Freiberger (Pferd)

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Freiberger
Der elfjährige Freiberger Hengst Népal (Aufnahme aus dem Jahr 2003)[1]

Der elfjährige Freiberger Hengst Népal (Aufnahme aus dem Jahr 2003)[1]

Wichtige Daten
Ursprung: Franches-Montagnes (Jura), 15. Jahrhundert
Hauptzuchtgebiet: Schweiz
Verbreitung: hauptsächlich in der Schweiz
Stockmaß: 150–160 cm
Farben: häufig Braune und Füchse, selten Rappen und Schimmel, stichelhaarig (roan)
Haupteinsatzgebiet: Fahr- und Reitpferd, bevorzugtes Pferd der Schweizer Armee

Der Freiberger ist die einzige ursprünglich Schweizer Pferderasse und heute der letzte Vertreter des leichten Kaltblutpferdes in Europa.

Die Wiege der Rasse befindet sich auf dem Hochplateau Freiberge (Franches-Montagnes) im Jura. Daher kommt auch die Kurzbezeichnung "FM" für die Pferderasse.

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur[Bearbeiten]

Freiberger sind kompakte, quadratische Pferde. Der Rücken ist kurz und tragfähig. Auf dem kräftigen Hals sitzt ein ausdrucksvoller, edler Kopf. Das Gewicht beträgt zwischen 450 und 600 kg, das Stockmass beträgt ca. 150 bis 160 cm.

Interieur[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Charakterstärke und Menschenbezogenheit eignet sich der Freiberger als Familienpferd. Der Freiberger ist ein sehr vielseitiges und lernfähiges Pferd. Es wird vor allem als Freizeitpferd genutzt. Neben dem klassischen Reitpferd ist der Freiberger auch zum Westernreiten geeignet. Auch arbeitet der Train der Schweizer Armee mit Freibergern.

Zuchtgeschichte[Bearbeiten]

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Anfänge der systematischen Freiberger Pferdezucht im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Freiberger Pferd, Zeichnung von 1850

Der ursprüngliche Freiberger geht zurück auf das historische Jura-Pferd, eine sehr alte Landrasse aus dem Raum des Bistums Basel. Die Zucht von Freibergern kann zurückverfolgt werden bis etwa ins 15. Jahrhundert. Auf Basis von orientalischen und Comtois-Hengsten wurde ein kräftiges, gedrungenes Pferd gezüchtet, das jahrhundertelang in Armeen und in der Landwirtschaft eingesetzt und hoch geschätzt wurde. Erstmals schriftlich erwähnt wird das Jura-Pferd in einem Bericht über eine Zuchtpferdeschau am 17.März 1817 in Tavannes im Jura. Die Anzahl der Stuten wurde zu dieser Zeit auf 4.000 geschätzt.

Zur Zeit der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege wurden von der französischen Armee alle brauchbaren Pferde requiriert. Zudem setzte der Hauptabnehmer Frankreich ab 1840–50 mehr und mehr Militärpferde aus eigenen Zuchten ein, sodass die Zucht des Freibergers fast zum Erliegen kam. Um 1860 war die Freiberger Zucht qualitativ stark zurückgegangen. Damals beschloss die Schweizer Bundesregierung einzugreifen, um den Nachschub an geeigneten Pferden für das eigene Militär zu gewährleisten.

Ab dem Jahre 1851 sind alle offiziell eingekreuzten Rassen bekannt. Es wurden genealoge Pferdeschläge, also mit dem Jurapferd genetisch verwandte Pferderassen, in die Zucht aufgenommen (siehe dazu E. Flade, Sursee 1999), wie Ardenner, Percherons und tief gebaute Anglo-Normannen. Auch Comtoi-Hengste und -Stuten wurden immer in die Zucht aufgenommen. Anlässlich der nationalen Pferdeausstellung in Aarau im Jahr 1865 stellte man fest, dass das Jurapferd gute Qualitäten hat und nun systematisch gezüchtet werden sollte.

Aus diesen Bemühungen entstand der wichtigste Hengst Vaillant, der am 5. April 1891 in Saignelégier geboren wurde. Noch heute gehen ca. 70 % aller Freiberger auf Vaillant zurück. Ein anderer Hengst, der die Freibergerzucht nachhaltig prägte, war der Hengst Imprevue, der am 9. Mai 1886 in Frankreich geboren wurde und 1889 in die Schweiz kam. Etwa 25 % der Freiberger stammen von ihm ab. In der Literatur erscheint 1898 erstmals der Name „Freiberger“ (Dr. Josef Marek „Das Helvetisch gallische Pferd“, Züricher & Furrer, Zürich 1898).

1894 wurde die erste Pferdezuchtgenossenschaft in Burgdorf gegründet, mit dem Ziel ein schweres Zugpferd mit Masse und Gang zu züchten. Die hieraus entstandene Burgdorferschlag war eine Anpaarung zwischen Jurastuten und genealog verwandten Ardenner-Hengsten. In den 1960er Jahren starb dieser kaltblütige Zweig der Freiberger aus.

Beginn der staatlich (Schweiz) geförderten Zucht des Urfreibergers[Bearbeiten]

Farand, ein dreijährige Freiberger Hengst, Foto aufgenommen während des Ersten Weltkriegs

Um 1900 wurden auf Betreiben von Militärs und Armee Vollblüter eingekreuzt. Den Bauern war das so entstandene Pferd allerdings zu leicht und so kreuzten sie Percherons, Shires und andere schwerere Rassen mit ein. Mit dieser wahllosen Zucht wurde ein Tiefstand erreicht.

1904 legte die Schweizer eidgenössische Pferdezucht-Kommission das Zuchtziel fest und beschloss, die Pferde in zwei Kategorien einzuteilen:

  1. Das Kavallerie- und Artilleriepferd und
  2. Das Zugpferd mit Masse und Gang

Die Züchter wurden aufgefordert, sich für einen Pferdetyp zu entscheiden und sich untereinander zu organisieren. Die besten Hengste wurden im frisch gegründeten Hengst- und Fohlendepot in Avenches, dem heutigen Schweizerischen Nationalgestüt, aufgestellt. 1912 wurde in den Berichten der Kantonalen Berner Pferdezuchtkommission zum ersten Mal der Begriff « cheval du Jura, type des Franches-Montagnes (FM)» (Jurapferd, Rasse Freiberger) erwähnt.

Im Ersten Weltkrieg bewährte sich der Freiberger in der Armee. Zwischen den Weltkriegen bestimmte die Armee weitgehend die Zucht. 1921 wird das Stammzuchtbuch für das Zugpferd, das Ursprungszuchtbuch der Freiberger eröffnet. Ab 1921 bis 1950 wurden vier Kaltbluthengste und acht Halbbluthengste bei etwa 650 000 Belegungen eingesetzt.

Bis 1950 hatte sich die Freiberger-Rasse als Armeepferd bewährt und durch die vielseitige Einsetzbarkeit in Landwirtschaft und Gewerbe in der gesamten Schweiz verbreitet. Die Freiberger-Rasse wurde zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Faktor in der Schweiz.

Freibergerzucht nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg tendierte die Zucht kurzzeitig zu schwereren Pferden, um der zunehmenden Motorisierung in der Landwirtschaft entgegenzutreten. Nach rund zehn Jahren war aber klar, dass auch ein schwereres Pferd nicht mit dem Traktor konkurrieren konnte.

Für das reine Zugpferd gab es kaum noch Verwendung. Die Gestütsleitung des Schweizer Nationalgestütes unter Dr. Baumann plante in dieser Zeit, ähnlich wie bei viele Warmblutpferdezuchten in diesen Jahren, eine Umzüchtung der Rasse. Ziel war, eine neue Sporthengstlinie zu gründen, man begann unter anderem mit dem Vollblutaraber-Zuchthengst Doktryner ox Freibergerstuten zu belegen, um mit einem sportlich leichteren Pferd die Marktchancen des Freibergers zu erhöhen. In der Umsetzung dieser Pläne wurden dann 4 Araberhengste und 27 hochblütige Warmblüter, bei einer Gesamtpopulation von knapp 3.000 Zuchtstuten in die Zucht genommen. Ab den 1960er Jahren wurden in erster Linie schwedische Warmblüter eingesetzt. Die Nachkommen dieser Einkreuzungen sind heute kaum noch von einem Warmblutpferd zu unterscheiden und erfüllen damit das Zuchtziel als Freizeitpferd mit Eignung für den Reit- und Fahrsport.

Als Folge der Umzüchtung wurde in weniger als zwanzig Jahren wurde der kaltblütige Urfreibergerschlag an den Rand des Aussterbens gedrängt.

Zucht heute[Bearbeiten]

Das nationale Gestüt in Avenches ist sowohl Hengststation sowie auch Ausbildungs- und Kompetenzzentrum der Freiberger Rasse. Mehr als ein Drittel aller Freiberger Zuchthengste stehen im Gestüt. Ihre Dienstleistungen stellt das Gestüt in der ganzen Schweiz zur Verfügung. Der schweizerische Pferdezuchtverband hat seine Räumlichkeiten in den Gebäuden des Gestütes untergebracht.

Kategorie Stud-Book des Schweizerischen Freibergerverband (SFV)[Bearbeiten]

1997 wurde der heutige Schweizerische Freibergerverband (SFV) gegründet. Der SFV fungiert als Dachverband aller weiteren Freiberger-Zuchtverbände und führt das Herdebuch (Zuchtbuch) der Rasse mit Ausnahme der Urfreibergerzucht. Der Verband verfolgt weiterhin das Ziel, ein Familien- und Freizeitpferd zu züchten, das auch eine (teilweise) Eignung für verschiedene Bereiche des Reit- und Fahrsports vorweisen kann. Daher werden die meisten Freibergerstuten weiter von Hengsten mit sogenanntem Fremdblutanteil belegt. Im Jahr 1999 wurde das Zuchtbuch geschlossen, folglich konnte nur noch mit Freiberger Pferden gezüchtet werden, die Einkreuzung weiterer Hengste anderer Rassen ist nicht mehr zulässig (Pferde, die aus Kreuzungen mit anderen Rassen entstammen, werden im Herdebuch in die Sektion Kreuzungen eingetragen).[2]

Basisfreiberger / Interessengemeinschaft des Original Freiberger Pferdes (IG-OFM)[Bearbeiten]

Ebenfalls 1997 gründete sich die Interessengemeinschaft des Original Freiberger Pferdes (IG-OFM). Zu diesem Zeitpunkt waren noch 2.000 Stuten und 30 Hengste des ursprünglichen Freibergers gelistet. Davon waren 2012 beim SFV noch ca. 138 Stuten und ca. 5 Hengste als zuchtfähig registriert.

Innerhalb des Zuchtverbandes IG-OFM entstand das Stutbuch der sogenannten Basisfreiberger, das seit 2001 als Kategorie des Herdebuchs des SFV geführt wird. Der sogenannte Basisfreiberger sollte die reinen Urfreibergerlinen repräsentieren. Hierfür wurde festgelegt, dass ein Basisfreiberger maximal bis zu 2 Prozent Fremdblut führen darf. So hätte ein Pferd, in dessen Abstammungsausweis in der sechsten Generation zwei Hengste mit einem Fremdblutanteil von 100 Prozent (also Hengste anderer Rassen) vorkommen, einen Fremdblutanteil von drei Prozent und entspräche somit nicht mehr einem Basisfreiberger (Original Freiberger).[3]

Urfreiberger / Eidgenössische Verband des reinrassigen Freiberger Pferdes (RRFB)[Bearbeiten]

Im Jahr 2008 wurde der eidgenössischen Verbands des Reinrassigen Freiberger Pferdes gegründet. Dem Verband gingen die Massgaben des IG-OFM nicht weit genug, als Ziel des Verbandes wurde Rettung des ursprünglichen Freibergerpferdes. Als Grundlage der Zucht wurde die Freiberger Rasse, wie sie um 1950 bestand, festgelegt (ausgenommen der Nachkommen der Zuchtversuche mit den Araberhengsten Skipio und Shagia I). Das zu züchtenden Pferd, welches damit ohne Fremdblutanteil gezogen werden soll, wird als Urfreiberger bezeichnet.

Im RRFB sind Züchter als der gesamten Schweiz tätig, der Verband finanziert sich auf privater Basis. Er wurde vom schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bislang nicht als Zuchtorganisation anerkannt. Der RRFB ist jedoch vom BLW als alleine für den Urfreiberger zuständig erklärt worden. Der RRFB führt das Herdebuch des Urfreibergers, das als Kategorie Urfreiberger im Zuchtbuch des Schweizerischen Freibergerverband (SFV) übernommen wird.

Der Urfreiberger ist die letzte in der Schweiz bestehende Kaltblutpferderasse im „Wirtschaftstyp“. Er verkörpert den historischen Juraschlag, des Freiberger Kaltblutpferdes in Reinzucht seit 1950. Ziel der Zucht des Urfreibergers ist, die guten Eigenschaften dieser Rasse (guter Charakter, Gutmütigkeit, Menschenbezogenheit, Gesundheit und Robustheit) zu erhalten. Mit dieser Erhaltungszucht soll der Gen-Pools des Urfreibergers erhalten werden. Die Anpaarungen werden hierfür nach Berechnung des Verwandtschaftsgrades der Zuchttiere auf Vorschlag der Zuchtleitung vorgenommen.[4] Es gibt infolge der Selektion mehr leichte und mittlere, rittige Urfreiberger. Aufgrund seines ruhigen Temperaments, seiner Körperform, seines Körperbaus und seines Gewichtes ist der Urfreiberger auch noch für den „schweren Zug“ geeignet. Der Urfreiberger gilt als vom Aussterben bedrohte Pferderasse.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Freiberger – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Infoblatt zum Hengst Népal
  2. Neue Einkreuzungen?, Meldung auf der Internetseite der Interessengemeinschaft des Original Freiberger Pferdes, Februar 2015
  3. Neue Kategorie Basis der Herdebuchordnung, Meldung auf der Internetseite der Interessengemeinschaft des Original Freiberger Pferdes, Dezember 2001
  4. Internetseite des Eidgenössischen Verbandes des reinrassigen Freiberger Pferdes