Frederick Mayer

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Frederick Mayer

Frederick Mayer (* 11. August 1921 in Frankfurt am Main; † 26. Juni 2006 in Wien) war Erziehungswissenschaftler, Kreativitätsexperte und Buchautor.

Zum Kern seiner Mission gehören: Engagement für globalen Humanismus, Förderung der Entwicklung des jedem Menschen eigenen schöpferischen Potenzials, Ermutigung (statt Entmutigung) in allen Bereichen der Gesellschaft - individuell und institutionell ("liebevolle Institutionen"), Kreativität bei der Gestaltung des eigenen Lebens ("Lebensstrategie"), Kunst der Beurteilung ("Vorurteile bedrohen uns alle") im Sinne von Mahatma Gandhi ("Satyagraha" - Hingabe an die Wahrheit).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Frederick Mayer (Friedrich M.), geboren in Frankfurt am Main, wuchs auf in Hanau, später in Frankfurt. 1936 verließ er Deutschland, gelangte an Bord eines Frachtschiffes in die U.S.A. So entging er der Verfolgung durch den Nationalsozialismus. Dabei kam es zur Trennung von den Eltern und vom älteren Bruder, William (Wilhelm M.), der in Großbritannien Asyl gefunden hatte. In Kalifornien verbrachte Frederick M. harte Jahre in einem Waisenhaus. Da wurde er fast jeden Tag von Kindern Krimineller geschlagen. Frühes Wecken und harte Arbeit erhöhten den Druck, der auf ihm in der Fremde lastete. Das Verhalten einer Mathematiklehrerin führte zu Entmutigung, Albträumen und Suizidgedanken. Das Lesen der Bücher in der Schulbibliothek tröste über die triste Alltagssituation hinweg, lenkte ab. Eine andere Lehrerin ermutigte das Flüchtlingskind aus Deutschland: "Ihre Güte hat mich gerettet." Sie entdeckte und förderte Fredericks rhetorisches Talent, nahm ihn in ihre Rhetorikklasse auf. Bestleistungen wurden mit einem Stipendium belohnt worden, ermöglichten ein Studium an der University of Southern California, Fächer Philosophie und Pädagogik (Humanities). Das Studium wurde mit Bestnoten abgeschlossen, 1944 mit dem Doktorat.

Die Erlebnisse des Weges, der aus der bedrückenden Situation des Waisenhauses heraus geführt hatte, steil nach oben zur akademischen Karriere und zur internationalen Anerkennung, das Studium der größten Weisen, Propheten, Philosophen, Pädagogen haben den Anstoß zur Entwicklung eines alternativen Erziehungskonzeptes gegeben, international bekannt geworden unter dem Namen Dynamische Erziehung. Die Arbeit in einem Ferienlager für schwer erziehbare, kriminelle Jugendliche, einem Erzieher nachfolgend, der einen Messerstich erlitten hat, in Unkenntnis dieses Umstandes, sowie der Suizid einer Studentin wirkten prägend für das ganze weitere Leben, förderten die kritische Auseinandersetzung mit den Theorien und Traditionen der Erziehungs- und Bildungswissenschaften.

Frederick Mayer wirkte und lehrte von 1944 bis 1966 an den Universitäten von Redlands und Southern California. Als Dozent und Universitätsprofessor erforschte und lehrte er Philosophie und Erziehungswissenschaften, "Humanities". Im Zeitraum 1950 bis 2009 sind fast siebzig Bücher veröffentlicht worden. A History of Educational Thought ist am erfolgreichsten gewesen; die Geschichte des Erziehungsgedankens wurde an hunderten Universitäten Pflichtlehrbuch, international zu einem Standardwerk, hat in drei Auflagen eine sechsstellige Gesamtauflage erreicht, wurde in zwanzig Sprachen übersetzt. Die Übersetzung ins Brasilianische, mit Beiträgen von Autoren wie Anna Freud und Jean Piaget, hat die Entwicklung der modernen Pädagogik wesentlich beeinflusst.

Frederick Mayer arbeitete auch an der Fareed-Holmes-Stiftung für menschliche Beziehungen (Foundation for Human Relations) in Los Angeles. Das Ziel ist gewesen, in einem multidisziplinär zusammengesetzten Team Menschen in kritischen Lebenssituationen beizustehen.

Zum Freundeskreis zähl(t)en Omar Fareed, Ernest Holmes, Robert Hutchins, Aldous Huxley, Martin Luther King, Norbert Wiener, Albert Schweitzer, Olof Palme, Erwin Ringel, Caritaspräsident Leopold Ungar, Marilyn Wilhelm, die von seinen Ideen zur Entwicklung des alternativen Schulmodells "Wilhelm Schole" in Texas inspiriert worden ist, Rudolf O. Zucha, Herausgeber der internationalen Zeitschrift für Sozialpsychologie und Gruppendynamik, und Ministerialrat Klaus Sypal, zuständig für soziale Wohlfahrt unter drei Bundespräsidenten der Republik Österreich, Kirchschläger, Waldheim und Klestil.

Frederick Mayer war Berater und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, Sonderberater im Center for the Study of Democratic Institutions in Santa Barbara unter Robert Hutchins, einer liberalen Denkwerkstätte. In diesem multidisziplinär ausgerichteten Zentrum wurden Experten ganz unterschiedlicher Disziplinen zusammengeführt - auch ideologisch differierend. Frederick Mayer war Fellow der Royal Society of Arts, Vizepräsident des Internationalen Kulturzentrums in Wien, Ehrenmitglied der Nomura Foundation in Tokyo, Mitglied des Austrian Chapter des Club of Rome. 1988 war er Ehrenpräsident der Internationalen UNIDO-IACT-Konferenz in Wien, formulierte dabei auch das "Projekt für die Zukunft" im Rahmen der UNIDO, "Improving Industrial Administration".

Im November 1968 verließ Frederick Mayer die USA, veranlasst durch die Trendwende nach der Ära von Kennedy. Die Ermordung von John F. Kennedy, Robert Kennedy und Martin Luther King spielten dabei eine Rolle, die allgemeine Militarisierung im Verlauf des Vietnamkrieges, der eskalierte. Seit Anfang der 1970er Jahre lebte und wirkte Frederick Mayer dann im neutralen Österreich. Entscheidend für die Wahl Österreichs ist der Plan gewesen, in Wien eine dritte UNO-City zu errichten. 1982 wurde Frederick Mayer hier von Bürgermeister Helmut Zilk mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.

Karl Vak, Philanthrop und Generaldirektor der Zentralsparkasse, und Frederick Mayer wirkten mit an der Umgestaltung Wiens zur internationalen Stadt, mit der Gründung und Förderung der Vienna International Community beteiligt, in der Ära des Bundeskanzlers Kreisky. In diesem internationalen Forum trafen auf einander Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Spitzenbeamte der UNO. Zu Beginn der 70er-Jahre war Frederick Mayer auch Berater bei verschiedenen Reformvorhaben der Verwaltung sowie Berater der katholischen Kirche in der Erzdiözese Wien. Die Zeitschrift für Sozialpsychologie und Gruppendynamik verdankt ihm ihre internationale Perspektive.

"Güte als Lebensweise", Titel eines der letzten Werke im Jahre 2006, ist das leitende Prinzip, der Lebensstil. Aufmerksames Zuhören, provozierendes, aber liebevolles Fragen Stellen, Anregen und Ermutigen, kennzeichnen Kommunikation und Verhalten ("Du wirst gebraucht", "Du hast eine Mission" oder "Du kannst stolz auf dich sein"). Frederick Mayer hat neben wissenschaftlichen, gesellschaftskritischen und lebensstilberatenden Werken auch Romane und Gedichte verfasst, letztere gerne in Haiku-Form.

Die wissenschaftlich-schöpferische Arbeit brachte Frederick Mayer weltweite Anerkennung ein. 1982 bezeichnete ihn die Zeitschrift Trend als den "Kreativitätspapst".

[Bearbeiten] Konzepte

Die folgenden Konzepte spielen eine zentrale Rolle: dynamische Erziehung, poetischer Lebensstil, schöpferische Erweiterung - kreative Expansion. Das dritte Element bezeichnete er als Methode der Psychohygiene, nannte diese Expansionstherapie. Einfühlung und Ermutigung, aber auch (positive) Provokationen stehen im Zentrum. Künstlerisches Arbeiten ist für ihn ein weiteres Modell für den Weg der ganzheitlichen psychischen und geistigen Entwicklung des Menschen. Besonderes Augenmerk widmete er auch der Rolle des alten Menschen, zum Beispiel im "Manifest für ein schöpferisches Alter" ("Umdenken", 2001) und dem Thema Vorurteile.

Den Begriff der Kreativität fasst Frederick Mayer sehr weit: nicht nur das Denken, auch das Fühlen und insbesondere Leben haben etwas mit Kreativität zu tun, sollten etwas mit Kreativität zu tun haben. Die schöpferische Gestaltung und Planung des eigenen Lebens ist die allerhöchste Kunst, die es zu erlernen gilt. Diese Kunst wird selten entfaltet, angewandt, erforscht. Sie ist weitest gehend unerforscht geblieben.

Kreativität bezieht sich auch ganz wesentlich auf das soziale Handeln und das gesamte Engagement. Kreativität soll in Beziehung stehen zu einer Lebensauffassung, in der Werte wie soziale Verantwortung, Freundschaft, Gemeinschaft und Güte Vorrang haben. Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wissen, Tugenden erhalten erst dann Sinn, wenn sie zu guten Taten führen.

Der Entwicklung von Kreativität stehen leider viele Vorurteile entgegen. Sie führen in letzter Konsequenz auch zu persönlichen Tragödien und national und international zu militärischen Konflikten und Ungerechtigkeiten. Vorurteile, die auf Rassismus, Nationalismus und religiösen Vorstellungen beruhen, spielen im schriftstellerischen Werk Frederick Mayers eine zentrale Rolle, Buchtitel wie "Vorurteil - Geißel der Menschheit" und "Vorurteile bedrohen uns alle".

[Bearbeiten] Zitate aus Mayers Werken

  • Kreativität ist der Versuch, anders zu denken, anders zu fühlen, anders zu leben. Der Versuch, das Neue zu entdecken und zu verwirklichen. Der kreative Mensch ist unbequem, stellt viele Fragen und glaubt nicht an Routine.
  • Die Voraussetzung für Kreativität ist Selbsterkenntnis. Wir werden schöpferisch, wenn wir uns des Potenzials bewusst werden, das in uns schlummert. Wenn wir begreifen, dass unsere Funktion nicht im bloßen Existieren besteht, sondern darin, dass wir zum Leben beitragen, es verbessern und sinnvoller für andere gestalten müssen. Unser Wissen, unsere Tugenden und Leistungen sind sinnlos und nur als Formen des Stolzes und als Exhibitionismus zu werten, wenn sie ohne Einfluss auf andere bleiben.
  • Der kreative Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er für neue Ideen empfänglich ist; er ist aufgeschlossen und in jeder Hinsicht erlebnisfähig. Starres Denken und unbeugsame Regeln sind ihm fremd.
  • Soziale Kreativität statt technischer Innovation muss mehr unterstützt werden.
  • Gelebter Humanismus (Worte und Taten) - Güte (als Lebensweise): "Nicht warten auf eine ideale Zeit. Sie kommt sicher nicht."

[Bearbeiten] Schriften

Werkauswahl in amerikanischer Sprache (1950 - 1973)

  • "Essentialism" (1950)
  • "A History of Modern Philosophy" (1951)
  • "Great Ideas of Education" (1953)
  • "A History of Educational Thought" (1960, 1966, 1973)

Werkauswahl in deutscher Sprache (1975 - 2007)

  • "Kreativität. Begrenzungen und Möglichkeiten" (1989)
  • "Versagen ohne Ende? Kreativität, Bildung und Gesellschaft in globaler Sicht" (1994)
  • "Weisheit der Gefühle. Ideale und Realitäten" (2003)
  • "Güte als Lebensweise" (2006)
  • "Tiefer fühlen und sensibler werden. Die kreative Entfaltung" (2006)
  • "Dynamische Erziehung als eine Methode der Reform und der Psychologischen Änderung" (Internationale Zeitschrift für Sozialpsychologie und Gruppendynamik in Wirtschaft und Gesellschaft, 1994, S. 3 - 11)
  • "Lesebuch" (2009)

Erinnerungsbuch

  • "Frederick Mayer - zum Gedenken. Schöpferische Expansion. Können wir kreativer, sensibler, wacher werden?" (Alice Strigl, Hg., 2008)

[Bearbeiten] Gesellschaft

Am 3. Juli 2007 ist in Wien ein Verein gegründet worden, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, Prof. Frederick Mayers Ideen anzuwenden, zu verbreiten und weiter zu entwickeln, die "Frederick Mayer Society - International" (fmsi).

[Bearbeiten] Weblinks

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