Freshfields Bruckhaus Deringer

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Freshfields Bruckhaus Deringer
Freshfields Logo.jpg
Rechtsform LLP
Gründung 1743 (London), 1840 (Hamburg), 1962 (Bonn)
Sitz London, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Mitarbeiter ca. 4.700 (weltweit)
Umsatz 1,221 Mrd. Pfund Sterling (weltweit)
Branche Rechtsberatung
Website www.freshfields.de
Stand: 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP (kurz Freshfields) ist eine international tätige Wirtschaftskanzlei mit Sitz in London. Die Kanzlei berät und vertritt nationale und internationale Unternehmen, Finanzinstitutionen und Regierungen.

Größe und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Kanzlei hat über 3500 Rechtsanwälte an 28 Standorten in 15 Ländern Europas, Asiens, Nordamerikas und des Nahen Ostens und zählt am Unternehmenssitz zu den Magic Circle-Kanzleien.[1]

In Deutschland bestehen sechs Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München, die im Jahr 2012 einen Umsatz von 334 Mio. erwirtschafteten.[2]

In Österreich gibt es ein Büro in Wien.

Arbeitsgebiete[Bearbeiten]

Das Unternehmen deckt die üblichen Rechtsgebiete einer Wirtschaftskanzlei ab. Zusätzlich bildet die Sozietät sektor- oder branchenbezogene Teams für Automobilbau, Gesundheitswesen und Großkapitalanleger.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

In ihrer heutigen Form als internationale Großkanzlei besteht Freshfields Bruckhaus Deringer seit dem Jahr 2000, als die Londoner Kanzlei Freshfields sich zunächst mit der deutschen Kanzlei Deringer Tessin Herrmann & Sedemund und wenige Monate später auch mit der deutsch-österreichischen Kanzlei Bruckhaus Westrick Heller Löber - 1998 als erste grenzüberschreitende Fusion einer deutschen Anwaltskanzlei entstanden - vereinigte. Der Zusammenschluss wurde Mitte 2000 bekannt gegeben[4] und gilt in Branchenkreisen als einziger echter Erfolg unter den zu dieser Zeit zahlreich neu entstandenen internationalen Großkanzleien in Deutschland.[5]

Die Firmengeschichte von Freshfields reicht zurück bis ins Jahr 1743, als die Kanzlei in London gegründet wurde und Samuel Dodd als Rechtsanwalt für die Bank of England bestellt wurde, die bis heute ein Mandant der Kanzlei ist. Die Kanzlei Bruckhaus Westrick Heller Löber hat ihre frühesten Ursprünge in Hamburg (Büro seit 1840), Düsseldorf (seit 1919) und Berlin/Frankfurt (seit 1936/48). Die Sozietät Deringer Tessin Herrmann & Sedemund wurde 1962 von dem Kartellrechtler und CDU-Europapolitiker Arved Deringer (1913–2011) in Bonn gegründet.[6] Weitere Namensgeber waren die Rechtsanwälte Claus Tessin, Herrmann und Jochim Sedemund.

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Die Kanzlei verfügt über einen Namensschriftzug in Form einer Wort-Bild-Marke, bestehend aus dem Firmennamen und links davor einem stilisierten Engel in einem Kreis. Der dargestellte Erzengel Michael zierte seit Mitte des 18. Jahrhunderts das Wappen der Familie Freshfield und wurde zum Firmenlogo, nachdem James William Freshfield (1775–1864) als erster der Familie zum Partner in der 1743 gegründeten Kanzlei wurde.[7]

Tätigkeit für die deutsche Bundesregierung[Bearbeiten]

Die Kanzlei beriet die deutsche Bundesregierung und Bundesministerien in der Vergangenheit mehrfach bei Verordnungen und Gesetzesvorhaben. So wurden die Gesetzentwürfe und die Verordnung zum Finanzmarktstabilisierungsgesetz vollständig von Freshfields-Anwälten ausgearbeitet. Bei den Bedingungen für den Schuldenschnitt Griechenlands waren Anwälte als Berater für das Bundesfinanzministerium tätig. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung SoFFin wurde in hohem Maße von Anwälten Freshfields beeinflusst. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die dem Finanzministerium unterstellt ist, wird bei den Hilfen für Griechenland von Freshfields juristisch vertreten.[8]

Bis zum Februar 2013 war bereits bekannt, dass die Kanzlei 1,8 Millionen Euro Beraterhonorar unter dem damaligen Minister Peer Steinbrück erhalten hat. Am 22. Februar 2013 teilte die Bild-Zeitung mit, dass die gezahlte Summe wesentlich höher sei. Der Springer-Verlag hatte das Bundesfinanzministerium beim Verwaltungsgericht Berlin erfolgreich darauf verklagt, die volle Honorar-Summe für die Kanzlei bekannt zu geben. Danach habe die Kanzlei 2008/2009 mehr Geld erhalten, wird unter Berufung auf eine Sprecherin der Finanzmarkt-Stabilisierungsanstalt (FMSA) mitgeteilt. Die FMSA, zum Geschäftsbereich dieses Ministeriums gehörend, habe als Auftraggeber zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 rund 5,5 Millionen Euro für Beratungen gezahlt.

4,5 Millionen Euro davon zahlten der Sprecherin zufolge Empfänger von SoFFin-Maßnahmen, darunter einige deutsche Großbanken, z. B. die Commerzbank und die HSH Nordbank. „Der von der FMSA gezahlte Teil in Höhe von rund einer Million Euro wurde aus Mitteln beglichen, die die FMSA durch Kostenpauschalen von allen SoFFin-Maßnahmen-Empfängern erhoben hat“, so die FMSA. Volker Wissing (FDP) sagte dazu: „Angesichts solcher Summen wird es immer unglaubwürdiger, dass Herr Steinbrück mit den Beratungshonoraren nicht befasst war, wie er im Dezember [sc. 2012] erklären ließ.“ Steinbrück hatte im September 2011 für einen Vortrag bei der Kanzlei 15 000 Euro Honorar erhalten, was Ende 2012 für öffentliche Diskussionen sorgte.[9]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. TheLawyer.com (englisch)
  2. [1]
  3. [2]
  4. Handelsblatt vom 21. Juni 2000, 16 und Kommentar von Mävers, ebenda, 63
  5. Handelsblatt vom 12. August 2002, 14
  6. Pöllath, Reinhard/Saenger, Ingo (Hrsg.) (2009): 200 Jahre Wirtschaftsanwälte in Deutschland, Nomos Verlagsgesellschaft, 71
  7. Slinn, Judy (1984): A History of Freshfields, London
  8. [3]
  9. Bericht der Zs. Focus 22. Febr. 2013

51.5141-0.1077Koordinaten: 51° 30′ 50,8″ N, 0° 6′ 27,7″ W