Frederick Richard Simms

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Frederick R. Simms, ca. 1911
Frederick R. Simms, 1903

Frederick Richard Simms (* 12. August 1863 in Hamburg; † 21. April 1944 bei London) war ein britischer Industrieller und Automobilpionier.

Leben[Bearbeiten]

Frederick R. Simms war der zweite Sohn von Frederick Louis Simms und Antonia Simms, geb. Hermans. Er war der jüngere Bruder von Henry B. Simms, dem Kunstsammler und Inhaber eines erfolgreichen Hamburger Import- Export-Unternehmens. Der englischstämmige Großvater war Kaufmann in Hamburg und hatte die Familie zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Simms lebte in jungen Jahren teils in Hamburg, teils in London. Er machte eine Ausbildung beim Polytechnischen Verein und der AG für Automatischen Verkauf in Berlin.[1]

Frederick Richard Simms war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Lucie Sophie Wilhelmina Beate Greiff heiratete er am 29. April 1903 in der feinen St. Georgs Church in London. Sie war Österreicherin; über sie und ihre Familie ist nichts weiter bekannt. Die Ehe hielt nicht lange. Nach nur einem Jahr verklagte sie Ihn auf die Rückerstattung der ehelichen Rechte. Sie wurden schließlich im Mai 1909 geschieden. Seine zweite Frau, Mabel Louise Worsley, heiratete er 1910. Sie war die Tochter eines Baumwollhändlers aus Lancashire. Das Paar hatte zwei Töchter. Pamela und Rosemary Mabel. Rosemary heiratete den Maler [1]|Dennis Ramsay.

Viele Jahre lebte die Familie in Storth Oaks in Chislehurst, Kent. Mabel Louise verstarb dort 1940. Frederick R. Simms folgte ihr 1944 im Alter von 81 Jahren.[2] Seine Asche wurde auf dem Friedhof in Buckinghamshire neben seiner Frau beigesetzt.

Simms und die Automobilindustrie[Bearbeiten]

Daimler[Bearbeiten]

1889 lernte der 26-jährige Frederick Simms als Deutscher mit englischem Pass auf der Technikausstellung in Bremen Gottlieb Daimler kennen und freundete sich mit ihm an. Ab 1891 importierte er Motoren von Daimler und erwarb die Rechte an Daimlers Erfindung für Großbritannien und die Kolonien. 1893 gründete er die Daimler Motor Syndicate Ltd., was als Beginn der britischen Automobilindustrie gilt. 1894 ermöglichte Simms Gottlieb Daimler die Rückkehr zu Daimler, indem er den Erwerb einer Lizenz an die Wiederaufnahme Daimlers knüpfte. Frederick R. Simms organisierte mit Otto Mayer für Gottlieb Daimler den ersten Verkauf eines Lastkraftwagens mit Verbrennungsmotor, der am 1. Oktober 1896 als Nutzfahrzeug, als „Kutsche ohne Deichsel“, an die Motor Syndicate Ltd. für den Straßentransport nach London verkauft wurde.[3]

Ein Brief von Simms vom 8. Februar 1891 gilt als erster schriftlicher Beleg für das Wort "Motorcar". Angeblich hat Simms den Begriff "Petrol" für Benzin geprägt.

Simms-Welbeck[Bearbeiten]

Die Simms Manufacturing war ein britischer Automobilhersteller, der 1903–1907 in Willesden bei London ansässig war. Schon seit der Jahrhundertwende lieferte die Firma Fahrzeuge in Einzelanfertigung. Zu einer Serienproduktion kam es erst 1903. Die Fahrzeuge wurden unter den Namen Simms oder Simms-Welbeck angeboten. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Vierzylindermodelle. Neben zwei Zweizylindern wurde auch ein Sechszylindermodell geliefert. Die Simms-Welbeck-Automobile wurden ab 1905 als erste Automobile mit Stoßstangen ausgerüstet. Die Wagen galten als zuverlässig, konnten sich aber auf dem Markt nicht halten. 1907 schloss die Firma ihre Tore für immer.

Royal Automobil Club[Bearbeiten]

Simms gründete zusammen mit Harry Lawson den "Motor-Car-Club", der 1896 eine erste Wettfahrt von London nach Brighton organisierte. 1897 gründete er den "Automobile Club of Great Britain & Ireland", der später in "Royal Automobile Club" umbenannt wurde. 1902 gründete er die "Society of Motor Manufacturers & Traders", die ihre erste Ausstellung 1903 im Crystal Palace abhielt.

Simms auf seinem Motor Scout, Juni 1899
Simms auf seinem Motor War Car, 1902
Die Simms-Welbeck-Automobile wurden ab 1905 als erste Automobile überhaupt mit Stoßstangen ausgerüstet.
Simms-Welbeck Landauer, 25 PS, Baujahr 1907

Simms Motor War Car[Bearbeiten]

Simms war überzeugt, dass dem Automobil auch in der Kriegsführung die Zukunft gehört, und entwickelte 1899 ein leichtgepanzertes Vierrad mit Schnellfeuerwaffe und einen vollgepanzerten Wagen, die aber beim Militär auf kein Interesse trafen. Das Simms´ Motor War Car war das erste gepanzerte Automobil, das je gebaut wurde. Es wurde 1899 von Simms entworfen und bei der Firma Vickers, Sons & Maxim bestellt. Aufgrund verschiedener Pannen bei Vickers wurde es erst Anfang 1902, nach Ende des Burenkrieges, fertig.

Simms-Bosch[Bearbeiten]

Um die Jahrhundertwende hatte Robert Bosch einen Marktschlager gefunden: die Magnetzündung für Kraftfahrzeuge. Simms griff dem Stuttgarter Fabrikanten finanziell unter die Arme. Für die frühe Unternehmensgeschichte von Bosch war die erste Auslandsvertretung von 1899 in London von großer Bedeutung. Simms trug wesentlich dazu bei, dass die Bosch-Magnetzündung sich im Ausland durchsetzte. Auf Grund persönlicher Differenzen scheiterte 1906 die Partnerschaft. Bosch empfand Simms´ Geschäftsgebaren als unlauter. Er war froh, Simms schließlich auszahlen zu können.

Simms Motor Units[Bearbeiten]

Simms gründete 1913 die Simms Motor Units. Im Ersten Weltkrieg wurde das Unternehmen der Hauptlieferant von Magnetzündungen für die britische Armee. Im Zweiten Weltkrieg setzte sich das fort. Das Unternehmen wurde der Hauptlieferant von Magnetzündern für Flugzeuge und Panzer. Auch Lichtmaschinen, Anlasser, Beleuchtung, Pumpen, Düsen, Zündkerzen und Spulen gehörten zum Liefersortiment.

Simms und die Alpen[Bearbeiten]

1893 erkundigte Simms sich bei Hofe in Wien nach einem wildromatischem und schönen Jagdrevier. Aufgrund einer persönlichen Empfehlung von Kaiser Franz Josef kam Simms im Alter von 30 Jahren zum ersten Mal nach Holzgau im oberen Lechtal Dort unternahm er Bergtouren und erkannte, dass unterwegs eine Schutzhütte erforderlich wäre. Daraufhin hat er der Sektion Holzgau des DuOeAV angeboten, den Bau zu finanzieren. Im Jahre 1907 entstand die Hütte auf lawinensicherem Platz. Von Simms wurde die Jagdleidenschaft in Robert Bosch, seinem engen Geschäftspartner, geweckt. 1925 übernahm deshalb die Sektion Stuttgart die Hütte pachtweise. Die Verschmelzung der beiden Sektionen erfolgte 1938. Später ging sie ganz in den Besitz des Alpenvereins über. 1956 neu erbaut trägt sie den Namen "Frederick-Simms-Hütte", wovoh ein Porträt des Stifters zeugt.

Der Simms-Wasserfall wurde um die Jahrhundertwende von Frederick Simms künstlich angelegt. Durch Sprengungen wurde dem Höhenbach sein ursprünglicher Verlauf wieder ermöglicht. Jahrtausendelang floss er schon über diese Felsenkuppe und donnerte wie heute in tiefem Fall zu Tal.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Frederick Richard Simms (1863-1944) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard A. Storey, ‘Simms, Frederick Richard (1863–1944)’, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004
  2. Death of Mr. F. R. Simms, The Times, Monday, Apr 24, 1944; pg. 6
  3. Lastkraftwagen - Geschichte, Technik, Typen - Seite 14. GeraMond-Verlag, 2007, ISBN 978-3-7654-7804-8