Freistaat Schaumburg-Lippe

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Dieser Artikel gibt einen Überblick zur Geschichte des Freistaates Schaumburg-Lippe (1919-1945). Erweiterte Bezeichnungen siehe Schaumburg-Lippe (Begriffsklärung)
Freistaat Schaumburg-Lippe
Wappen Flagge
Wappen des Freistaates Landesflagge
Lage im Deutschen Reich
Map-WR-SchaumburgLippe.svg
Entstanden aus Fürstentum Schaumburg-Lippe
Aufgegangen in Niedersachsen
Daten aus dem Jahr 1933
Landeshauptstadt Bückeburg
Regierungsform Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Landespräsidium[1]
Verfassung 21. Dezember 1920[1]
Bestehen 1918–1947
Fläche 340 km²
Einwohner 48.046 (1925)
Bevölkerungsdichte 141 Einwohner pro km²
Religionen 94,2 % evangelisch
4,8 % katholisch
Reichsrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen SL
Verwaltung 2 Kreise
Karte
Fürstentum und Freistaat Schaumburg-Lippe 1807-1945

Der Freistaat Schaumburg-Lippe war bis 1946 ein selbstständiges deutsches Land im Deutschen Reich.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Schaumburg-Lippe entstand 1647 durch die Aufteilung der Grafschaft Schaumburg unter dem Haus Braunschweig-Lüneburg, den Landgrafen von Hessen-Kassel und den Grafen zur Lippe. Die Existenz des kleinen Territoriums Grafschaft Schaumburg-Lippe war von Beginn an schwierig. Einrichtungen wurden zunächst gemeinsam mit dem hessischen Teil, der Grafschaft Schaumburg, genutzt. Die territoriale Unabhängigkeit war durch die hessischen Landgrafen immer gefährdet. Auch deshalb entwickelte Graf Wilhelm (reg. 1748–1777) eine spezifische Form der Landesverteidigung, bewirkte aber auch eine Überschuldung des Kleinstaates.

Unter Graf Georg Wilhelm (1784–1860) wurde Schaumburg-Lippe Teil des napoleonisch dominierten Rheinbundes (1807). 1815 wurde es zum Fürstentum erhöht und trat dem Deutschen Bund bei und wurde nach 1871 ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg verzichtete Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe am 15. November 1918 als einer der letzten deutschen Monarchen auf seinen Thron.

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schaumburg-Lippe ein Freistaat innerhalb der Weimarer Republik.
In Schaumburg-Lippe war die SPD immer die stärkste Fraktion im Landtag, und bis zum März 1933 bildete sie sogar eine regierungsfähige Koalitionsregierung mit der Deutschen Staatspartei. Den von der Landesregierung favorisierten Anschluss des Landes an Preußen lehnte die Bevölkerung in einer Volksabstimmung 1926 mit knapper Mehrheit ab. Ein erneuter Vorstoß zum Anschluss scheiterte 1930 im Landtag an der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit.

Die Wahlergebnisse sind im Artikel Landtag des Freistaates Schaumburg-Lippe beschrieben.

Verwaltungsmäßig bestand das Land Schaumburg-Lippe aus den Landkreisen Bückeburg und Stadthagen, denen 1934 die kreisfreien Städte Bückeburg und Stadthagen eingegliedert wurden.

Seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946, „betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“, erhielt das Land Hannover seine rechtlichen Grundlagen.

Am 23. November 1946 genehmigte die britische Militärregierung die Vereinigung der Länder Braunschweig (mit Ausnahme des östlichen Teils des Landkreises Blankenburg sowie der Exklave Calvörde des Landkreises Helmstedt, die an die sowjetische Besatzungszone fielen und in das Land Sachsen-Anhalt integriert wurden), Hannover (mit Ausnahme des Amtes Neuhaus, das an die sowjetische Besatzungszone fiel und erst 1993 Niedersachsen wieder angegliedert wurde, sowie ebenfalls mit Ausnahme von Frille, das NRW angeschlossen wurde), Oldenburg und Schaumburg-Lippe zum neuen Land Niedersachsen. 1946 wurden die beiden Landkreise zum Landkreis Schaumburg-Lippe mit der Kreisstadt Stadthagen vereinigt. Ein Volksentscheid vom 19. Januar 1975 zur Wiederherstellung des ehemaligen Landes (nach Art. 29 GG) wurde trotz positiven Ausgangs vom Bundesgesetzgeber zurückgewiesen.[2]

Bei der Neuorganisation der Kreise in Niedersachsen wurde der Landkreis am 1. August 1977 mit dem Landkreis Grafschaft Schaumburg (Kreisstadt Rinteln) – der seit 1647 zu Hessen-Kassel, ab 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und erst ab 1932 zur Provinz Hannover gehört hatte – zum neuen Landkreis Schaumburg (Kreisstadt Stadthagen) vereinigt. Die Stadt Hessisch Oldendorf kam zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Damit sind heute viele der Gebiete, die bis etwa 1647 schaumburgisch waren, wieder unter einheitlicher Verwaltung (aber nicht mehr Steinhude, Großenheidorn sowie die schon nach 1640 an das Fürstentum Calenberg gegangenen schaumburgischen Ämter Lauenau und Bokeloh, auch nicht mehr Hessisch Oldendorf).

Staatsorganisation[Bearbeiten]

Nach der Verfassung des Freistaats Schaumburg-Lippe von 1922 lag die gesetzgebende Gewalt im Wesentlichen beim Landtag, der aus 15 Abgeordneten bestand, die auf drei Jahre durch Verhältniswahl gewählt wurden. Für die ausführende Gewalt war die vom Landtag gewählte Landesregierung zuständig, die ein Kollegium aus fünf Mitgliedern war, davon zwei hauptamtlich und drei nebenamtlich. Der hauptamtliche Vorsitzende der Landesregierung führte den Titel Staatsrat. Die innere Verwaltung gliederte sich in die Landkreise Bückeburg und Stadthagen und die Städte Bückeburg und Stadthagen. 1933 bestanden im Kreis Bückeburg 34 Gemeinden und 3 gemeindefreie Gutsbezirke, im Kreis Stadthagen bestanden neben den Flecken Hagenburg und Steinhude am Meer 32 Gemeinden und 5 gemeindefreie Gutsbezirke. Die Rechtsprechung im Freistaat Schaumburg-Lippe oblag zwei Amtsgerichten (Stadthagen und Bückeburg), einem Landgericht (Bückeburg) sowie dem preußischen Oberlandesgericht in Celle, das kraft Staatsvertrag auch für Schaumburg-Lippe zuständig war.

Regierungschefs[Bearbeiten]

  • 1919–1922: Otto Bömers (parteilos) (Staatsrat und Vorsitzender der Landesregierung)
  • 1922–1925: Konrad Wippermann (parteilos) (Staatsrat und Vorsitzender der Landesregierung)
  • 1925–1927: Erich Steinbrecher (SPD) (Staatsrat und Vorsitzender der Landesregierung)
  • 1927–1933: Heinrich Lorenz (Schaumburg-Lippe) (SPD) (Staatsrat und Vorsitzender der Landesregierung)
  • 1933: Hans-Joachim Riecke (NSDAP) (Reichskommissar)
  • 1933–1945: Karl Dreier (NSDAP) (Landespräsident)
  • 1933–1945: Alfred Meyer (NSDAP) (Reichstatthalter für Lippe und Schaumburg-Lippe)
  • 1945: Heinrich Bövers (vormals DDP) (Staatsrat und Vorsitzender der Landesregierung)
  • 1945–1946: Heinrich Drake (Landespräsident von Schaumburg-Lippe und des Landes Lippe, eingesetzt durch die britische Militärregierung)

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der 340,2 km² große Freistaat zählte 1934 50.669 Einwohner, 1939: 54.162 Einwohner.

Religion[Bearbeiten]

Die Angehörigen des Fürstenhauses und die überwältigende Mehrzahl der Einwohner waren Protestanten (98,2 Prozent), die Angehörigen des Hauses Schaumburg-Lippe gehören der reformierten Kirche an; die meisten Protestanten im Lande waren Lutheraner. Katholiken (1,3 Prozent) und Juden (0,4 Prozent) bildeten Minderheiten. Im Gegensatz zu anderen Fürstentümern dieser Zeit (cuius regio, eius religio) gab es in Schaumburg-Lippe Religionsfreiheit.

Noch heute hat die Landeskirche ihren eigenen Bischof und ist eine der wohlhabendsten Landeskirchen in Niedersachsen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hubert Höing (Hrsg.): Vom Ständestaat zur freiheitlich-demokratischen Republik. Etappen in Schaumburg. Knoth, Melle 1995, ISBN 3-88368-277-2 (Schaumburger Studien 55)
  • Frank Werner (Hrsg.): Schaumburger Nationalsozialisten. Täter, Komplizen, Profiteure. 2. Auflage, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2010

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Verfassung des Landes Lippe vom 21. Dezember 1920
  2. Papier, Hans-Jürgen: Grußwort aus Anlass des Festakts zum 50-jährigen Bestehen des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs am 15. Juli 2005 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schaumburg-Lippe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Schaumburg – Quellen und Volltexte
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