Hessenpark

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Marktplatz im Hessenpark
Marktplatz bei Nacht
Aus der Luft (im Hintergrund Frankfurt am Main)

Der Hessenpark ist ein Freilichtmuseum in Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) in der Nähe von Obernhain (Gemeinde Wehrheim) im Taunus. Das Museum wurde 1974 durch die hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Albert Osswald (SPD) gegründet und ist ein beliebtes Familienausflugsziel.

Sein erster Leiter und einer der wesentlichen Initiatoren war Eugen Ernst, der heute noch als Ehrenvorsitzender des Förderkreises mitwirkt.

Prominente Besucher waren Gerhard Schröder (1. Mai 2003) und Tendzin Gyatsho (der 14. Dalai Lama) am 22. September 2007.

Konzept[Bearbeiten]

Der Hessenpark verfolgt eine Reihe von Zielen:

  • Er dient der musealen Sammlung von Gebäuden. In ihm sind andernorts abgetragene Fachwerkhäuser aus ganz Hessen, zwei Windmühlen aus Norddeutschland (1985–1987) und weitere Gebäude wieder errichtet worden, um sie für die Nachwelt zu erhalten („Translozierung“). Der Hessenpark umfasst mittlerweile mehr als 100 Gebäude (Stand: 2008).
  • Er soll einen Eindruck typischen dörflichen Lebens in den einzelnen Regionen Hessens vermitteln. Diese Regionen sind in den Baugruppen repräsentiert.
  • Im Hessenpark soll das Wissen über traditionelle Bautechniken bewahrt bleiben.
  • Im Hessenpark sollen traditionelle Handwerke bewahrt und vorgestellt werden.
  • Die Häuser sollen für spezifische, aber hessen-bezogene Fachausstellungen genutzt werden. So ist z.B. im Taunushaus eine Dauerausstellung über den Taunus zu sehen.
  • Im Hessenpark sollen traditionelle landwirtschaftliche Methoden genutzt und alte Sorten und Rassen kultiviert werden.
  • Der Hessenpark soll dem Umweltschutz dienen. Hier ist vor allem die Storchen-Aufzuchtsstation zu nennen. Allerdings sind zurzeit (Stand 2010/2011) Störche im Hessenpark nicht mehr zu finden.

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Primäres Ziel des Denkmalschutzes ist es, schützenswerte Gebäude am ursprünglichen Standort zu erhalten. Ein Baudenkmal wirkt immer auch im Kontext der Umgebung, in der es errichtet wurde. Daher ist ein Versetzen von Baudenkmalen in Deutschland grundsätzlich untersagt. In Ausnahmefällen ist ein Abriss jedoch unvermeidbar und vom Denkmalschutz erlaubt. Dies ist nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz dann der Fall, wenn die Verpflichtung, das Objekt zu erhalten, unzumutbar (z.B. aus Kostengründen) oder nicht möglich (z.B. beim Bau von Umgehungsstraßen) ist. Eine Vielzahl von Häusern, die an ihrem Standort nicht zu erhalten waren, sind, in ihre Teile zerlegt, nun im Hessenpark zwischengelagert und dadurch gesichert. Ein Wiederaufbau der Häuser im Hessenpark erfolgt Zug um Zug, hierdurch kann der Hessenpark auch mehrfachen Besuchern jährlich neue Angebote machen.

Geschichte des Geländes[Bearbeiten]

Die Nutzung des Geländes des heutigen Hessenpark lässt sich historisch in drei Phasen einteilen. Bei der Gestaltung des Geländes sind alle drei Nutzungen dargestellt. 1000 bis 1100 begannen erste Rodungen im Stahlnhainer Grund. Die Bewirtschaftung erfolgte bis ca. 1400/1450 durch die nahegelegene Waldschmiedesiedlung Stahlnhain. Auf dem Gelände wurde hauptsächlich Köhlerei und Eisenverhüttung betrieben. Im Gebiet Stahlnhains wurden 50 Rennfeuerstellen und 500 Meilerplätze gefunden. Davon lagen allein 5 Rennfeuerstellen und 15 Meilerplätze auf dem Gelände des Hessenparks.

Vom 15. bis zum 19. Jahrhundert wurde nach Niedergang der Eisenverhüttung das Gebiet zur Waldweide genutzt.

Ab etwa 1829 und bis 1930 diente der Niederwald zur Lohgewinnung. Ab 1900 erfolgten die ersten Nadelbaumanpflanzungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände hauptsächlich zur Brennholzgewinnung genutzt. Teilflächen waren auch gerodet und dienten als Weidefläche.[1]

Traditionelle Techniken[Bearbeiten]

Das Wissen um die Bautechniken vorheriger Jahrhunderte ist teilweise verlorengegangen. Der Hessenpark bemüht sich, das Wissen über Bautechniken zu bewahren und verlorenes Wissen experimentell neu zu erheben. Auch traditionelle Handwerkstechniken wie das Blaufärben, die Holzkohleherstellung, die Töpferei, die Flechtkunst oder das Schmiedehandwerk werden im Hessenpark fortgeführt. Neben der Präsentation dieser Techniken gegenüber den Besuchern und der Produktion der Produkte (die käuflich erworben werden können) dient dieser Teil der Museumsarbeit auch der Forschung über die Geschichte der Handwerkstechniken.

Ein weiterer Schwerpunkt des Hessenparks ist die Erhaltungszucht alter Pflanzensorten und Tierarten und die Demonstration und Bewahrung alter landwirtschaftlicher Methoden wie der Waldweide.

Im Hessenpark ist die Hessische Uhrmacherschule untergebracht.

Aufbau[Bearbeiten]

Der Hessenpark teilt sich in eine Reihe von Baugruppen (A-H), die die unterschiedlichen Dorfformen der hessischen Regionen repräsentieren sollen. Die älteste und am weitesten ausgebaute Baugruppe ist die Baugruppe Mittelhessen. Mittelpunkt dieser Baugruppe, die ein typisches Dorf Mittelhessens repräsentiert, ist der Dorfplatz mit Kirche, Dorfschule, Schmiede und Gehöften. Für Veranstaltungen ist ein Freilichttheater vorgesehen.

Die Baugruppe Nordhessen wird geprägt durch die genannten Windmühlen und die Zehntscheune. Diese ist gleichzeitig Veranstaltungsraum für eine Vielzahl von Veranstaltungen. Die Baugruppen Osthessen und Südhessen sind derzeit nur teilweise fertiggestellt.

Baugruppe A - Marktplatz[Bearbeiten]

Hotel im Hessenpark

Der historisch älteste Bauabschnitt ist der heutige Marktplatz. Er hat eine Sonderstellung, denn er ist nicht regional festgelegt. Aus dem gesamten Bundesland Hessen sind Gebäude vertreten, hier sind wesentliche „Serviceeinrichtungen“ des Hessenparks eingerichtet. [2] Er ist frei zugänglich und bietet neben Dauerausstellungen (z.B. dem Funktechnischen Museum oder der Ausstellung über hessische Fotografie im Haus Lips aus Schlitz) auch ein Hotel und gastronomische Einrichtungen. Während das Gasthaus „Zum Adler“ hauptsächlich deftige hessische Küche anbietet, ist das Hotel Hessenpark auch auf gehobene Küche eingerichtet. Beide Häuser verfügen über Biergärten, das Hotel auch über Tagungsräume. Unter anderem befindet sich in der Mitte des Marktplatzes eine Nachbildung des Vierröhrenbrunnens, der in Langen (Hessen) steht.

Die Baugruppe Marktplatz bei Nacht

Eine Reihe von Geschäften bietet auf dem Marktplatz und auf dem Zugang zum Marktplatz (vor dem zahlungspflichtigen Bereich) im Hessenpark hergestellte Produkte und Souvenirs an. Besonders bekannt ist das nach alter Technik im Steinofen gebackene Brot, das in der Backstube angeboten wird. Daneben gibt es handgemachte Bürsten, geflochtene Körbe und viele andere Produkte. Durch den Verkauf der Produkte werden die in den Schauvorführungen produzierten Waren abgesetzt und ein Teil der damit verbundenen Kosten gedeckt.

Die Baugruppe Marktplatz bei Tag

Frei zugänglich im Marktplatzbereich sind auch eine Reihe von Dauerausstellungen. Hierzu zählen das funktechnische Museum, die Apotheke, das Photomuseum, die Gusseisen-Ausstellung und die Ausstellung über Bierbrauen. Im Haus Rörshain befindet sich die Hessische Uhrmacherschule gegenüber im Haus aus Laubach eine Ausstellung über Turmuhren.

Dauerausstellungen und Verkaufseinrichtungen am Marktplatz

Baugruppe B - Werkstätten[Bearbeiten]

Die Baugruppe B wird primär als Bauhof genutzt. Dennoch befinden sich auch in dieser Baugruppe bereits einige Objekte, die Teil des Museums sind. Neben der um 1800 errichteten Schmiede (ursprünglich aus Selters) ist hier vor allem eine 1830 erbaute Scheune mit Mansarddach aus Runkel-Hofen zu nennen. Dieses große Gebäude wird für eine Dauerausstellung über das Herzogtum Nassau genutzt. Ein Schwerpunkt ist hier die Wirtschaftsgeschichte. Ausstellungsstücke der Ausstellung "Geldwesen in Nassau" sind unter anderem Münzen und Scheine aus Nassau sowie eine Darstellung der Gründung der Nassauischen Landesbank.

In weiteren Gebäuden sind alte landwirtschaftliche Maschinen untergebracht. Eine Schienenanlage für eine Bergwerksbahn ist der Anfang einer Darstellung der Bergwerksgeschichte in Hessen.

Häuser und Ausstellungen der Baugruppe B

Baugruppe C - Südhessen[Bearbeiten]

Diese Baugruppe besteht derzeit nur aus der Synagoge aus Groß-Umstadt sowie einer Remise. 1986 wurde ein Weinberg als Teil der Baugruppe Südhessen angelegt. Auf drei Terrassen wurde Riesling in drei typischen Rheingauer Anbaumethoden angepflanzt. Die oberste Terrasse ist mit 144 Rebstöcken in der alten Rheingauer Pfahlerziehung angebaut. Die mittlere Terrasse demonstriert das Niederspalier mit Flachbogenerziehung, das bis in die 1950er Jahre genutzt wurde. Auf der untersten Terrasse ist die heutige Anbaumethode, die Drahtrahmenerziehung mit modernem Spalier genutzt. Jährlich im Oktober findet die Lese statt. Der Wein wird in der Forschungsanstalt Geisenheim gekeltert.

Baugruppe H - Lahn-Dill-Ohm[Bearbeiten]

Neben der Baugruppe Marktplatz war die Baugruppe Lahn-Dill-Ohm die erste, die in den 1970er und 1980er Jahren fertiggestellt wurde und bildet den Einstieg in den Hessenpark nach dem Kassenschalter. Nachgebaut wurde ein Reihendorf mit Übergang zum Haufendorf, eine für Mittelhessen in der Mitte des 18. Jahrhunderts typischen Siedlungsform. Die Häuser stammen aus dem Westerwald, dem Hinterland, dem Dillgebiet und dem Raum um Gießen und Marburg. Kern der Baugruppe ist ein kleiner Platz, der durch die Fachwerkkapelle aus Niederhörlen und das Schul- und Rathaus aus Frickhofen geprägt wird. Eine Besonderheit ist auch ein Gemeindebackhaus mit "Armenwohnung" aus Probbach am Rand der Baugruppe.

Am Rande dieses Platzes befindet sich die Kapelle aus Lollar, die zu Trauungen genutzt werden kann. Hinter der Kirche befindet sich ein Freilufttheater.

Der Reihendorfteil der Baugruppe wird mit der Schulreite aus Münchhausen eröffnet, die für Sonderausstellungen genutzt wird.

Baugruppe G - Osthessen[Bearbeiten]

In der Baugruppe Osthessen sind nur wenige Gebäude wieder aufgebaut. 2010 wurde das Nebenhaus aus Sieblos eröffnet, als nächster Schritt ist der Aufbau eines Hofes aus Mittelkalbach vorgesehen.

Baugruppe F - Nordhessen[Bearbeiten]

Kern der Baugruppe Nordhessen ist ein Ensemble aus der Zehntscheune, einem Gutsgebäude mit Küchentrakt und Stall- und Scheunengebäuden in Form eines Vierseithofes. Die Zehntscheune dient der Gastronomie und bietet für größere Veranstaltungen Räume. Diese Zehntscheune stand ursprünglich in der Domäne Trendelburg und wurde 1568 errichtet. Im gegenüberliegenden Scheunengebäude ist eine Ausstellung über moderne Landwirtschaft und Landwirtschaftsgeschichte untergebracht. Weiterhin sind dort vorläufig, bis die endgültig hierfür vorgesehenen Häuser bestehen, eine Metzgerei, eine Apfelweinkelterei, eine Brennerei und eine Küferwerkstatt untergebracht. Das Gebäude stammt aus Emstal-Sand und wurde in mehreren Schritten 1742, 1896 und im ersten Dritte des 19. Jahrhunderts als Teil eines größeren Hofgutes erbaut. Das Kopfende wird vom Gutshof Engelbach und dem dazugehörenden Küchentrakt gebildet. Dieses Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts anstelle eines älteren Gebäudes als Haupthaus einer größeren Hofanlage mit einem Dutzend Nebengebäuden in Niederaula-Solms errichtet.

Seit 2009 wird eine Stallscheune aus Asterode als Ausstellungshaus genutzt.

In der Nachbarschaft dieses Ensembles fällt bereits von weitem die Windmühle von 1822 aus Borsfleth auf.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Einrichtungen des Freilichtmuseums zählen mehrere Dorfkirchen und zwei Synagogen. Außerdem sind öffentliche Gebäude wie Post und eine Dorfschule vorhanden. Am ohne Eintrittsgeld zugänglichen Marktplatz des Museums befinden sich mehrere Geschäfte (beispielsweise ein Kolonialwarenladen), mehrere gastronomische Betriebe und – in einer nachgebauten Altstadtzeile aus Gießen – ein Hotel. Handwerksbetriebe wie Backhaus, Schmiede und Druckerei können besichtigt werden. Bekannt ist der Hessenpark auch für seine Windmühlen (Galerieholländer (1822) aus Borsfleth und Bockwindmühle (1869) aus Alvesse (Edemissen)-Papenhorst) sowie die Wassermühle mit Hammerwerk. An vielen Wochenenden sind auch klassische Handwerke (wie Besenbinden, Nagelschmieden, Bürstenbinder, Drechseln, Seilerei, Pfeifenschnitzen etc.) in Aktion zu erleben.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Pflanzenmarkt im Hessenpark

Im Laufe des Jahres locken eine Vielzahl von traditionellen Veranstaltungen zusätzliche Besucher in der Hessenpark. Anfang Mai findet der Pflanzenmarkt, Anfang Dezember der Weihnachtsmarkt statt. An einer Vielzahl von Gedenk- und Aktionstagen (wie dem Tag des Bieres) finden dem Thema entsprechende Veranstaltungen statt.

Museumspädagogik[Bearbeiten]

Mit Unterstützung der Museumspädagogen können Informationen über die früheren Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen der ländlichen Bevölkerung vertieft werden. Es werden verschiedene Führungen und Projekte für Schulklassen angeboten.

Förderverein[Bearbeiten]

Der Träger des Hessenparks ist das Land Hessen. Zum 1. Juli 1978 wurde der Park als Landesbetrieb in eine eigene Gesellschaft ausgelagert[3]. Um die Arbeit des Hessenparks zu fördern, besteht der Förderverein des Hessenparks der „Förderkreis Freilichtmuseum Hessenpark e.V.“ 1974 bis 2004 wurden mehr als 2,1 Millionen Euro an Beiträgen und Spenden für die Weiterentwicklung des Hessenparks eingenommen.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Der Hessenpark ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Die Bad Homburger Stadtbuslinie 5 verbindet ihn an Wochenenden stündlich mit den dortigen Stationen der S-Bahn und U-Bahn. Zu den Bahnhöfen Wehrheim und Neu-Anspach der Taunusbahn besteht außerdem eine tägliche Busverbindung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hessenpark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen Ernst: Der Standort des Hessenparks in den letzten 700 Jahren. In: Hessenpark (Mitteilungsblatt des Förderverein) Ausgabe 2/84, S. 7–9.
  2. Freilichtmuseum Hessenpark (Hg.) im Auftrag der Hessenpark GmbH, S.9. ISBN 3-930095-18-1.
  3. Hessischer Staatsanzeiger Nr. 30, Seite 1413

50.2758.5311111111111Koordinaten: 50° 16′ 30″ N, 8° 31′ 52″ O