Freie Pistole

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Der Begriff Freie Pistole ist einerseits die traditionelle Bezeichnung der olympischen Schießsportdisziplin "50-m-Pistole", die vom Deutschen Schützenbund (DSB) und der International Shooting Sport Federation (ISSF) betrieben wird und bezeichnet andererseits das dabei verwendete Sportgerät.

Die Waffe[Bearbeiten]

Die wichtigsten Reglementierungen, die die Sportordnung des DSB für die freie Pistole gibt, sind u.a.:

  • Die Waffen müssen Munition des Kalibers .22 lfB (Kleinkaliber) verschießen.
  • Es sind nur offene Visierungen gestattet, also keinerlei optische (oder sonstige) vergrößernde Hilfsmittel
  • Das Handgelenk der Schusshand muss frei beweglich bleiben. (Die Pistole muss mit einer Hand gehalten werden.)
  • Der Schuss muss mit der Schusshand ausgelöst werden.
  • Das Abzugsgewicht der Waffe ist beliebig und darf mit bloßer Hand verstellbar sein.
  • Mehrlader müssen als Einzellader betrieben werden.

Freie Pistolen sind von beschränkenden Regeln, die das Abzugsgewicht, Waffengewicht und Abmessungen betreffen, praktisch befreit. Typisch für die freie Pistole sind ein sehr niedriges Abzugsgewicht und ein sorgfältig an die individuelle Hand angepasster, „orthopädischer“ Griff, der die ganze Hand (nicht aber das Handgelenk!) umschließt, um das „Verwackeln“ beim Abziehen zu vermindern sowie ein sehr langer Abstand zwischen Kimme und Korn, was das exakte Zielen begünstigt. Durch den meist sehr langen (ca. 30 cm) Lauf, den die Hand umschließenden Griff und das Fehlen eines Magazins ergibt sich meist ein eher ungewöhnliches Aussehen. Einige Hersteller von freien Pistolen setzen auf elektronische Abzugsmechanismen, bei denen die herkömmliche Mechanik (Stecher) durch einen elektrischen Impuls ersetzt wird.

Der wohl bekannteste Hersteller von Freien Pistolen ist die russische Ischmech, die unter dem Markennamen "Baikal" die Pistole TOZ 35 fertigte. Andere Firmen wie Pardini, Morini, Hämmerli und bis 2003 Steyr sind ebenfalls namhafte Hersteller von qualitativ sehr hochwertigen Sportwaffen.

Die Sportart[Bearbeiten]

Die Sportart der "freien Pistole" wird in Sportschützenkreisen als eine Königsdisziplin bezeichnet, u.a. weil sie schon wegen der langen Wettkampfdauer von zwei Stunden so dauerhaft Konzentration verlangt wie keine andere. Und wohl auch, weil vom Ziel auf die Entfernung nur ein schwarzer Punkt knapp zu erkennen ist, wobei dieser schwarze Punkt (mit 20 cm Durchmesser) gerade mal sieben Punkte wert ist.

Die Disziplin wird auf eine Entfernung von 50 m geschossen. Die Zielscheiben sind die gleichen wie sie bei 25-m-Wettbewerben benutzt werden (Durchmesser der "10" 50 mm, Durchmesser der "1" 500 mm). Das reguläre Wettkampfprogramm besteht aus 60 Schuss in 120 Minuten. Bei internationalen Wettkämpfen werden auf jede (Papier-)Scheibe 5 Schuss abgegeben[1], danach wird die Scheibe gewechselt. In den letzten Jahren sind allerdings bei den hochrangigen Wettkämpfen (z.B. Deutsche Meisterschaft) elektronische Ziele Standard geworden, bei denen das Wechseln entfällt. Bei Wettkämpfen auf niedrigerer Ebene (z.B. Gau, Kreis, Bezirk) werden mitunter 10 statt 5 Schuss pro Scheibe abgegeben und auch „kleine“ Programme (z.B. 30 Schuss in 60 Minuten) abgehalten.

Den bis zum heutigen Zeitpunkt gültigen Weltrekord von 581 Ringen (von 600 möglichen) stellte der sowjetische Sportschütze Alexander Melentjew bei den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau auf. Bereits 1979 stellte Harald Vollmar mit dem gleichen Ergebnis den aktuellen deutschen Rekord[2] auf, der aber kurioserweise, weil er nicht bei Weltmeisterschaft oder olympischen Spielen erzielt wurde, nicht als Weltrekord zählt.

Quellen[Bearbeiten]

  • Sportordnung des Deutschen Schützenbundes
  • Home > The ISSF > Rules > German Rulebook (deutsche Fassung des internationalen Reglements)

Weblinks[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. 8.8 Wettbewerbstabelle Pistole,
  2. Pistole - deutsche Rekorde, Liste des Deutschen Schützenbundes,