Humanwirtschaftspartei

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Humanwirtschaftspartei e. V.
Humanwirtschaftspartei.gif
Partei­vorsitzender Wilfried Harder
Stell­vertretender Vorsitzender Hartwig Meyer
Bundes­schatz­meister Ellen Böhme
Gründung 9. September 1950
(Frei-Soziale Union)
Gründungs­ort Bielefeld
(Frei-Soziale Union)
Haupt­sitz Birkenweg 17
25474 Ellerbek
Aus­richtung Freiwirtschaft
Farbe(n) blau
Mitglieder­zahl 362
(Stand: 6. August 2009)
Mindest­alter 16 Jahre
Website www.humanwirtschaftspartei.de

Die Humanwirtschaftspartei e. V. (Kurzbezeichnung: HUMANWIRTSCHAFT) ist eine deutsche Kleinpartei. Zentrales Thema der Humanwirtschaftspartei, die aus der Freisozialen Union hervorging, ist die Umwandlung der gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung in eine Marktwirtschaft, „welche den Menschen dient und nicht dem Kapital“. Hierzu strebt die Humanwirtschaftspartei eine Reform des gegenwärtigen Geld- und Bodenrechts an. Als Lösungsansatz wird dabei auf ein Wirtschaftssystem gesetzt, wie es von Silvio Gesell durch die Freigeld- und Freilandlehre entwickelt wurde. Die Ideen von Silvio Gesell, der um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebte, will die Partei an die heutige Zeit anpassen. Die von Gesell entwickelte Freiwirtschaftslehre stelle einen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus dar.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

Die Humanwirtschaftspartei will eine Wirtschaftsordnung schaffen, die persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit gleichermaßen verwirklicht.[1]

Die Humanwirtschaftspartei geht davon aus, dass Armut, Hunger, Gewalt, Terrorismus und die Beseitigung von demokratischen Grundrechten im Wesentlichen auf das bestehende Geld- und Bodenwesen zurückzuführen sind.[2]

Aus diesem Grund strebt die Humanwirtschaftspartei Veränderungen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an.

  • Sie will ein unabhängiges Währungsamt schaffen, dessen einzige Aufgabe es ist, die Währung stabil zu halten.[3] Das Währungsamt tätigt keine Bankgeschäfte, somit entfällt die Refinanzierungsmöglichkeit der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Geld kommt nicht mehr als verzinster Kredit, sondern zinsfrei durch Staatsausgaben in Umlauf.[4][5]
  • Die Währung soll mittels einer Gebühr auf Bargeld umlaufgesichert werden.[6] Damit würde die Liquiditätsprämie neutralisiert[7] und verhindert werden, dass die Volkswirtschaft in eine Liquiditäts- oder Investitionsfalle gerate.[8] Geld soll nur noch als Tauschmittel benutzt werden. Gespart werden soll in Geldanlagen, bei denen sichergestellt sei, dass die Ersparnisse unverzüglich in die Kapitalbildung und die Geldzeichen zurück in den Umlauf gelangen.[5] Dadurch gäbe es keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit mehr, weil jedes Angebot seine Nachfrage finde.[9] Schließlich erhalte jeder Arbeitende seinen vollen, nicht durch Zinslasten geschmälerten Arbeitsertrag.[10]
  • Die Humanwirtschaft geht davon aus, dass die Nutzung von Grund und Boden einschließlich der Bodenschätze eine Vorbedingung des Lebens ist. Die Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten seien heute aber nicht für alle Menschen gleich, da eine Minderheit das Eigentumsrecht am Boden habe. Dies ermögliche dieser Minderheit, von den Menschen ohne Land ein Entgelt zu fordern, die Bodenrente. Sie entstehe dadurch, dass der Boden unvermehrbar ist.[11] Aus diesem Grund soll das römische Besitzrecht an unvermehrbaren Naturressourcen (Boden, Bodenschätze, Luft, Wasser, Sonnenlicht) in ein allgemeines Nutzungsrecht umgewandelt werden. Dadurch könne die Bodenrente abgeschöpft und der Allgemeinheit zurückvergütet werden. Die abgeschöpfte Bodenrente soll an die Eltern als Erziehungsgehalt nach Zahl ihrer minderjährigen Kinder ausbezahlt werden.[12][5]

Die Humanwirtschaftspartei lässt sich nur schwer in das herkömmliche Parteienspektrum einordnen. Sie bezeichnet sich selbst als liberalsozial. Die Freiwirtschaft ist eine akratische Idee.

Das Buch Die Lösung der sozialen Frage[13] wird von der Partei als das gegenwärtige Standardwerk propagiert. Es handelt sich um eine überarbeitete Fassung des Buches "Überwindung des Totalitarismus" von Otto Valentin aus dem Jahre 1952 und erschien im Jahr 2008. Dieses Buch stellt laut Partei eine der prägnantesten Einführungen in die Freiwirtschaftslehre dar.

Überschneidungen mit anderen Parteien[Bearbeiten]

Das Hauptthema der Humanwirtschaftspartei wurde durch die Freie Internationale Universität (FIU) um den Künstler Joseph Beuys und einigen Freiwirtschaftlern auch in die Partei Die Grünen eingebracht.[14]

Nachdem dieser Ansatz 1989/90 zunächst fast gänzlich aus dem Parteiprogramm der Grünen verschwunden war, wurde er später von den Liberalsozialen (Lisos) bei Bündnis 90/Die Grünen, insbesondere im "Hildesheimer Kreis" weiter vertreten. Die damals gegründete Bürgerinitiative Alternative Dritter Weg - A3W (Mitbegründer ist Georg Otto, einer der Gründer der Partei Die Grünen) ist Herausgeber der Zeitschrift "Alternativen".[15]

Organisation[Bearbeiten]

Daten der Landesverbände[Bearbeiten]

Landesverband[16] 1. Vorsitzender 2. Vorsitzender Ergebnis der letzten Wahl des Landesparlaments[17]
Berlin-Brandenburg Berlin-Brandenburg Hartwig Meyer Eberhard Mauderer n. a. (Berlin; 2011)
n. a. (Brandenburg; 2009)
Hamburg Hamburg Helmut Bein Joachim Kretschmer n. a. (2011)
Hessen Hessen Winrich Prenk Marius Szalma n. a. (2009)
Niedersachsen Niedersachsen Friedebald Müller Elke Braeske n. a. (2008)
Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen Hans Kadereit Dieter Müller n. a. (2010)
Sachsen Sachsen Daniel Dominik Dietze[18] Ulrich Göhler 0,1 % (2009)
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Jürgen Mielke Dr. Frank Schepke n. a. (2009)
Legende
  • n. a. – nicht angetreten

Geschichte[Bearbeiten]

Mitgliedsbuch der Frei-Sozialen Union (ab 1950)
FSU-Bundesparteitag 1951 in Braunschweig

Die Partei wurde 1950 als Frei-Soziale Union (FSU) gegründet. In ihr schlossen sich die Radikal-Soziale Freiheitspartei (RSF) der Britischen Besatzungszone, die Soziale Freiheitspartei (SFP) der Amerikanischen Besatzungszone und die Freie Soziale Partei (FSP) der Französischen Besatzungszone zusammen. Ab etwa 1958 schrieb sie sich Freisoziale Union und 1968 wurde für den Parteinamen die Zusatzbezeichnung Demokratische Mitte beschlossen.[19]

Die Partei trat erstmals 1963 bei einer Landtagswahl in Niedersachsen an und ab 1965 auch bei der Bundestagswahl in einigen Ländern. Sie beschränkte sich im Wesentlichen auf das Verteilen von Flugblättern. Die Kandidaten traten in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung.

Die FSU nannte sich am 28. April 2001 in Humanwirtschaftspartei um, da sich die Mitglieder von einigen rechtsextremen Funktionären der FSU distanzieren wollten. Am 30. Oktober 2005 wurde die Kurzbezeichnung Humanwirtschaft beschlossen.[20] Bis 2006 brachte die Partei eine eigene Zeitschrift „HUMANWIRTSCHAFT – Zeitschrift für eine menschliche Marktwirtschaft” heraus. Die Zeitschrift wurde aus Kostengründen im Januar 2007 ausgegliedert und wird nun vom "Förderverein für Natürliche Wirtschaftsordnung" mit Sitz in Essen herausgegeben.[21]

Bei den Abgeordnetenwahlen von Berlin am 17. September 2006 erhielt die Partei 0,1 bis 0,2 % der Zweitstimmen.[22]

Der Humanwirtschaftspartei ist es nicht gelungen, die zur Teilnahme an der Europawahl 2009 erforderlichen 4000 Unterstützungsunterschriften zu sammeln.

Der sächsische Landesverband beteiligte sich an der Wahl zum 5. Sächsischen Landtag 2009 mit einer Landesliste und einem Direktkandidaten im Wahlkreis Riesa-Großenhain 2. Hierbei erhielt die Partei 0,1 % der Wählerstimmen.[23]

Nach Ansicht des Bundeswahlausschusses fehlen die Voraussetzungen für die Anerkennung der Parteieigenschaft nach § 2 Abs. 1 PartG. Im September 2010 ließ sich die Partei ins Vereinsregister eintragen. Seitdem trägt sie den Zusatz „e. V.“ im Namen.

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

1965, 1969 und 1972 trat die FSU bei den jeweiligen Bundestagswahlen an, erreichte jedoch nur jeweils 0,0 % der Stimmen. 1987, 1994 und 1998 strebte die FSU nur mehr Direktmandate an, die allerdings nicht errungen werden konnten.[24]

Bei der Bundestagswahl 2005 hatte die Humanwirtschaftspartei einen Direktkandidaten im Bundestagswahlkreis Freiberg - Mittlerer Erzgebirgskreis (Sachsen), der 0,4 % der Stimmen erhielt.[25]

Der Bundeswahlausschuss zur Bundestagswahl 2009 ließ die Humanwirtschaftspartei nicht zur Wahl zu, weil keine Vertreter der Partei zur Sitzung erschienen. Sie konnte daher nicht zur Bundestagswahl 2009 antreten.[26]

Jahr Name Ergebnis
1949 RSF/FSP/SFP 0,913
1965 FSU 0,033
1969 FSU 0,050
1972 FSU 0,008

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Jahr Land Name Ergebnis Sitze
1946 Hamburg RSF 0,714
1947 Bremen RSF 1,101
1949 Hamburg RSF 1,965 1
1950 Nordrhein-Westfalen RSF 1,982
1950 Berlin FSU 0,284
1951 Bremen FSU 1,278
1953 Hamburg FSU 0,591
1954 Berlin FSU 0,154
1963 Niedersachsen FSU 0,007
1966 Hamburg FSU 0,322
1966 Nordrhein-Westfalen FSU 0,112
1967 Schleswig-Holstein FSU 0,009
1967 Niedersachsen FSU 0,030
1968 Baden-Württemberg FSU 0,011
1970 Hamburg FSU 0,115
1974 Hamburg FSU 0,078
1978 Hamburg FSU 0,039
1982 Hamburg FSU 0,032
1983 Schleswig-Holstein FSU 0,000
1986 Hamburg FSU 0,038
1987 Schleswig-Holstein FSU 0,002
1988 Schleswig-Holstein FSU 0,011
1991 Hamburg FSU 0,024
2001 Hamburg FSU 0,014
2006 Berlin HUMANWIRTSCHAFT 0,101
2009 Sachsen HUMANWIRTSCHAFT 0,124

Bundesvorsitzende[Bearbeiten]

Bundesvorsitzende der FSU[Bearbeiten]

Parteivorsitzende der FSU waren zwischen 1950 und 2001:[27]

Zeitraum Name Besonderheiten
1950–1952 Richard Batz
1952–1954 Wilhelm Radecke
1954–1956 Albert Bartels
1956–1957 Peter Thielen † 4. September 1957
1957–1961 Dr. Ernst Schröder 1957–1958 nur kommissarisch
1961–1986 Dr. Kurt Keßler
1986–1996 Hans-Bernhard Zill
1996–1998 Karl-Heinz Wandel † 23. April 1998
1998 Wilfried Harder nur kommissarisch
1998–1999 Horst Mikonauschke
1999–2000 Hermann Benjes
2000–2001 Wolfram Triebler

Bundesvorsitzende der Humanwirtschaft[Bearbeiten]

Parteivorsitzende der Humanwirtschaft waren seit 2001:[28]

Zeitraum Name
2001–2002 Wolfram Triebler
2002–2003 Knut Beba
2003–2006 Wolfram Triebler
2006–2008 Tomas Klünner
2008–2009 Friedebald Müller
2009-2011 Endre Zakocs
2011-2012 Oliver Wolf
seit 2012 Wilfrid Harder

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: Einleitung
  2. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: Ausgangspunkt
  3. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.2 Die Maßnahmen
  4. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.2.1 Geldmengensteuerung
  5. a b c Humanwirtschaft so funktioniert's
  6. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.2.2 Die Umlaufsicherung des Geldes
  7. vgl. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.3.3 Sinkende Zinsen
  8. vgl. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.1 Der Handlungsbedarf
  9. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 1.3.6 Vollbeschäftigung
  10. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei 1.3.4 Steigende Arbeitseinkommen
  11. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 2.1 Freiland -Handlungsbedarf
  12. Grundsatzprogramm der Humanwirtschaftspartei: 2.2 Freiland -Maßnahmen
  13. Otto Valentin: Die Lösung der sozialen Frage oder Überwindung des Totalitarismus (PDF; 498 kB)
  14. Werner, Hans-Joachim (1990): Geschichte der Freiwirtschaftsbewegung - 100 Jahre Kampf für eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, Waxmann Münster/New York, S. 100
  15. Alternativen: Zeitschrift für eine ökologische, solidarische, basisdemokratische, gewaltfreie Gesellschaft, http://alternativen.biz
  16. Übersicht der Vorstandsmitglieder, Satzung und Programm der HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI (PDF; 631 kB)
  17. Landtagswahlen und Bundesrat - tagesschau.de
  18. Landesverband Sachsen der HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI - Vorstand
  19. Geschichte der Humanwirtschaftspartei Teil 1 Kapitel A (PDF; 145 kB)
  20. Ausgewählte Daten politischer Vereinigungen Übersicht 4: Humanwirtschaftspartei (PDF; 1,2 MB)
  21. Geschichte der Humanwirtschaftspartei Teil 3 (PDF; 145 kB)
  22. Ergebnisse lt. Webseite des Landeswahlleiters
  23. Landtagswahl 2009 - Wahlberechtigte, Wähler, Direkt- und Listenstimmenverteilung bei der Wahl am 30. August 2009 im Freistaat Sachsen
  24. Ergebnisse der Bundestagswahlen
  25. Bericht des Bundeswahlleiters
  26. Übersicht zur Anerkennung der Parteien im Bundeswahlausschuss Bundestagsinfo vom 17. Juli 2009
  27. Laut Angaben der HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI
  28. Laut Angaben der HUMANWIRTSCHAFTSPARTEI

Weblinks[Bearbeiten]