnhaus und eine Scheune wurden zerstört, vier Häuser leicht beschädigt.[3] Am 21. Februar 1944 wurde Groß Freden von Spreng- und Brandbomben getroffen, dabei entstanden an Gebäuden nur leichte Schäden, und ein Einwohner wurde verletzt.[4]

1949 vereinigten sich Groß und Klein Freden politisch zur Gemeinde Freden (Leine). Im Juli 1965 entstand durch freiwilligen Zusammenschluss die Samtgemeinde Freden (Leine) mit den Gemeinden Everode, Freden, Winzenburg, Eyershausen, Ohlenrode und Wetteborn. Am 1. März 1974 kam Meimerhausen hinzu.[5]

Erklärung des Ortsnamens[Bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1100-1200 Vreden, 1068 Fredenon, 1158 Vreden, 1178 Freten und 1179-80 Vreden. Ausgehend von einem Ansatz „Freþ-un-, Freþ-en-“ ist die Entwicklung zum modernen Namen ohne Probleme nachzuvollziehen. Der Ortsname wird zu „friðu“ für „Frieden“ gestellt. Im Englischen existiert „frith“ für „Wald“. Dieses „friþ-“ für „Wald“ wird hier auch in der Basis von Freden angesetzt. Eine Deutung als „Wald“ ist angesichts der Lage des Ortes in einem waldreichen Gebiet plausibel und überzeugender als eine Verbindung mit „Frieden, Schutz“. Der Ortsname ist ein altertümlicher germanischer Name. [6]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat aus Freden setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Rüdiger Paulat wurde 2010 gewählt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof Freden

Verkehr[Bearbeiten]

Freden ist über die Bundesstraße 3, die unmittelbar westlich der Gemeinde liegt, an das Straßennetz angeschlossen. Der Ort verfügt zudem über einen Bahnhof an der Leinetalstrecke. Es bestehen stündliche Zugverbindungen mit der privaten Bahngesellschaft Metronom nach Hannover und Göttingen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Immer am Freitag nach Aschermittwoch wird in Freden der Winter ausgetrieben. Dieser Brauch wird seit über 100 Jahren in Freden praktiziert. Als Sünder und Symbolfigur wird Hinrich Koarl Kümmelneese von der Bevölkerung angezündet und von der Brücke in die Leine geworfen.

Die Internationalen Fredener Musiktage finden jährlich Anfang August statt. Hier wird Kammermusik aller Epochen aufgeführt. Das Programm widmet sich meistens einem oder mehreren bestimmten Themen. Hauptspielstätten sind die 1739 erbaute Fredener Zehntscheune, die Kirche St. Georg und das von Walter Gropius erbaute Fagus-Werk in Alfeld.

Kirchen[Bearbeiten]

St. Laurentius

Im Ort Freden befinden sich die evangelischen Kirchen St. Georg (Groß Freden) und St. Laurentius (Klein Freden) sowie eine neuapostolische Kirche.

St. Georg hat einen Westturm aus der Zeit des späten Mittelalters und ein Schiff von 1818/19. Im Inneren sind die Segmentbogendecke aus Holz und der spätklassizistische Kanzelaltar beachtenswert.[7] Auf einem Hügel im Ortskern Klein Fredens erhebt sich St. Laurentius. Das Kirchenschiff stammt – wie eine Inschrift über dem Eingang erkennen lässt – aus dem Jahr 1782, während der Turm zur Zeit der Gotik erbaut und 1667 erneuert wurde. Der Turm mit seinen heute noch gut als frühere Schießscharten erkennbaren Fenstern diente möglicherweise auch als Wehrturm. Im Innern der Kirche fällt vor allem der Kanzelaltar aus Holz vom Ende des 18. Jahrhunderts auf.

Die 1971 errichtete katholische Kirche St. Hedwig wurde 2005 profaniert und danach abgetragen; heute befindet sich die nächstgelegene katholische Kirche im 3 km entfernten Winzenburg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. W. Keil: Neumanns Orts- und Verkehrslexikon, Bd. 1. Leipzig 1905, S. 277.
  3. Hermann Meyer-Hartmann: Zielpunkt 52092 N 09571 O – Der Raum Hildesheim im Luftkrieg 1939–1945. Hildesheim 1985, S. 128.
  4. Hermann Meyer-Hartmann: Zielpunkt 52092 N 09571 O – Der Raum Hildesheim im Luftkrieg 1939–1945. Hildesheim 1985, S. 131.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 205.
  6. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  7. Kurt Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. München 1992, S. 476

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freden (Leine) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien