Frickingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Frickingen im Bodenseekreis. Zum gleichnamigen Ortsteil von Dischingen im Landkreis Heidenheim siehe Frickingen (Dischingen).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Frickingen
Frickingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Frickingen hervorgehoben
47.81259.2708333333333473Koordinaten: 47° 49′ N, 9° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 473 m ü. NHN
Fläche: 26,46 km²
Einwohner: 2914 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88699
Vorwahl: 07554
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 015
Gemeindegliederung: Kerngemeinde und 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 7
88699 Frickingen
Webpräsenz: www.frickingen.de
Bürgermeister: Joachim Böttinger
Lage der Gemeinde Frickingen im Bodenseekreis
Bodensee Österreich Schweiz Bayern Bermatingen Daisendorf Deggenhausertal Eriskirch Frickingen Friedrichshafen Hagnau am Bodensee Heiligenberg (Bodenseekreis) Immenstaad am Bodensee Kressbronn am Bodensee Langenargen Markdorf Meckenbeuren Meersburg Neukirch (Bodenseekreis) Oberteuringen Owingen Salem (Baden) Sipplingen Stetten (Bodenseekreis) Tettnang Überlingen Überlingen Uhldingen-Mühlhofen Landkreis Konstanz Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis SigmaringenKarte
Über dieses Bild

Frickingen ist eine Gemeinde im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Oberen Salemer Tal im Linzgau inmitten des Landschaftsparks Bodensee-Linzgau, etwa vier Kilometer nördlich von Salem und rund 10 Kilometer nördlich von Überlingen.

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde deuten auf eine Besiedelung des heutigen Gemeindegebiets bereits in der Steinzeit und später durch die Kelten hin. Die Ursprünge der heutigen Siedlungen liegen offenbar in alemannischer Zeit.

Der Ort Frickingen wurde 1094 in einer Schrift des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert stand hier eine Burg, die 1235 zusammen mit weiteren Besitztümern vom Bischof von Konstanz erworben wurde. Ab etwa 1300 lagen die Vogteirechte bei den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, von 1534 an bis zur Mediatisierung 1806 gehörte das Gebiet zum Besitz des Hauses Fürstenberg. Danach gehörte Frickingen zu Baden, das Frickingen dem badischem Bezirksamt Heiligenberg, später Überlingen zuordnete. Ab 1939 gehörte Frickingen zum Landkreis Überlingen im Landeskommissärbezirk Konstanz. Ab 1952 wurde der Landkreis Überlingen dem Regierungsbezirk Südbaden in Baden-Württemberg eingegliedert. Nach der Kreisreform am 1. Januar 1973 ging Frickingen zusammen mit den Gemeinden Altheim und Leustetten als neue Gemeinde Frickingen im neu gegründeten Bodenseekreis in Baden-Württemberg auf. Die Alt-Gemeinde Frickingen bestand aus den Dörfern Frickingen und Bruckfelden, den Zinken Golpenweiler, Birkenweiler und Rickenwiesen, den Höfen Ahäusle und Elisabethenhof (Felderhof) und den Häusern Am Sandbühl/Burgstall (Birkenweiler), Gaiswinkel und Pfaffenweiher.

Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1973 durch Vereinigung der Gemeinden Altheim, Frickingen und Leustetten neu gebildet.

Ortsteile[Bearbeiten]

Neben Frickingen gehören die Teilorte Altheim, Bruckfelden und Leustetten zum Gemeindegebiet.

Altheim[Bearbeiten]

Zu Altheim gehören die Weiler Gailhöfe und Rickertsweiler und die Höfe Bärweiler, Berghof, Heimatsweiler, Pförendorf, Riedhof und Steigen. Altheim wurde erstmals 1142 in der Chronik des Klosters Petershausen erwähnt. Größter Grundbesitzer war das Damenstift Lindau. Die niedere Gerichtsbarkeit lag seit dem 13. Jahrhundert beim Bischof von Konstanz. 1507 ging die Herrschaft über den Ort auf die Reichsstadt Überlingen über, die Altheim knapp 300 Jahre verwaltete. Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses kam der Ort 1806 zu Baden und bei Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 dorthin.

Leustetten[Bearbeiten]

Zu Leustetten gehört der Weiler Steinenberg, der Zinken Lampach und das Gehöft Finkenhausen. Leustetten wurde erstmals 1134 in der Gründungsurkunde des Klosters Salem genannt. Wie Frickingen gehörte es zur Grafschaft Werdenberg-Heiligenberg und später zur Grafschaft Fürstenberg. 1806 wurde Leustetten in das Land Baden eingegliedert und nach Frickingen eingemeindet, war aber ab 1832 wieder eine eigenständige Gemeinde.

Religionen[Bearbeiten]

Frickingen ist überwiegend römisch-katholisch geprägt. In Frickingen gab es bereits vor 1235 eine Pfarrgemeinde. Im Ortsteil Altheim ist eine Pfarrei seit 1275 nachgewiesen. Leustetten gehörte ursprünglich zur Pfarrei in Frickingen, seit 1291 gehört es jedoch zur Pfarrgemeinde Weildorf. Zur Pfarrgemeinde Frickingen gehört auch der Salemer Ortsteil Rickenbach.

Politik[Bearbeiten]

Frickingen hat sich mit den Gemeinden Salem und Heiligenberg zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgende Sitzverteilung:

  • FWV – 73,3 % (+ 9,4) – 9 Sitze (+ 1)
  • CDU – 26,7 % (- 9,4) – 3 Sitze (-1)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der aus Frickingen stammende Joachim Böttinger[2] wurde am 8. April 1990 im zweiten Wahlgang mit 58,8 Prozent zum Bürgermeister gewählt und in den Jahren 1998 und 2006 in seinem Amt bestätigt.[3][4] Die Stelle war 1990 vakant, da sein Vorgänger Hans-Georg Bosem Stadtoberhaupt von Riedlingen wurde.[5]

  • bis 1990: Hans-Georg Bosem (CDU)
  • seit 1990: Joachim Böttinger

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein blau bewehrter und blau bezungter roter Adler, belegt mit einem zweimal von Gold und rot schräg geteiltem Brustschild.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Frickingen unterhält eine Partnerschaft mit der Schweizer Gemeinde Frick im Kanton Aargau. Außerdem werden freundschaftliche Beziehungen zu Dürrröhrsdorf-Dittersbach in Sachsen gepflegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde Frickingen hat sich bis heute eine landwirtschaftliche Prägung erhalten. Vor allem der Obstbau spielt eine wichtige Rolle. Es gibt 63 Kleinbrenner (Stand: Dezember 2011).[6] Darüber hinaus gewinnt der Tourismus als Wirtschaftsfaktor zunehmend an Bedeutung. Schließlich pendeln auch viele Bewohner in die umliegenden größeren Städte oder arbeiten im hauptsächlich mittelständischen Gewerbe. Ein wichtiger Arbeitgeber mit Sitz in Frickingen ist die Firma Hermann Schwelling Maschinenbau (HSM GmbH + Co. KG). Sie stellt Ballenpressen (Großpressen), Aktenvernichter und Schriftgutvernichtungsanlagen her und ist teilweise Marktführer dieser Produkte in Deutschland.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch Buslinien u.a. mit Überlingen und Salem verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Von 1905 bis 1953 besaß Frickingen einen Anschluss an der Bodenseegürtelbahn, genannt Salemertal-Bahn. Nur der alte Bahnhof in Frickingen und die Bahnhofstraße erinnern daran.

Durch das Gemeindegebiet verläuft die fünfte Etappe des Jubiläumswegs, ein 111 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland des Bodensees von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Bildung[Bearbeiten]

Frickingen verfügt über eine Grundschule, einen katholischen Kindergarten und einen Waldorfkindergarten, im Ortsteil Altheim gibt es ein gemeindliches Kinderhaus mit Kindergarten und Krippe und in Bruckfelden eine Heimsonderschule für Behinderte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Frickinger Obstlehrpfad bietet viel Wissenswertes über den Apfelbau. Er führt über vier Kilometer vom Sportzentrum durch die Obstplantagen zurück ins Dorf.[7]

Museen[Bearbeiten]

Tüftler-Werkstatt-Museum in Frickingen-Altheim
Gerber-Museum Leustetten
  • Das Bodensee-Obstmuseum befindet sich im Hauptort Frickingen hinter dem Rathaus. Es informiert über Geschichte und Bedeutung des Obstbaus und bietet viel Wissenswertes über Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen und andere Obstsorten.[7]
  • Das Tüftlerwerkstatt-Museum im Ortsteil Altheim war von 1896 bis 2002 eine Werkstatt mit Säge-, Fräs- und Bohrmaschinen. Das Museum ist von Frühjahr bis Herbst an Sonntagvormittagen geöffnet. Es zeigt die Technik der Transmissionsriemen und informiert über die Antriebsarten Wasserantrieb, Dampfmaschine, Stromaggregat und Otto-Motoren.[8]
  • Das Gerber-Museum Lohmühle liegt im Ortsteil Leustetten. In der Lohmühle des Museums werden die alten Maschinen mit Wasserrad und Transmissionsriemen angetrieben.[9]

Bauwerke[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Eine regionale Attraktion stellt alljährlich der Herbstmarkt mit seinem umfangreichen Rahmenprogramm dar.
  • In der Osterzeit werden Brunnen in allen Ortsteilen aufwändig mit Osterschmuck verziert.
  • Auch hier wird die schwäbisch-alemannische Fasnet gefeiert. Es gibt den Narrenverein Frickinger Dreckspringer und den Narrenverein Altheimer Drachen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Sebastian Pantel: Vom Lausbub zum Stadtvater. In: Südkurier vom 29. Juli 2010
  3. Eva-Maria Bast: Der Philosoph unter den Kreisräten sammelt Glückwünsche. In: Südkurier vom 4. Dezember 2010
  4. leb: Böttinger tritt wieder an. In: Südkurier vom 19. November 2005
  5. as: Neue Leitung will wieder durchstarten. In: Südkurier vom 17. Januar 2007
  6. Südkurier-Grafik: Orlowski/ Quelle: Hauptzollamt Ulm: Zahl der Kleinbrenner. In: Hanspeter Walter (hpw): Das alte Monopol läuft aus. In: Südkurier vom 17. Dezember 2011
  7. a b Urlaubsideen rund um den Apfel. Lehrpfad, Museen und Feste. In: Bodensee Ferienzeitung. Ausgabe 2/2009. Südkurier GmbH Medienhaus, Konstanz 2009, S. 6.
  8. Damit die Menschen heute noch erfahren, wie es früher einmal war: Siegfried Werres. In: Der Linzgauer. Ausgabe 2013/2014.
  9. Gerber-Museum Lohmühle

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frickingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien