Frei bewegliche Kette

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Die frei bewegliche Kette (englisch freely jointed chain oder ideal chain) ist in der Biophysik das einfachste Modell, womit ein Polymer beschrieben werden kann.[1][2] Das Modell vernachlässigt Wechselwirkungen zwischen den Monomeren, sodass diese beliebig um ihre beiden Enden rotieren können, was mathematisch einem Random Walk entspricht.[3] Eine Verbesserung stellt das Modell der wurmartigen Kette dar, bei dem die Monomere Einschränkungen in ihrer Beweglichkeit unterliegen, so dass auch Polymere mit Steifigkeit beschrieben werden können.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Ein Polymer wird in diesem Modell als eine Kette von N steifen Stücken der Länge l, der sogenannten Kuhn-Länge, dargestellt – die maximale Länge L ist somit durch

L = Nl

gegeben. Die Teilstücke sind frei beweglich, vergleichbar mit einem Scharnier (hier allerdings dreidimensional). Es ergibt sich dadurch ein Random Walk mit der Schrittlänge l und der Schrittzahl N. Für große N gilt der zentrale Grenzwertsatz.

In diesem Ansatz werden keine Wechselwirkungen zwischen den Monomeren angenommen, die Energie des Polymers wird als unabhängig von seiner Form angenommen. Das bedeutet, im thermodynamischen Gleichgewicht sind alle denkbaren Konfigurationen gleich wahrscheinlich, das Polymer durchläuft sie alle im Laufe der Zeit – die Fluktuationen werden durch die Maxwell-Boltzmann-Verteilung beschrieben.

Sei \vec R der End-zu-End-Vektor der idealen Kette und \vec r_1,\ldots ,\vec r_N die Vektoren zu einzelnen Monomeren. Diese zufallsverteilten Vektoren haben drei Komponenten in x-, y- und z-Richtung. Wir nehmen an, die Zahl der Monomere N sei groß, so dass der Zentrale Grenzwertsatz gilt. Die Abbildung unten zeigt die Skizze einer kurzen idealen Kette:

Ideal chain random walk.png

Die Enden der Kette fallen nicht zusammen, aber da sie frei fluktuieren gilt natürlich für den Mittelwert (Erwartungswert):

\langle \vec{R} \rangle = \Sigma_{i=1}^N \langle \vec r_i\rangle = \vec 0~

Da \vec r_1,\ldots ,\vec r_N statistisch unabhängig sind, folgt aus dem Zentralen Grenzwertsatz, dass \vec R normal verteilt sind: genauer gesagt folgen in 3D R_x, R_y, und R_z gemäß einer Normalverteilung des Mittelwertes 0 mit Varianz:

 \sigma ^2 = \langle R_x^2 \rangle - \langle R_x \rangle ^2  =\langle R_x^2 \rangle -0
\langle R_x^2\rangle =\langle R_y^2 \rangle = \langle R_z^2\rangle = N\,\frac{l^2}{3}

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James E. Mark: Physical Properties of Polymers Handbook, Springer, 2007. ISBN 9780387690025. S. 68f. (Buchvorschau).
  2.  Gabriele Cruciani: Kurzlehrbuch Physikalische Chemie. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 9783527318070 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Meyer B. Jackson: Molecular and Cellular Biophysics. Cambridge University Press, 2006. ISBN 9780521624411. S. 60f. (Buchvorschau).