Freier Fall (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Freier Fall
Originaltitel Freier Fall
Freier Fall.png
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 100[1] (Deutsche Fernsehfassung: 87) Minuten
Altersfreigabe FSK 12[2]
Stab
Regie Stephan Lacant
Drehbuch Karsten Dahlem
Stephan Lacant
Produktion Daniel Reich
Christoph Holthof-Keim
Musik Dürbeck & Dohmen
Kamera Sten Mende
Schnitt Monika Schindler
Besetzung

Freier Fall ist ein deutsches Filmdrama des Regisseurs Stephan Lacant. Für die Hauptrollen des Spielfilms wurden Hanno Koffler, Max Riemelt und Katharina Schüttler gewählt. Landesweiter Kinostart war in Deutschland am 23. Mai 2013.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film erzählt die Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Polizisten: Marc Borgmann ist 36 Jahre alt, beruflich etabliert und wohnt mit seiner schwangeren Freundin Bettina Bischoff in einem Eigenheim. Alles in seinem Leben läuft in geregelten Bahnen, bis der eigentlich heterosexuelle Polizeibeamte auf einer Fortbildung den Kollegen Kay Engel kennenlernt und sich in ihm ungeahnte Gefühle regen. Marc versucht zunächst, seine neu entdeckte homosexuelle Seite zu ignorieren und in sein bisheriges Leben zurückzufinden, doch Kay lässt sich in Marcs Hundertschaft versetzen. Für Marc beginnt eine Phase ständigen Hin- und Hergerissenseins zwischen seinem alten Leben und den neuen leidenschaftlichen Erfahrungen. Nach und nach scheint es, als könne er niemanden in seinem Leben mehr glücklich machen, am allerwenigsten sich selbst. Natürlich kommt die Affaire trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ans Licht, Marcs Beziehung zu Bettina droht augenblicklich in die Brüche zu gehen und die beiden Männer sehen sich mit geballter Intoleranz sowohl im Kollegium (Kay) als auch im eigenen Elternhaus (Marc) konfrontiert. Den letzten Schritt, die endgültige Trennung von seinem bisherigen Leben, kann und will Marc dennoch nicht vollziehen. Da verlässt ihn Kay, und Marc verliert den Halt. Erst jetzt erkennt er, welche Bedeutung Kay für ihn hat. Nach dem Verlust seines Geliebten droht er auch sein „bürgerliches Leben“ zu verlieren.

Hintergrund[Bearbeiten]

Freier Fall wurde von der Baden-Badener Filmproduktionsfirma kurhaus production in Koproduktion mit dem SWR produziert und von der Medien- und Filmförderung Baden-Württemberg gefördert. Das Drehbuch stammt von Karsten Dahlem und Stephan Lacant. Letzterer führte auch Regie. Gedreht wurde im Sommer 2012 im Raum Ludwigsburg. Der offizielle Kinostart in Deutschland war am 23. Mai 2013,[2] die erste Fernsehausstrahlung am 17. November 2014 im SWR.[3]

Davor wurde der Film bereits auf den internationalen Filmfestspielen in Berlin (Berlinale) am 8. Februar 2013[4] als Eröffnungsfilm in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ gezeigt.[5] Am Rande der Filmfestspiele von Cannes 2013 verkaufte der Vertrieb Salzgeber die Auswertungsrechte an die USA (Wolfe), die Niederlande (Cinemien) und die Schweiz (Xenix) sowie nach Frankreich (KMBO), Großbritannien (Peccadillo), Polen (Tongariro) und Dänemark (Reel Pictures).[6]

Daraufhin wurde der Film zwischen dem 21. Juni 2013 und dem 9. Januar 2014[4] in neun Ländern (u. a. in den USA, Frankreich, Ungarn und Brasilien) auf insgesamt zehn Festivals gezeigt und in Polen (Kinostart: 6. September 2013)[4] und Dänemark (Kinostart: 9. Januar 2014)[4] auch außerhalb dieser Festivals veröffentlicht. Im offiziellen Trailer wird der Film als „The German answer to Brokeback Mountain(„Die deutsche Antwort auf Brokeback Mountain“) bezeichnet.[5]

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

Freier Fall wurde von der internationalen Kritik fast ausschließlich positiv aufgenommen:

„A powerful and dramatic story.“

The Advocate[5]

„[…] so frisch erzählt, so eigenwillig beleuchtet, dass keine Déjà-vus aufkommen. […] präzise gezeichnet und gespielt, so dass die Geschichte einen fatalen Sog entwickelt.“

Tagesspiegel[7]

„Das alles klingt nach erheblich vorhersehbarer Coming-out-Geschichte. Ein wenig auch nach ‚Brokeback Mountain‘. Doch Lacant gelingt es, diese Geschichte spannend und vor allem anders zu erzählen. ‚Auch wenn Homosexualität thematisch mitschwingt, geht es mir vorrangig darum, die dahinterliegenden archetypischen Konflikte aus Liebe, Hass, Verleugnung und Selbstfindung auszuloten‘, sagt Lacant über seinen Film. Dass ihm das gelingt, hat er vor allem seinen Hauptdarstellern zu verdanken. Sie spielen ihre Rollen, ohne in Klischees zu verfallen, ohne leicht lesbare Charakterinterpretation. [Das Ergebnis] wirkt insgesamt mutiger als so manch anderer Film, der sich klar als ‚queeres Kino‘ begreift. […] Allerdings: Ganz ohne die herkömmlichen Bebilderungsdichotomie von Hetero- und Homosexualität kommt der Film nicht in die Gänge. Baby, Frau und Heim auf der einen Seite. Sex, Drogen und Clubbing auf der anderen. Und irgendwo dazwischen Homophobie am Arbeitsplatz. Dann aber wird die Situation vielschichtiger: Kay verliebt sich, stellt Ansprüche, will mehr als nur eine Affäre sein. Und von da an lösen sich die Dichotomien fast vollständig auf, die sexuelle Orientierung der Figuren wird nebensächlich. Thema sind ab hier: Kontrollverlust, der Reiz neuer Erfahrungen, die Liebe samt ihren Konsequenzen. Lacant webt souverän an diesem komplexen emotionalen Geflecht – dessen schönster Moment sein überraschendes Ende ist.“

taz[8]

„Exceptionally hot love scenes (and full-frontal nudity)[…] a powerful dramatization of a passionate gay affair.“

Queerty.com (‚Movies You Shouldn't Miss‘)[1]

„Lacants erster Langfilm […] beeindruckt mit seiner ausgespielten Körperlichkeit, der gekonnten Beiläufigkeit der Dialoge und einer vibrierenden Darstellungskraft bis in die Nebenrollen. Vor allem aber zeigt der Film, […] wie schwer es fallen kann, das eigene Leben und das der Familie durch alle Verunsicherungen und Versuchungen zu steuern und einen Fall ins Bodenlose zu stoppen, wenn er erst einmal begonnen hat.“

FAZ[9]

„Wenn nach einer doch arg konstruierten ersten halben Stunde das dramaturgische Feld bedeutungsschwer bestellt ist, ahnt man schon, dass hier kein Konflikt überraschend an der falschen Kreuzung abbiegen wird. Und wenn dann auch im weiteren Verlauf von Freier Fall keine der Figuren eine auch nur irgendwie geartete individuelle Kontur abseits ihres (Nichts-)Tuns erfährt, wird alles zum abgekarteten Spiel, inklusive Klischee-Kabinett: der gehemmte Schwule, gefangen in einem heterodominierten Mikrokosmos mit ignorant-prüder Mutter („So haben wir dich nicht erzogen“), naiv-passiver Ehefrau und dem homophoben Machoarbeitskollegen als Antagonisten.“

Critic.de[10]

„Sehr geradlinig erzählt und ausgesprochen konzentriert gespielt […]“

Stern[11]

„Man kann nicht genau sagen, ob ‚Freier Fall‘ nur so gut ist, weil Hanno Koffler, Max Riemelt und Katharina Schüttler so gut sind, oder ob sich die drei deshalb so spektakulär freispielen können, weil ihnen der Film die Möglichkeit dazu gibt. Fakt ist jedenfalls, dass man Schauspieler selten so sehr in Einklang erlebt, gerade im deutschen Kino, so echt und unangestrengt und unmittelbar. Problemfilme müssen nicht anstrengend sein, wenn sie mit so viel Leichtigkeit erzählt werden wie dieser. Lacant versucht keine Abhandlung zu ‚Homosexualität im Polizeimilieu‘ – vielmehr erzählt er wertfrei, aber liebevoll von drei Menschen, die den unmöglichen Traum vom Glück träumen: Kay wünscht sich nur einen anständigen Freund, Bettina eine heile Familie und Marc alles zusammen. ‚Freier Fall‘ lässt ihre Träume platzen. Und hält es trotzdem nicht für ausgeschlossen, dass es sich zu träumen lohnt.“

Der Spiegel[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Offizielle amerikanische Seite zum Film auf WolfeVideo.com.
  2. a b Filmseite der IMDb
  3. Debüt im Dritten: Freier Fall. In: www.swr.de. 8. Juli 2014, abgerufen am 25. Januar 2014.
  4. a b c d Veröffentlichungsinfo der IMDb
  5. a b c Offizieller amerikanischer Trailer auf YouTube.com von Wolfe Video
  6. Artikel in Blickpunkt:Film vom 28. Mai 2013, abgerufen am 29. Mai 2013
  7. Artikel im Tagesspiegel, 29. Januar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  8. Artikel in der Taz, 9. Februar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  9. Artikel in der FAZ, 8. Februar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  10. Filmkritik, auf Critic.de, 31. Januar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  11. Artikel im Stern, 23. Mai 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  12. Artikel auf Spiegel Online, 23. Mai 2013, abgerufen am 15. Dezember 2013.
  13. Freier Fall bei der Deutschen Film- und Medienbewertung, abgerufen am 29. Mai 2013
  14. Freier Fall (NDR-Regiepreis), abgerufen am 29. Mai 2013
  15. Günther-Rohrbach-Filmpreis: Preisträger 2013, abgerufen am 15. November 2013