Freie Energie (Parawissenschaft)

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Freie Energie (Begriffsklärung)

Freie Energie ist eine angeblich unerschöpflich zur Verfügung stehende Energieform, die die Nutzung etablierter Energieträger wie fossile oder erneuerbare Energie ersetzen könne.

Die Angaben zur Natur dieser freien Energie und zu den Möglichkeiten ihrer Gewinnung und Nutzbarmachung sind sehr widersprüchlich. Immer wieder behaupten Entwickler, mit einem „Freie-Energie-System“ einen Leistungsüberschuss erzeugen zu können. Es ist bisher aber kein wissenschaftlicher Nachweis der tatsächlichen Existenz eines solchen Systems bekannt.

Die Existenz freier Energie wird häufig im Umfeld von Verschwörungstheorien proklamiert. Die fehlende Verfügbarkeit von „Freie-Energie-Systemen“ wird mit der angeblichen Unterdrückung der Fortentwicklung solcher Systeme durch einflussreiche, aber nicht näher beschriebene Interessengruppen und Lobbyisten begründet.

Begriffsverwendung[Bearbeiten]

Durch die Nutzung der freien Energie soll es speziellen Maschinen möglich sein, einen Leistungsüberschuss zu erzielen, d. h. mehr Nutzenergie bereitzustellen, als Primärenergie aus bekannten Energieformen zugeführt wird. Ein solches System wäre somit ein Perpetuum Mobile, also eine Maschine, die dem Energieerhaltungssatz widerspricht und nach anerkannten Prinzipien der Physik nicht möglich ist.

Von Verfechtern der freien Energie werden für die postulierten Phänomene oft physikalische Begriffe verwendet, allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung als in der Physik. Dadurch soll der Eindruck erweckt werden, die Existenz der freien Energie sei in der Wissenschaft anerkannt. Unter anderem zählen dazu:[1][2]

Bei keiner der bisher angebotenen „Freie-Energie-Maschinen“ konnte eine Funktionsfähigkeit nachgewiesen werden. Zur Erklärung, warum es solche Maschinen nicht am Markt gibt, wird häufig auf Verschwörungstheorien zurückgegriffen: So wird behauptet, das Wissen über freie Energie werde durch die Energiewirtschaft und andere interessierte Kreise unterdrückt, die aus kommerziellem Interesse die Nutzung dieser umweltfreundlichen und unbegrenzt verfügbaren Energieform gezielt verhindern würden.[3]

Viele Verfechter der freien Energie sind Esoteriker. Durch diese Überschneidung wird die freie Energie auch mit anderen Ansichten in Verbindung gebracht.[2]

Beispiele[Bearbeiten]

Nikola Tesla[Bearbeiten]

Bei der freien Energie spielen auch historisch bedeutende Personen wie Nikola Tesla eine Rolle. Seine Person und Arbeiten wie der Magnifying transmitter werden im Bereich der Legendenbildung oft als Beispiel für die praktische Anwendung von freier Energie erwähnt.

Nikola Tesla war eine schillernde Persönlichkeit mit guten Kontakten in die gehobene New Yorker Gesellschaft und zu Geldgebern wie J. P. Morgan. Ab 1890 spekulierte er über Möglichkeiten zur Nutzung der im Weltraum vorhandenen Energie, wobei er betonte, dass nicht die statische, sondern nur die kinetische Energie nutzbar sei. In der Januar-Ausgabe 1901 des auflagenstarken US-Magazin Collier’s Weekly behauptete er, bereits 1899 Kontakt mit Außerirdischen gehabt zu haben. Im März 1901 meldete er sein Patent für einen Apparat zum Gebrauch von Strahlungsenergie an, der „Raumenergie“ auffangen und in elektrische Energie umwandeln soll.[4] In der eigentlichen Patentschrift findet sich allerdings kein Hinweis auf „freie Energie“ oder „Raumenergie“. Tesla schreibt:

„The apparatus being arranged as shown, it will be found that when the radiations of the sun or of any other source capable of producing the effects before described fall upon the plate P an accumulation of electrical energy in the condenser C will result.“

„Es zeigt sich, dass mit dem wie dargestellt aufgebauten Apparat die Strahlung der Sonne oder einer beliebigen anderen Quelle, die die zuvor beschriebenen Effekte hervorrufen kann, beim Auftreffen auf die Platte P eine Akkumulation elektrischer Energie im Kondensator C bewirkt.“

Nikola Tesla: US-Patentschrift 685.957, S.2, Z.44ff[5]

Durch diese Maschine soll also lediglich die elektromagnetische Strahlung der Sonne durch eine Photozelle („Plate P“) in elektrischen Strom umgewandelt und damit ein Kondensator geladen werden.

Viktor Schauberger[Bearbeiten]

Der österreichische Naturforscher Viktor Schauberger soll eine so genannte „Forellenturbine“ oder „Repulsine“ erfunden haben, mit der sich unbegrenzt Energie gewinnen ließe.[6]

Wasserantrieb[Bearbeiten]

Der Wasserantrieb soll mittels Freier Energie als hypothetisches Antriebssystem funktionieren, beispielsweise für Kraftfahrzeuge, die ausschließlich Wasser als Betriebsstoff nutzen. Nicht zu verwechseln ist dieser Antrieb mit durch Wasserstoff betriebenen Antriebsmaschinen. Der als Betrüger verurteilte Stanley Meyer ist Inhaber von neun Patenten, welche direkt mit Wasser betriebene Kraftfahrzeuge zum Inhalt haben.[7][8]

Stanley Meyer starb 1998 an Hirnschlag.[8] Von Anhängern der Freien Energie wird hingegen behauptet, Stanley Meyer wurde von der Ölindustrie, arabischen Killern und von US-Regierungsstellen verfolgt und in Folge vergiftet, um seine Erfindung nicht publik werden zu lassen.[9][10]

Literaturquellen[Bearbeiten]

  1.  Peter Lay: Enzyklopädie Freie Energie - Über 200 Fachbegriffe anschaulich erklärt. Michaels-Verlag, 2004, ISBN 978-3-89539231-3.
  2. a b  Holm Hümmler: Tachyonen – Schnelles Geld mit schnellen Teilchen – oder ohne? Ein missbrauchter Begriff der Physik.. Skeptiker, GWUP, 4/2002, ISSN 0936-9244, S. 154 – 155.
  3. Helmut Reinalter: Verschwörungstheorien. Theorie, Geschichte, Wirkung. Studien Verlag, Innsbruck, Wien, Bozen 2002, S. 86; Michael Barkun: A culture of conspiracy. Apocalyptic visions in Contemporary America. UCP, Berkeley 2003, S. 32, 103 ff., 183 u.ö.; James McConnachie und Robin Tudge: Rough Guide to Conspiracy Theories. 3. Auflage, Rough Guides, London 2013, S. 271–276
  4.  Michael Krause: Wie Nikola Tesla das 20. Jahrhundert erfand. 1. Auflage. Wiley, 2010, ISBN 978-3-527-50431-2, S. 244.
  5. Patent US685957: Apparatus for the Utilization of Radiant Energy. Erfinder: Nikola Tesla.
  6. Eduard Gugenberger, Franko Petri und Roman Schweidlenka: Weltverschwörungstheorien. Die neue Gefahr von Rechts. Deuticke, Wien 1998, S. 158.
  7. Tony Edwards: End of road for car that ran on Water. In: The Sunday Times, Times Newspapers Limited, 1. Dezember 1996, S. Features 12. Abgerufen am 16. Mai 2007. 
  8. a b Dean Narciso: The Car that Ran on Water. In: The Columbus Dispatch, July 8, 2007. Abgerufen am 24. März 2008. 
  9. Water Powered Car report on Meyer's death. Abgerufen am 24. März 2008.
  10. Philip Ball: Burning water and other myths. In: Nature News. September 14, 2007. Abgerufen am 14. September 2007: „He died in 1998 after eating at a restaurant; the coroner diagnosed an aneurysm, but the conspiracy web still suspects he was poisoned.“

Weblinks[Bearbeiten]