Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke

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Die Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke auf der rechten Seite der Weißeritz im heutigen Freital waren ein privatgeführtes Montanunternehmen.

Geschichte[Bearbeiten]

Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk (1791–1872), Begründer der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke

Im Bereich des Rittergutes Burgk wurde bereits 1571 in geringem Umfang Bergbau auf Steinkohle betrieben. 1767 ging das Rittergut samt dazugehöriger Kohlefelder in den Besitz von Carl Gottfried Dathe über. Dieser ließ neue Schächte abteufen und begann 1773 mit der Anlage des Burger Weißeritz Stollns zur Grubenentwässerung.

Am 11. Juni 1819 übernahm Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk das Rittergut Burgk samt der dazugehörigen Bergbauanlagen aus dem Erbe seiner Tante Wilhelmine Sophie Dathe. Dies gilt als Geburtsstunde der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke. Die Bergbauanlagen umfassten anfangs fünf Schächte (Alter Schacht, Kunst-Schacht, Wilhelminen-Schacht, Berger-Schacht, Bormann-Schacht) und einen Entwässerungsstolln.

Der von Jugend an vom Bergbau faszinierte Dathe von Burgk begann rasch mit der Reorganisation und Modernisierung des bis dato mittelalterlich und dezentral geführten Bergbaus rechts der Weißeritz. Dabei übernahm er von den anderen Bergwerken des Plauenschen Grundes alle für die eigene Betriebsführung brauchbaren Ideen und Verbesserungen, vermied jedoch finanziell aufwendige Experimente.

Bereits 1822 kam auf dem Wilhelminen-Schacht die erste Dampfmaschine zur Wasserhaltung zum Einsatz. 1823 setzten die ersten Versuche zur Verkokung der geförderten Kohle ein. Fünf Jahre später, im Jahre 1828, gelang erstmals die Stadtgaserzeugung und in Burgk wurde eine öffentliche Gasbeleuchtung installiert. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich von Burgks Steinkohlenwerk zu einem bedeutenden Grubenbetrieb. Um 1830 förderten 700 bis 800 Bergleute etwa 800.000 Scheffel Kohle pro Jahr. Mit dem Erdmann-, Augustus- und Fortuna-Schacht wurden neue Anlagen niedergebracht. Dabei kam an dem 1835/36 abgeteuften Fortuna-Schacht erstmals eine Dampffördermaschine zum Einsatz.

Bei Auslandsreisen nach Westfalen und Belgien (Cockerill in Seraing) erkannte Dathe von Burgk frühzeitig die Möglichkeiten, die eine Kombination von Steinkohlengruben mit Eisenwerken boten. Das Unternehmen wurde deshalb 1826/27 um zwei kleine veraltete Eisenhämmer in Obercarsdorf und Dölzschen erweitert, die zu modernen Eisen- und Walzwerken umgebaut wurden.

Am Standort des 1794 gegründeten Eisenhammers Dölzschen (seit 1846 "König-Friedrich-August-Hütte") nahm Dathe von Burgk 1842 den ersten sächsischen Koks-Hochofen in Betrieb und erhielt dafür eine staatliche Prämie in Höhe von 25.000 Talern. Die zur Verhüttung benötigten Eisenerze bezog er von ebenfalls erworbenen Magnetitzechen in Berggießhübel. Da die Koksqualität des Burgker Steinkohlenwerkes keine dauerhafte Verhüttung ermöglichte, wurde der Hochofen bereits 1849 wieder stillgelegt. Im Oktober 1873 ging die "König-Friedrich-August-Hütte" in den Besitz der Deutschen Bank über.

Zur Erschließung neuer Kohlefelder kaufte Dathe von Burgk 1843 das Freigut Kohlsdorf, 1848 das Rittergut Pesterwitz, 1852 das Rittergut Roßthal und 1863 das Rittergut Wilmsdorf. Sowohl die Rittergüter als auch das Steinkohlenwerk wurden durch die nach 1820 gebildete Zentraladministration einheitlich gelenkt, ein deutschlandweit einmaliges Konstrukt der gemeinsamen Verwaltung von Agrar- und Bergbaubetrieb.

1849 übertrug Dathe von Burgk die Betriebsführung an seinen Sohn Karl Christian Arthur Freiherr von Burgk (* 31. Oktober 1823; † 28. Juni 1897).

Marienschacht mit Malakowturm und Maschinenhaus

Bereits ab 1839 wurden im sogenannten Unteren Revier der Steinkohlenwerke eine Reihe von Schächten stillgelegt, da die Kohlefelder abgebaut waren (1839 Alter Schacht, 1849 Bormann-Schacht, 1865 Fortuna-Schacht, 1867 Berger-Schacht und Wilhelminen-Schacht). Neuaufschlüsse konzentrierten sich auf das sogenannte Obere Revier des Werkes. Hier begann 1837 das Abteufen des Neue-Hoffnung-Schachts, dem 1856 der Segen-Gottes-Schacht folgte. Zwischen beiden Anlagen wurde ab 1867 der Glückauf-Schacht niedergebracht. Als letzte neue große Schachtanlage folgte ab 1886 die Anlage des Marienschachtes in Bannewitz.

Die Bestattung der Verunglückten beim Segengottesschacht (Illustration in der Gartenlaube 1869)

1868 erreichte das Unternehmen mit 1.600 Mann die größte Belegschaft. Ein Jahr später (1869) ereignete sich am 2. August eine Schlagwetterexplosion in den miteinander verbundenen Grubenfeldern des Segen-Gottes-Schachtes und des Neue-Hoffnung-Schachtes. Dabei starben 276 Bergleute. Es handelt sich um die bis heute schwerste Katastrophe im sächsischen Bergbau. In der Nähe des Segen-Gottes-Schachtes befindet sich ein Denkmal über dem Massengrab der toten Bergleute.

1897 übernahm Dathe von Burgks Enkel Carl Friedrich August Maximilian Freiherr Dathe von Burgk († 8. November 1931) die Führung des Unternehmens. Unter seiner Leitung ging die Förderung aufgrund des begrenzten Lagerstättenbereiches trotz intensiver Erkundung zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden nur noch im Glückauf- und Marienschacht unter sich stetig verschlechternden Bedingungen Kohlen gefördert. Ab 1929 wurden die Schachtsicherheitspfeiler abgebaut. Doch auch dies konnte die Einstellung des unrentablen Bergbaus nicht mehr verhindern. Die letzten Kohlenhunte wurden auf dem Marienschacht am 11. April 1930 und auf dem Glückauf-Schacht am 14. April 1930 gefördert.

Das Unternehmen meldete noch im gleichen Jahr Konkurs an. Einzig eine Kohlenniederlage und die Brikettfabrik auf dem Gelände des Glückauf-Schachtes blieben unter dem Namen Burgker Werke noch bis 1946 bestehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie / Sächsisches Oberbergamt (Hg.): Das Döhlener Becken bei Dresden. Geologie und Bergbau. Bergbau in Sachsen Bd. 12, Freiberg 2007, ISBN 3-9811421-0-1. Digitalisat (pdf-Datei, 44 MB)
  • Sächsische Landesstelle für Museumswese (Hg.): Städtische Sammlungen Freital. Reihe Sächsische Museen Band 15. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2003, ISBN 3-422-03104-9

Weblinks[Bearbeiten]

51.00388888888913.669722222222Koordinaten: 51° 0′ 14″ N, 13° 40′ 11″ O